Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025
Neuordnung Lätarekirche und Neubau Christophorus Zentrum in München-Neuperlach
©ED_
Außenperspektive vom Kirchplatz auf den Neubau des Christophoruszentrums
2. Preis
Preisgeld: 21.600 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Amelie Langkutsch, Dominic Geppert, Yuliia Strelnikova, Amelie Langkutsch, Dominic Geppert, Yuliia Strelnikova
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Visualisierung
Erläuterungstext
Das 1970 errichtete Lätare-Areal im Münchner Sanierungsgebiet Neuperlach Nord prägt mit seinem Ensemble aus Kirche, Gemeindehaus, Pfarrhaus und Haus für Kinder, welche in ihrer Mitte einen großzügigen Kirchplatz umschließen seit Jahrzehnten das Quartier. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und baulicher Defizite soll das Areal zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Ziel ist es, das Ensemble im Sinne des integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) zu einem hybriden Stadtbaustein für Bildung, Kultur, Gesundheit und Nachbarschaft zu transformieren. Der denkmalgeschützte Kirchenbau wird zum multifunktionalen Veranstaltungsraum umgestaltet und durch einen Anbau mit Nebenflächen und zwei Wohnungen ergänzt. Das Gemeindehaus erhält eine Aufstockung sowie einen Anbau. Durch die zusätzlichen Flächen kann der Baustein nun für die Diakonie, sowie die Heilpädagogische Tagesstätte genutzt werden. Anstelle des Pfarrhauses entsteht ein Neubau für den Christophorus Hospiz Verein, sowie dem BildungsLokal und GesundheitsTreff. Das Haus für Kinder im Süden bleibt bestehen.
Die zentralen Entwurfsprinzipien für das Ensemble bestehen in einer präzisen städtebaulichen Setzung, die sensibel mit den denkmalgeschützten Bestandsstrukturen umgeht, sowie in der Gestaltung eines lebendigen Kirchplatzes, der als neue Mitte des Viertels das Umfeld einbindet und einen sozialen Mehrwert für den Ort schafft.
Die Setzung des Neubaus des Christophoruszentrums folgt in seiner Ausrichtung dem ehemaligen Pfarrhaus (parallel zu den Bestandsgebäuden). Die Gebäudeflucht im Osten wurde um ca. 10m nach Westen verschoben. Dies führt zu einer deutlichen Vergrößerung des Kirchplatzes und einer größeren Öffnung zur Quiddestraße. Damit entsteht im Norden eine deutliche Eingangsgeste, welche zu einer Wahrnehmbarkeit und Belebung des Areals führen soll. Um Alt und Neu weiterhin erlebbar zu machen wurde in der vollen Breite der Platzaufweitung Sitzstufen neben die Bestandstreppe gesetzt. Während die Bestandstreppe die ursprüngliche Eingangsgeste markiert, stehen die Sitzstufen für das neue, offene Gesicht des Ensembles und schaffen einen Raum zum Ankommen und Verweilen.
Eine weitere zentrale Entwurfsgrundlage ist der funktionale und behutsame Umgang mit dem Kirchplatz sowie den unterschiedlichen Geländehöhen.
Ziel ist es, die räumliche Klarheit des Platzes zu stärken, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die barrierefreie Erschließung sicherzustellen. Die drei Hauptebenen im Areal – das Straßenniveau (Quiddestraße und Plettstraße), das Kirchplatzniveau sowie das erhöhte Plateau vor dem Gemeindehaus – bleiben in ihrer gestalterischen Wirkung erhalten und werden gezielt weiterentwickelt. Um im nördlichen Bereich ein voll nutzbares Geschoss zwischen Straßenniveau und Kirchplatzebene zu ermöglichen, wurde das Gelände vor dem Christophoruszentrum um 50 cm angehoben. Die bestehende Treppe wurde entsprechend um drei Stufen ergänzt. Das Plateau vor dem ehemaligen Gemeindehaus wurde um 20 cm erhöht, wodurch eine durchgängig ebenerdige Erschließung entlang der gesamten Südseite ermöglicht wird – zuvor war hierfür eine Rampe notwendig. Durch die gezielte Anhebung beider Ebenen bleibt die gestalterische Gliederung erhalten, während die Nutzbarkeit deutlich verbessert wird. Eine neu eingefügte Rampe überwindet den verbliebenen Geländeversprung von 50 cm barrierefrei. Die beiden kleinen Treppenanlagen im Norden der Kirche sowie östlich des Neubaus wurden als funktionale Hindernisse eingestuft und tragen nicht wesentlich zur Gestaltung des Platzraums bei. Aus diesem Grund wurden sie zurückgebaut. Der Geländeversprung von etwa 50 cm zwischen Kirchplatz und dem Vorplatz des Christophoruszentrums wurde stattdessen durch eine Geländemodellierung mit einem flachen Gefälle von unter 4 % ausgeglichen. Zur Stärkung der Ausrichtung des Kirchplatzes zur Lätare-Kirche wurde die bestehende Treppe zwischen dem Plateau vor dem Gemeindehaus und dem Kirchplatz um Sitzstufen ergänzt. Diese Maßnahme ermöglicht nicht nur einen verbesserten Aufenthaltsqualität, sondern schafft auch eine klare gestalterische Verbindung zwischen Bestand und Ergänzung: Die bestehende Treppe bleibt als ursprüngliches Element erhalten, während die neuen Sitzstufen eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen. Die Sitzrichtung orientiert sich zur Kirche, wodurch deren Rolle als zentraler Baustein des Ensembles gestärkt und räumlich klar hervorgehoben wird. Durch diese klare räumliche Organisation der Freiflächen wird der Hofraum nicht nur zur Orientierung und Verbindung im Ensemble genutzt, sondern seine wichtige Funktion als sozialer Begegnungsort der Gemeinde gefördert.
