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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2024

Neukonzeption Deutsches Ledermuseum in Offenbach am Main

Ledermuseum Offenbach am Main
9

Ledermuseum Offenbach am Main

Anerkennung

Preisgeld: 15.250 EUR

KBNK Architekten GmbH

Architektur

BHF Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Deutsches Ledermuseum Offenbach

Das Deutsche Ledermuseum in Offenbach hat sowohl historisch als auch kulturell eine große Bedeutung für die Stadt. Um das Museum zukunftsfähig zu gestalten und die Besucher stärker in das kulturelle Erbe einzubinden, sind Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen geplant.

Städtebau
Das Museum liegt in zentraler Lage, in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum. Vom Platz des 8. Mai aus, der von zwei symmetrischen Rasenplateaus flankiert wird, rückt das Bestandsgebäude zurück. Diese Rasenflächen rahmen die Zentralperspektive auf das Eingangsportal und verstärken dessen wuchtige Erscheinung. Der Wunsch, für dieses Museum eine einladende Geste zu schaffen, die alle Besucher willkommen heißt, hat uns dazu veranlasst, architektonische Maßnahmen zu ergreifen, um das Ensemble in ein neues Licht zu rücken. Ein verglastes Eingangsportal grenzt sich von dem massiven Bestandsportals ab und schafft Transparenz, Offenheit und Zugänglichkeit.
Um die Präsenz des Museums im städtischen Raum zu verstärken, wird es um einen Pavillon erweitert, der an das historische Flügelgebäude von 1861 erinnert. Der Pavillon schiebt sich bis zur Frankfurtersrtraße vor und flankiert den Platz, sodass die Passanten entlang des Pavillons zum Haupteingang des Museums geleitet werden. Durch die damit einhergehende Verkleinerung des Platzes gewinnt dieser an Maßstäblichkeit, was die Aufenthaltsqualität erhöht und eine einladende Atmosphäre schafft.

Freiraum
Durch den Pavillon erhält der Platz des 8. Mai eine neue Gestaltung und eine klare Raumkante, die vom Pavillon, dem neuen Nachbargebäude mit Café und dem historischen Museumsgebäude eingefasst wird. Die Rasenplateaus werden auf der einen Seite vom Pavillon und auf der anderen Seite von einem Baumhain überlagert, der die Geschichte der Plateaus weitererzählt und sie neu kontextualisiert. Der Weg aus dem wilden Verband der Steinplatten bleibt erhalten. Der Baumhain, der auf einer wassergebundenen Decke angelegt ist, wird von zwei Wasserbecken gesäumt. Das angenehme Rauschen des Wassers dämpft den Straßenlärm, und die Verdunstungskühle trägt zu einem angenehmeren Klima bei. Die freie Bestuhlung und der Halbschatten der Bäume laden zum Verweilen ein und schaffen einen Platz für gemeinschaftliches Kaffeetrinken – sowohl für das Café im Pavillon als auch für das Café im Nachbargebäude und für Passanten, die dort verweilen möchten.

Architektur
Beim Betreten des Museums durch das neue verglaste Eingangsportal gelangen die Besucher in ein großzügiges Atrium, das als Empfangsbereich dient. Eine zentrale Treppe führt von hier in die oberen Geschosse, während im Nebenraum eine Garderobe untergebracht ist. Es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Museum und dem Café im Pavillon, das sich im transparenten Erdgeschoss befindet. Der Pavillon bietet zudem eine Veranstaltungsfläche sowie Seminarräume im 1. Obergeschoss und Platz für Sonderausstellungen im Untergeschoss.
Die Dauerausstellungen und Schaudepots sind im Hauptgebäude untergebracht. Um den Anforderungen empfindlicher Exponate gerecht zu werden, werden viele Ausstellungsstücke von der Sonne geschützt ausgestellt. Dazu dienen eingestellte Boxen und abgedunkelte Fassaden. Eine Dramaturgie der Raumabfolgen – von dunklen, auf die Exponate fokussierten Bereichen zu hellen, offenen Räumen mit Ausblick ins Grüne – führt die Besucher durch das Museum. Drei Lichthöfe wurden in den Gebäudekomplex integriert, um diese Abwechslung zu unterstützen. Zwei dieser Höfe werden durch eine Erschließungsfuge gefasst, die den Altbau mit dem Anbau verbindet.

