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Mehrfachbeauftragung | 07/2023

Neustrukturierung Leisterplatz Leeste in Weyhe

Blick in die Nachbarschaft

Blick in die Nachbarschaft

2. Rang

MOSAIK architekt:innen bda

Stadtplanung / Städtebau

nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Das städtebauliche Umfeld um den Leisterplatz in Weyhe-Leeste ist geprägt durch sein heterogenes, gewachsenes Umfeld. Verschiedene Bautypologien, vom Einfamilienhaus bis zum Nahversorger bilden unklare und nicht gefasste städtebauliche Räume. Der verkehrlich geprägte Leisterplatz bietet wenig Aufenthaltsqualitäten und wird an seinen Rändern unzureichend gefasst. Das Entwurfsgebiet stellt mit seiner zentralen Lage im Stadtkern eine besondere Chance zur Neuordnung, Stärkung und Vitalisierung des heterogenen Umfelds dar. Der Entwurf soll den bestehenden Ortskern sowohl strukturell als auch sozialräumlich und funktional ergänzen. Im Zusammenspiel von Alt und Neu entsteht ein lebendiges, offenes und inklusives Lebensquartier im menschlichen Maßstab - mit einer durchmischten Nutzung, sozialen Aufenthaltsqualitäten sowie mit einem hohen Identifikationspotential.

Ankn√ľpfungspunkte, √úberg√§nge, Kontext
Die neu entwickelte, st√§dtebauliche Figur reagiert an ihren R√§ndern differenziert auf die im Bestand vorgefundenen Ankn√ľpfungspunkte. Nach Westen wird stra√üenbegleitend eine kr√§ftige, rythmisierte, giebelst√§ndige Struktur aus eng aneinander stehenden Einzelbauk√∂rpern entwickelt, die den Stadtraum homogenisiert und den Stra√üenraum fasst. Den Abschluss nach S√ľden bildet ein gro√üma√üst√§blicher Bauk√∂rper, der sowohl in seiner K√∂rnung als auch in seiner Nutzung den √úbergang zum Nahversorger schafft. Nach Norden, zum Leisterplatz transformiert sich die Struktur in zwei L-f√∂rmige Bauk√∂rper, die einerseits dem Platz eine klare Kante geben und andererseits ein Tor vom Platz in das Innere des Ortskerns ausbilden.
Von West nach Ost, ins Innere des Quartiers, transformiert sich die Struktur in eine aufgelockerte, zueinander versetzte und kleinteiligere Bebauung, die den st√§dtebaulichen Br√ľckenschlag zur angrenzenden Einfamilienhausstruktur herstellt. Im Zusammenspiel entsteht eine eigenst√§ndige st√§dtebauliche Gesamtfigur die gleichsam das Quartier zur Stra√üe und zum Platz fasst, sowie √úberg√§nge ins Innere des Ortskerns herstellt. K√∂rnung und Ma√üstab der Umgebung werden aufgegriffen. Die eigenst√§ndige Figur integriert sich in das Gesamtgef√ľge. Die H√∂henstaffelung der Geb√§ude orientiert sich ebenfalls am Kontext der Bestandsbebauung. W√§hrend die H√§user an der Leester Stra√üe sowie im Inneren des Quartier zweigeschossig zzgl. Dachgeschoss geplant werden, bildet die Bebauung zum Leisterplatz mit seiner Dreigeschossigkeit zzgl. eines Dachgeschosses den ma√üvollen st√§dtebaulichen Hochpunkt und besetzt diesen wichtigen Ort mit einem angemessenen Volumen.

Plätze, Gassen, Nachbarschaften
Im Inneren des neuen Quartiers entsteht eine einzigartige, erlebbare, vielf√§ltige Ortslandschaft ‚Äď ein offenes Quartier f√ľr alle. Ein System von Fuss- und Radwegen verkn√ľpft in Form von transistorischen Zonen die angrenzenden Bestandstrukturen mit der Hauptstra√üe und dem Leisterplatz.
Durch die differenzierte Geb√§udestellung entstehen abwechslungsreiche Freir√§ume ‚Äď Gassen, Wege und Pl√§tze in einer ortskernangemessenen Dichte.
In Abgrenzung zur Anonymit√§t der Gro√üstadt werden durch einander zugewandte Geb√§udestellung identit√§tsstiftende, d√∂rfliche Nachbarschaften entwickelt, die durch Ihre Unterschiedlichkeit differenzierte M√∂glichkeitsr√§ume zur Entwicklung individueller Lebensentw√ľrfe schaffen und Gemeinsinn st√§rken. Im √úbergang zum nord-westlichen Bestand werden feinf√ľhlige Erg√§nzungen vorgenommen. Im Sinne des ‚ÄěWeiterbauens‚Äú werden Hofstrukturen aufgegriffen, erg√§nzt und in gemischte Nachbarschaften transformiert.

