Der Klimawandel erhöht den Druck auf das Stadtgrün und die verfügbaren Wasserressourcen, insbesondere in den Sommermonaten. Wasser ist dabei nicht unbedingt dann für das Stadtgrün verfügbar, wenn es benötigt wird. Die Einreichung „Bewässerung von Stadtgrün im Klimawandel – Grundlagen und Strategien für Hamburg“ analysierte erstmals systematisch die Wasserverfügbarkeit und Bewässerungssituation des Hamburger Stadtgrüns und entwickelt strategische Ansätze für eine resiliente Stadt- und Landschaftsplanung.
Durch Gespräche mit Verantwortlichen wurden Grundlagen der Bewässerungspraxis des Hamburger Stadtgrüns erfasst. Hierbei wurde festgestellt, dass aktuell näherungsweise 40.000 m³ Wasser im Jahr für die Bewässerung des öffentlichen Stadtgrüns (Parkanlagen und Straßenbäume) verwendet werden. In Parkanlagen fallen zusätzlich größere Wassermengen für die Parkseen an. Darüber hinaus benötigen die Hamburger Friedhöfe jährlich näherungsweise 70.000 m³ Wasser. Derzeit wird überwiegend Trinkwasser als Ressource zur Bewässerung eingesetzt. Modellberechnungen prognostizieren höhere Wasserbedarfe verschiedener Stadtgrüntypologien zur Erhaltung der Vitalität in den zunehmend trockenen und heißen Sommermonaten. Die Modelle zeigen auch, dass zukünftig höhere Wasserbedarfe entstehen, wenn die vorhandene Vegetation optimal mit Wasser versorgt werden sollte, um ihre Verdunstungsleistung voll ausschöpfen zu können. Wenn zukünftig zudem mehr Grünvolumen zur Kühlung der Stadt entsteht, werden zusätzliche Wassermengen zur Bewässerung benötigt.
Darüber hinaus ergibt eine Analyse des Grundwasserbestands, dass zwischen 2012 und 2021 in Hamburg durchschnittlich etwa 50 Liter pro Quadratmeter zur Grundwasserneubildung im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1991 bis 2019 fehlten. Die entwickelte Hinweiskarte zum potenziellen Wasservorkommen für Stadtgrün zeigt, dass Trockenperioden vor allem versiegelte Stadtbereiche betreffen. Sensible Pflanzen in diesen Zonen sind durch mehrjährige Trockenperioden besonders gefährdet. Diese Bedingungen können zusätzlichen Einfluss auf die Bewässerung von Stadtgrün haben. Da die Bewässerungsperioden mit allgemeinen Spitzenverbräuchen der Trinkwassernutzung zusammenfallen, sind innovative Einsparkonzepte erforderlich, um keinen zusätzlichen Druck auf die Wasserressourcen in der Stadt zu erzeugen.
Aus diesem Grund wurden unter Einbeziehung fachübergreifender Expertise zukunftsweisende gesamtstädtische Ziele zur Förderung von Stadtgrün im Klimawandel entwickelt:
• Stadtgrün dauerhaft erhalten und Grünvolumen erhöhen.
• Stadtklimatischen Wirkungen von Stadtgrün durch Bewässerung in ausgewählten Räumen optimieren.
• Die Bewässerung trinkwasserschonend gestalten.
Diese werden durch die vertiefenden Handlungsfelder „Resilientes Stadtgrün“, „Wassersensible Bewässerung“ sowie „Fachübergreifende Zusammenarbeit und integrierte Planung zum Bewässerungsmanagement“ beschrieben.
Anhand von drei unterschiedlichen Fokusräumen wurden diese Handlungsfelder exemplarisch angewandt und ortsspezifische Bewässerungsbedarfe und Regenwasserpotenziale quantitativ ermittelt und vergleichend analysiert.
Die Untersuchung verdeutlicht, dass angesichts des Klimawandels bisherige Konzepte zur Stadtgrünpflege und -entwicklung den veränderten Umweltbedingungen möglicherweise nicht mehr gerecht werden. Die Wasserversorgung des Stadtgrüns erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der die Expertisen aus Wasserwirtschaft, Grünplanung und Tiefbau zusammenführt. Künftig wird es vermehrt notwendig sein, auch private Akteur:innen einzubeziehen, um grundstücksübergreifende Lösungen zu entwickeln. In Zeiten zunehmender städtischer Flächenkonkurrenzen bietet dies große Potenziale für eine wassersensible und klimaangepasste Stadt.