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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2016

Ortskern Salzbergen

2. Preis

Preisgeld: 13.000 EUR

scape Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Anlass und Ziel
Das Zentrum der Gemeinde Salzbergen ist das Resultat einer großflĂ€chigen Ortskernsanierung der 1970er Jahre und weist heute nur noch wenige historische Spuren und AtmosphĂ€ren auf. Die ursprĂŒngliche dörfliche Kleinteiligkeit wurde im damaligen Prozess der Priorisierung des motorisierten Verkehrs und der Neustrukturierung des zentralen GeschĂ€ftsbereichs zum großen Teil aufgegeben.

VerkehrsfĂŒhrung
Das Entwurfskonzept sieht die Betonung der Ortsmitte vom Kirchplatz bis zum Bahnhof vor und stĂ€rkt diese Verbindung mit einer einheitlichen OberflĂ€chengestaltung. Die sich aus der Realisierung der Ortsumgehung ergebende Chance der Verkehrsberuhigung und BeschrĂ€nkung auf den Ziel- und Quellverkehr wird genutzt. Der zentrale Bereich zwischen Kirchplatz und Bahnhof wird als Beitrag zur Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer nur im Schritttempo befahren. Ein ebenengleicher Straßenquerschnitt, die schlanke TrassenfĂŒhrung (Breite 6 m) und die Überpflasterung der Fahrbahn mit dem gleichen Material, wie das der Gehwegbereiche, lĂ€sst die Fahrspur optisch in den Hintergrund treten und trĂ€gt zur Verkehrsberuhigung bei. Als Pflaster wird ein grau/braun changierendes Betonsteinpflaster vorgesehen. Rundborde (3cm Höhe) und beidseitige Pflasterrinnen zeichnen die traditionelle Dreiteilung des Straßenraumes nach und sorgen fĂŒr eine technisch einwandfreie EntwĂ€sserung. FahrradstĂ€nder und BĂ€nke finden sich immer wieder entlang der GehwegflĂ€chen. An den OrtseingĂ€ngen bilden Baumtore aus BlĂŒtenbĂ€umen und der auch fĂŒr die Ortsmitte vorgesehene Pflasterteppich aus grau/braun changierendem Betonsteinpflaster die stĂ€dtebaulichen EntreĂ©s und den Auftakt fĂŒr den verkehrsberuhigten Bereich. Die Fahrbahn wird in dieser Tempo 30 Zone in Asphalt erstellt. Der zentrale Knotenpunkt „Ems- / Bahnhofstraße“ wird durch die Reduzierung der Fahrbahnbreite, sowie durch eine versetzte Straßenkreuzung entzerrt. Dies trĂ€gt zur Entschleunigung des Verkehrs bei und erleichtert die Querung fĂŒr die FußgĂ€nger. Die fĂŒr den ruhenden Verkehr geforderte Anzahl von ca. 80 StellplĂ€tzen im Realisierungsbereich wurde mit 74 StellplĂ€tzen in der Straßen- und Platzgestaltung berĂŒcksichtigt.

Kirchplatz
Das Konzept zur Gestaltung des öffentlichen Raumes knĂŒpft auf neue Weise an die historische MaßstĂ€blichkeit an. Die St. Cyriakus Kirche wird als Keimzelle und Identifikationspunkt Salzbergens neu in den Mittelpunkt der Wegbeziehungen und Platzsequenzen gerĂŒckt und mit einer klaren Platzfigur vor dem Westportal betont. Eine Platzintarsie aus Natursteinplatten (alternativ: großformatigen Betonsteinplatten) vermittelt zwischen Emsstraße und Kirche und schafft eine neue, lebendige und multifunktional nutzbare PlatzflĂ€che. In der Platzmitte wird die vorhandene Brunnen­stele neu innerhalb eines Wasserbeckens platziert. Der Kirchhof selbst wird in Anlehnung an den historischen Zustand mit einer mit BlĂŒtenbĂ€umen ĂŒberstellten RasenflĂ€che neu gefasst (langfristige Perspektive). Neue Spiel- und Aufenthaltsangebote beleben den grĂŒnen Kirchhof. Eine Realisierung des Kirchvorplatzes ist jedoch auch unabhĂ€ngig von der Umgestaltung des Kirchhofs vorstellbar. FĂŒr Besucher der Kirche und der Touristeninformation werden sieben StellplĂ€tze in direkter NĂ€he angeboten. Im östlichen Bereich des Kirchhofes können weitere Parkmöglichkeiten angeboten werden.