Das wachsende Quartier ‚Äď flexible Entwicklung statt starrer Masterplan
Bedarfe und Anforderungen transformieren und √§ndern sich schneller denn je, sodass eine zukunftsf√§hige Stadtplanung resiliente L√∂sungen f√ľr sich ver√§ndernde Rahmenbedingungen jenseits eines starren Masterplans bereithalten muss. Ausgehend von einem mehrj√§hrigen Entstehungsprozesses des neuen Quartiers muss das Entwurfskonzept daher den Grundz√ľgen einer nachhaltigen und flexiblen Entwicklung Rechnung tragen. Die entworfene Hoftruktur ist in der Lage in unterschiedlichen Bauabschnitten realisiert zu werden. Die einzelnen H√∂fe bilden in Ihrer Struktur ein belastbares, flexibles Grundger√ľst aus, welches auf sich ver√§ndernde Rahmenbedingungen angepasst werden kann.

Nutzungsmischung und Funktionen
Funktional erg√§nzt die neue Bebauung den Bestand durch eine vielschichtige Nutzungsmischung. Im Inneren des Quartiers entstehen vornehmlich Townh√§user und Hausgruppen die ein differenziertes Angebot unterschiedlicher Wohnformen f√ľr alle Altersgruppen bieten. Die Bebauung entlang der Leester Stra√üe und zum Leisterplatz beherbergt in den √ľberh√∂ht ausgebildeten Erdgeschosszonen wohlproportionierte, helle Fl√§chen f√ľr gewerbliche Nutzungen, Cafes, Restaurants sowie Gesundheits- und B√ľronutzungen. Sie beleben den √∂ffentlichen Raum und bieten ein lokales Angebot zur fu√ül√§ufigen Erledigung der allt√§glichen Dinge. In den Obergeschossen der Platzbebauung sowie der Bebauung entlang der Leester Stra√üe befindet sich vornehmlich Geschosswohnungbau mit einem Wohnungsmix f√ľr unterschiedliche Lebensbedarfe.
Im Zusammenwachsen dieser unterschiedlichen Strukturen entsteht eine neue, transformierte Typologie im Kontext zwischen Stadt und Land.

Erschließung und Verkehr
Im Fokus des Erschlie√üungskonzeptes steht der Ausbau eines barrierfreien und komfortablen Fu√ü- und Radwegenetzes sowie die zeitlich angepasste Reduzierung des individuellen PKW-Verkehrs. Wege und Gassen bilden direkte Inner√∂rtliche Wegeverbindungen aus, ohne gro√üe Umwegen in Kauf zu nehmen. Ein breites Angebot an Fahradabstellpl√§tzen sowohl im Freiraum als auch abgeschlossen und √ľberdacht in den Bauk√∂rpern bildet die Grundlage eines Mobilit√§tskonzeptes abseits des individuellen PKW-Verkehrs. Die dar√ľber hinaus noch notwendige Erschlie√üung erfolgt dezentral. W√§hrend das Innere des Quartiers √ľber den schmalen Weg von S√ľden erschlossen wird, erfolgt eine Erschlie√üung der √ľbrigen Geb√§ude direkt von der Leester Stra√üe. So gelingt es, im Inneren des Quartiers komplett auf das Auto verzichten zu k√∂nnen. Der ruhende Verkehr wird ebenfalls dezentral organisiert. Neben offenen, baumbegleitenten Einstellpl√§tzen im Freiraum werden Bauk√∂rpertypologien entwickelt, die multifunktionale R√§ume in Teilen des Erdgeschosses anbieten. Hier kann die Hausgemeinschaft feiern, Tischtennis gespielt werden, eine Hauswerkstatt installiert oder eben geparkt werden ‚Äď je nach Anforderung und individueller Lebensgestaltung. Ebenfalls kann dieser multifunktionale Raum im Lebenszyklus des Geb√§udes ohne gro√üen Aufwand in Wohnraum, ein G√§steapartement, ein kleines B√ľro oder √§hnliches umgewandelt werden. Raumh√∂he, Tragwerk und Haustechnik werden entsprechend vorger√ľstet.
Zus√§tzliche Stellpl√§tze, z.B. f√ľr BesucherInnen ergeben sich aus der zeitversetzten Nutzung der Stellpl√§tze des Nahversorgers. Insbesondere in den Abendstunden und am Sonntag stehen hier ansonsten ungenutzte Ressourcen zur Verf√ľgung. Erg√§nzt wird das Mobilit√§tsangebot durch ein dezentrales Netz an Carsharingpl√§tzen. So werden lange Wege zum Stellplatz vermieden, der Komfort erh√∂ht und die Akzeptanz gest√§rkt.
Auf diesem Wege kann konsequent auf die CO2 + kostenIntensive Errichtung einer Tiefgarage verzichtet werden. Ebenfalls werden √ľberdimensionierte, unma√üst√§bliche und auf dem Land wenig akzeptierte Quartiergaragen und Mobilithubs vermieden, deren optionale, sp√§tere Umnutzungsf√§higkeit an diesem Ort in Frage gestellt wird.

