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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2025

Neustrukturierung und Kernsanierung Hauptgebäude der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Perspektive Bürobereich / New Work
16

Perspektive Bürobereich / New Work

Anerkennung

Preisgeld: 45.000 EUR

&MICA GmbH

Architektur

HENCHION REUTER ARCHITEKTEN

Architektur

AWD Ingenieurgesellschaft mbH

Tragwerksplanung

Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Transsolar Energietechnik GmbH

Nachhaltigkeitskonzept, Energieplanung

Erläuterungstext

Leitidee: Gezielte Eingriffe schaffen Klarheit
Das ehemalige Kurfürstliche Schloss, bereits seit 1818 Hauptsitz der Universität, bildet das Herzstück des studentischen Lebens und der akademischen Lehre in Bonn. Es ist eins der prägenden Bauwerke im Stadtbild und Aushängeschild der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Gleichzeitig liegt es,
zusammen mit dem angrenzenden Hofgarten, direkt am Rande der Altstadt sowie an der Achse zum
Poppelsdorfer Schloss.

Maßgeblich für die von uns geplante Neustrukturierung ist die Devise, mit wenigen, bewusst gesetzten Eingriffen das größtmögliche Ergebnis zu erzielen: Eine moderne Universität, die ihre lange baugeschichtliche Tradition mit Würde trägt, wird mithilfe dieser respektvollen Eingriffe zur Erhöhung des Nutzungskomforts für Studierende, Lehrende, Forschende und Besucher:innen für die Zukunft gerüstet.
Im Fokus unserer Überlegungen stehen dabei einerseits die Neustrukturierung der äußeren und inneren Erschließung und andererseits eine Öffnung des Gebäudes zum Stadtraum. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Umsetzung einer nutzungsfreundlichen, barrierefreien und übersichtlichen vertikalen und horizontalen Erschließung des Hauptflügels (HPFL) bzw. der Gesamtanlage. Die Überdachungen des Lichthofs, aber auch die Nutzung des Blumenhofs als Ausstellungsfläche lassen dabei neue repräsentative Räume entstehen. Und während die Öffnung der 5 Portale zum Hofgarten über den Arkadenhof eine neue Durchlässigkeit zwischen Altstadt und Hofgarten in Nord-Süd-Richtung schafft, entsteht durch die Öffnung sämtlicher Portale in der Blauen Grotte zum Arkaden- und Ehrenhof eine studentische Verbindung als Achse der kurzen Wege zu den umliegenden universitären Nutzungen im Ostflügel (OSFL) sowie dem Viktoriakarre (VIKA) als zukünftigem Standort der Bibliothek in Ost-West-Richtung. Im Schulterschluss mit der Beseitigung der baulichen Mängel bezüglich Barrierefreiheit, Brandschutz und Haustechnik zugunsten einer nachhaltigen und zeitgemäßen Gebäudeausstattung entsteht so ein zeitgenössisches Universitätsgebäude, das den Anforderungen moderner Lehre ebenso entspricht wie den Ansprüchen der Nutzer:innen und den Herausforderungen einer
multifunktionalen Nutzung.