Platz West
Auf der westlichen Platzseite, gegenĂŒberliegend zum Kirchvorplatz, wird der Freiraum bis zu einem möglichen Baufeld fĂŒr ein neues Wohn- und GeschĂ€ftsgebĂ€ude und einen Parkplatz mit 24 StellplĂ€tzen erweitert. Der Großteil der westlichen PlatzflĂ€che bleibt frei von Einbauten und kann damit flexibel fĂŒr die Aufstellung des Festzeltes und die DurchfĂŒhrung von MĂ€rkten, Kirmes und anderen Veranstaltungen genutzt werden. GroßzĂŒgige RundbĂ€nke betonen die SolitĂ€rbĂ€ume und schaffen angenehme Aufenthaltsbereiche. Die BĂ€nke werden in Teilen durch Holzfaserauflagen und RĂŒckenlehnen zu komfortablen Aufenthalts- und Ruheinseln aufgewertet und bieten sich als Treffpunkte an. Unter den schattenspendenden KronendĂ€chern der BĂ€ume laden gruppierte stĂ€dtische Spielangebote zur Bewegung ein.

Platz SĂŒd
Der sĂŒdliche Platzteil mit dem vorhandenem Bestandsbrunnen bietet Raum fĂŒr gastronomische Außenbestuhlung im öffentlichen Raum. FĂŒr das Hotel Bolte ist sĂŒdlich des verkehrsberuhigten GeschĂ€ftsbereichs eine Haltebucht fĂŒr Reisebusse zugeordnet.

Bahnhofsumfeld
Die beiden Bahnhofsbereiche (Emsstraße und Lindenstraße) werden durch eine einheitliche Gestaltungssprache miteinander verknĂŒpft. Beide Bereiche sind durch gegenĂŒberliegende PlatzflĂ€chen zum Aufenthalt und als Treffpunkt funktional vom Straßenraum abgegrenzt. Inspiriert von der Formensprache der Gleise wird die Thematik der Schienen aufgegriffen und im Freiraum weiter fortgesetzt. Die großformatigen Betonsteinplatten sind an den Kirchvorplatz angelehnt.
Die beiden KopfgebĂ€ude der FußgĂ€ngerunterfĂŒhrungen werden abgerissen, sodass die optische Barriere entfernt wird und die TreppenabgĂ€nge zur UnterfĂŒhrung Teil der PlatzflĂ€chen werden. Die FußgĂ€ngerunterfĂŒhrung ist von beiden Ortsteilen nun auch barrierefrei und behindertengerecht durch Rampen innerhalb der Platzbereiche zugĂ€nglich. Auf den beiden Seiten der Bahnlinie sind insgesamt 63 StellplĂ€tze (24 StellplĂ€tze Bahnhofsstraße und 39 StellplĂ€tze Lindenstraße) und jeweils 200 ĂŒberdachte Fahrradanlehner vorgesehen. Außerdem wird jeweils eine Buswartehalle fĂŒr den Linienbusverkehr mit Halt des Busses auf der Fahrbahn integriert.

Bahnhofsplatz Bahnhofsstraße
Die historische Dampflok (ursprĂŒnglicher Standort) bildet die Hintergrundkulisse des neu entstehenden westlichen Bahnhofsplatzes, der durch eine barrierefreie Rampe gefasst wird, die sich zum Ortskern öffnet. Auf Schienen verschiebbare Sitz-Holzpodeste laden unter dem Kronendach der Bestandsgehölze zum Verweilen ein. Der Bestandsbrunnen ist Teil der PlatzflĂ€che und rĂŒckt weiter in den Vordergrund.