Nachhaltigkeit ‚Äď einfach bauen und CO2-Reduzieren
Im Zuge der CO2-Reduzierung sollen im Quartier ausschlie√ülich Materialien eingesetzt werden, deren CO2 Gehalt und √∂kologischer Fu√üabdruck bewertbar ist. Vorzugsweise werden Cradle-to-Cradle zertifizierte Materialien und nachwachsende Rohstoffe eingesetzt. Es wird vorgeschlagen f√ľr das Quartier eine CO2-Benchmark aufzustellen, die in einem ersten Schritt eine CO2-Reduzierung von 40% gegen√ľber einer Standardkonstruktion in Massivbauweise erzielt. F√ľr weitere Bauabschnitte sollte der Benchmarkwert zeitbasiert angepasst werden. Als materialoffene Benchmark kann der Zielwert z.B. √ľber bereits g√§ngige Alternativkonstruktion wie Holzbau oder die Verwendung von Recyclingbeton erzielt werden. Eine Bewertung erfolgt von der Materialgewinnung bis zur Nachnutzung. Neben der konsequenten CO2-Reduzierung in Konstruktion und Herstellung sollen fl√§chendeckend PV-Anlagen geplant werden. Neben den Materialtechnischen Aspekten reagiert ebenfalls die Bauk√∂rpertypologie konsequent auf Nachhaltigkeitsaspekte. Die Abmessungen der Bauk√∂rper lassen eine kompakte, tageslichtoptimierte Bauweise sowie holzbauoptimierte Tragwerksdimensionen erwarten. Anstatt aufwendiger und energetisch fragw√ľrdiger Loggien werden konsequent vorgest√§nderte Balkonsysteme angeordnet. So werden kosten- und materialintensive Bauteilanschl√ľsse mit hoher Komplexit√§t vermieden. Vor dem Hintergrund einer effizienten Holzbaukonstruktion werden Nutzungen im Geb√§ude gestapelt. Die Nutzungsmischung erfolgt im Quartier. Wohntyplogien der Reihenh√§user und Hausgruppen k√∂nnen in Serie produziert werden.

Materialit√§t und Fassade ‚Äď Unity in Diversity
Die Materialit√§t und Fassadengestaltung folgt dem Prinzip Unity in Diversity. Die neue Bebauung soll sowohl als zusammenh√§ngende, homogene Stadtstruktur wahrgenommen werden und so eine eigene Identit√§t in der Stadt erzeugen als auch individuelle Differenzierungen in den Einzelgeb√§uden zulassen. Artverwandte, leicht differenzierte Fassadenausgestaltungen geben jedem Geb√§udeteil einen eigenen Charakter. Ein Wechsel aus lockerer und verspielter Fassadengliederung, sowie der aufgel√∂sten St√ľtzenstruktur der Loggien unterst√ľtzt die Gliederung des Gesamtbauk√∂rpers. Es entsteht Identifikation und Auffindbarkeit. Zusammengehalten werden die kleinteiligen Geb√§udevolumen durch die fein differenzierten Holzfassaden, die je nach Haustyp eine individuelle Ausformulierung erhalten. Vorvergrauungslasuren mit pastelligen Greige-, hellen Braun- und Graut√∂nen binden das Ensemble in einem freundlichen Farbkanon zusammen. Eine Kombination der vorherrschenden Holzfassaden mit Klinkerfassaden in angelehnter Farbgebung sorgt f√ľr eine feinere Differenzierung ohne das Gesamtbild des Ensembles zu entkr√§ften.