Materialität
Das Materialkonzept des Museums greift die Tradition der regionalen Baustoffe auf. Die Fassade des historischen Gebäudeteils besteht aus rötlichem Muschelkalk, der auch beim Pavillon verwendet wird. Während das Erdgeschoss des Pavillons durch eine Glasfassade Offenheit vermittelt, wirkt das Obergeschoss wie ein massives Dach. Es ist mit feinen Muschelkalkintarsien verkleidet, die durch weiße Fugen akzentuiert werden und durch ihre unterschiedliche Struktur eine subtile dreidimensionale Wirkung erzeugen. Auch der rückwärtige Teil des Hauptgebäudes wird durch eine einheitliche Muschelkalkhülle mit dem Neubau und dem Anbau von den 1960er Jahren zusammengeführt, was ein harmonisches Gesamtbild schafft. Die punktuell bodengebundenen, vertikalen Kletterpflanzen verstärken dieses Erscheinungsbild.

Nachhaltigkeit
Die geplanten Maßnahmen zur Neugestaltung des Deutschen Ledermuseums verfolgen nachhaltige Ziele, sowohl im Hinblick auf die Materialwahl als auch auf die Klimaregulierung. Die Verwendung regionaler Materialien wie Muschelkalk verringert den ökologischen Fußabdruck des Bauprojekts. Die Wasserbecken und der Baumhain im Außenbereich tragen zur natürlichen Kühlung des Platzes bei, indem sie durch Verdunstungskühle ein angenehmes Mikroklima schaffen. Die Integration von Lichthöfen sorgt für eine bessere Nutzung des natürlichen Lichts, was den Energieverbrauch für künstliche Beleuchtung minimiert. Darüber hinaus wird eine Photovoltaikanlage installiert, die erneuerbare Energie erzeugt und somit zur Reduzierung der Betriebskosten und der CO2-Emissionen beiträgt.

TGA
Im Ledermuseum gibt es ein spezielles Belüftungssystem, das nach dem Niederdruckprinzip arbeitet. Die Luft wird mit einer festgelegten Geschwindigkeit durch Kanäle verteilt. Diese Kanäle bestehen aus stabilem, verzinktem Stahl und sind gedämmt, um Geräusche zu minimieren. In verschiedenen Bereichen des Gebäudes, wie der Ausstellung, der Küche und den Büros, gibt es unterschiedliche Systeme, die frische Luft zuführen und verbrauchte Luft abführen.
Auf dem Flachdach des Gebäudes wird eine Photovoltaikanlage installiert, um Strom zu erzeugen. Die Solarmodule sind doppelseitig und werden ohne das Dach zu durchbohren auf einer beschwerten Konstruktion befestigt. Jedes Modul ist mit einem Leistungsoptimierer ausgestattet. Der erzeugte Strom wird hauptsächlich im Gebäude genutzt und ins interne Stromnetz eingespeist. Überschüssiger Strom kann ins öffentliche Netz abgegeben werden. Aus Brandschutzgründen werden die für den Betrieb notwendigen Wechselrichter wettergeschützt auf dem Dach aufgestellt.
Die Beheizung und Kühlung des Gebäudes erfolgt durch eine Kombination aus der Photovoltaikanlage und Luft-Wasser-Wärmepumpen. Diese sorgen für energieeffizientes Heizen und Kühlen. Das Fernwärmenetz bleibt als Reserve erhalten.


Beurteilung durch das Preisgericht

Der große Beitrag dieses Entwurfs liegt in der Konzeption eines vorgelagerten Flügelbaus, der unter Bezugnahme auf das städtebauliche Ensemble im Stadtplan von 1860 als Westflügel quer zum Bestandsgebäude positioniert wird. Diese Anordnung rückt das Museum näher an die Frankfurter Straße und schafft ein räumliches Gegenüber zum geplanten Neubau im Osten. Dadurch entsteht das Potenzial, den Platz von beiden Seiten aus zu aktivieren und eine stärkere städtebauliche Präsenz zu etablieren.

