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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025

Oberbillwerder – Neugestaltung Zentrale Achse und Fleetplatz in Hamburg-Bergedorf

Quartiersplatz
10

Quartiersplatz

1. Preis

Preisgeld: 29.000 EUR

A24 Landschaft

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Konzept

Wasser prägt die Hamburger Landschaft und spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte und für die Identität der Hansestadt. Die zentrale Achse, dem Verlauf eines ehemaligen Agrarkanals folgend, dient nicht nur als Verbindung zwischen den Stadtteilen Neuallermöhe und Oberbillwerder, sondern wird zu einer fließenden Übergangszone zwischen der Stadt und der umliegenden Agrarlandschaft.

Die neue Achse belebt die Geschichte des Ortes neu, indem sie die Wahrnehmung des Wassers durch die Besucher:innen schärft. Die variierende Intensität und Form des Wassers (z.B. Wasserspiele, Becken, Aussichtspunkte) ist an die Bedürfnisse der Anwohner:innen angepasst. Die Funktion des Agrarkanals wird durch ein integriertes Wasserrückhaltesystem aufgegriffen. Die Funktionalität des Ortes sowie eine gute Regenwasserbewirtschaftung werden durch variierende Permeabilität des Bodenbelags gewährleistet.


Achse

Die Achse erstreckt sich über drei verschiedene Abschnitte: einem urbanen im Süden, einem gemischten in der Mitte und einem ruhigen, grünen im Norden. Der südliche, urbanere Abschnitt beherbergt aktive Funktionen wie Märkte sowie Spiel- und Sportflächen, im Einklang mit dem Konzept der „Active City“. Richtung Norden wird die Achse zunehmend ruhiger mit intimeren Begegnungsräumen wie Gemeinschaftsgärten und Schulstraßen. Diese Vielfalt wird auch durch den Wechsel der Vegetation sichtbar, die sich im Verlauf des Weges verändert. Ein Vegetationsgradient begleitet den Nutzer: Im Süden finden sich grasbewachsene Flächen und typische Gräser der urbanen Landschaft (Stipa spp., Sesleria nitida, Perovskia atriplicifolia, etc.), im Norden werden die Flächen dichter und vielfältiger, die Vegetation wird feuchter und üppiger (Iris sibirica, Vernonia arkansana, Euphorbia seguieriana, etc.), was eine intimere Naturerfahrung ermöglicht.

Die Vegetationsflächen befinden sich im Zentrum der Achse und variieren in ihrer Form, um sogenannte Pocket Squares zu schaffen. Diese Plätze bieten eine hohe Aufenthaltsqualität und laden zum Verweilen, Spielen und zu sportlichen Aktivitäten ein. Ein Loop-Fenster markiert die Promenade und verbindet die Achse mit den Wegen entlang des Loops. Es fungiert als Retentionsbereich, bietet eine Sitzgelegenheit mit Kinderspielen und ermöglicht, das natürliche Umfeld des Loops zu genießen.

Die Promenade ist mit einem Betonsteinpflaster ausgestattet, das sich in einem sanften Übergang zu einem Rasensteingitter verwandelt. Diese Gestaltung ist auch für die Feuerwehrzufahrt und andere Lieferfahrzeuge geeignet.


Fleetplatz und Quartiersplatz

Der Fleetplatz am Eingang der zentralen Wegeachse sowie der Quartiersplatz spielen eine wesentliche Rolle als Treff- und Orientierungspunkt für die Anwohner:innen. Diese urbanen Knotenpunkte werden zu „Social Hubs“, an denen verschiedene gemeinschaftliche Funktionen wie Spielplätze, Märkte und gastronomische Angebote miteinander kombiniert werden.

Der Fleetplatz ist flexibel gestaltet und nutzt das vorhandene Pflasterraster, um neue durchlässige Flächen zu schaffen, die die Versickerung von Regenwasser fördern. Neue Sitzgelegenheiten sind auf dem Platz verteilt und die Tribüne im Süden, mit Blick auf den Kanal, wird erneuert, um die Aufenthaltsqualität direkt am Wasser zu verbessern. Ergänzend zu den vorhandenen Sophora japonica werden auf dem Platz neue Klimabäume gepflanzt (Quercus cerris, Fraxinus ornus, Sorbus domestica, etc.). Diese neuen Grünflächen und Bäume tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Zudem wird ein neues Pflaster verlegt, das eine Verbindung zur zentralen Achse und zum neuen Stadtviertel herstellt.

Der Quartiersplatz wird durch ein Natursteinpflaster geprägt, das die klare Linienführung der zentralen Achse aufbricht. Das Zentrum des Platzes, vor dem Mobility Hub, wird durch eine Intarsie aus wassergebundener Wegedecke betont. Ein dichtes Baumdach sorgt für Schatten und schützt die Terrassen der umliegenden Cafés sowie des Kiosks. Im Westen des Platzes wird eine markante Skulptur verortet, die eine neue Identität für das Viertel stiftet. Die Skulptur dient auch als Brunnen und stellt ein Spielelement dar, das sich harmonisch in die anderen Wasserspiele auf dem Platz einfügt. Der Brunnen sowie das Baumdach tragen zur Kühlung des Platzes bei. Regenwasser wird in eine Zisterne umgeleitet, die zur Versorgung des Brunnens dient.

