modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 12/2010

Neuordnung des Rheinufers im Bereich der /Alten Ziegelei/ in Speyer

Perspektive Ostufer

Perspektive Ostufer

1. Preis

Preisgeld: 32.000 EUR

KFWM Architekten BDA

Architektur

Prof. G├╝nter Telian

Architektur, Stadtplanung / St├Ądtebau

Elke Ukas Landschaftsarchitekten bdla

Landschaftsarchitektur

Erl├Ąuterungstext

Neuordnung Rheinufer Alte Ziegelei Speyer
St├Ądtebauliche und freir├Ąumliche Einbindung
Die st├Ądtebauliche Figur reagiert konsequent auf die exponierte Lage des
Wettbewerbareals. Ein eher geschlossener Rand an der Franz-Kirrmeier-Stra├če
sch├╝tzt das neue Quartier vor L├Ąrm. Dagegen ├Âffnet sich die neue hofartige
Baustruktur nach S├╝den und zur Wasserseite im Osten hin gro├čz├╝gig.
Die denkmalgesch├╝tzte Villa des Ziegeleidirektors bildet mit ihrem parkartigen
Baumbestand das stadtr├Ąumliche Gelenk zwischen den bestehenden, direkt am
Hafenbecken aufgereihten Stadtvillen und der neuen Baustruktur. ├ťber dieses
Gelenk entstehen direkte Sichtverbindungen von der Franz-Kirrmeier-Stra├če zum
Rheinufer hin.
Die Anliegerstra├če der bestehenden Stadtvillen wird in Form eines Fu├č- und
Radweges auf das Wettbewerbsareal weitergef├╝hrt. Auch die Hafenstra├če ist in der
Endausbaustufe autofrei und als Fu├č- und Radwegeverbindung von der Innenstadt
zum Rheinufer vorgesehen.
Die neue Bebauung ist vom Rheinufer deutlich zur├╝ckgesetzt. Dadurch entsteht
direkt am Wasser ein ├Ąu├čerst attraktiver Park f├╝r die ├ľffentlichkeit, der zwischen der
dichten Baustruktur am Hafen und dem nach Norden hin weiterf├╝hrenden
landschaftlich gepr├Ągten Uferbereich vermittelt. Dar├╝ber hinaus unterst├╝tzt der Park
am Rheinufer die gro├čz├╝gige Blickbeziehung zum Dom, das dominante Wahrzeichen
der Stadt. Unterst├╝tzt wird dieser st├Ądtebaulich freir├Ąumliche Aspekt durch die
Staffelung der Geb├Ąudeh├Âhen von 3 bis 4 Geschossen im Verzahnungsbereich mit
dem Park bzw. von 4 bis 4+D Geschossen an der Franz-Kirrmeier-Stra├če.
Wohnbebauung
Die gew├Ąhlte Baustruktur garantiert jeder Wohnung einen direkten Bezug zum Rhein.
Ein Wohnen in der 2. oder gar 3. Reihe ist damit ausgeschlossen. Die Abstaffelung
der Geb├Ąudeh├Âhe zum Wasser hin sorgt im DG f├╝r eine maximale Anzahl von
erstklassigen Wohnungen mit vorgelagerten Dachterrassen und einer ungest├Ârten
Ausrichtung zum Rheinufer hin. Alle Wohnungen binden durch und orientieren sich
prim├Ąr nach S├╝den bzw. nach Osten. Durch die Ausbildung eines Sockels wird der
Schutz der Privatsph├Ąre der im EG angeordneten Wohnungen gew├Ąhrleistet.
Es sind sowohl offene als auch geschlossene Wohnkonzepte in Eigennutzung f├╝r
Familien, Singels und Senioren vorgesehen. Zielgruppen sind einkommensstarke
bzw. verm├Âgende Haushalte und Familien/Singles mit stabilem
Einkommen/Verm├Âgen. Die Geb├Ąudequalit├Ąt ber├╝cksichtigt den avisierten
gehobenen Ausf├╝hrungsstandard. Jeder Wohnung ist ein gro├čz├╝giger, nicht
einsehbarer Freibereich in Form einer Terrasse, eines Balkons oder einer Loggia
zugeordnet. Im Zusammenhang mit den Themen ÔÇ×Nachhaltigkeit/LanglebigkeitÔÇť und
ÔÇ×gehobener Ausf├╝hrungsstandardÔÇť und weiterhin in Anlehnung an die Historie des