Erschließungskonzept
Ein zentrales Element der vorgeschlagenen Konzeption ist die Neustrukturierung der Erschließung, mit dem Ziel, die Orientierung im Quartier zu erleichtern und das Areal als offenen, durchlässigen sowie lebendigen Stadtraum weiterzuentwickeln. Das Planungsgebiet wird im Westen von der Plettstraße und im Norden von der Quiddestraße gefasst, über die die Haupterschließung für Fußgänger:innen und Radfahrende erfolgt. Straßenseitig angelegte, ebenerdige Eingänge zum Gesundheitstreff und Bildungslokal im Neubau sowie zur Diakonie im ehemaligen Gemeindehaus ermöglichen spezifischen Nutzergruppen einen direkten Zugang. Ergänzend ermöglicht ein durchladender Fahrstuhl im Neubau, der vom Straßenniveau der Quiddestraße unmittelbar erreichbar ist, eine barrierefreie, direkte Verbindung zum Niveau des Kirchplatzes. Alle weiteren Besucher:innen werden über die in das Gelände geschnittene Bestandstreppe mit großzügigen Sitzelementen fließend in das Areal geführt. Sie fungiert als klar ablesbare Hauptzugangsgeste zum erhabenen Kirchplatz und unterstützt gleichzeitig die Orientierung sowie die topografische Erschließung des Geländes. Die Besucherströme werden auf dem öffentlichen Platz gebündelt, um den sich die vier Baukörper räumlich orientieren. Über den Kirchplatz erreicht man den Christophorus-Neubau, die Heilpädagogische Tagesstätte, sowie die Kirche. Trotz der differenzierten Eingänge entsteht eine klare Adressbildung über den Kirchplatz. Eine auf öffentlichem Grund liegende Fußgängerbrücke, die über die Quiddestraße hinweg den Anschluss an den Ostpark herstellt, mündet direkt auf den Kirchplatz. Dieser bildet aus städtebaulicher Sicht eine zentrale Nord-Süd-Querungsachse, die sich südlich entlang der Kirche bis ins Quartierszentrum fortsetzt. Parallel dazu gewährleistet eine barrierefreie Rampe einen weiteren direkten Zugang zum Kirchplatz, sodass auch mobilitätseingeschränkte Besucher:innen den zentralen öffentlichen Raum problemlos erreichen können. Außerdem dient die Rampe zur Anlieferung für die Tafel und zum Erreichen der Feuerwehraufstellflächen auf dem Kirchhof. Die bestehende westliche Abzweigung mit der denkmalgeschützten Treppe bindet zusätzlich die Plettstraße an und bleibt erhalten. Die geforderten Stellplätze werden in einer neuen Tiefgarage unter dem Neubau nachgewiesen, die über die Plettstraße im Westen erschlossen wird. Die Tiefgarage ist in zwei Ebenen gegliedert. Ein Teil der Stellplätze wird im Straßengeschoss, der andere Teil wird im Untergeschoss nachgewiesen. Um den Stellplatzbedarf zu erfüllen, kommen teilweise Doppelparker zum Einsatz. Die Flächen im Straßengeschoss sind so geplant, dass sie bei einem zukünftigen Rückbau der Stellplätze im Rahmen einer Verkehrswende flexibel umgenutzt werden können.