Umgang mit dem Denkmal: Ablesbarkeit von Zeitschichten
Unser Vorgehen basiert auf dem respektvollen Umgang mit dem Bestand sowie einer detaillierten Analyse der vielfältigen denkmalschutzrechtlichen Aspekte und gestalterischen Qualitäten aus unterschiedlichen Epochen und Zeiten und folgt den Leitlinien der Charta von Venedig: Um das Gebäude zukunftsfähig zu gestalten, entwickeln wir es weiter und fügen ihm ablesbar eine neue Zeitschicht hinzu. Dabei legen wir bei allen Maßnahmen Wert darauf, die aktuelle Gebäudekontur und Außenwirkung nicht zu verändern und die notwendigen Ergänzungen so effektiv und zugleich behutsam wie möglich einzusetzen. Im Einzelnen bedeutet dies: Die markantesten baulichen Eingriffe – die Überdachung des Lichthofes und Nutzung des Blumenhofes als Ausstellungsfläche, der Höhenausgleich im EG sowie die Gebäudeaufstockung zwischen dem West- und Südturm – konzentrieren sich ausschließlich auf den westl. Gebäudeteil des HPFL und treten nach außen wenig in Erscheinung.
Die geplante Aufstockung des Seitenflügels übernimmt die historische Dreigeschossigkeit des Gebäudes (Zwischenstand Bauphase 3). Das dazugehörige Dach fügt sich in Form und Materialität in die Bestandsdächer ein. Auch der Blumenhof im Kaiserplatzflügel (KPFL) nimmt mit seiner neuen Überdachung auf seine Bauhistorie Bezug. Das historische Glasdach diente dabei als Vorlage für eine Neuinterpretation, die für die Museumsnutzung im EG einen großzügigen neuen Raum mit natürlicher Belichtung über die Decke entstehen lässt. Des Weiteren planen wir die aus energetischer Sicht notwendigen PV-Module optisch zurückhaltend und nur auf den zu den Innenhöfen gerichteten Dachflächen. Die Anpassungen und Öffnungen der Dachformen, die der optimierten Nutzungsbelegung dienen, werden ebenfalls nur zu den Hofseiten orientiert geplant.


Äußere Erschließung: Attraktive Verbindung zwischen Stadt und Hofgarten
Für die äußere Erschließung sieht unser Entwurf 2 zentrale Hauptachsen vor, die das Gebäude in Nord-Süd- bzw. Ost-West-Richtung erschließen und mit dem Stadtraum verbinden. In Nord-Süd-Richtung wird durch eine großzügige Öffnung des Hofgartenportals eine bessere Durchlässigkeit des HPFL und des Arkadenhofs geschaffen. Mithilfe von 4 weiteren bodentiefen Türen entsteht eine attraktive und barrierefreie Verbindung zwischen Stadt und Hofgarten.
In Ost-West-Richtung entsteht eine Achse der kurzen Wege für die Studierenden und Angehörigen der Universität: Vom Arkadenhof ausgehend, umfasst sie auf der einen Seite das Hauptfoyer mit dem neuen Erschließungskern im Lichthof und auf der anderen Seite die Blaue Grotte, den Ehrenhof sowie, über
die Franziskanerstraße, die Verbindungen zum OSFL und dem VIKA. Neben dem zentralen Haupteingang am Arkadenhof werden zahlreiche zusätzliche Nebenzugänge zu den einzelnen Fakultäten angeboten. Die Ver- und Entsorgung des Gebäudes erfolgt hauptsächlich über den Theaterhof. Anlieferungen für das Studentencafé sind in den frühen Morgenstunden direkt über den Ehrenhof möglich. Für die Abfallentsorgung werden dezentral an verschiedenen Orten im Haus straßennah Sammelstellen vorgesehen.


Innere Erschließung: Orientierung und Struktur
Hohe Transparenz bei guter Orientierung, klare Sichtachsen und eine lesbare Nutzungslogik – um diese Ziele zu erreichen, greifen wir für die innere Erschließung das Thema des Rundgangs aus dem Arkadenhof auf und übernehmen es konsequent innerhalb des HPFL über alle Geschosse als
umlaufenden Erschließungsflur. Zentrales Element der inneren Erschließung ist die Neugestaltung des Lichthofs. Aktuell ein unattraktiver Wirtschaftshof mit diversen Funktionen, wird dieser überdacht und ein unverzichtbarer Bestandteil für die neue vertikale und horizontale Erschließung und damit die Orientierbarkeit. Das alte Foyer im EG unterhalb der Aula, welches aktuell die Garderobe beinhaltet, bleibt als Foyer erhalten und wird mit dem Lichthof verbunden. Hierfür werden die Fenster des Bestands bodentief geöffnet. Damit entsteht zwischen Arkadenhof, Foyer und Lichthof ein ansprechendes Entree, welches einen repräsentativen Rahmen mit großer Flexibilität für unterschiedlichste Nutzungen bietet.
Die Verbindung von horizontalem Umlauf und vertikalen Erschließungselementen mit Treppen und Aufzügen erschafft ein attraktives und übersichtliches Erschließungssystem, welches auf die differenzierten Anforderungen sowie diversen Nutzungen abgestimmt ist. Die vorhandenen Treppenräume werden durch repräsentative und notwendige Treppenhäuser ergänzt, die die Personenströme ideal leiten. Zugunsten einer besseren Orientierung erhalten die vertikalen Erschließungsräume mit Treppen und Aufzügen jeweils einen eigenen Charakter über die formale Ausgestaltung und Farbigkeit.