Gel├Ąndes der ÔÇ×Alten ZiegeleiÔÇť sind die Fassaden der Neubauten in Sichtmauerwerk
vorgesehen.
Freianlagen
Der Park liegt wie eine Aue vor dem neuen Quartier und verzahnt damit die
Rheinlandschaft mit der Stadt. Offene Wiesenfl├Ąchen mit Baumgruppen pr├Ągen,
unterlegt mit einem einfachen Wegesystem, die Freifl├Ąchen. Die Aufenthaltsqualit├Ąt
wird durch die Promenade, Pl├Ątze sowie einzelne Spielbereiche zus├Ątzlich nachhaltig
gest├Ąrkt. Die Promenade ist als breiter Fu├č- und Radweg mit Parkb├Ąnken und zwei
Platzaufweitungen an den Parkenden konzipiert und wird von einer den Ort
pr├Ągenden Pappelreihe landseitig begleitet. Die schlanke und hohe S├Ąulenform der
B├Ąume vermittelt innerhalb der gesamten Stadtsilhouette. Sitzstufen, ein
Lindenquartier, Sitzb├Ąnke und der Aufgang zur Molenbr├╝cke pr├Ągen den ÔÇ×Platz am
alten HafenÔÇť bei der Fabrikantenvilla. Der Park wird hier deutlich dichter von mittelbis
gro├čkronigen Laubb├Ąumen gepr├Ągt - der Freiraum wird im ├ťbergang zu den
bestehenden Stadtvillen urbaner. Die Wohnh├Âfe werden in private Nutzg├Ąrten und
einen Gemeinschaftsgarten mit Kleinkinder-Spielbereichen eingeteilt. Zugangswege
erschlie├čen die G├Ąrten auch r├╝ckseitig. Die Wohnh├Âfe sind fu├čl├Ąufig ├╝ber Treppen
bzw. Rampen sowohl mit den Spielstra├čen als auch mit den Parkfl├Ąchen verbunden.
Die Wohnh├Âfe erhalten abschlie├čbare Gartentore. Durch erh├Âhte Baumscheiben als
Sitzpodeste werden gr├Â├čere Schattenb├Ąume im Spielbereich auf die Tiefgarage
gepflanzt. Ansonsten sind die Wohnh├Âfe mit intensiv begr├╝ntem Dachaufbau,
Hainbuchenriegeln und niedrigen Geh├Âlzen geplant. Berankte Pergolen k├Ânnen im
vorgelagerten Terrassenbereich intime Sitzpl├Ątze schaffen. Geh-, Fahr- und
Parkierungsbereiche der Spielstra├čen werden homogen mit Klinkerpflaster belegt.
Mehrzeiler als Entw├Ąsserungsrinnen, einzelne Gr├╝nbereiche, Sitzb├Ąnke, Leuchten
und die Baumreihen gliedern die Belagsfl├Ąchen. Das Niederschlagswasser des
Quartiers sollte in weichen Senken des Aue-Parks gesammelt und weiter versickert
werden.
Erschlie├čung, Parkierung
Die Haupterschlie├čung in das neue Quartier am Rhein erfolgt LKW-tauglich (z.B.
M├╝llabfuhr) ├╝ber die Kreuzung Ziegelofenweg/Franz-Kirrmeier-Stra├če. Parallel zur
Franz-Kirrmeier-Stra├če ist eine verkehrsberuhigte Anliegerstra├če angeordnet. Von
der Franz-Kirrmeier-Stra├če kann man LKW-tauglich von S├╝den kommend zus├Ątzlich
zur Hauptzufahrt an drei Stellen in die Anliegerstra├če kreuzungsfrei ein- und jeweils
nach Norden abbiegend ausfahren. Durch diese Ma├čnahmen zur Entzerrung kann
der Kreisel entfallen.
Der Autoverkehr konzentriert sich auf den westlichen Rand des Areals entlang der
Franz-Kirrmeier-Stra├če. Der komplette Uferbereich bleibt im Stadium der
Endausbaustufe autofreie Zone.
In dem ├╝ppig bepflanzten Gr├╝nraum zwischen Franz-Kirrmeier-Stra├če und
Anliegerstra├če befindet sich eine gr├Â├čere Zahl von ├Âffentlichen Stellpl├Ątzen als
baurechtlich erforderlich. Dadurch ist f├╝r die ├ľffentlichkeit eine gute Erreichbarkeit
des B├╝rgerparks am Rheinufer gew├Ąhrleistet. Von der parallel zur Franz-Kirrmeier-
Stra├če gef├╝hrten Anliegerstra├če werden die unter den Wohnh├Âfen gelegenen
Parkdecks direkt erschlossen. In den Parkdecks sind die gew├╝nschten 1,5 Stellpl├Ątze