Nutzungskonzept
Die Lätare-Kirche mit vorgelagertem Platz wurde zwischen 1969 und 1971 nach Plänen von Heinrich Bäumler errichtet und 2023 in die Denkmalliste aufgenommen. Ein halbrunder Treppenturm akzentuiert im Norden den Zugang des kubischen Sichtziegelbaus. Der quadratisch angelegte Innenraum bleibt in seiner räumlichen Wirkung erhalten, wird künftig jedoch neben der sakralen Nutzung auch multifunktional für Gemeindebedarf, Feste und Veranstaltungen genutzt. Im Rahmen der geplanten Maßnahmen erfolgt sowohl eine energetische Ertüchtigung der Bausubstanz als auch eine dreigeschossige Erweiterung im Osten, die die funktionalen Anforderungen für Veranstaltungen und zwei Wohnungen integriert. Im Erdgeschoss sind hierfür Sanitäranlagen, Lagerräume sowie eine Ausgabeküche vorgesehen, die direkt an den Veranstaltungsraum angebunden ist und eine effiziente Nutzung ermöglicht. Darüber hinaus ist ein Lagerraum für die Münchner Tafel e.V. vorgesehen, deren wöchentliche Essensausgabe auf dem Kirchhof stattfindet. Im Obergeschoss entsteht eine flexibel nutzbare Drei-Zimmer-Wohnung, die unterschiedliche Belegungsoptionen ermöglicht, vorrangig jedoch als Pfarrwohnung vorgesehen ist. Ein neu angelegtes Treppenhaus, das einen direkten Zugang zum östlich verlaufenden Fußweg erhält, gewährleistet den zweiten baulichen Rettungsweg. Zudem wird die Empore des Hauptbaukörpers verglast und mit dem Pfarrbüro, dem Quartiersmanagement-Büro sowie dem Sekretariat belegt, wodurch die organisatorischen Funktionen der Kirchengemeinde direkt in das Ensemble integriert werden. Eine weitere Drei-Zimmer-Wohnung befindet sich im 2. Obergeschoss. Der Anbau orientiert sich in seiner Höhe an der Traufhöhe der Kirche. Richtung Norden präsentiert sich der Anbau als geschlossenes Volumen um nicht in Konkurrenz mit dem Bestandsbau zu treten. Der Zugang sowie sämtliche Öffnungen sind aus diesem Grund nach Osten ausgerichtet. Das ehemalige Gemeindehaus an der Quiddestraße wird einer nutzungsgerechten Sanierung und energetischen Instandsetzung unterzogen. Die äußere Hülle bleibt dabei erhalten, ebenso das konstruktive Grundraster sowie ausgewählte Wandscheiben, die in die neue Gebäudestruktur integriert werden. Ergänzend wird das Bestandsvolumen durch eine Aufstockung sowie ein zusätzliches Treppenhaus als zweiter baulicher Rettungsweg erweitert, wodurch eine zeitgemäße Anpassung an die neuen funktionalen Anforderungen ermöglicht wird. Im Straßengeschoss nimmt künftig die Diakonie München und Oberbayern ihre Räume ein und erhält hierfür einen eigenen, klar adressierten Haupteingang. Neben den fassadenseitigen Büroräumen sind eine Kleiderkammer, mehrere Lagerräume sowie ein Sozialraum mit zugehörigen Sanitäranlagen vorgesehen. Auf dem Kirchplatzniveau in unmittelbarer Nähe zur Lätare Kirche sind weitere Nutzungen der Kirchengemeinde im ehemaligen Gemeindehaus verortet. Der bestehende Gemeindesaal mit zugehörigen Nebenräumen wird umstrukturiert und die Flächen auf das geforderte Minimum reduziert. Er dient als flexibler Raum für Veranstaltungen des Christophorus Hospiz Vereins (CHV), für das Seniorencafé und Trauercafé in Kooperation mit dem CHV sowie für offene Gruppenangebote wie Tanz- oder Gesprächskreise. Darüber hinaus steht er für Gremiensitzungen und weitere gemeindliche Aktivitäten zur Verfügung. Auch der bestehende Gruppenraum wird künftig neben der Kirchengemeinde von weiteren Nutzergruppen in Anspruch genommen. Beide Räume profitieren durch die neue Fassadenhaut von einer großzügigen Belichtung mit Tageslicht, was ihre Aufenthaltsqualität erheblich steigert. Ebenfalls vom Kirchplatz aus erschlossen, bekommt die Heilpädagogische Tagesstätte Neuperlach eine neue Adresse und gewährleistet auch künftig die Versorgung der seelisch behinderten Schulkinder im Stadtteil. Im Erdgeschoss übernimmt ein zentrales Foyer die Funktion der Ankunfts- und Verteilerzone: Es empfängt Kinder, Eltern und Mitarbeitende gleichermaßen, führt zu den auf dieser Ebene verorteten Büroräumen und leitet weiter in die drei Gruppenbereiche im 1. Obergeschoss, die jeweils Platz für acht Kinder bieten. Jedem Gruppenraum ist ein eigener Nebenraum sowie eine zugehörige Sanitäreinheit zugeordnet. Die zentral zusammengefassten Garderoben ermöglichen eine klare Trennung zwischen Straßen- und Hausschuhbereich, wodurch Hygiene, Ordnung und Orientierung innerhalb der Einrichtung verbessert werden. Eine Küche, in der täglich frisch gekocht wird, unterstützt den pädagogischen Alltag und stärkt das gemeinschaftliche Miteinander. Im 2. Obergeschoss öffnet sich ein großzügiger Freibereich, der stirnseitig von Raumspangen gefasst wird, in denen die Erschließung, Nebenräume und der Mehrzweckraum untergebracht sind. Besonders letzterer profitiert von der direkten Anbindung an die Terrasse und entwickelt dadurch eine herausgehobene Aufenthaltsqualität. Die Dachterrasse ist in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert – für Spiel-, Sport- und Kommunikationsangebote – und eröffnet gleichzeitig weite Ausblicke auf den Kirchplatz sowie die umliegende Ortschaft. Der kubische Hospiz-Neubau, der das ehemalige Pfarrhaus ersetzt, orientiert sich an der Quiddestraße und schiebt sich mit seiner Tiefgarage nach Süden in das ansteigende Gelände. Zur Straßenseite öffnet sich ein großzügiger, lichtdurchfluteter Ankommensbereich mit zentralem Treppenkern und einem durchladenden Aufzug, die vorrangig den Besuchenden des Gesundheitstreffs sowie des