Wohnstraße

Die Wohnstraße ist in ihrer Planung grundlegend von der übrigen zentralen Achse abgehoben, um die Aufmerksamkeit der Fußgänger zu steigern. Sie ist durch ein System von Tiefbeet-Rigolen deutlich von den Gehwegen getrennt. Diese Systeme sammeln nicht nur Regenwasser, sondern bieten auch eine abwechslungsreiche Begrünung und tragen zur Kühlung des Straßenraums bei. Eine Verlangsamungszone wird eingerichtet, um den Eingang zur Schule und zur Kindertagesstätte hervorzuheben. Durch einen Belagswechsel wird die Aufmerksamkeit von Autofahrern und Radfahrern gelenkt. Vor jeder Einrichtung wird eine platzartige Situation angelegt, um die Eingänge zu betonen und eine hohe Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Ein Gartenweg führt von der Wohnstraße nach Norden und verbindet die verschiedenen Gemeinschaftsgärten. Im Zentrum wird ein Platz mit Sitzgelegenheiten geschaffen, der als Treffpunkt für die Gartenbesucher dient. Den Endpunkt der Wegeachse, die dem neuen Masterplan folgt, betont eine Holzplattform, die einen weiten Blick auf die angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen und ihre Kanäle erlaubt. Diese Plattform im Norden und die Tribüne im Süden des Fleetplatzes bilden eine räumliche Klammer für die neue Wegeachse und eröffnen einen Ausblick auf die Bedeutung des Wassers in der Hamburger Landschaft.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf besticht durch eine ruhige, unaufgeregte Gestaltung, die sich über die gesamte Achse zieht. Die drei Segmente sind klar erkennbar und dennoch eng aufeinander abgestimmt.

Das grüne Band liegt mittig in der Achse, die befestigten Randstreifen wirken auf den ersten Blick schmal. Auf den zweiten Blick wird jedoch schnell deutlich, dass Randzonen mit Rasenlinern einen fließenden Übergang zwischen Grünflächen und Belagsflächen bilden. Dadurch kann die Versiegelung deutlich verringert und gleichzeitig die Nutzbarkeit und Überfahrbarkeit sichergestellt werden, die Vor- und Nachteile einer solchen Ausgestaltung wurden diskutiert. Multifunktionsflächen mit Fahrradparkern, Sitzbänken und Flächen für Außengastronomie sind hier verortet. Dennoch werden die Rasenliner kontrovers diskutiert. Eingebettet in das grüne Band sind Sport- und Spielflächen, sogenannte Pocket Squares, die in der gleichen Formensprache eingewebt werden und richtig in größeren Intervallen platziert sind.

Der Quartiersplatz wird als solcher gut wahrgenommen, da er sich in seiner Materialität von der zentralen Achse unterscheidet und dadurch in seiner Gänze wahrgenommen wird. Ob große Natursteinplatten hier das richtige Material sind, wurde intensiv diskutiert. Das grüne Band wird unterbrochen und macht einer freien Fläche Platz, auf welcher ein Wasserspiel oder Nebeldüsen für Kühle im Sommer sorgen. Bei Bedarf kann das Wasserspiel abgestellt und die Fläche für Veranstaltungen genutzt werden. Die Skulptur kann als Pendant zu den Zuckerstangen auf dem Fleetplatz gesehen werden und dient als identitätsstiftend für den neuen Stadtteil. Die östliche Hälfte des Platzes hat die Jury am meisten überzeugt. Ein von Baumkronen überspannter Platz versetzt den Besucher atmosphärisch auf einen schattigen Platz in Südeuropa. Der Platz wirkt locker und belebt zugleich und ist durch die Materialität der wassergebundenen Wegedecke etwas weniger versiegelt.

Der Fleetplatz scheidet die Geister und wird kontrovers diskutiert. Die vom neuen Stadtteil Oberbillwerder überspringende zentrale Achse verbindet die beiden Planungsgebiete und gibt mit der Treppenanlage zum Fleet einen stimmigen Abschluss. Die bestehende Fußverbindung über die Brücke wird jedoch als uneindeutig gesehen. Die Entsiegelung und die Neupflanzung von Bäumen werden begrüßt, jedoch lässt die Platzierung der Bäume keine eindeutige Haltung zum Raum erkennen.

Der südliche Kreuzungspunkt mit dem Grünen Loop wird als gelungen angesehen. Der besondere Ort wird betont, gibt den Menschen und der Natur Raum. Der nördliche Kreuzungspunkt wird als eher unterrepräsentiert gesehen.

Ebenfalls positiv wertet das Preisgericht die Einmündung von der Quartiersstraße (Planstraße LN) auf die grüne Achse nach Norden (Planstraße A2 Ost): die Platzfläche vor der Schule verlangsamt den Verkehr und betont, dass das Auto hier nicht Vorrang hat.

Das Pflanzkonzept von trockenheitsliebenden Stauden und Gräsern im urbanen Teil der Achse hin zu einem mehr natürlichen, frischeren Klima für entsprechende Pflanzen hin zur Landschaft wird als gut durchdacht angesehen. Zur Baumauswahl wird keine Aussage gemacht.

Das Regenwassermanagement hat in diesem Entwurf einen wichtigen Stellenwert und wird konsequent durch offene Mulden, tiefer gelegten Pflanzflächen und grundsätzlich einem relativ geringen Versiegelungsgrad dargestellt.

Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr gelungenen und ansprechenden Beitrag dar.
Fleetplatz

Fleetplatz

Kreuzungsbereich Zentrale Achse und Grüner Loop

Kreuzungsbereich Zentrale Achse und Grüner Loop

Übersichtsplan

Übersichtsplan

Detailausschnitt Segment 1

Detailausschnitt Segment 1

Detailausschnitt Segment 2

Detailausschnitt Segment 2

Detailausschnitt Segment 3

Detailausschnitt Segment 3

Detailausschnitt Quartiersplatz

Detailausschnitt Quartiersplatz

Detailausschnitt Fleetplatz

Detailausschnitt Fleetplatz

Klimaanpassungen

Klimaanpassungen