Nichtoffener Wettbewerb | 05/2025
Neugestaltung Zukunfts-Lust-Park Friedrichstal in Detmold
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Blick über die Feuchtwiese bis zum Krummen Haus
©David Willner Visualisierungen
ein 3. Preis
Preisgeld: 20.000 EUR
ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Der neue Zukunfts.Lust.Park. Friedrichstal im Südwesten von Detmold ist ein wichtiger Trittstein zwischen dem urbanen Stadtgefüge und den weitläufigen Landschaften des Lippischen Landes. In unmittelbarer Nachbarschaft zum LWL-Freilichtmuseum ist der Park ein bedeutender Erholungs-raum für die Stadtbewohner:innen, sowie Besucher:innen und gleichzeitig ein attraktives Aushängeschild für das Freilichtmuseum und ganz Detmold. Das Mausoleum an der Paderborner Straße, das Krumme Haus, die hochwertigen Neubauten und der angrenzende Wald bilden die eindrucksvolle Kulisse des Zukunfts.Lust.Park., deren Erhalt und Förderung bei der Parkgestaltung von höchster Priorität sind. Als Abschluss des sog. Grünen Bandes vom Schloss in der Altstadt erfährt der Ort zusätzlich eine bedeutende ökologische Komponente, um die Stadt auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.
Mit dem Zukunfts.Lust.Park in Friedrichstal entsteht eine neue Parkdimension, die die historischen Schichten des barocken Lustgartens und des späteren Landschaftsgarten in seine Gestaltung integriert und würdigt. Gleichzeitig überlagern die neu gestalteten Parkstrukturen die historischen Schichten und ergänzen die Funktionen des Ortes mit aktuellen Umweltthemen (Biodiversität, Klimaanpassung und Kulturlandschaften) und neuen Nutzungsangeboten der Erholung und Kontemplation für die Parkbesucher:innen.
Ausgangspunkt für das vorliegende Konzept sind die historischen Schichten und baulichen Relikte, die teilweise noch vorhanden sind, teilweise neu entdeckt werden. Besonders markant ist die topografische Höhenentwicklung des Terrains. Insgesamt drei wahrnehmbare Plateaus auf unterschiedlichen Höhen prägen die Topografie der Anlage. Die ursprünglich als terrassierte, barocke Gartenanlage konzipierte Gestaltung ist in den Grundzügen noch heute ablesbar. Von der dem Barock folgenden Idee eines Landschaftsgartens zeugen die erhaltenen großen Laubbäume. Das Krumme Haus, das stimmungsvolle Mausoleum sowie die historischen Mauerreste zeugen von der langen und wechselvollen Geschichte des Ortes. Mit dem Neubau des Eingangs- und Ausstellungsgebäudes für das Freilichtmuseum erfährt das Gebiet eine weitere zukunftsweisende Entwicklung.