Bildungslokals im 2. Obergeschoss vorbehalten sind. Darüber hinaus sind der Hausmeisterraum sowie verschiedene Lager- und Müllräume funktional gut zugänglich auf Straßenniveau untergebracht. Das gesamte Geschoss mit den süd-westlich gelegenen Stellplätzen ist in seiner Raumhöhe so bemessen, dass eine spätere Umnutzung nicht benötigter Parkflächen flexibel umgesetzt werden kann, wodurch langfristige Anpassungen an geänderte Bedarfe im Ensemble möglich bleiben. Vom zentralen Kirchplatz führt ein Gebäudeunterschnitt intuitiv in den weitläufigen Ankommensbereich, der sich fließend über die gesamte Gebäudebreite zur Begegnungsstätte mit Café des Christophoruszentrums erstreckt. Durch die offene Gestaltung entstehen direkte Blick- und Bewegungsbezüge zwischen dem Kirchplatz, dem Foyer und den öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss. Hier sind der große Veranstaltungssaal, Seminarräume sowie ausgewählte Büroräume für das gesamte Areal untergebracht. Ein zentral angeordneter Erschließungskern fasst Treppenkerne, Sanitärbereiche und notwendige Nebenräume zusammen und strukturiert das Erdgeschoss funktional. I m ersten Obergeschoss sind ruhigeren Räumlichkeiten des Tageshospiz und der Begegnungsstätte des Christophoruszentrums um einen begrünten Hof mit eigener Terrasse angeordnet. Der offene Aufenthaltsbereich schließt direkt daran an und bietet uneingeschränkten Blickbezug zum zentralen Stationsstützpunkt. Die ruhig gelegene Begegnungsstätte umfasst niedrigschwellige Tagesangebote sowie palliative Beratung und ausgewählte therapeutische Angebote, die psychosoziale Begleitung und Austausch ermöglichen. Die Büroeinheiten des Care-Teams sind L-förmig an der gegenüberliegenden Gebäudeseite um den Erschließungskern angeordnet, wodurch eine klare räumliche Struktur entsteht und kurze Wege zu den angrenzenden Nutzungen gewährleistet sind. Im zweiten Obergeschoss erschließt ein separater Eingangsbereich auf der einen Seite einen weiteren Veranstaltungssaal und auf der gegenüberliegenden Seite den Gesundheitstreff sowie das Bildungslokal, deren Räume um den begrünten Hof angeordnet sind und unabhängig voneinander betrieben werden. Die Aufenthaltsbereiche der beiden Nutzungen sind beidseitig an den Innenhof angegliedert, wodurch sie von Tageslicht profitieren und ein angenehmes Raumgefühl bieten. Der Gesundheitstreff fungiert als Außenstandort des Gesundheitsreferats und bündelt die Angebote der kommunalen Gesundheitsvorsorge bedarfsgerecht unter einem Dach. Die Bildungslokale dienen als Orte der Information, des Lernens, der Beratung und des fachlichen Austauschs für alle Bürger:innen sowie lokale Akteure des Stadtquartiers. Davon klar getrennt und separat erschlossen befinden sich zwei Wohneinheiten, die durch das Konstruktionsraster flexibel nachnutzbar bleiben. Die vertikale Funktionsstapelung im Bauvolumen bietet darüber hinaus die Möglichkeit, das Hospiz über ein Staffelgeschoss räumlich zu erweitern, sodass zusätzliche Betreuungs- und Funktionsbereiche geschaffen werden können, ohne die bestehenden Nutzungen zu beeinträchtigen.
Ziel ist es, die räumliche Klarheit des Platzes zu stärken, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die barrierefreie Erschließung sicherzustellen. Die drei Hauptebenen im Areal – das Straßenniveau (Quiddestraße und Plettstraße), das Kirchplatzniveau sowie das erhöhte Plateau vor dem Gemeindehaus – bleiben in ihrer gestalterischen Wirkung erhalten und werden gezielt weiterentwickelt. Um im nördlichen Bereich ein voll nutzbares Geschoss zwischen Straßenniveau und Kirchplatzebene zu ermöglichen, wurde das Gelände vor dem Christophoruszentrum um 50 cm angehoben. Die bestehende Treppe wurde entsprechend um drei Stufen ergänzt. Das Plateau vor dem ehemaligen Gemeindehaus wurde um 20 cm erhöht, wodurch eine durchgängig ebenerdige Erschließung entlang der gesamten Südseite ermöglicht wird – zuvor war hierfür eine Rampe notwendig. Durch die gezielte Anhebung beider Ebenen bleibt die gestalterische Gliederung erhalten, während die Nutzbarkeit deutlich verbessert wird. Eine neu eingefügte Rampe überwindet den verbliebenen Geländeversprung von 50 cm barrierefrei. Die beiden kleinen Treppenanlagen im Norden der Kirche sowie östlich des Neubaus wurden als funktionale Hindernisse eingestuft und tragen nicht wesentlich zur Gestaltung des Platzraums bei. Aus diesem Grund wurden sie zurückgebaut. Der Geländeversprung von etwa 50 cm zwischen Kirchplatz und dem Vorplatz des Christophoruszentrums wurde stattdessen durch eine Geländemodellierung mit einem flachen Gefälle von unter 4 % ausgeglichen. Zur Stärkung der Ausrichtung des Kirchplatzes zur Lätare-Kirche wurde die bestehende Treppe zwischen dem Plateau vor dem Gemeindehaus und dem Kirchplatz um Sitzstufen ergänzt. Diese Maßnahme ermöglicht nicht nur einen verbesserten Aufenthaltsqualität, sondern schafft auch eine klare gestalterische Verbindung zwischen Bestand und Ergänzung: Die bestehende Treppe bleibt als ursprüngliches Element erhalten, während die neuen Sitzstufen eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen. Die Sitzrichtung orientiert sich zur Kirche, wodurch deren Rolle als zentraler Baustein des Ensembles gestärkt und räumlich klar hervorgehoben wird. Durch diese klare räumliche Organisation der Freiflächen wird der Hofraum nicht nur zur Orientierung und Verbindung im Ensemble genutzt, sondern seine wichtige Funktion als sozialer Begegnungsort der Gemeinde gefördert.
