Nichtoffener Wettbewerb | 01/2025
Neugestaltung und Aufwertung Kurpark in Lenzkirch
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Perspektive - erstellt von https://landstrich.eu/
©landstrich – zeichnung & visualisierung/ faktorgruen
ein 3. Preis
Preisgeld: 12.750 EUR
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
„Geschichte bewahren – Neues gestalten“
Der Kurpark Lenzkirch, als Herzstück des heilklimatischen Kurortes, wird behutsam neugestaltet, um seine historische Bedeutung zu bewahren und ihn zugleich als modernen Landschaftspark mit hoher Aufenthaltsqualität erlebbar zu machen. Die Planung verbindet den bestehenden Kurparkteich, eine neue Kurparkpromenade und die neugestalteten Freiflächen zu einem harmonischen Gesamtkonzept. Ziel ist eine ausgewogene Balance zwischen historischem Erbe, ökologischer Aufwertung und zeitgemäßer Nutzung.
Natürliche Strukturen und neue Erlebnismöglichkeiten
Die große Wiese im Südosten bildet gemeinsam mit den revitalisierten Uferzonen des Gewässers das Herzstück der Anlage. Sie fungiert als Bindeglied zwischen der historischen Parkanlage und dem neuen Landschaftspark und ermöglicht vielfältige Nutzungen – von entspanntem Verweilen bis hin zu kulturellen oder sportlichen Aktivitäten. Der Kurparkteich wird in drei charakteristische Teilbereiche gegliedert: ein Feuchtbiotop am Kurhaus, ein zugänglicher Erlebnisbach und der zentrale Kurparkteich mit ökologisch aufgewerteten Uferzonen. Schilf- und Kiesbereiche fördern die Biodiversität und verbessern die Wasserqualität, während Kneippmöglichkeiten das Kurthema unterstreichen.
Verbindung von Alt und Neu
Die historische Natursteinmauer bleibt als sanfte Trennlinie zwischen den Parkbereichen erhalten. Der klassische Kurpark mit seiner symmetrischen Struktur wird respektvoll eingebunden, während eine barrierefreie Wegeverbindung eine nahtlose Verbindung zwischen dem historischen Bereich und dem neuen Landschaftspark schafft. Die bestehende Baumallee bleibt erhalten und unterstreicht die gestalterische Übergangszone. Eine Pergola ergänzt die Raumkante zur Straße und verstärkt den Schutz und die Atmosphäre des Parks.
Neue Brücken über den Erlebnisbach verbessern die Wegeführung und stärken die Verbindung zwischen den Parkbereichen. Das Kurhaus wird durch Sitzstufen am Feuchtbiotop stärker in die Landschaft integriert, während ein neuer Entréeplatz als repräsentativer Eingang und Treffpunkt dient.
Parkstruktur: Offene Mitte, dichte Ränder
Während die Parkmitte offen und weitläufig gestaltet ist, werden die Ränder durch gezielte Gehölzpflanzungen definiert. Diese schaffen geschützte Aufenthaltsräume, bieten Lebensraum für Tiere und strukturieren den Raum. Der neu geschaffene „Haslachbalkon“ an der Testostraße bildet einen attraktiven Auftakt zum Park und stärkt die Verbindung zum naturnahen Gewässer Haslach.
Kurparkpromenade als zentrales RĂĽckgrat
Die neugestaltete Kurparkpromenade greift bestehende Radwegeverbindungen auf und verbindet Lenzkirch mit den umliegenden Orten sowie mit dem Firmengelände von Testo. Sie wird als verkehrsberuhigter Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität ausgebaut und erhält Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und ein Spiel- und Sportband für alle Altersgruppen. Direkt am Kurhaus entsteht eine vielseitig nutzbare Fläche für Außengastronomie und Veranstaltungen, während weiter östlich ein thematischer Spielplatz an den verschwundenen Bahnhof Lenzkirchs erinnert. Die östliche Promenade wird für den motorisierten Verkehr gesperrt, bleibt aber für Rettungsfahrzeuge passierbar.
Nachhaltigkeit und Klimaanpassung
Der Klimawandel spielt eine zentrale Rolle in der Umgestaltung. Der bestehende Baumbestand bleibt erhalten und wird um klimaresiliente Neupflanzungen ergänzt, die für kühlenden Schatten sorgen. Wildblumenwiesen, Gehölzsäume und Schattenstaudenflächen fördern die Biodiversität und schaffen lebendige Parkbilder. Die Materialwahl für Wege und Plätze setzt auf wirtschaftliche, langlebige und umweltfreundliche Lösungen wie Color-Asphalt oder wassergebundene Decken.
