Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025
Neuordnung des Bahnhofsareals in Öhringen
©Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner / faktorgruen
Lageplan
3. Preis
Preisgeld: 11.000 EUR
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Neuordnung des ZOB bestimmt bei dieser Arbeit die städtebauliche Struktur. Durch die Zusammenlegung der Bus-Ein- und Ausfahrt entsteht eine klare Trennung in den Verkehrsbereich des ZOB und einen verkehrsfreien Bereich vor dem Bahnhof, der einen großzügigen Bahnhofsplatz ermöglicht. Dieser Platz wird über die baulichen Öffnungen der Achsen Bahnhofstraße und Bismarckstraße an die Altstadt angebunden. Der Bereich wird räumlich und nutzungsbezogen durch die Bausteine der Musikschule und des Kinos gerahmt. Das Kino mit Café, das die bestehenden Garage ersetzt, kann den Bahnhofsplatz auch abends beleben.
Konzeptionell zeigt die Arbeit einen sehr klaren Umgang mit dem Thema Parkierung sowie „Sprung über die Gleise“. Am neuen Skywalk spannen sich zu beiden Seiten als Brückenköpfe der Parkierungsanlagen auf - Die Fahrradgarage im Süden und die MIV-Parkierung im Norden. Positiver Effekt ist hierbei die Entlastung des südlichen Bahnhofsbereichs vom Verkehr, der konsequent auf die Nordseite verlagert wird. Auf der Nordseite bildet die Gebäudeanordnung durch den Versatz der Baukörper interessante Platzflächen aus, die als großzügiges Entrée zum Skywalk dienen. Obwohl sich hier die große Sammelgarage befindet, werden diese Plätze zusätzlich von weiteren Funktionen, wie Supermarkt und Gastronomie gerahmt. Eine Befahrbarkeit des Skywalks mit Fahrradrampen ist möglich und unauffällig in die Platzfläche integriert.
Die Gestaltung des südlichen Brückenkopfes mit der Fahrradspindel bleibt leider unter ihren Möglichkeiten zurück. Hier könnte ein interessanter gestaltetes Bauwerk diesen wichtigen Knotenpunkt betonen. Nichtsdestotrotz wird die räumliche Öffnung an dieser Stelle zur Schillerstraße positiv bewertet.
Stark kritisiert wird im Allgemeinen die Höhenentwicklung der Gebäude, v.a. zur Schillerstraße, die die Traufhöhen der gegenüberliegenden Gebäude teilweise doppelt. Angesicht der extrem hohen Baumasse des Entwurfes wäre diese Verdichtung nicht nötig. Auch ein Erhalt des Postgebäudes gegenüber des Bahnhofes wäre zu prüfen, da der vorgeschlagene Neubau keinen Mehrwert bringt.
Trotz der Würdigung der schlüssigen Freiraumsequenzen sowie der Grünvernetzung des neuen Quartiers mit der Umgebung, bleibt die Landschaftsgestaltung dieser Flächen eher indifferent. Positiv im Sinne der Klimaanpassung wird die gute Ausstattung mit Baumpflanzungen, das schlüssige Regenwasserkonzept und das Fontainenfeld bewertet. Die Ausdifferenzierung der verschiedenen Platz- und Grünbereiche bleibt jedoch unbeantwortet. Die Setzung der Grüninseln erscheint wahllos und widerspricht teilweise den Wegeströmen vom Bahnhof in die umgebenden Bereiche.
Unklar bleibt auch die Führung des Radwegs über den ZOB hinweg sowie die Machbarkeit der Unterführung, die in ein neues Gebäude auf dem Gelände der Envases integriert wird. Dabei muss einer Einschränkung der Anlieferungsmöglichkeit für die Firma durch die Anordnung des neuen Gebäudes überprüft werden.
Generell weist die Arbeit eine spannende städtebauliche Grundstruktur auf, die trotz den erwähnten Mängeln einen wertvollen Beitrag zur Diskussion liefert.
©Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner / faktorgruen
Abgabeplan 01
©Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner / faktorgruen
Abgabeplan 02