Erschließungskonzept
Ein zentrales Element der vorgeschlagenen Konzeption ist die Neustrukturierung der Erschließung, mit dem Ziel, die Orientierung im Quartier zu erleichtern und das Areal als offenen, durchlässigen sowie lebendigen Stadtraum weiterzuentwickeln. Das Planungsgebiet wird im Westen von der Plettstraße und im Norden von der Quiddestraße gefasst, über die die Haupterschließung für Fußgänger:innen und Radfahrende erfolgt. Straßenseitig angelegte, ebenerdige Eingänge zum Gesundheitstreff und Bildungslokal im Neubau sowie zur Diakonie im ehemaligen Gemeindehaus ermöglichen spezifischen Nutzergruppen einen direkten Zugang. Ergänzend ermöglicht ein durchladender Fahrstuhl im Neubau, der vom Straßenniveau der Quiddestraße unmittelbar erreichbar ist, eine barrierefreie, direkte Verbindung zum Niveau des Kirchplatzes. Alle weiteren Besucher:innen werden über die in das Gelände geschnittene Bestandstreppe mit großzügigen Sitzelementen fließend in das Areal geführt. Sie fungiert als klar ablesbare Hauptzugangsgeste zum erhabenen Kirchplatz und unterstützt gleichzeitig die Orientierung sowie die topografische Erschließung des Geländes. Die Besucherströme werden auf dem öffentlichen Platz gebündelt, um den sich die vier Baukörper räumlich orientieren. Über den Kirchplatz erreicht man den Christophorus-Neubau, die Heilpädagogische Tagesstätte, sowie die Kirche. Trotz der differenzierten Eingänge entsteht eine klare Adressbildung über den Kirchplatz. Eine auf öffentlichem Grund liegende Fußgängerbrücke, die über die Quiddestraße hinweg den Anschluss an den Ostpark herstellt, mündet direkt auf den Kirchplatz. Dieser bildet aus städtebaulicher Sicht eine zentrale Nord-Süd-Querungsachse, die sich südlich entlang der Kirche bis ins Quartierszentrum fortsetzt. Parallel dazu gewährleistet eine barrierefreie Rampe einen weiteren direkten Zugang zum Kirchplatz, sodass auch mobilitätseingeschränkte Besucher:innen den zentralen öffentlichen Raum problemlos erreichen können. Außerdem dient die Rampe zur Anlieferung für die Tafel und zum Erreichen der Feuerwehraufstellflächen auf dem Kirchhof. Die bestehende westliche Abzweigung mit der denkmalgeschützten Treppe bindet zusätzlich die Plettstraße an und bleibt erhalten. Die geforderten Stellplätze werden in einer neuen Tiefgarage unter dem Neubau nachgewiesen, die über die Plettstraße im Westen erschlossen wird. Die Tiefgarage ist in zwei Ebenen gegliedert. Ein Teil der Stellplätze wird im Straßengeschoss, der andere Teil wird im Untergeschoss nachgewiesen. Um den Stellplatzbedarf zu erfüllen, kommen teilweise Doppelparker zum Einsatz. Die Flächen im Straßengeschoss sind so geplant, dass sie bei einem zukünftigen Rückbau der Stellplätze im Rahmen einer Verkehrswende flexibel umgenutzt werden können.