Die Entscheidung, den Veranstaltungsraum und das Café im Seitenflügel unterzubringen, gewährleistet einen eigenständigen Betrieb dieser Funktionsbereiche. Gleichzeitig wird jedoch die Chance vertan, wesentliche Synergien zu nutzen, die zu einer stärkeren Belebung des Museumsbetriebs beitragen könnten.
Die Fassade des zweigeschossigen Flügels mit ihrem markanten Dach wirkt aufgrund der Fassadenhöhe und des wenig sensibel gestalteten Anschlusses an die Bestandsfassade zu massiv und beeinträchtigt dadurch die bestehende Raumstruktur des Platzes erheblich. Diese Problematik wird durch das vorgeschlagene Baumdach, das die Bestandsbäume im Osten ergänzt, verstärkt. Das Preisgericht hinterfragt zudem, ob die Bestandsbäume zwischen dem Annexbau und der IHK überhaupt erhalten werden können.

Der hintere Bereich des Areals zeigt sich hingegen klar gegliedert: Ein dreiteiliger Verbindungsbau nimmt die beiden Fluchttreppenhäuser sowie die Haupterschließung auf, während der Bestand durch ein kompaktes Bauvolumen ergänzt wird. Stellplätze und Anlieferung sind funktional sinnvoll an der Zufahrt gebündelt, der östliche Bereich wird als extensiv begrünte, ruhige Außenfläche formuliert. Der im Süden vorgeschlagene Hintereingang vom Nachbargrundstück ist im Sinne einer besseren Vernetzung im Quartier interessant, erscheint in der praktischen Umsetzung jedoch herausfordernd.

Die Besucher der Ausstellungsflächen des Ledermuseums werden im Mittelteil des Bestandsbaus empfangen, der durch mehrere, sich teils über drei Geschosse erstreckende Deckenausschnitte zu einem lichten Erschließungsraum umgestaltet wurde. Die Sonderausstellung ist geschickt im Westflügel in direkter Nähe zum Café untergebracht, was den Betrieb funktional stärkt. Im hinteren Anbau wird die zentrale Erschließungsachse durch einen Patio mit Tageslicht aufgewertet. Zwar werden die Ausstellungsflächen stringent von dieser zentralen Raumfolge erschlossen, jedoch befinden sich Teile der Ausstellung im Annexbau und damit weit entfernt vom Haupttreppenhaus, was die Orientierung erschwert.

Positiv hervorzuheben ist der kluge Umgang mit dem Bestandsbau im Inneren: Eine zweite, hinter der Bestandsfassade eingezogene Hülle gibt die originale Fassade im Innenraum frei, schützt die Exponate vor Tageslichteinfall und ermöglicht gleichzeitig eine stärkere Präsenz der Fassade im Stadtraum. Die Arbeitsräume im obersten Geschoss bieten attraktive Arbeitsplätze, das Depot ist funktional günstig in direkter Nähe zur Anlieferung angeordnet.

Die Eingriffe in das historische Bestandsgebäude erscheinen angemessen; Im Bereich des rückwärtigen Anbaus werden die Erweiterungen aus den 1980er-Jahren zurückgebaut. Allerdings werfen die im Untergeschoss des Flügelbaus geplanten hochwertigen Nutzungen – verbunden mit der Notwendigkeit einer teuren, Wannenkonstruktion – Fragen zur Kosteneffizienz auf. Der Einsatz von Gradientenbeton als nachhaltigem und innovativem Baustoff wird gewürdigt, setzt jedoch eine gesonderte Zulassung voraus.

In der Gesamtsicht erscheint das Projekt zu wenig überzeugend. Das Preisgericht würdigt jedoch den Versuch, den Platz neu zu gliedern sowie die sehr erfolgsversprechende Lösung zur Umnutzung des Bestandsgebäude durch die neu etablierte zweite Raumschicht hinter der Innenfassade.
Lageplan

Lageplan

Piktogramme

Piktogramme

Grundriss Erdgeschosss

Grundriss Erdgeschosss

Grundriss 1. und 2. Obergeschoss

Grundriss 1. und 2. Obergeschoss

Visualisierung Innenraum

Visualisierung Innenraum

Piktogramme

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Ansichten

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Fassadendetail Pavillon

Fassadendetail Pavillon