pro Wohneinheit nachgewiesen.
Die zwischen den Wohnh├Âfen gef├╝hrten Spielstra├čen bleiben unber├╝hrt vom
Zielverkehr zu den ├╝berdeckten Garagen und stellen somit zus├Ątzlich attraktive
Au├čenr├Ąume dar. Sie verbinden die westlichen Stadtbereiche fu├čl├Ąufig direkt mit
dem Rhein. Zus├Ątzliche Stellpl├Ątze f├╝r die Anwohner und deren G├Ąste sind
gestaltvertr├Ąglich in den Spielstra├čen unter B├Ąumen angeordnet. An der Franz-
Kirrmeier-Stra├če befinden sich die beiden Bushaltestellen an den daf├╝r
vorgesehenen Stellen.
Hochwasserschutz
Die Wohnungen im EG werden mit samt der begr├╝nten Wohnh├Âfe durch einen
Sockel um 1 m auf 98,00 ├╝.NN angehoben. Die Wohnungen im EG und die
Wohnh├Âfe erhalten zur Wasserseite hin eine massive Br├╝stung mit einer Oberkante
von 98.90 ├╝.NN. Die Anforderungen des Hochwasserschutzes
(Extremhochwasserereignis: 98,60 ├╝.NN) werden somit durch den Einsatz von
mobilen Elementen lediglich im Bereich der Durchstiche zwischen den 5 Carr├ęs und
im Bereich der Anschl├╝sse im Norden und im S├╝den erf├╝llt.
Bauabschnitte, Bestandsschutz
Durch die Aufteilung in f├╝nf Carr├ęs ist eine schrittweise Bebauung realisierbar. Der
Entwurf ist so angelegt, dass er sowohl mit als auch ohne den noch zu erhaltenden
Geb├Ąudebestand an der Hafen- und an der Franz-Kirrmeier-Stra├če gut funktioniert.
Regeneratives Energiekonzept
In Erg├Ąnzung zum vorgesehenen Fernw├Ąrmeanschluss ist im Sinne des
Klimaschutzes sowie zur Schonung der fossilen Ressourcen beabsichtigt,
regenerative Energiekonzepte ├Âkonomisch sinnvoll in verschiedenen Varianten
einzusetzen. Von den zur Verf├╝gung stehenden regenerativen Energien
(Windenergie, Wasserkraft, Solarenergie, Bioenergie und Geothermie) k├Ânnte f├╝r
das Bauvorhaben die Solarenergie, Bioenergie und Geothermie sinnvoll genutzt
werden.
F├╝r den Trinkwasserbedarf (Warmwasser) w├Ąre eine thermische, auf den
Flachd├Ąchern lokalisierte Solaranlage die ideale L├Âsung. Im Sommerfall m├╝sste die
Heizungsanlage zum Gro├čteil nicht genutzt werden. Zur Erzeugung von Heizenergie
w├Ąre die Nutzung einer Pellet-/Holzhackschnitzel-Kesselanlage in Kombination mit
der Solarenergie denkbar, ggf. auch in Kombination mit der vorhandenen
Fernw├Ąrme.
Als weitere M├Âglichkeit k├Ąme durch die gro├če Grundst├╝cksfl├Ąche eine
Erdw├Ąrmenutzung (Geothermie) in Frage. Hier gibt es verschiedene Arten wie
Grundwassergeothermie, Energiepf├Ąhle oder Energiesonden, wobei hier die N├Ąhe
zum Rheins zu beachten ist. Durch die Nutzung der Geothermie kann der in den
Sommermonaten immer gr├Â├čer werdende Anspruch der Bewohnerschaft auf
Geb├Ąudek├╝hlung mit einfachen Mitteln realisiert werden. Zur Erzielung eines
Energiestandards, der mindestens 30% unter den geltenden Anforderungen der
EnEV liegt (KFW 70, KFW 55 oder Passivhaus) ist es notwendig, eine kontrollierte
Wohnrauml├╝ftung (ggf. mit W├Ąrmer├╝ckgewinnung) einzusetzen. Diese erzeugt
gleichzeitig ein angenehmes Wohnklima. Alle beschriebenen Energiekonzepte
k├Ânnten einzeln, sowie gemeinsam genutzt werden. Hierf├╝r ist jedoch in den
weiteren Planungsschritten eine dezidierte Voruntersuchung vorzunehmen, um eine
Versorgungssicherheit zu gew├Ąhrleisten.