Barrierefreiheit: Uneingeschränkter Zugang zu allen Bereichen
Die Maßnahmen zur Umsetzung der Barrierefreiheit sind ein integraler Bestandteil der vorgeschlagenen Lösung: Sämtliche Bereiche der Universität werden durch die Neustrukturierung uneingeschränkt barrierefrei zugänglich. Um dies zu erreichen, werden die Höhendifferenzen im nord-westl. Teil des Hauptgebäudes mit seinen Räumlichkeiten um den Lichthof, dem Foyer und dem angrenzenden Bestandstreppenhaus durch Anheben bzw. Absenken ausgeglichen und auf ein durchgängiges Höhenniveau gebracht (ca. +0.69m). Die noch verbleibenden Höhensprünge werden über wenige Treppen bzw. Rampen barrierefrei miteinander verbunden. Eine barrierefreie Durchwegung vom Arkadenhof zum Hofgarten wird durch die Öffnung der Räumlichkeiten um die Bestandstreppe erreicht.
Für die vertikale Erschließung wird die aktuelle Lage der beiden Aufzüge erhalten, diese werden im Zuge der Neugestaltung der Treppenanlagen erneuert und ausreichend groß dimensioniert. Zusätzlich erhält der HPFL 6 weitere Aufzugsanlagen. Alle Aufzüge sind leicht auffindbar und jeweils an die Treppenhäuser gekoppelt. 4 der 8 Aufzüge liegen jeweils an den Ecksituationen des zentralen Rundgangs. Im Sinne der Nachhaltigkeit und einem bewussten Umgang mit Ressourcen werden die Interimsmaßnahmen des Koblenzertorflügels (KTFL) übernommen. Appendix (APPX) und
Stockentorflügel erhalten als Ergänzung zu den bestehenden Treppenhäusern zwei Aufzugsanlagen.


Räumliche Organisation/Nutzungsverteilung: Kurze Verbindungen, einfache Orientierung
Über den Hauptzugang bzw. den Arkadenhof erreicht man das zentrale Foyer, welches gemeinsam mit dem neu gestalteten Lichthof eine repräsentative Adresse für ganz unterschiedliche Formate bietet. Von hier aus sind die auch öffentlich genutzten Räume –Hörsaal I, Museum sowie Schlosscafé –
zugänglich. Im südl. Teil des Hofgartenflügels befinden sich 4 Seminarräume, die zusammen mit dem Hörsaal I ein Veranstaltungscluster im EG bilden.
Um den Arkadenhof im EG des HPFL orientieren sich überwiegend öffentliche Nutzungen: Das Studierendenzentrum als erste Anlaufstelle befindet sich im HPFL direkt neben dem städtischen Zugang. Angrenzend daran liegt das Bistro/Lounge als Studentencafé, welches sich mit Freisitzen in den Arkadenhof, in den Ehrenhof und auch zur Blauen Grotte hin orientiert. Die zentrale Lage des Cafés an der Blauen Grotte stärkt die studentische Bewegungsachse zu den angrenzenden Nutzungen im OSFL sowie dem VIKA.


