Verhandlungsverfahren | 12/2024
Neuordnung Campus Wasserbillig / Réaménagement du campus de Wasserbillig (LU)
7
Haupteingang Gemeindezentrum
©Auer Weber
2. Rang
Stadtplanung / Städtebau
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
WW+ Architecture | Process Design | Urban Design
Architektur
Grauwald Studio Gesellschaft für Architektur und Bild
Visualisierung
Erläuterungstext
Campus scolaire, sportif et culturel de Wasserbillig
Erläuterungen
Die Neugestaltung des Campus Wasserbillig bietet die einmalige Chance, in direkter Nachbarschaft zur Mairie und zum Bahnhof ein lebendiges Schul-, Sport- und Kulturquartier für die ganze Stadtgesellschaft mit Strahlkraft über die Gemeinde hinaus zu errichten.
Ziel des Konzeptes ist ein Zentrum zu errichten, vielfältig wie die Nutzungen und seine Besucher, mit attraktiven Ankunftsräumen und differenziert nutzbaren Außenräumen. Das Konzept setzt auf Maßstäblichkeit und Integration in das Quartier: Sportzentrum und Kulturzentrum bilden eigene mehrgeschossige Baukörper, die mit einem eingeschossigen Bauwerk verbunden werden und so zu der Vielfältigkeit der Nachbarschaften vermitteln. Mit dem erhaltenen Ahorn als Mittelpunkt entsteht ein Innenhof, der zu einem attraktiven identitätsstiftenden Treffpunkt für alle Besucher wird.
1_Bauabschnitt Sportzentrum
Nach dem Abbruch des bestehenden Schulgebäudes entsteht das neue Sportzentrum. Alle weiterhin genutzten Gebäude bleiben erreichbar.
Der Haupteingang des Sportzentrums wird zur Adresse für den Campus und orientiert sich zur Route de Luxembourg. Am Foyer angeordnet und mit Bezug zum erhaltenen großen Ahorn befinden sich die Buvette sowie die Räume für gemeinsame Nutzungen mit dem im zweiten Bauabschnitt zu errichtenden Kulturzentrum.
Die ebenerdig angeordnete Sporthalle mit ihren vielfältigen Nutzungsangeboten
ermöglicht zahlreiche Außenbezüge. Die Anordnung von verglasten Flächen ist so gewählt, dass im Schulbetrieb durch ein umlaufendes transluzentes Lichtband Tageslichtnutzung möglich ist und nur für Wettkämpfe eine Verdunklung vorgesehen werden muss. Die Anordnung von Kletterwand, 3-fach Sporthalle und Sporthalle für Fitness nebeneinander ermöglicht größtmögliche Nutzungsflexibilität. Im Obergeschoss sorgt eine Buvette für die Verpflegung der Zuschauer mit Snacks und Getränken.
2_Bauabschnitt Kulturzentrum
Nach dem Abbruch des bestehenden Veranstaltungssaals ergänzt das neue Kulturzentrum L-förmig um den Bestandsbaum herum den Campus. Es entsteht ein Patio, welcher als Ahornhof zum Treffpunkt des gesamten Sport- und Kulturzentrums wird. Der zweigeschossige Saal kann sich zum Vorplatz hin erweitern und stärkt die Präsenz des Campus zur Route de Luxembourg. Die Bühne wird als absenkbare Konstruktion ausgeführt, Saal und Bühne können dadurch zusammen für große Veranstaltungen genutzt werden.
Materialkonzept
Das UG wird als Massivbau in Recyclingbeton ausgeführt, die Obergeschosse erhalten Dachtragwerke aus Holz. Die großen Träger der Sporthalle werden hinter den Tribünen aufgelagert und an der Gebäudeaußenwand rückverankert, um die statisch wirksame Spannweite zu verkürzen. Fitness- und Kletterhalle erhalten als Tragwerk schmale Kertoträger. Auf Abhangdecken wird, wo akustisch möglich, verzichtet. Innenwände für Gebäudekerne und Tragwände entstehen in Sichtbeton, Ausbauwände als Holzständerwände. Foyers und Saal erhalten einen Boden aus Bituterrazzo, die Sporthallen Sportböden nach den jeweiligen Anforderungen, insbesondere auch die Kletterhalle. Die Holzfassade wird vorbewittert, geschlossene Holztafeln werden aus Latten zusammengesetzt und hell lasiert.