Beurteilung durch das Preisgericht

Es gelingt den Verfassern in sehr zielstrebiger Weise die gestellte Aufgabe der neuen Rheinuferbebauung in Speyer zu l├Âsen. Die positiven Merkmale des Entwurfs dabei sind:
ÔÇó gut dimensionierte Teilquartiere zu bilden;
ÔÇó es gelingt eine respektvolle Haltung der Neubauten gegen├╝ber der Domsilhouette;
ÔÇó alle Wohnungen haben unmittelbaren Blickbezug zum Flussraum;
ÔÇó durch die Abstufungen in den Obergeschossen entstehen besonders wertvolle Wohnungen;
ÔÇó der Wohnungsmix ist sehr variantenreich.
Der Entwurf zeichnet sich dadurch aus, dass die Domansicht und die Solit├Ąrstellung des Doms im topographischen Kontext nicht gest├Ârt werden, auch weil das Gr├╝nvolumen des Domgartens erfahrbar bleibt. Die Stadtsilhouette wird nicht beeintr├Ąchtigt. Die st├Ądtebauliche Anbindung nach Westen ist gegeben; die Anordnung des neuen Wohnquartiers verbindet sich mit der dahinter liegenden bestehenden Stadtstruktur, so dass Speyer als Gesamtstadt dem Rhein n├Ąher kommt. Der gro├čz├╝gig angebotene ÔÇÜRheinparkÔÇÖ als B├╝rgerpark stellt nicht nur einen Gewinn f├╝r das neue Wohnen dar, sondern wird ein gesamtst├Ądtischer Zugewinn. Gro├čz├╝gig spannt sich dieser Auenpark zwischen neuer Wohnbebauung und Rhein.
Die beiden Auftaktpl├Ątze an den Parkenden integrieren historischen Bestand und neue Nutzungen zu einem hochwertigen Promenadenkonzept entlang des Rheinufers und parallel des Baufeldes. Die Einbindung in den kulturlandschaftlichen Kontext ist ├╝berzeugend gel├Âst. Mit Pappeln wird die historische Stadtsilhouette aufgegriffen. Auch die Abgrenzung von privaten Gartenh├Âfen und ├Âffentlichem Raum ist durch die topographische Gestaltung sehr subtil gelungen.
Die Gestaltsprache der Fassaden hat nicht ganz den Rang f├╝r die prominente Bausituation und bedarf der weiteren Entwicklung. Die Ausk├╝nfte zur Materialpalette sind sp├Ąrlich. Bei der Erschlie├čung gelingt es nicht ganz, das Konzept zu optimieren: Die parallel zur Franz-Kirrmeier-Stra├če verlaufende Anliegerstra├če ist aufw├Ąndig, aber im Wechsel der Tiefgaragenzufahrt mit den Spielstra├čen sinnvoll. Die Andienung der Geb├Ąude ist gew├Ąhrleistet (LKW, Umz├╝ge, M├╝llabfuhr), die Tiefgaragen sind funktionsf├Ąhig, die vorgesehenen Bauabschnitte sinnvoll. Auch der Hochwasserschutz ist sorgf├Ąltig ├╝berlegt. Die Wohnfl├Ąche liegt mit rd. 28.000 m┬▓ leicht unter den gew├╝nschten Vorgaben. Die unter Bestandsschutz stehenden Altbauten und die Villa bleiben unver├Ąndert; auch das Pegelhaus ist erhalten. Die ehemalige Direktorenvilla wird auf selbstverst├Ąndliche Weise in das neue Baugebiet integriert und kommt in eine ausgepr├Ągte Position. Der dort angeordnete Platz ÔÇÜAm alten HafenÔÇÖ mit der Br├╝cke zur Mole erg├Ąnzt dieses Ensemble sehr wirksam. Zu einem frei bestimmbaren, sp├Ąteren Zeitpunkt kann die Fl├Ąche als Erweiterung dem Rheinpark zugeschlagen werden. Sie bleiben vom neuen Hochwasserschutzsystem ausgespart.
Stadtstruktur

Stadtstruktur

Lageplan, Ansichten

Lageplan, Ansichten

st├Ądtebaualiches Detail, Ansicht vom Rhein

st├Ądtebaualiches Detail, Ansicht vom Rhein

Beispielgrundrisse, Ansicht und Schnitt

Beispielgrundrisse, Ansicht und Schnitt

Perspektive Leinpfad

Perspektive Leinpfad

Modell

Modell