Universitäre (Veranstaltungs-)Räume: Logische Nachbarschaften
Die Veranstaltungsräume, zu denen die Hörsäle und Seminarräume gehören, verteilen sich im EG und OG des HPFL sowie im KTFL. Die Positionierung an 2 zentralen Stellen stärkt dabei den Campus-Charakter und bezieht das VIKA als zukünftigen Bibliotheksstandort mit ein. Die studentischen Arbeitsräume mit Einzelarbeitsplätzen und Gruppenräumen als flexibles Angebot werden den Hörsälen und Seminarräumen in beiden Flügeln zugeordnet und befinden sich jeweils zentral und damit leicht auffindbar an den Erschließungskernen. Neben der Schlosskirche befindet sich die Evangelische Fakultät, die sich in Richtung OSFL ausweitet und an die Katholische Fakultät sowie an Teile der Philosophischen Fakultät angrenzt.
Der historische Festsaal mit seinem prägenden Charakter im 1.OG wird auch nach der Modernisierung für repräsentative Veranstaltungen genutzt. Das Rektorat verbleibt ebenfalls im 1. OG sowie im Flügel an der Schlosskirche. Die Dekanate werden hingegen den Fakultäten zugeordnet. Die DG des HPFL sowie des KPFL werden aktiviert und nehmen Teile der Philosophischen Fakultät auf. In das Bestandsdach des HPFL integrierte Oberlichter bzw. Dachflächenfenster, welche ausschließlich zu den Innenhöfen orientiert sind, werden über Sonnenschutzlamellen in die Dachflächen integriert.


Museum und Schlosscafé: Kulturelle Verknüpfung von Universität, Kultur und Stadtleben
Die exponierte Lage des KPFL am Hofgarten sowie der Achse zum Poppelsdorfer Schloss schafft beste Voraussetzungen für die Verortung und damit die öffentliche Wahrnehmung der 3 dort zukünftig beheimateten Museen. Über den separaten repräsentativen Eingang ist das Museum auch abseits des Studierendenalltags für die Öffentlichkeit zugänglich. Die neue Überdachung des Blumenhofs schafft, zusätzlich zu den hochwertigen bestehenden Räumlichkeiten, einen großzügigen, über Oberlichter natürlich belichteten Raum für das Ausstellungsangebot des Ägyptische Museums. Auch Vorträge, Lesungen, Konzerte, Empfänge etc. wären hier realisierbar, sodass die Museen mit ihrem kulturellen Angebot zum festen Bestandteil sowohl der universitären Lehre als auch des Bonner Stadtlebens werden können.
Angrenzend an das Museum sind Blumenhof, Säulenhalle und das Schlosscafé verortet. Letzteres bildet als erste Anlaufstelle für Besucher:innen eine wichtige Schnittstelle zwischen Studierenden und der Öffentlichkeit. Durch die räumliche Nähe zum Foyer, den Veranstaltungsräumen sowie dem Museum selbst ist eine Versorgung von universitären od. musealen Veranstaltungen unkompliziert realisierbar. Darüber hinaus bietet die Lage zum Hofgarten eine großzügige Terrasse als attraktiven Freisitz.