3_Bauabschnitt Maison Relais & École
Nach dem Abbruch der bestehenden Sporthalle entsteht der wichtig Campus Platz als Grüne Mitte sowie Maison Relais & École. Es werden eine Kubatur sowie ein Schulhof gemäß den Anforderungen markiert. Der Schulhof wird außerhalb der Schulzeiten für die Öffentlichkeit genutzt und ergänzt das Freizeitangebot auf dem Campus.
Freianlagen
Das Sport- und Kulturzentrum steht auf einem großen Feld, das Sportnutzungen und Kulturnutzungen ebenso ermöglicht wie die Umfahrt für Anlieferung und Rettungsfahrzeuge. In den Aufweitungen an den Ankunftsorten werden die Platzbereiche begrünt, Bäume bieten Schatten, Bänke schaffen Aufenthaltsangebote. Zur bestehenden Fußgängerrampe im Norden werden Stellplätze für Einsatzfahrzeuge sowie für Personen mit eingeschränkter Mobilität vorgeschlagen. Außerdem entstehen mehrere Plätze für Fahrradstellplätze.
Mit dem Abbruch der Sporthalle entsteht der zentrale Campus Platz. Dieser wird als grüner Platz aufgefasst, befestigte Bereiche markieren vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, naturnahe Bereiche dienen auch der Retention.
Mobilitätskonzept
Die Erschließungen des Campus für die mobilité douce wird durch attraktive Verbindungen an die Rue Duchscher sowie dem Val de Fleuri gestärkt. Der motorisierte Individualverkehr wird von der Route de Luxembourg direkt auf den baumbestandenen Parkplatz und in die Tiefgarage gelenkt, der Campus ist bis auf Rettungsfahrzeuge und PMR-Stellplätze PKW-frei. Schulbus-Parkplätze entstehen entlang der ehemaligen Kapelle, an der Rue de Luxembourg die öffentliche Bushaltestelle und der Kiss & Go Bereich. Fahrradstellplätze werden auf dem ehemaligen Grundstück der Heizzentrale sowie im Norden entlang der Fußgängerrampe angeboten.
Nachhaltigkeitskonzept
Der Campus Wasserbillig erhält verschiedene Ersatzneubauten. Die ökologische Aufwertung und klimaadaptive Gestaltung des Geländes wird durch die Entsiegelung bisher versiegelter Flächen, Wasserrückhaltung auf Gründächern und lokaler Versickerung in Retentionsmulden am Grundstücksrand gewährleistet (Prinzip der Schwammstadt).
Bezüglich der Energieerzeugung wird auf Photovoltaik auf den großen Dachflächen und eine Pelletheizung gesetzt. Diese ermöglichen einen weitgehend CO2-neutralen Betrieb des Gebäudes.
Zur Förderung der Zirkularität sollten zunächst die vorhandenen Baustoffe der abzubrechenden Bauwerke erfasst werden. Sie können beispielsweise als Zuschläge für den Recycling-Beton verwendet werden.
Die Obergeschosse werden als Holztragwerke errichtet und als demontierbare Schraubverbindungen ausgeführt. Für den Ausbau werden Holzständerwände mit natürlichen Dämmungen vorgesehen. Die Fassade wird als Holzfassade ausgeführt.
Der weitgehende Verzicht auf Bekleidungen beim Ausbau und die Wahl einfacher Aufbauten erhöht die Wiederverwendbarkeit der Baustoffe.
Im Bauprozess kann eine systematische Erfassung aller verbauten Materialien die Zirkularität fördern und eine Zertifizierung des Gebäudes die Nachhaltigkeit der Maßnahmen auch nach außen hin dokumentieren.
Auch die nachhaltigen stadtplanerischen Ansätze zur Einbettung des Schulcampus in das integrierte städtische Umfeld sind Bestandteil der Gesamtkonzeption. Eine durchdachte Vernetzung des Campus mit der angrenzenden Wohnbebauung, sowie der Grünflächen und den öffentlichen Verkehrsanbindungen fördert nicht nur die Erreichbarkeit des Campus, sondern trägt darüber hinaus zur Schaffung lebendiger, sozialer Räume bei.
Ahornhof als gemeinsame Mitte
©Auer Weber
Lageplan
©Auer Weber
Erdgeschoss
©Auer Weber
Obergeschoss
©Auer Weber
Schnitt
©Auer Weber
Schnitt
©Auer Weber