Offener Wettbewerb | 10/2025
Neuordnung Mahnmal St. Nikolai in Hamburg
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©Winking · Froh Architekten
2. Preis
Preisgeld: 20.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Der Freiraum um St. Nikolai fungiert als vermittelndes Element zwischen dem Mahnmal, dem neuen Eingangs-Pavillon und dem öffentlichen Stadtraum. Er wird zu einem gestalterischen, wie auch symbolischen Bindeglied. Der Entwurf sieht eine klare Fassung des Mahnmals durch ein mit Stauden bepflanztes Plateau vor, das eine eigenständige „Stadtinsel“ bildet. Die Form des Plateaus greift historische Gestaltungselemente auf und interpretiert sie zeitgemäß. Als neue Adresse formuliert der neue Pavillon den Eingang am Wölberstieg, die gezielte Setzung einzelner Bäume akzentuiert diese Geste. Die vorgeschlagenen Kirschbäume erzeugen mit ihrer saisonalen Blütewirkung eine starke symbolische Ebene – als Zeichen für Vergänglichkeit und Erneuerung – und greifen somit die historische und emotionale Dimension des Ortes auf. Innerhalb des Mahnmals bleiben die historischen Strukturen unangetastet. Insgesamt verfolgt der freiraumplanerische Entwurf eine zurückhaltende, aber präzise landschaftliche Gestaltung. Ziel ist es, die Wirkung des Mahnmals in Verbindung mit dem neuen Pavillon zu stärken und durch fein gesetzte landschaftliche Elemente subtil zu akzentuieren.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Gesamtkonzept ist in sich stimmig und ermöglicht eine klare und prägnante Adressbildung. Ein besonderer gestalterischer Fokus liegt auf der Nord-Süd-Verbindung, die als zentrales Element hervorgehoben wird. Der vorgeschlagene grüne Rahmen greift historische Vorbilder auf und verleiht dem Ort eine identitätsstiftende Prägung. Bestehende Bäume werden behutsam eingebunden und durch gezielte Neupflanzungen ergänzt. So wird nicht nur die landschaftsräumliche Qualität gestärkt, sondern zugleich den denkmalpflegerischen Anforderungen in überzeugender Weise Rechnung getragen.
Der Pavillon liegt in der Achse des Querschiffes und markiert zugleich den Haupteingang des Mahnmals. Mit seiner zurückhaltenden Gestaltung fügt sich der Bau subtil in die bestehenden Strukturen ein. Er ordnet sich architektonisch dem Bestand unter, sodass das Mahnmal weiterhin klar ablesbar bleibt und seinen ursprünglichen Charakter bewahrt.
Der Eingangsraum öffnet sich sowohl zum Wölberstieg als auch zum Kirchenschiff. Als Torraum fungiert er als bewusster Schwellen- und Übergangsbereich zwischen Außen- und Innenraum. Seitlich stabil ausgeführte Wände leiten auf geheimnisvolle Weise in den darunterliegenden Gewölbekeller und schaffen so eine atmosphärische Verbindung zwischen den beiden Ebenen.
Die barrierefreie Erschließung vom Wölberstieg zum Kirchenschiff - unabhängig vom neuen Eingangsgebäude - ist in ihrer konkreten Ausformulierung noch nicht überzeugend. Ziel ist es, einen alternativen Zugang zu ermöglichen, der das Betreten des Kirchenschiffes ohne Durchquerung des Pavillons erlaubt, ohne dabei die gestalterische Klarheit und Wirkung des Gesamtkonzepts zu beeinträchtigen.
Auch der Ausstellungsraum im Gewölbekeller entspricht nicht den technischen Anforderungen im Hinblick auf die geplante „Raum-im-Raum"- Lösung. Die eingestellten Module müssen so positioniert werden, dass sie ausreichend Ab- stand zu den historischen Wänden einhalten und klar voneinander getrennt bleiben. Nur so kann die bauliche Substanz geschützt und zugleich die gestalterische Klarheit gewahrt werden.
Insgesamt lobt die Jury die präzise Ausarbeitung des Entwurfs sowie die sensible Integration der neuen Elemente in den historischen Bestand. Besonders positiv hervorgehoben wird die respektvolle Haltung gegenüber dem Ort und dessen Geschichte, die sich in der architektonischen Sprache konsequent widerspiegelt.
©Winking · Froh Architekten
©Winking · Froh Architekten mit arbos landscape
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