Die terrassierte Gliederung des Parks bleibt als Grundstruktur erhalten. Die Terrassierung wird durch die Entfernung von unnatürlichen Aufschüttungen und Geländeverläufen gestärkt. Ein Rundweg aus wassergebundener Wegedecke und durchgefärbten Asphalt (in geneigten Bereichen) verbindet die Terrassen miteinander und ermöglicht es den Besucher:innen, das gesamte Areal in einer spannungsvollen und abwechslungsreichen Raumfolge zu erleben. Die teilweise großen Höhensprünge der vorhandenen Topografie werden über Treppen und Rampen überwunden, sodass jeder Teil des Parks barrierefrei erlebbar ist. Die am höchsten gelegene Terrasse vor dem Krummen Haus wird als Kalkmagerrasen-Plateau entwickelt. Hier kann temporär eine Weidebewirtschaftung durch Schafe erfolgen, welche die Grünflächen verjüngen und als Anziehungspunkt für Besucher mit Kindern oder Familien dienen. Die Böschung hoch zum Krummen Haus wird mit Sitzkanten versehen, die attraktive Ausblicke bis zum Mausoleum bieten. Die Rampen und Stufen, die auf das erhöhte Niveau des geschichtsträchtigen Gebäudes führen, bleiben vollständig erhalten und werden bei Bedarf renoviert. Kleine Spielinseln erweitern die Nutzungsangebote. Die Parkkante zum zahlungspflichtigen Gelände des Freiluftmuseum wird durch eine freiwachsende, ökologisch wertvolle Wildgehölzhecke markiert. Der Haupteingang zum Park befindet sich zwischen den beiden Neubauten. Eine kleine Bastion bietet hier einen eindrucksvollen Blick als Auftakt in den Park. Ein weiterer Zugang befindet sich am sog. ‚Kutschplatz‘ und erfolgt durch ein Drehkreuz. Eine Toranlage gewährt hier die Erreichbarkeit des Parks für Pflegefahrzeuge. Ein zusätzlicher Zugang mit Drehkreuz befindet sich auf der gegenüberliegenden Waldseite und ermöglicht die Anbindung an den Westmünsterländer Hof. Der Anschluss an den Wanderrundweg des Freilichtmuseum erfolgt ebenfalls an der Waldseite. Das historische Relikt der barocken Stützmauer, welche behutsam ertüchtigt wird, vermittelt zwischen den Niveaus der oberen und der mittleren Terrasse. Als Zeugnis des kulturellen Erbes des Parks wird sie wie selbstverständlich in das neue Parkkonzept integriert. Oberhalb der Mauer wird ein bastionsartiger Sitzplatz verortet. Zentrales Element des mittleren Parkteils ist ein naturnah gestalteter, amphibienfreundlicher Teich, der auch eine Reminiszenz an ein überformtes Wasserbecken darstellt. Eingebettet ist der Teich, der vom bestehenden Brunnen gespeist wird, in eine Feuchtwiese. Die Feuchtwiese als wichtiger Lebensraum für Insekten und Amphibien leistet einen wichtigen ökologischen Beitrag für den Park und ist Habitat für die bestehende Population der Feuersalamander. Eine Aussichtsterrasse an der Außenkante des neuen Servicegebäudes dient als gastronomische Freifläche inmitten des Parks. Unter dem lichten Dach der eindrucksvollen Laubbäume eröffnen sich weite Blicke in die gesamte Parkanlage. Die befestigte Fläche ist gleichzeitig ein wichtiger Knotenpunkt innerhalb der barrierefreien Gesamterschließung. Die am tiefsten Punkt gelegene Terrasse wird als insektenfreundliche Hochstaudenflurfläche angelegt, mit integrierter Entwässerungsmulde. Der aktuell bestehende und aufgeschüttete Damm wird bis auf die Höhenlage der mittleren Terrasse abgetragen, um so das historische Raumgefüge wieder herzustellen. Oberhalb des Mausoleums lädt ein weiterer Sitzplatz zum Verweilen ein. Die spannungsvolle Raumfolge des Parks und die wichtigen Sichtachsen sind von diesem Punkt aus besonders gut erlebbar. Das vorgeschlagene Wegesystem orientiert sich an dem bestehenden Geländeverlauf. Die sich ständig wechselnden Wegerichtungen bewirken einen permanenten Perspektivwechsel und gewähren den Nutzer:innen lustwandelnd vielfältige Ein- und Ausblicke. Diverse Sitzbänke an den Wegerändern laden zum Verweilen ein, an Informationsstelen an verschiedenen Stellen können sich die Parkbesucher:innen interaktiv informieren und fortbilden, Kinder an informellen Spielstationen die Sinne schulen.
