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Einladungswettbewerb | 05/2026

Neuordnung und Umnutzung Bestandsbebauung Kriegerstraße 3 / Jägerstraße 2 in Stuttgart

Straßenperspektive
3

Straßenperspektive

ein 3. Preis

Preisgeld: 22.500 EUR

STEINHOFF | HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH

Stadtplanung / Städtebau, Architektur

Erläuterungstext

Das Konzept entwickelt einen repräsentativen und integrierten Stadtbaustein, dessen Hochpunkt als bewusster Identitätsanker hervorgehoben wird. Durch abgestufte Gebäudehöhen fügt sich die Bebauung harmonisch in die Umgebung ein. Die klare Blockrandstruktur schafft einen geschützten, zugleich durch Gebäudefugen offen wirkenden Innenhof. Die „umarmende“ Neubebauung bildet ein starkes Ensemble mit einer lebendigen Dachlandschaft und hohem Wiedererkennungswert. Besonders hervorzuheben ist die Verbindung von hoher Dichte und Wirtschaftlichkeit mit Offenheit und Aufenthaltsqualität.

Die terrassierte Bauweise mit begrünten Dachterrassen versteht die Dächer als zweite Landschaftsebene und schafft zusätzliche Aufenthalts- und Begegnungsräume. Gerade in innerstädtischen Lagen entsteht dadurch ein seltenes Angebot aktiv nutzbarer Grünflächen.

Architektonisch verbindet das Projekt Bestand und Neubau zu einem einheitlichen, zugleich differenzierten Gesamtbild. Der Bestand wird energetisch saniert und gestalterisch aufgewertet, vorhandene Materialien wie Metallpaneele werden erhalten und integriert. Der Neubau arbeitet mit einem modularen und flexiblen Fassadensystem, das Sonnen-, Schall- und Energietechnik einbindet. Skybar und Dachterrassen setzen zusätzliche architektonische Akzente. Insgesamt entsteht eine nachhaltige, flexible und langlebige Architektur mit starker Identität.

Das Nutzungskonzept organisiert die Funktionen klar und effizient: Das Hotel befindet sich im Hochpunkt als sichtbare Landmarke, Büroflächen liegen in den unteren Geschossen und die Wohnungen in den oberen, ruhigeren Bereichen. Diese profitieren von geringerer Lärmbelastung sowie von Terrassen und Ausblicken. Flexible Bürostrukturen mit modularem Raster ermöglichen langfristige Anpassungsfähigkeit.

Auch in Bezug auf Nachhaltigkeit verfolgt das Projekt einen ganzheitlichen Ansatz. Der Erhalt des Bestands spart graue Energie, während Recycling und Upcycling von Beton- und Fassadenmaterialien Ressourcen schonen. Photovoltaik, begrünte Dächer sowie modulare Fassaden- und Grundrisssysteme unterstützen ein zirkuläres und langfristig anpassbares Gebäudekonzept.

Ergänzt wird dies durch ein klimaresilientes Wasser- und Klimakonzept nach dem Prinzip der Schwammstadt. Retentionsdächer speichern und verdunsten Regenwasser, Gebäudefugen verbessern die Durchlüftung und tragen zu einem angenehmen Mikroklima bei.

Insgesamt verbindet das Projekt Bestandserhalt und Innovation, Urbanität und Lebensqualität sowie Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu einem zukunftsfähigen und lebendigen Stadtquartier.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Entscheidung der Verfasser:innen, das zuschnittsmäßig schwierige Grundstück entlang der stark befahrenen Heilbronner Straße mit einer Blockrandbebauung zu besetzen, ist nach- vollziehbar. Der bestehende Hochpunkt wird folgerichtig in die Gesamteinheit des Blocks integriert und gestalterisch in die Architektursprache des Ensembles eingebunden. Positiv gewürdigt wird das Einrücken der langen Blockseite am Hochpunkt, wodurch dessen Kubatur weit- gehend freigestellt und zugleich eine Eingangssituation für Hotel- und Büronutzung geschaffen wird. Die Vorzone zu den Eingängen erscheint jedoch zu knapp dimensioniert.

Die an die benachbarten Weinterrassenlagen und die Halbhöhenlage Stuttgarts angelehnte Staffelung der begrünten Dachlandschaft um einen kleinen Innenhof wird vom Preisgericht überwiegend positiv beurteilt. Damit werden identitätsstiftende stadträumliche Themen auf- genommen und zugleich klimatische Aspekte berücksichtigt, indem Hangabwinde bis zur Heilbronner Straße geleitet werden können. Darüber hinaus erhöht die Staffelung den Grünanteil innerhalb des stark verdichteten Quartiers und verbessert Belichtung sowie Belüftung der Bebauung. Gleichzeitig greift sie die Gebäudehöhen der Umgebung auf und hebt das nördliche Kopfgebäude am Kreuzungsbereich Heilbronner Straße/Kriegerstraße typologisch hervor. Außerdem kann die terrassierte Ausbildung der Baukörper einen Mehrwert für die Nutzungen darstellen. Diesen Mehrwert vermag die Konzeption aufgrund unzureichender Zuordnung zu den Grundrissen wenig zu erfüllen, wodurch das Potenzial der Außenräume nur teilweise genutzt wird. Kritisch diskutiert wird aber die Anzahl an Terrassen, die insbesondere zur Heilbronner Straße hin zu einem gewissen „Ausfransen“ der Fassade führt.

Die Verteilung der Nutzungen aus Hotel, Büro und Wohnen innerhalb des Blocks ist grundsätzlich nachvollziehbar. Die Hotelnutzung im Bestandshochhaus mit ergänzendem Anbau überzeugt im Ansatz, ebenso die nach Nordwesten abgestaffelte Ausbildung des Anbaus, die der nordöstlichen Nachbarschaft weiterhin Belichtung und Belüftung ermöglicht. Die Büronutzung entlang der Heilbronner Straße ist richtig verortet, jedoch vermögen die Grundrisse und Erschließungslösungen noch nicht zu überzeugen. Auch die Wohnungserschließung über innenliegende Flure sowie die Grundrissorganisationen mit einseitiger Belichtung weisen qualitative Defizite auf. Problematisch erscheint zudem die Lage einiger Wohnungen ausschließlich zur stark befahrenen Heilbronner Straße. Die Fassadengestaltung wird kontrovers diskutiert, zeigt jedoch in der Detailausbildung eine sorgfältige Bearbeitung. Die Entscheidung, das Hochhaus in den Fassadenduktus des Gesamtensembles einzubinden, ist entwurfstypologisch nachvollziehbar, bedeutet aber gleichwohl den Verlust an tradierter Identität. Die städtebaulichen Kennwerte bewegen sich im Vergleich der Arbeiten im durchschnittlichen Bereich. Die gewählte Stahlbetonskelettbauweise mit Betondecken erscheint ebenso plausi- bel wie die Überlegungen zum Einsatz recycelter Materialien.

Insgesamt stellt die Arbeit einen wertvollen Beitrag dar, der insbesondere durch seine städte- bauliche Einfügung und die konzeptionellen stadträumlichen Ansätze überzeugt, jedoch in der Ausarbeitung der Gebäudetypologien und Grundrisse noch einige Fragen offenlässt.
Innenhofperspektive

Innenhofperspektive

Modell

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