Bahnhofsplatz Lindenstraße
Der Bahnhofvorplatz an der Lindenstraße integriert das alte BahnhofsgebĂ€ude fĂŒr zukĂŒnftige Veranstaltungen mit 15 StellplĂ€tzen. Auch hier laden Sitz- und Pflanzpodeste auf Schienen zum Entspannen ein. Die PlatzflĂ€che nimmt außerdem den Treppeneingang zur FußgĂ€ngerunterfĂŒhrung sowie eine barrierefreier Rampe auf, die um die Fahrradstellplatzanlage zur BahnunterfĂŒhrung fĂŒhrt.

Lichtkonzept
Einige besondere SolitĂ€rbĂ€ume, Kunstwerke (z.B. MĂŒhlstein) und BĂ€nke werden bei Dunkelheit durch Licht inszeniert. Zum einen sind die BaumrundbĂ€nke mit einer hinterleuchteten Schattenleiste konstruiert, sodass sie bei Dunkelheit wie schwebend auf der PlatzflĂ€che scheinen, zum anderen finden sich an diesen Standorten auch Up- und Downlights in den Baumkronen. Diese strahlen einerseits die Kronen aus, andererseits ermöglichen sie eine blendfreie Beleuchtung des Stadtraums unter dem Baum. Zur weiteren Ausleuchtung der Platz- und Straßenbereiche sind Mastleuchten ergĂ€nzt.

Beurteilung durch das Preisgericht

StÀdtebau
PlÀtze und AufenthaltsflÀchen sind gut definiert. Sehr gute und detaillierte Analyse der stÀdtebaulichen ZusammenhÀnge.
Durch zusĂ€tzliche GebĂ€ude werden neue Raumkanten, insbesondere im Bereich Marktplatz, Bahnhofstraße geschaffen.
Im Ideenteil wird sich ĂŒber die vorgegebene FlĂ€che hinweggesetzt. Der Planer setzt eine neue Raumkante und schafft einen neuen klar gegliederten Platz. Auch bei Entfall des Ideenbereiches wĂŒrde das stĂ€dtebauliche Konzept funktionieren.
Der Kreuzungspunkt wird entzerrt wodurch eine Verbesserung zur Bestandssituation erreicht wird, bedarf aber einer weiteren Analyse. Die Kreuzung Poststraße Bahnhofstraße ist geĂ€ndert (bislang abknickende Vorfahrt), was positiv aufgenommen wird, einer Geschwindigkeitsreduzierung entgegenkommt und die Wegebeziehung zum Bahnhof unterstĂŒtzt. Die EinmĂŒndung zum Kirchplatz fehlt.
Die Stellplatzbilanz funktioniert.
Bahnhof
Die beiden PlĂ€tze erscheinen angenehm, offen und gut gestaltet. Die Ausbildung einer Rampe hinter der Lok wird kritisch bewertet, wirkt wenig einladend und könnte sich zum „Angstraum“ entwickeln.

Freiraumplanung
Der neue Kirchenvorplatz erscheint gut ausformuliert.
Die Stellplatzlösung ist grundsÀtzlich gut gewÀhlt. Der Bereich vor dem BÀcker wird vom ruhenden Verkehr freigehalten wodurch allerdings StellplÀtze zur Bedienung des BÀckers fehlen. Die Zuwegung zur hinteren Bebauung erscheint problematisch.
Die Position des Brunnens erscheint an zentraler Stelle des Platzes ungĂŒnstig. Die Höhenentwicklung im sĂŒdlichen Bereich des Kirchenvorplatzes wurde nicht berĂŒcksichtigt.

MaterialitÀt
Die Durchformulierung bis zum Tunnel wird positiv bewertet. Die MaterialitÀt ist dem Ort angemessen gewÀhlt. Die Farbigkeit wirkt angenehm.
FĂŒr die Fahrbahnen der zufĂŒhrenden Straßen wird Asphalt gewĂ€hlt. Dies trĂ€gt dem Material Naturstein auf dem Kirchplatz Rechnung.

Details
Die Fahrbahnquerungen und deren taktiles System finden sich an klar definierten Punkten wieder.
Halbrunde BĂ€nke um die BĂ€ume schaffen positive Aufenthaltsbereiche.
SpielgerĂ€te finden sich teilweise außerhalb des Planungsbereiches. Die an Schienen angelehnte Sitzbanklösung im Bahnhofsbereich wird positiv anerkannt.