Nutzungskonzept
Die Lätare-Kirche mit vorgelagertem Platz wurde zwischen 1969 und 1971 nach Plänen von Heinrich Bäumler errichtet und 2023 in die Denkmalliste aufgenommen. Ein halbrunder Treppenturm akzentuiert im Norden den Zugang des kubischen Sichtziegelbaus. Der quadratisch angelegte Innenraum bleibt in seiner räumlichen Wirkung erhalten, wird künftig jedoch neben der sakralen Nutzung auch multifunktional für Gemeindebedarf, Feste und Veranstaltungen genutzt. Im Rahmen der geplanten Maßnahmen erfolgt sowohl eine energetische Ertüchtigung der Bausubstanz als auch eine dreigeschossige Erweiterung im Osten, die die funktionalen Anforderungen für Veranstaltungen und zwei Wohnungen integriert. Im Erdgeschoss sind hierfür Sanitäranlagen, Lagerräume sowie eine Ausgabeküche vorgesehen, die direkt an den Veranstaltungsraum angebunden ist und eine effiziente Nutzung ermöglicht. Darüber hinaus ist ein Lagerraum für die Münchner Tafel e.V. vorgesehen, deren wöchentliche Essensausgabe auf dem Kirchhof stattfindet. Im Obergeschoss entsteht eine flexibel nutzbare Drei-Zimmer-Wohnung, die unterschiedliche Belegungsoptionen ermöglicht, vorrangig jedoch als Pfarrwohnung vorgesehen ist. Ein neu angelegtes Treppenhaus, das einen direkten Zugang zum östlich verlaufenden Fußweg erhält, gewährleistet den zweiten baulichen Rettungsweg. Zudem wird die Empore des Hauptbaukörpers verglast und mit dem Pfarrbüro, dem Quartiersmanagement-Büro sowie dem Sekretariat belegt, wodurch die organisatorischen Funktionen der Kirchengemeinde direkt in das Ensemble integriert werden. Eine weitere Drei-Zimmer-Wohnung befindet sich im 2. Obergeschoss. Der Anbau orientiert sich in seiner Höhe an der Traufhöhe der Kirche. Richtung Norden präsentiert sich der Anbau als geschlossenes Volumen um nicht in Konkurrenz mit dem Bestandsbau zu treten. Der Zugang sowie sämtliche Öffnungen sind aus diesem Grund nach Osten ausgerichtet. Das ehemalige Gemeindehaus an der Quiddestraße wird einer nutzungsgerechten Sanierung und energetischen Instandsetzung unterzogen. Die äußere Hülle bleibt dabei erhalten, ebenso das konstruktive Grundraster sowie ausgewählte Wandscheiben, die in die neue Gebäudestruktur integriert werden. Ergänzend wird das Bestandsvolumen durch eine Aufstockung sowie ein zusätzliches Treppenhaus als zweiter baulicher Rettungsweg erweitert, wodurch eine zeitgemäße Anpassung an die neuen funktionalen Anforderungen ermöglicht wird. Im Straßengeschoss nimmt künftig die Diakonie München und Oberbayern ihre Räume ein und erhält hierfür einen eigenen, klar adressierten Haupteingang. Neben den fassadenseitigen Büroräumen sind eine Kleiderkammer, mehrere Lagerräume sowie ein Sozialraum mit zugehörigen Sanitäranlagen vorgesehen. Auf dem Kirchplatzniveau in unmittelbarer Nähe zur Lätare Kirche sind weitere Nutzungen der Kirchengemeinde im ehemaligen Gemeindehaus verortet. Der bestehende Gemeindesaal mit zugehörigen Nebenräumen wird umstrukturiert und die Flächen auf das geforderte Minimum reduziert. Er dient als flexibler Raum für Veranstaltungen des Christophorus Hospiz Vereins (CHV), für das Seniorencafé und Trauercafé in Kooperation mit dem CHV sowie für offene Gruppenangebote wie Tanz- oder Gesprächskreise. Darüber hinaus steht er für Gremiensitzungen und weitere gemeindliche Aktivitäten zur Verfügung. Auch der bestehende Gruppenraum wird künftig neben der Kirchengemeinde von weiteren Nutzergruppen in Anspruch genommen. Beide Räume profitieren durch die neue Fassadenhaut von einer großzügigen Belichtung mit Tageslicht, was ihre Aufenthaltsqualität erheblich steigert. Ebenfalls vom Kirchplatz aus erschlossen, bekommt die Heilpädagogische Tagesstätte Neuperlach eine neue Adresse und gewährleistet auch künftig die Versorgung der seelisch behinderten Schulkinder im Stadtteil. Im Erdgeschoss übernimmt ein zentrales Foyer die Funktion der Ankunfts- und Verteilerzone: Es empfängt Kinder, Eltern und Mitarbeitende gleichermaßen, führt zu den auf dieser Ebene verorteten Büroräumen und leitet weiter in die drei Gruppenbereiche im 1. Obergeschoss, die jeweils Platz für acht Kinder bieten. Jedem Gruppenraum ist ein eigener Nebenraum sowie eine zugehörige Sanitäreinheit zugeordnet. Die zentral zusammengefassten Garderoben ermöglichen eine klare Trennung zwischen Straßen- und Hausschuhbereich, wodurch Hygiene, Ordnung und Orientierung innerhalb der Einrichtung verbessert werden. Eine Küche, in der täglich frisch gekocht wird, unterstützt den pädagogischen Alltag und stärkt das gemeinschaftliche Miteinander. Im 2. Obergeschoss öffnet sich ein großzügiger Freibereich, der stirnseitig von Raumspangen gefasst wird, in denen die Erschließung, Nebenräume und der Mehrzweckraum