Nichtoffener Wettbewerb | 11/2024
Neukonzeption Deutsches Ledermuseum in Offenbach am Main
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Aussenrendering
©wulf architekten; Visualisierung: Aron Lorincz Ateliers
Anerkennung
Preisgeld: 15.250 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Modellbau
Erläuterungstext
Unser Wettbewerbsentwurf formuliert für das Ledermuseum in Offenbach eine strukturelle und inhaltliche Neukonzeption. Mit der Erneuerung und Erweiterung des Kulturbaus ergibt sich die Chance, einerseits zeitgemäße, zukunftsfähige Ausstellungsräume zu schaffen, um andererseits den Kontakt zur Öffentlichkeit zu stärken. Unser Entwurf legt großen Wert auf die innere Raumsequenz – Ankommen und Erleben spielen eine entscheidende Rolle.
Aus der Abfolge der Räume, durch die der Besucher vom Vorplatz bis in die Erweiterung vordringt, resultiert eine besondere räumliche Schichtung. Dabei bleibt ein Großteil der bestehenden Rohbaustruktur der Erweiterung aus den 1960er-Jahren erhalten und wird in die neue Erweiterung integriert. Die Schichtung beginnt bereits auf dem großzügigen Vorplatz mit schrittweise angeordneten Informationen, die bereits inhaltlich auf den Museumsbesuch einstimmen. In Zusammenarbeit mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung gelingt so ein fließender Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Auch die Nutzungsverteilung folgt dem Prinzip der räumlichen Schichtung. Im Inneren des historischen Bestands sind einige Eingriffe nötig, um eine zukunftsfähige Museumsnutzung zu ermöglichen. So wird beispielsweise im Erdgeschoss der Boden der beiden Seitenflügel auf das Niveau des bestehenden Haupteingangs abgesenkt, um eine räumlich großzügige und barrierefreie Erschließung des Cafés, der Museumsvermittlung und des Veranstaltungssaals zu ermöglichen. Mit einer rötlichen Färbung antizipiert die Fassade der Erweiterung als gekantete und teilweise perforierte Kupferfassade die Farbigkeit des roten Sandsteins, der am Sockel des historischen Gebäudes zur Geltung kommt. Gleichzeitig erinnert Kupfer an die Farbigkeit und Patina von Leder, das ebenfalls mit der Zeit seine Farbigkeit ändert, eine Patina erhält, dadurch aber nicht an Schönheit verliert.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebau
Der Entwurf will eine Zonierung des Platzes von der Frankfurter Straße zum Gebäude des Museums hin schaffen. Dazu werden als zonierendes Element Wandscheiben entlang des Gehweges der Frankfurter Straße aufgestellt. Das Preisgericht sieht dadurch die räumliche Wirkung des Gebäudes zur Straße hin beschränkt, da aus den meisten Blickwinkeln ein wandartiger Eindruck entstehen wird. Dies wird kritisch angemerkt.
Durch die Gestaltung der Platzfläche - Lage der Bänke, Ausstellungstafeln und die Art der Pflasterung, die keine lineare Kante zur Bepflanzung bildet - wird subtil die Achsialität aufgelockert, was positiv bewertet wird. Der Bereich unmittelbar vor dem Hauptgebäude bildet eine Vorzone mit Innen-Außen-Bezug durch Absenkung des Erdgeschosses im Bestandsgebäude.
Durch diesen ebenerdigen Anschluss von Café und Veranstaltungszone an den Platz können diese Bereiche mühelos barrierefrei erreicht werden und sind auch separat nutzbar. Die Zweigeschossigkeit des Veranstaltungsbereichs bietet variable Nutzungsmöglichkeiten, allerdings durch Inkaufnahme des Entfernens einer Decke im Bestand.
Gliederung
Das Bestandsgebäude wird durch eine Fuge als neues Element mit dem Erweiterungsbereich verbunden. Die Erweiterung basiert auf der Bestandsstruktur mit Erhalt der Tragstruktur der 60er und 80er Jahre, Im rückwärtigen Bereich ist ein neues Bauteil mit Depot, Anlieferung und Werkstätten angeordnet, das gut andienbar ist.
Erschließung
Das Foyer erhält eine Deckenöffnung, die sich über alle Geschosse erstreckt, so dass eine gute Orientierung ermöglicht wird. Allerdings sind die in der Fuge seitlich angeordneten Wendeltreppen, die als zentrale Erschließung in die Obergeschosse führen, zurückhaltend in ihrer räumlichen Wirkung. Die Gestaltung der Fuge wird kontrovers diskutiert.
Funktionalität
Die Grundstruktur des Erweiterungsbaues wird erhalten und kann in allen Geschossen vielfältig für Sonder- und Ausstellungsbereiche zoniert werden, was die Variabilität in der Bespielbarkeit.
unterstützt. Das Depot im rückwärtigen Bereich als neues Element ermöglicht neben der der guten Andienung auch eine geeignete konstruktive Ausbildung für die Deckenlasten der Rollregalanlage.
Allerdings werden die Wege der Arbeitsplätze aus der Verwaltung zu den Werkstätten sehr lang. Klarheit in der Konzeption zeigen auch die skizzenhaft dargestellten Schemata zur Lüftung, Erschließung und zum Brandschutz.
Wirtschaftlichkeit
Als sehr kritisch werden die unterkellerten Bereiche bewertet. Diese sind durch die Nähe zu Bestandsstrukturen konstruktiv nur sehr aufwändig zu erstellen. Zudem muss, insbesondere im Bereich der im Untergeschoss angeordneten Depotflächen, die erforderliche Abdichtung sichergestellt werden.
Die vorgeschlagene Fassade mit Kupferbekleidung erscheint im Hinblick auf den Kontext des Bestandes als nicht angemessen. Zudem ist diese Lösung sehr kostenintensiv.
Der Entwurf bietet für viele Anforderungen des Ledermuseums guten Lösungen, überzeugt aber nicht in allen Bereichen und wird unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit kritisch gesehen.
Innenrendering
©wulf architekten; Visualisierung: Aron Lorincz Ateliers
Grundriss Ebene 0
©wulf architekten
Varianten Raumführung
©wulf architekten
Fassadendetail
©wulf architekten
Lageplan
©wulf architekten
Modell
©wulf architekten
Modell
©wulf architekten
Modell
©wulf architekten