Freianlagen
Durch den vorgeschlagenen Entwurf entsteht um die k√ľnftigen Geb√§udekomplexe ein Freiraumsystem mit eigenst√§ndiger Identit√§t und Charakteristik. Die st√§dtebauliche Neuordnung erzeugt eine Abfolge unterschiedlicher Freiraumtypologien die auf die Anspr√ľche zeitgen√∂ssischen Wohnens reagieren und einen vernetzenden Charakter ausbilden. Der neu gestaltete Leisterplatz reiht sich ein in eine Kette von Stadtpl√§tzen entlang der Leester Stra√üe, die das Stadtgef√ľge nachhaltig st√§rken und aufwerten. Der Leisterplatz wird Auftaktort f√ľr eine Abfolge von neuen R√§umen die durch landschaftsarchitektonische Interventionen qualifiziert und miteinander vernetzt werden. Innerhalb des Realisierungs- und des Ideenbereiches entsteht ein √ľbergeordnetes Freiraumsystem das erlebbare Bez√ľge und qualit√§tsvolle Verbindungen herstellt.
Die Bestandsstrukturen weisen eine eindeutige MIV-Priorität auf. Die städtebaulichen und verkehrlichen Maßnahmen haben zum Ziel, die Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit im Quartier erheblich zu erhöhen und somit zur Qualitätssteigerung des Ortes beizutragen.

Leisterplatz
Im Herzen des Quartiers bildet der k√ľnftige Platz ein Ensemble mit den Bestands- und Neubauten und l√§sst eine erste pr√§gnante Adresse im Quartier entstehen. Durch die verkehrliche Neuorganisierung und den hohen Ausbaustandard entsteht ein urban gepr√§gter und hochwertiger Quartiersplatz mit Aufenthaltsqualit√§t und Nutzungsoffenheit. Eine gro√üz√ľgige Fl√§che aus changierendem Betonwerkstein spannt sich zwischen den Geb√§uden auf und bildet einen barrierefreien Zugang in s√§mtliche Bereiche. Ein wesentlicher Aspekt ist die Bezugnahme und Anbindung des Platzes an die Verkehrs- und Wegef√ľhrungen. In der n√∂rdlichen H√§lfte des Platzes wird weiterhin die Verbindung zwischen der Freiherr-vom-Stein-Stra√üe und der Leester Stra√üe erm√∂glicht. Auf der gesamten Breite des neuen Leisterplatzes wird die Leester Stra√üe zum verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet um das Tempo zu reduzieren und die MIV-Situation im Quartier zu entschleunigen. Die Einbettung in den st√§dtebaulichen Gesamtkontext dient der Entwicklung des Gesch√§ftsbereichs rund um den Quartiersplatz und leistet einen Beitrag zur Schaffung eines sozio-kulturellen Zentrums.
Im Hinblick auf die F√∂rderung der E-Mobilit√§t und der Micro-Mobility werden entsprechende Stellpl√§tze und Ladestationen vorgesehen. Es sind Abfallbeh√§lter in unmittelbarer N√§he der Sitzm√∂blierungen vorgesehen, welche sich dezent unter den Baumkronen in das Platzbild einf√ľgen. Die ortsbildpr√§genden Bestandsgeh√∂lze werden erhalten und in organisch geformte Gr√ľn- und Pflanzinseln mit Sitzmauern eingefasst. Unter dem lichten Bl√§tterdach entstehen angenehme Aufenthaltsorte und Treffpunkte zum Verweilen. Die Platzfl√§che bietet reichlich Raum f√ľr k√ľnftige Veranstaltungen wie Stadtfeste, M√§rkte und Au√üengastronomie. Das Wasserspiel bietet eine weitere Attraktion, insbesondere an warmen Tagen. Fontainen und D√ľsen werden kombiniert mit einer sanft modellierten Topografie die zum Toben und Spielen einl√§dt.
Um die urbane Atmosph√§re auch in den Abendstunden zu unterstreichen erfolgt die Illumination des Platzes √ľber einen zentralen Lichtmast mit entsprechend dimensionierten Leuchtmitteln. An der √∂stlichen Platzkante entsteht eine neue Wegeverbindung zur Schulstra√üe.
An der nord-√∂stlichen Platzkante werden eine Mobilit√§tsstation und ein √∂ffentliches WC vorgesehen. Durch die Platzgestaltung und die Setzung der Vegetationsinseln wird der Versiegelungsgrad im Vergleich zum Bestand erheblich reduziert. S√§mtliche neugeplanten PKW-Stellpl√§tze im Areal werden in versickerungsf√§higen Materialien ausgef√ľhrt.