untergebracht sind. Besonders letzterer profitiert von der direkten Anbindung an die Terrasse und entwickelt dadurch eine herausgehobene Aufenthaltsqualität. Die Dachterrasse ist in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert – für Spiel-, Sport- und Kommunikationsangebote – und eröffnet gleichzeitig weite Ausblicke auf den Kirchplatz sowie die umliegende Ortschaft. Der kubische Hospiz-Neubau, der das ehemalige Pfarrhaus ersetzt, orientiert sich an der Quiddestraße und schiebt sich mit seiner Tiefgarage nach Süden in das ansteigende Gelände. Zur Straßenseite öffnet sich ein großzügiger, lichtdurchfluteter Ankommensbereich mit zentralem Treppenkern und einem durchladenden Aufzug, die vorrangig den Besuchenden des Gesundheitstreffs sowie des Bildungslokals im 2. Obergeschoss vorbehalten sind. Darüber hinaus sind der Hausmeisterraum sowie verschiedene Lager- und Müllräume funktional gut zugänglich auf Straßenniveau untergebracht. Das gesamte Geschoss mit den süd-westlich gelegenen Stellplätzen ist in seiner Raumhöhe so bemessen, dass eine spätere Umnutzung nicht benötigter Parkflächen flexibel umgesetzt werden kann, wodurch langfristige Anpassungen an geänderte Bedarfe im Ensemble möglich bleiben. Vom zentralen Kirchplatz führt ein Gebäudeunterschnitt intuitiv in den weitläufigen Ankommensbereich, der sich fließend über die gesamte Gebäudebreite zur Begegnungsstätte mit Café des Christophoruszentrums erstreckt. Durch die offene Gestaltung entstehen direkte Blick- und Bewegungsbezüge zwischen dem Kirchplatz, dem Foyer und den öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss. Hier sind der große Veranstaltungssaal, Seminarräume sowie ausgewählte Büroräume für das gesamte Areal untergebracht. Ein zentral angeordneter Erschließungskern fasst Treppenkerne, Sanitärbereiche und notwendige Nebenräume zusammen und strukturiert das Erdgeschoss funktional. I m ersten Obergeschoss sind ruhigeren Räumlichkeiten des Tageshospiz und der Begegnungsstätte des Christophoruszentrums um einen begrünten Hof mit eigener Terrasse angeordnet. Der offene Aufenthaltsbereich schließt direkt daran an und bietet uneingeschränkten Blickbezug zum zentralen Stationsstützpunkt. Die ruhig gelegene Begegnungsstätte umfasst niedrigschwellige Tagesangebote sowie palliative Beratung und ausgewählte therapeutische Angebote, die psychosoziale Begleitung und Austausch ermöglichen. Die Büroeinheiten des Care-Teams sind L-förmig an der gegenüberliegenden Gebäudeseite um den Erschließungskern angeordnet, wodurch eine klare räumliche Struktur entsteht und kurze Wege zu den angrenzenden Nutzungen gewährleistet sind. Im zweiten Obergeschoss erschließt ein separater Eingangsbereich auf der einen Seite einen weiteren Veranstaltungssaal und auf der gegenüberliegenden Seite den Gesundheitstreff sowie das Bildungslokal, deren Räume um den begrünten Hof angeordnet sind und unabhängig voneinander betrieben werden. Die Aufenthaltsbereiche der beiden Nutzungen sind beidseitig an den Innenhof angegliedert, wodurch sie von Tageslicht profitieren und ein angenehmes Raumgefühl bieten. Der Gesundheitstreff fungiert als Außenstandort des Gesundheitsreferats und bündelt die Angebote der kommunalen Gesundheitsvorsorge bedarfsgerecht unter einem Dach. Die Bildungslokale dienen als Orte der Information, des Lernens, der Beratung und des fachlichen Austauschs für alle Bürger:innen sowie lokale Akteure des Stadtquartiers. Davon klar getrennt und separat erschlossen befinden sich zwei Wohneinheiten, die durch das Konstruktionsraster flexibel nachnutzbar bleiben. Die vertikale Funktionsstapelung im Bauvolumen bietet darüber hinaus die Möglichkeit, das Hospiz über ein Staffelgeschoss räumlich zu erweitern, sodass zusätzliche Betreuungs- und Funktionsbereiche geschaffen werden können, ohne die bestehenden Nutzungen zu beeinträchtigen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Bei der Arbeit wird das Weiterbauen zum zentralen Thema.
Mit dem geschickten Ergänzen und Anbinden der Erweiterungsbauten gelingt es den Verfassern, ein bestechendes Ensemble zu schaffen, das die Haltung und die räumlichen Qualitäten des ursprünglichen Lätarezentrums transferiert und mit den neuen Anforderungen und der erhöhten Dichte in Einklang bringt.
Im Ergebnis steht eine prägnante Baugruppe, die sowohl in sich, als auch in den Beziehungen zum umgebenden Stadtgefüge eine äußerst stimmige Ausstrahlung besitzt
Die Abfolge von Freiflächenbereichen in unterschiedlichen Ausprägungen ist durchdacht und gut nutzbar
Von der Quiddestraße ist kein direkter barrierefreier Zugang zum Kirchhof vorhanden, auch auf dem Kirchhof selbst sind Teilbereiche nur über lange Wege barrierefrei zugänglich.