MaĂźnahmenkatalog
Die Neugestaltung umfasst:
- Die Umgestaltung der Kurparkpromenade
- Die Schaffung eines Spiel- und Sportbandes sowie eines AuĂźengastronomiebereichs
- Eine barrierefreie Wegeverbindung zwischen historischem und modernem Park
- Die ökologische Aktivierung des Gewässers als Feuchtbiotop, Erlebnisbach und Kurparkteich
- Die Neuverortung des Denkmals zur Schaffung eines identitätsstiftenden Raumes
- Die Stärkung der Parkränder mit intensiverer Bepflanzung sowie Ruhe- und Aktivitätsbereichen
Mit diesen Maßnahmen wird der Kurpark Lenzkirch zu einem einladenden, ökologisch wertvollen und vielseitig nutzbaren Landschaftsraum weiterentwickelt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit fasst die heute getrennt nebeneinander liegenden Parkteile durch einfache Interventionen zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Im alten Parkteil bleibt die historische Struktur erhalten – die Ergänzung des Musikpavillon mit einer Mauer und Pergola entlang der Bundesstraße ist zurückhaltend und wird positiv gesehen. Die Wegeachse zum Kriegerdenkmal wird aufgelassen und das Kriegerdenkmal versetzt. Eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, die gut tut. Dadurch eröffnet sich die Chance, den höher gelegenen Parkteil mit den tiefergelegenen Parkflächen einfach und selbstverständlich zu verbinden. Großzügige Rasenflächen bieten ausreichend Platz für informelles Spiel für Jung und Alt. Dass hierbei die Ränder mit unterschiedlichen Aufenthaltsmöglichkeiten gestärkt werden ist folgerichtig und sorgt für eine hohe Aufenthaltsqualität.
Die topografische Verbindung zu den tiefergelegenen Parkteilen ist noch wenig differenziert, scheint bei näherem Betrachten aber problemlos zu gelingen.
Das Wegesystem wird in angemessener Art und Weise ergänzt, überwindet barrierefrei die Höhenunterschiede und wirkt nicht übererschlossen. Asphaltbeläge mit verschiedenen Oberflächen sind pflegeleicht und für alle Parkbesucher gleichermaßen gut begehbar.
Das Kurhaus wird durch die Ausbildung der Kurhausterrassen auf Erdgeschossebene wieder folgerichtig zum Nukleus des Kurparks. Die architektonisch klare Geste der Anfügung der Kurhausterrasse sowie der Spielterrassen mit verbindenden Sitzstufen stärkt den nördlichen Rand des Kurparks in stringenter Ausbildung. Die Landschaftsstufen mit dem Kinderspiel weisen die gewünschte Vielfalt auf und haben eine hohe Aufenthaltsqualität. Trotz der Ausrichtung nach Süden werden die Flächen durch ausreichend Bäume beschattet. Die Straße am Kurpark wird konsequent miteinbezogen, Parkmöglichkeiten für PKW sind vorgesehen, stellen einen Kompromiss dar, wirken sich aber in ihrer Ausbildung nicht störend aus. Durch den Bähnleradweg wird die richtige Lage des Kinderspiels nochmals unterstrichen, Radler finden hier optimale Pausen- und Rastmöglichkeiten. Dass der Spielplatz Bezug zum historischen Bahnhof nimmt, wird positiv bewertet.
Das Wasserbecken am Kurhaus wird dagegen kritisch gesehen und hinsichtlich der Kurhausentwicklung hinterfragt.
Den großen Teich naturnah auszubilden, als ruhige Wasserfläche, erscheint in Hinblick auf die lebendigen Spielbereiche schlüssig und folgerichtig. Allein die Größe wird kritisch hinterfragt. Hier die Ränder durch zurückhaltende Aufenthaltsmöglichkeiten zu stärken, ist konsequent.
Insgesamt stellt die Arbeit einen wertvollen Beitrag für die zukünftige Entwicklung des Kurparks in Lenzkirch dar – das Zusammenfügen der Parkteile zu einem Ganzen, mit ruhigen Parkmitten, starken Rändern sowie den architektonisch geprägten Kurparkterrassen sind die richtigen Bausteine, um einen attraktiven Park für alle Generationen zu schaffen.
Lageplan
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Vogelperspektive
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Längsschnitt
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Pikto - Freiraumkonzept
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Pikto - Nutzungen
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Pikto - Ă–kologische Aufwertung
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