Gemeinschafts- und Gartenhöfe
Im Inneren der Bebauungsstruktur des Ideenteils entsteht eine Abfolge gemeinschaftlicher Hoffl√§chen, verkn√ľpft mit einem feingliedrigen Wegesystem als entschleunigte Alternative zur Leester Stra√üe.
Durch die lockeren Geh√∂lzsetzungen entwickelt sich ein Spiel aus Licht und Schatten, Sitzelemente laden zum Verweilen, zum Austausch und zur Kommunikation ein. Innerhalb des Ensembles entsteht eine eigenst√§ndige Formsprache, welche die Geb√§ude zu einer Einheit zusammenzieht. Die Wege weiten sich in regelm√§√üigen Abst√§nden zu kleinen Pl√§tzen mit unterschiedlichen Nutzungen auf. Spielinseln, Fl√§chen f√ľr gemeinschaftliches G√§rtnern und H√∂fe zur freien Aneignung f√∂rdern das gemeinschaftliche Miteinander und die Identifikation mit dem direkten Umfeld. In den Erdgeschosszonen bilden einige der Bauten gesch√ľtzte Terrasseng√§rten aus die von Heckenstrukturen gegliedert werden. Innerhalb der H√∂fe wechseln sich √∂ffentliche, halb√∂ffentliche und private Bereiche ab, somit passt sich das Freiraumkonzept an das jeweilige Raumprogramm des Hochbaus an. Im Dialog mit den unterschiedlichen Wohnformen und Bautypologien wird ein vielseitiges Freiraumsystem f√ľr gemeinsame und private Nutzung geschaffen.
PKW- und Fahrradstellpl√§tze werden in ausreichender Anzahl dezentral √ľber das gesamte Areal verteilt. Im s√ľdlichen Teil des Areals werden die PKW-Stellpl√§tze im Bereich des Rewe-Marktes neu organisiert wodurch eine h√∂here Anzahl an Stellpl√§tzen geschaffen wird, vordergr√ľndig f√ľr die Besucher. Vor dem Rewe entsteht zus√§tzlich ein Vorplatzbereich mit Vegetationsinsel und Sitzaufkantungen, der sich in Punkto Formensprache und Aufenthaltsqualit√§t in das Ensemble eingliedert. Die bestehenden Logistik-Zufahrten bleiben im Zuge der Umgestaltung erhalten. Zwei Unterflurstandorte entlang des Schmalen Weges sind in bequemer fu√ül√§ufiger N√§he zu den neuen Wohngeb√§uden angeordnet. F√ľr die M√ľllabfuhr ist dementsprechend in ausreichender Dimensionierung eine Wendem√∂glichkeit am Ende des Schmalen Weges vorgesehen.

Mikroklima / Biodiversität
Der lokale Wasserhaushalt im Quartier wird in ideeller Weise an den nat√ľrlichen Kreislaufsystemen orientiert. Regenwasser wird anteilig in die zahlreichen Gr√ľnfl√§chen eingeleitet. Durch die systematische Nutzung von Regenwasser im Freiraum wird eine Verbesserung des lokalen Mikroklimas erwartet. Landnutzungswandel und die Monotonisierung von Fl√§chen haben einen R√ľckgang der Biodiversit√§t zufolge, so dass den St√§dten k√ľnftig in puncto Artenvielfalt eine ‚ÄěArchefunktion‚Äú zukommt. Die Durchgr√ľnung der Freir√§ume, der Einsatz von Obstgeh√∂lzen und Insektenn√§hrpflanzen leisten hierzu einen wertvollen stadt√∂kologischen Beitrag.
Das st√§dtebauliche Konzept reagiert auf die zeitgen√∂ssischen Anspr√ľche urbanen Wohnens.
Durch die vorgeschlagenen städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Interventionen entsteht ein Miteinander vielfältiger Angebote und Nutzungen sowie ein Ort mit hoher Identifikation und vernetzender Wirkung in die angrenzenden Nachbarschaften und Wohngebiete.