Sämtliche Grünflächen tragen zu einer hohen biologischen Vielfalt bei und fördern die regionale Flora und Fauna. Dabei werden wichtige Kulturlandschaftselemente aufgegriffen und in die Gestaltung integriert. Die Pflanzenauswahl der neuen Gehölze sind mit heimischen und standortgerechten Arten wie Eichen, Buchen und Erlen, vereinzelt auch mit Klimagehölzen wie Platane, Amberbaum und Linden an die trockenen, nährstoffarmen Böden angepasst. Die traditionell genutzte Bewirtschaftungsform von Kalkmagerrasenflächen als Weidewirtschaft sorgt für eine kontinuierliche Pflege der Flächen und schafft gleichzeitig einen besonderen ästhetischen und kulturellen Mehrwert für den Park. Anfallendes Regenwasser verbleibt komplett auf dem Gelände des Parks. Die Parkwege entwässern seitlich in die Grünflächen und werden gesammelt den Feuchtwiesen und dem Teich zugeführt. Die bestehende ‚Naturrinne‘ vom Krummen Haus bis zur mittleren Terrasse wird dafür reaktiviert und ist mit seitlicher Fassung aus Natursteinbrocken ein weiteres, attraktives Freiraumelement. Entwässerungsmulden, teilweise mit Kiesrigole, im unteren Parkteil können das Regenwasser der neuen Gebäude aufnehmen. In einer unterirdischen Zisterne gesammeltes Regenwasser dient der Bewässerung des Parks in den Trockenperioden. Bei Dämmerung schaffen mit Solarmodulen betriebene Parkleuchten mit insektenfreundlichen Leuchtmitteln eine sichere und festliche Atmosphäre.
Der neue Zukunfts.Lust.Park. wird zusammen mit dem Freiluftmuseum einen attraktiven Anziehungspunkt für die Bewohner:innen und deren Besucher:innen Detmolds schaffen, der über die Grenzen der Stadt hinaus wirken wird. Durch die Verbindung der historischen Spuren mit einer zeitgemäßen, nachhaltigen Ausrichtung entsteht ein Ort der Begegnung, der seinesgleichen suchen wird.
Beurteilung durch das Preisgericht
Unter dem Motto „Lustwandelnd im Zukunftspark“ treten die Verfasser:innen an, die historischen Relikte der Parkanlage mit der programmatischen Ausrichtung des Museums zu verbinden und gleichzeitig einen Ort für Besucher- und die Bewohner:innen von Detmold zu schaffen.
Dabei entwickeln sie ein schlüssiges Gesamtkonzept aus den vorgefundenen topografischen Gegebenheiten, dem Wunsch nach Biodiversität und musealer Didaktik.
Die räumlichen Ausprägungen aus Waldkante im Südosten, einem beidseitigen Filter durch Einzelbäume hin zu einer offenen Mitte mit zentraler Blickachse wirken wohltuend.
Die Ausgestaltung der einzelnen Plateaus und die thematische Anreicherung werden aus der Topografie entwickelt und wirken gut dimensioniert und verortet. Ein Rundwegesystem verbindet die einzelnen Plateaus schlüssig und führt die Besucher durch die Parkanlage. Dabei greift die formale Gestaltsprache der Wege die neue Museumarchitektur auf und vermittelt diese mit dem neuen Lustpark. Mit dem Wunsch einer möglichst barrierearmen Erschließung werden die zahlreichen Wege und Rampen allerding zu einem sehr eigenständigen und starken baulichen Parkelement. Begleitende Sitzmöbel aus Beton und Spielelemente stehen auch in ihrer formalen Ausprägung im Kontrast zu der von den Verfasser:innen gewünschten extensiven Parkgestaltung und wirken beliebig. Die räumliche Verbindung über die Fuge am Museum erfolgt an der richtigen Stelle, wirkt jedoch mit der bastionsartigen Ausprägung an dieser Stelle und deren Fortführung bis zum Café überdimensioniert und kann formal nicht überzeugen.
Auch die Ausbildung einer zentrierten, platzartigen Wegeaufweitung oberhalb des eher intimen und zurückgezogenen Mausoleums wirkt unsensibel.
Insgesamt leistet die Arbeit einen wertvollen Beitrag für den neuen Lustparkt, kann jedoch aufgrund ihrer intensiven Erschließung und der wenig auf den Ort zugeschnittenen Ausstattungselemente nicht vollständig überzeugen.
Lageplan
©ST raum a.
Piktogramme
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vertiefender Lageplan
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Schnitte
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