Nichtoffener Wettbewerb | 02/2025
Neuordnung Moosacher St.-Martins-Platz mit Neubau Kultursaal und Azubiwohnen in München
©MJRM
Perspektive
Anerkennung
Preisgeld: 3.000 EUR
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf zeichnet sich durch eine kompakte städtebauliche Setzung und eine großzügige Erweiterung des Moosacher St.-Martins-Platzes aus. Die umfängliche Öffnung zur Pelkovenstraße betont die Blickbeziehungen zum historischen Gebäudebestand.
Die Neubebauung wird entlang der östlichen Grundstücksgrenze in Form eines kompakten Ensembles angeordnet. Hiermit geht die städtebauliche Setzung sehr gut auf den Charakter des Ortes und auf die Belange des Denkmalschutzes ein. Der Kultursaal wird giebelständig zur Pelkovenstraße positioniert. Das schmale, zweigeschossige Volumen fügt sich hinsichtlich Gebäudehöhe und Maßstäblichkeit gut in die Umgebung ein und macht die kulturelle Nutzung nach außen ablesbar. Über große Fassadenöffnungen kommuniziert der Kultursaal mit dem angrenzenden Platz. Der zurückhaltende Verbindungsbau mit einem Foyer zwischen Kultursaal und Hacklhaus gewährleistet einen respektvollen Umgang mit dem Bestandsgebäude. In der Fortsetzung des Kultursaals und des Foyers wird ein eingeschossiger Baukörper mit Nebenräumen angeordnet. Den Abschluss bildet ein viergeschossiger Baukörper für das Azubiwohnen, der über ein dreigeschossiges Gebäudevolumen mit einer gut nutzbaren Dachterrasse an die südliche Bebauung angeschlossen wird. Die vergleichsweise hohe Anzahl an Wohnungen wird begrüßt.
Die innere Organisation des Kulturbaus weist einige Mängel auf. Die Flächenanforderungen des Raumprogramms sind leicht unterschritten. Der Kultursaal und seine Empore sowie die Obergeschosse des Hacklhauses werden nicht barrierefrei erschlossen. Die große Distanz zwischen Saal und Nebenräumen schränkt die Funktionalität des Neubaus ein. Auch der geringe Abstand zur Grundstücksgrenze wird im Hinblick auf die Abstandsflächen und die Gebäudelogistik kritisiert.
Die Arbeit schlägt eine kompakte Tiefgarage vor, die von der Pelkovenstraße östlich des Kulturbaus erschlossen wird. Der Platz wird von einer Unterbauung weitgehend freigehalten. Oberirdische Stellplätze werden westlich der Meißener Straße durch eine Erweiterung des bestehenden Schlösslparkplatzes angeboten. Themen wie Anlieferung und Müllentsorgung sind nicht zufriedenstellend gelöst.
Der Entwurf bietet differenzierte, gut vernetzte Freiflächen an. Die große Fläche des Moosacher St.-Martins-Platzes stellt sich als vielfältig nutzbarer Raum dar. Die temporäre Besetzung mit einem Festzelt ist gut vorstellbar. Vor dem Pelkovenschlössl wird eine große Grünfläche vorgeschlagen, welche die bestehenden Qualitäten des Ortes weiterentwickelt. Die Freiflächenverbindung vom Moosacher St.-Martins-Platz wird entlang der Bockmeyrstraße über die Jenaer Straße und weiter zur Neuen St. Martinskirche geführt und als qualitätsvoller öffentlicher Raum herausgearbeitet. Der zurückhaltende Gestaltungsvorschlag für den Vorplatz zur neuen Kirche mit zwei Pergolen wird als angemessen erachtet.
Aspekte der Klimaanpassung werden berücksichtigt, sind aber optimierungsbedürftig. Positiv bewertet wird die großzügige Grünfläche vor dem Pelkovenschlössl. Sehr kritisch gesehen wird allerdings der Entfall des Baumbestands, insbesondere der Eichen, im östlichen Bereich. Auch der Erhalt der Bäume am Platzeingang ist wegen einer Überbauung der Baumscheiben fraglich. Das vorgeschlagene Wasserspiel im nördlichen Bereich des Planungsgebiets kann einen positiven Beitrag zum Mikroklima leisten. Jedoch ist hier der Versiegelungsgrad zu hoch, um einer Überhitzung entgegenzuwirken und eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung zu unterstützen. Die Nutzbarkeit der Dachflächen für Photovoltaik wird in Bezug auf den Klimaschutz positiv bewertet. Das A/V-Verhältnis ist durchschnittlich.
Der eigenständige Entwurfsvorschlag enthält wertvolle Lösungsansätze. Die konkrete Ausformulierung zeigt aber auch Mängel, die mit diesem städtebaulichen Konzept einhergehen.
©MJRM /Büro Hink
Lageplan