Gestalterische und räumliche Qualität: Neues Mobiliar für Neues Arbeiten
Während die zahlreichen denkmalgeschützten Räumlichkeiten mit Säulenhalle, Schlosskirche, den Treppenhäusern, den großen Hörsälen, der Aula etc. in ihrer gestalterischen Ausformulierung als Zeugen ihrer Bauzeit erhalten bleiben, wird der Gesamtkomplex des Universitätsgebäudes durch das neue Erschließungskonzept klar und übersichtlich sowie heutigen Ansprüchen genügend strukturiert. Durch die Zusammenfassung von Arkadenhof, Foyer und Lichthof entsteht eine übersichtliche, zentrale Empfangs- und Erschließungssituation. Büro- und Kommunikationsflächen ergänzen die Seminar- und Veranstaltungsräume.
Sie folgen in ihrer Ausgestaltung grundsätzlich dem Gesamtkonzept New Work, um Studierenden und Lehrenden informelle und flexible Arbeitsräume für den Wissensaustausch zur Verfügung zu stellen. Hierfür haben wir ein Raummobiliar entwickelt, welches sich als eine Art „Regal“ auf einer Raumseite befindet und Nutzungen wie Teeküchen, Einzelbüros, Besprechungsräume, Kopierer etc. aufnehmen kann. Die gegenüberliegende Raumseite wird als Open-Space-Fläche ausgebildet. Das Raummöbel kann größtenteils adaptiv in den einzelnen Fakultäten übernommen werden, wobei jede Fakultät zur besseren Orientierung eine andere Farbigkeit erhält. Eine übergeordnete Farbe im HPFL (Grün) wird hauptsächlich für die Türrahmen/ Türelemente des Bestandes, aber auch für die skulpturale Treppe im Lichthof verwendet. Die vorhandenen Bodenbeläge bleiben nach Möglichkeit erhalten und werden durch neue Beläge wie Terrazzo in den Verkehrsbereichen oder Parkettholzböden in den Seminar- und Büroräumen ergänzt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit dieser Arbeit liegt ein Entwurf vor, der die in über 200 Jahren gewachsene, teils überlagerte Gebäudestruktur neu zur ordnen versucht und mit gezielten Interventionen Schwerpunktorte definiert, um räumliche Bezüge zu schaffen.
Der zentrale Arkadenhof dient, weitgehend unverändert belassen, als zentrierender Ankunftsort und Drehkreuz. Auf orthogonalem, sich in der Pflasterung abbildenden Grundraster sind die Hauptachsen Nord - Süd (Stadt - Hofgarten) und die studentische Achse nach Westen zum historischen Ehrenhof entwickelt. Vier Baumgruppen in den Hofecken machen die Natur im bislang steinernen Hof erlebbar und vermitteln den Lauf der Jahreszeiten.
An der Westseite des Hofes ist auch weiter der Haupteingang situiert. Durch Öffnung der Garderobe zum westlichen Hof erhält das Hauptgebäude ein größeres Entree mit einem in der Vertikalen die Gebäude verbindenden, überdachten Lichthof. Dieser derzeit ein Schattendasein fristende Hof wird mit Aufstockung des westlichen Flügels und skulpturaler Treppenanlage zum neuen Empfangsraum umgewandelt. Der Eingriff in den Garderobenbereich als Zeitschicht selbstbewusster 1920er-Jahre wird denkmalpflegerisch jedoch als Verlust gesehen.
Auch erscheinen im Lichthof die in Form und Farbigkeit dominante Treppenanlage und die Empore als Überinszenierung ohne eigentliche Notwendigkeit, da weitere neue Treppen bereits für ausreichende Erschließung und notwendige Rettungswege sorgen. Das sehr groß geratene neue Treppenhaus südlich des großen Hörsaales greift stärker in die Denkmalsubstanz ein als erforderlich.
Die Erschließung des Hörsaales und der Aula im 1. OG erscheinen plausibel, wenngleich rund um die Aufzüge etwas kleinteilig und orientierungsbedürftig. Der Zugewinn an neuen, gut belichteten Arbeitsplätzen durch Aufstockung des Seitenflügels wird begrüßt. Nicht überzeugen kann die konstruktive Anbindung des Lichtdaches an das Bestandsdach gegenüber.
Gut gewählt erscheint die repräsentative Unterbringung der Museen im Kaiserplatzflügel mit Adresse zum Hofgarten und Bezug zur Universität im Inneren. Das Schlosscafé ist einschließlich Freiterrasse flexibel von Studierenden und Universitätsangehörigen wie auch Stadtbewohnern und Gästen nutzbar.