Die Ergänzungen fügen sich nahtlos in den Kontext des Bestands ein. Die raumhohen Fenster mit der differenzierten Licht und Schatten-Wirkung bilden die Wünsche des Hospizzentrums nach lichten Räumen gut ab.
Das Lätarezentrum ist von der Quiddestraße sehr gut angebunden mit direkten Zugängen zu den wesentlichen Nutzungsbereichen. Besonders hervorzuheben ist Adressbildung durch den großzügigen Aufgang, der die mit dem Abrücken des Neubaus von der bestehenden Bauflucht möglich wird. Die übergeordnete Durchwegung im Stadtquartier wir deutlich aufgewertet, allerdings ist die Barrierefreiheit zur Quiddestraße nicht gegeben.
Insgesamt sind alle Gebäudeteile gut organisiert mit eindeutiger Wegeführung und guter Orientierbarkeit. Der zentrale Zugang des CHV vom Kirchplatz ist grundsätzlich gut gelöst. Kritik findet jedoch die Großräumigkeit des Cafes mit fehlender Zonierung differenzierter und geschützter Rückzugsbereiche. Die Raumhöhe der großzügigen öffentlichen Raumabfolgen ist zu knapp bemessen.
Für die Nutzung des CHV bzw. deren Gäste ist die Freifläche zu klein und zu eng umschlossen. Die Anmutung als Ruheoase und der Blick ins Weite wird vermisst
Die Anbindung des Gesundheitszentrums und des Bildungslokals über die Treppe bis ins 2.OG ist nicht passend und nicht niederschwellig. Die Funktionalität der HPT ist in der Arbeit gut gelöst inkl. des gut nutzbaren Freibereichs.
Die Wirtschaftlichkeit bei der Errichtung wird durch die relativ hohe Kubatur, die auch der unglücklich organisierten Tiefgarage geschuldet ist, im mittleren Bereich zu sehen sein. Positiv für die Erstellungskosten wirken sich die einfachen und kompakten Baukörper mit geringer Außenwandfläche aus. Sehr kritisch werden die Doppelparker gesehen, durch die allerdings die erforderliche Anzahl der Stellplätze erreicht wird.
Die profilgleiche Ergänzung der Kirche wird sehr kontrovers diskutiert und vom Denkmalschutz sehr kritisch gesehen. Dem steht die positive Wirkung des vergrößerten Volumens auf die Präsenz der Kirche im Gesamtensemble entgegen.
Insgesamt bietet die Arbeit einen hervorragenden Lösungsansatz, der die hohen städtebaulichen, gestalterischen und räumlichen Qualitäten des bestehenden Lätarezentrums in die heutige Zeit überträgt. Einige funktionale Mängel sind jedoch zwingend zu überarbeiten, neben den Freiflächen des Hospizzentrums ist dies insbesondere die Lage des Gesundheitszentrums und des Bildungslokals.
Die Freiflächen des Entwurfs beschränken sich nicht auf den Kirchplatz sondern orientieren sich auch zur Quiddestraße und Plettstraße hin und tragen zur Adressbildung der Anlage bei. Die großzügige Öffnung zwischen den beiden Baukörpern wirkt einladend und erweitert die Sichtbeziehung zur Kirche. Dies wird jedoch erkauft auf Kosten der die Fußgängerbrücke begleitenden Lindenreihe, welche dem nach Osten verschobenen Baukörper weichen muss. Dies wird aus freiraumplanerischer Sicht äußerst kritisch gesehen. Weiterhin wird die Dimension der Stufenanlage und die nach Norden und zur Quiddestraße orientierten Sitzstufen kontrovers diskutiert.
Positiv wahrgenommen wird der kleine Treffpunkt mit Grünfläche im Westen, welcher eine Willkommensgeste an der Plettstraße darstellt und Besucher ins Gebiet einlädt. Nicht nachvollziehbar ist die Umpflanzung der Kirche zu allen Seiten, insbesondere der Südfassade, welche dadurch in ihrer Wirkung stark eingeschränkt wird.
Der Kirchplatz selbst liegt eingebettet in ein grünes Band mit Gruppensitzplätzen und Terrassen. Der Patientengarten hingegen wird als Angebot für das Christophoruszentrum jedoch bemängelt, da er, eingebettet in den öffentlichen Freiraum, die Anforderungen der Einrichtung nicht erfüllt.
Die Belange der Barrierefreiheit werden nicht zufriedenstellend umgesetzt. Es wird keine barrierefreie Zuwegung von außen angeboten. Weiterhin ist die Verbindung vom Gemeindesaal zur Kirche nur über einen Umweg durch den Hof möglich.
Die Freiflächen des HPT werden nachvollziehbar auf dem Dach angeordnet. Das CHV vermisst hingegen eine angemessen große und helle Freifläche, die den Anforderungen des Hospiz Genüge trägt.
©ED_
Innenperspektive vom Foyer des Christophoruszentrums zum Kirchplatz
©CODE UNIQUE Architekten GmbH / RSP Freiraum GmbH
Lageplan
©CODE UNIQUE Architekten GmbH
Modellfoto