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Einladungswettbewerb | 09/2025

Neukonzeptionierung Areal Heerstraße 79 als Quartier der Generationen in Rottweil

Außenperspektive Straße
3

Außenperspektive Straße

1. Preis

Preisgeld: 48.000 EUR

pussert kosch architekten

Architektur

Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Leitidee - Städtebauliches Konzept
Die prominente Lage des Grundstückes am Kreisverkehr der wichtigen Verkehrsadern Heerstraße und Stadionstraße fordert ein einladendes und markantes Gebäudeensemble. Einerseits Abgeschlossenheit um einen geborgenen Binnenraum zu schaffen, andererseits Öffnung und einladende Geste nach außen, um die Vernetzung und Anteilnahme an dem umliegende Stadtquartier zu schaffen. Das vorgeschlagene Gebäudeensemble nimmt die Körnung der umgebenden Bebauung auf. Der winkelförmige Gebäudeteil mit Pflegeheim und betreutem Wohnen bildet dabei den stabilen Rücken. Ein Gebäudebaustein mit Wohnnutzung und Gewerbe im Erdgeschoss begrenzt den Innenhof zur Stadionstraße und zur Bruggerstrasse. Die besonderen Gebäudegeometrien mit zulaufenden Enden, bilden einen großzügigen und heimeligen Innenhofbereich. Schmale Gebäude-köpfe markieren die Zugänge ins Quartier. Die Erschließungs- und Freibereiche sind kommunikativ zum Innenhof angeordnet. Im Innenhof werden schattenspendende Laubbäume gepflanzt. Das große Bauvolumen wird durch Grüninseln gegliedert.
Publikumsintensive Nutzungen wie Tagespflege, Mehrzweckraum, Gemeinschaftsraum und die Gewerbeeinheiten sind sämtlich erdgeschossig und zum Innenhof angeordnet. Dadurch entsteht ein lebendiger Binnenraum mit viel Aufenthaltsqualität.

Beurteilung durch das Preisgericht

Zwei L-förmige Gebäuderiegel und ein leicht angewinkelter Baustein formen gemeinsam ein einladendes und markantes Gebäudeensemble. Durch die Setzung des Winkels entlang der Heerstraße und an der westlichen Grundstücksgrenze öffnet sich das Quartier zum ruhigeren Stadtteil im Osten und tritt im Süden in Dialog mit der Stadthalle. Die Proportionen und die Körnung der umliegenden Bebauung werden aufgenommen, wodurch ein gut dimensionierter Hofraum entsteht. So gelingt der Dialog zwischen geschützter Mitte und offener Geste nach außen.

Die funktionale Gliederung überzeugt: Der Pflegebereich liegt an der Heerstraße, das betreute Wohnen im Westen und das Generationenwohnen an der Südostecke. Diese Anordnung fördert ein gutes Miteinander im Quartier. Verstärkt wird dies durch die konsequente Platzierung der Hauszugänge vom Hof aus sowie durch die Laubengänge, die als Kommunikationszonen das Herz des Quartiers stärken. Die schmalen Gebäudeköpfe markieren die Eingänge zum Areal, an denen folgerichtig öffentliche Nutzungen wie Gewerbe und Praxen angeordnet sind. Kritisch zu sehen ist, dass die Erdgeschosszonen entlang von Heer- und Stadionstraße zu wenig belebt sind. Hier könnte das innere Leben stärker nach außen getragen und in Austausch mit der Stadt gebracht werden. Zudem sollte die Durchwegung des Innenhofs barrierefrei gestaltet werden.

Der Hof selbst wird durch die öffentlichen Bereiche der Wohngebäude aktiviert und belebt. Die Grundrisse von Pflegeheim, betreutem Wohnen und Generationenwohnen sind klar gegliedert, bieten kurze Wege und gute Orientierung. Besonders positiv hervorzuheben sind die Übergänge zwischen den einzelnen Nutzungen sowie die angenehmen Wohnatmosphären, die dadurch entstehen.

Die klare und stringente Haltung im Grundriss setzt sich in der Ausformulierung der Fassaden und im vorgeschlagenen Tragwerk leider nicht fort. Das Erscheinungsbild mit dem massiven Betonsockel und den zu einheitlich gestalteten Fassaden wird von der Jury deutlich kritisiert. Erwartet wird hier eine qualitätvolle Sockelgestaltung sowie eine differenzierte inspirierende Fassadensprache, die die jeweilige Gebäudetypologie nach außen trägt und dem Quartier Vielfalt verleiht.

Auch der vorgeschlagene Stahlbeton-Massivbau findet wenig Zustimmung. Er leistet keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit und verschlechtert die CO₂-Bilanz. An dieser Stelle wären zeitgemäße, innovative und ressourcenschonende Konzepte ausdrücklich wünschenswert. Kritisch gesehen wird zudem die vollständige Unterkellerung des Hofraums durch die Tiefgarage, da diese eine Bepflanzung mit großen Bäumen verhindert und daher überdacht werden sollte. Auch die im Grünbereich vorgesehenen Parkplätze wirken störend und sollten ebenfalls in ihrer Anzahl in Frage gestellt werden.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen des Projektes liegen im durchschnittlichen Bereich.

Das neue Areal an der Heerstraße überzeugt durch eine gut proportionierte und konsequente städtebauliche Setzung, souveräne Übergänge an den Rändern sowie eine lebendige Mitte. Wünschenswert wären jedoch ein feineres Erscheinungsbild und stärkere innovative Impulse im Tragwerk.
Lageplan

Lageplan

Modellfoto

Modellfoto