Beurteilung durch das Preisgericht

Der Beitrag zeigt eine hohe Qualit√§t des st√§dtebaulichen Konzepts. Neue Strukturen werden im Bestand kontextuell gut verortet. Eine sorgf√§ltige Weiterentwicklung des Vorhandenen ist im st√§dtebaulichen footprint angelegt. Die Reaktion der Neubebauung an den Platz- und Stra√üenr√§ndern ist differenziert herausgearbeitet, die vorgeschlagene Dichte wird als angemessen betrachtet. Die L-f√∂rmigen Baustrukturen entlang der Platz- und Stra√üenr√§nder bilden angemessene Raumkanten, die auch entlang der Leester Stra√üe eine gute Orientierung erm√∂glichen. Die zusammenh√§ngende ‚Äöhomogene‚Äė Baustruktur entlang der Leester Stra√üe tr√§gt wesentlich zu einer einheitlichen Quartiersbildung bei.
Insgesamt ist die st√§dtebauliche Figur jedoch sehr kleinteilig, und ihre zugrundeliegende Idee nicht als eigenst√§ndige Figur ablesbar. Die angebotene dreigeschossige Bebauung am Leister Platz harmonisiert nicht mit den Bestandsgeb√§uden √∂stlich der Leester Stra√üe, die aufgrund der Ausdehnung des Platzes √ľber die Leester Stra√üe hinweg ebenfalls als Platzkanten wahrgenommen werden. K√∂rnung und Ma√üstab werden auch im direkten Umfeld der Hofstelle nicht passgenau getroffen.
Das Grundst√ľck des REWE-Marktes wird nicht als Chance wahrgenommen und demzufolge nicht bearbeitet. Auch die fu√ül√§ufige Wegef√ľhrung vom Westen zum REWE-Markt √ľber den Parkplatz √ľberzeugt nicht.
Die ‚ÄěTownhouses‚Äú lassen im Unklaren, ob es sich um kleinere Geschosswohnungen, wie es die Visualisierung vermuten l√§sst, oder um Reihenh√§user handelt. Die dort in den Erdgeschossen untergebrachten Stellpl√§tze lassen negative Auswirkungen der Erdgeschosszonen auf den √∂ffentlichen Raum vermuten und √ľberzeugen in der √úbergangsphase zu einer neuen Mobilit√§t nicht. Die Geb√§ude an der Leester Stra√üe stehen solit√§r und zeigen entgegen der Darstellung keine Wohnbebauung in den Erdgeschossen zur Quartiersmitte.
Der Leister Platz wird eher als Fl√§che, denn als Platz wahrgenommen. Der Spielplatz in unmittelbarer N√§he zur Leester Stra√üe wirkt angesichts des dortigen hohen Verkehrsaufkommens un√ľberlegt. Vor der Post und dem Laden fehlen die Stellpl√§tze, die Erschlie√üung f√ľr die Anlieferung ist nicht gekl√§rt. Mit der Vorhaltung von Stellpl√§tzen an Wohngeb√§uden wird der PKW-Verkehr direkt in den Kernbereich geleitet.
Der Beitrag zeigt insgesamt eine weitgehend gelungene Auseinandersetzung mit dem Bestand und eine Neuinterpretation der Ortsmitte, die sich kontextuell verortet, zeigt aber auch Ungereimtheiten im Detail.

Blick auf den Leisterplatz

Blick auf den Leisterplatz

Lageplan

Lageplan

Piktogramme

Piktogramme

Nutzungsverteilung

Nutzungsverteilung

Multifunktionale Räume

Multifunktionale Räume

Zoom Leisterplatz und Hof

Zoom Leisterplatz und Hof

Blick in die Leester Straße

Blick in die Leester Straße