Die zum Hof orientierte Dachaufstockung und die Überdachung des Blumenhofes generieren neue Nutzflächen und zusammenhängende Raumfolgen für Museum und studentische Arbeitsflächen.
Die steilen, mansardartigen neuen Dächer stellen eine sehr starke Überformung der historischen Kubatur dar und beeinträchtigen das stimmige Ambiente des kleinen barocken Hofes.
Am südlichen Haupteingang zum Hofgarten wird rund um die mehrläufige barocke Treppenanlage eine großzügige Anbindung an die Flure nach Osten und Westen geschaffen, allerdings wiederum um den Preis starker Eingriffe in barocke Raumstrukturen.
Das Erschließungssystem im Schlosskomplex wird durch gut auffindbare neue Treppenanlagen und Aufzüge an den Flurachsen strukturiert. Kritsch gesehen wird die Vielfalt an neuen Treppenformen. Mit der Folge erhöhter Verkehrsflächenanteile bleibt das teils direkte Nebeneinander historischer und neuer Treppen und zusätzlicher Nebenflure, wo eine klarere Erschließungsstruktur wünschenswert gewesen wäre.
Die Verortung der Fakultäten, der Verwaltung und weiterer Funktionen ist prinzipiell gelungen und durch durchdachte Möblierung gut nachzuvollziehen. Studentische Arbeitsplätze befinden sich nahe den zugehörigen Lehrräumen. Die Gastronomie liegt an den frequentierten Verkehrswegen, die Fachschaft gut erreichbar im EG des Gelenkes zum Ostflügel, darüber im 1. und 2. OG das Rektorat mit den Festräumen an exponierter Stelle.
Intensiv befasst sich der Entwurf mit der Gestaltung der studentischen Arbeitsbereiche und deren Strukturierung mit raumhohen Einbaumöbeln. Die Darstellungen erinnern jedoch mehr an Schrankwände in Wohnstudios denn an moderne New-Work-Bereiche. Auch der in der Visualisierung etwas nüchtern daherkommende Hörsaal lässt eine studentisch-juvenile Atmosphäre vermissen. Hier zeigen die Grundrisse und Schnitte deutlich mehr Professionalität in effektiver und vielfältiger Raumnutzung. Die Arbeitsräume in den Dachgeschossen des Bestandes weichen aufgrund reduzierter Belichtung und Belüftung vom gemäß ASR empfohlenen Komfort ab.
Zur Gebäudetechnik schlagen die Verfasser eine integrative Mischung innovativer, regenerativer Energiegewinnung und notwendiger Haustechnik auf Basis Low-Tech vor, die als wirtschaftlich und solide bewertet wird. Positiv bewertet werden ebenfalls die über alle Geschosse weitgehend realisierte barrierefreie Erschließung und ein überzeugendes Brandschutzkonzept.
Das Preisgericht sieht in dieser Arbeit einen Entwurf, der mit Neustrukturierung und gezielten Interventionen die verschiedenen Raumsituationen im historischen Gebäudekomplex mit den vielfältigen Anforderungen an Funktionalität, Architektur, Denkmalschutz, Wirtschaftlichkeit, Energetik, Nachhaltigkeit und nicht zuletzt Präsenz als Excellenzuniversität zu integrieren sucht.
Im Umgang mit dem Denkmal ist die Auseinandersetzung zwischen respektvollem Bewahren historischer Substanz und notwendigen Eingriffen deutlich erkennbar.
Die vorgeschlagenen Lösungen in einem grundsätzlich soliden Konzept überzeugen dabei jedoch nicht abschließend.
Perspektive Lichthof als zentrales Verbindungselement

Perspektive Lichthof als zentrales Verbindungselement

Lageplan

Lageplan

Bauliche Eingriffe

Bauliche Eingriffe

Äußere Erschließung

Äußere Erschließung

Innere Erschließung

Innere Erschließung

Treppenhäuser als gestaltprägende Orientierungspunkte

Treppenhäuser als gestaltprägende Orientierungspunkte

Gestalterische Aufwertung von Höfen und Freiflächen

Gestalterische Aufwertung von Höfen und Freiflächen

Raummodule / Raummöbel

Raummodule / Raummöbel

Nutzungsmöglichkeiten Arkadenhof

Nutzungsmöglichkeiten Arkadenhof

Grundriss EG

Grundriss EG

Grundriss 1.OG

Grundriss 1.OG

Grundriss 2.OG

Grundriss 2.OG

Schnitt C-C

Schnitt C-C

Schnitt D-D

Schnitt D-D

Schnitt F-F

Schnitt F-F