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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2014

Quartier an der Kaiserstraße

Anerkennung

Siegbert Feldmeier Architekt

Architektur

JKL Junker + Kollegen Landschaftsarchitektur und Stadtplanung

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Quartier an der Kaiserstraße


Die K√∂rnung der Stadt ‚Äď Schutz, Austausch und Bedeutung

Betrachtet man die Innenstadt von G√ľtersloh und seine mittelalterlichen
Abfolgen aus Straßen, Plätzen, herausgestellten Gebäuden und Bebauungsblöcken,
ergibt sich f√ľr den Baublock an der Kaiserstra√üe eine selbstverst√§ndliche
Erweiterung dieser städtebaulichen Körnung. Orte wie der Berliner Platz
und der Kolbeplatz bilden den urbanen Maßstab, prägen Charakter und
Dimension der europäischen Stadt.
Die Aufweitung der Strengerstraße zu einem neuen Platz und die Schaffung
eines weitgehend geschlossenen Quartiers als klassischer städtischer Block,
das mit punktuellen √Ėffnungen einen Austausch mit der Umgebung erm√∂glicht,
schaffen die Basis f√ľr die bauliche Arrondierung der G√ľtersloher Innenstadt
und schärfen den Übergang zu den umgebenden Stadtquartieren. Der
vorgeschlagene neue Strengerplatz bietet mit seiner umgebenden Bebauung
und attraktiven Nutzungsmöglichkeiten ein weiteres Forum gesellschaftlichen
Austauschs, der Wohnblock mit seinem gro.z√ľgigen Innenhof einen
gesch√ľtzten Raum im Herzen der Stadt.
Der vorliegende städtebauliche Entwurf liefert mit seiner konsequenten
Weiterentwicklung der G√ľtersloher Innenstadt ein pragmatisches Ger√ľst, das
durch die Adressbildung des neuen Strengerplatzes von großer Bedeutung
f√ľr die gesamte Innenstadt ist.


Erweiterung des Einzelhandelszentrums Innenstadt ‚Äď Aus der Streulage
zur B-Lage?

Die G√ľtersloher Innenstadt ist ein attraktiver Anziehungspunkt zum Einkaufen
in der Region. Trotz seiner zentralen Lage in Bahnhofsnähe hat der
Nordosten der Innenstadt aber nur eine Randbedeutung in dem Einzelhandelszentrum.
Aktuell als Streulage eingestuft, hat die gezielte Aufwertung des
Bereichs von Strengerstraße und Eickhoffstraße mit attraktiven neuen Einzelhandelsstandorten
eine entscheidende Br√ľckenfunktion bei der Anbindung
des Bahnhofs an die Innenstadt.
Es gilt, die allgemein als positiv eingeschätzte stadträumliche Kleinteiligkeit
der Innenstadt auf selbstverständliche Weise an den Bahnhof heran zu
f√ľhren. Dies geschieht durch die Schaffung des neuen Strengerplatzes,
dessen erlebbare Freiraumqualität die bestehenden Einzelhandelsgeschäfte
durch ein ergänzendes Angebot an verschiedenen Ladenlokalen insgesamt
aufwertet. Die Vision des Strengerplatzes als Tor zur Innenstadt ergänzt so die
aktuellen Bestrebungen der aktuellen Masterkonzepte zur weiteren Attraktivierung
der Innenstadt. Die Fortsetzung der Gestaltqualit√§t √ľber Strengerstra√üe
zur Berliner Stra√üe und √ľber die Eickhoffstra√üe zum Kolbeplatz rundet das
Einkaufserlebnis in der G√ľtersloher Innenstadt ab.


Das Quartier an der Kaiserstraße

Das vorliegende Entwurfskonzept zeichnet sich durch eine städtebauliche
Klarheit und Robustheit aus, die flexiblen Nutzungsanspr√ľchen und baulichen
Ideen f√ľr eine attraktive Wohn- und Gesch√§ftsbebauung.
Die hervorgehobene Lage am Rande der Innenstadt und in direkter Nachbarschaft
zum Bahnhof ist pr√§destiniert f√ľr die Erschlie√üung einer attraktiven
und stabilen Bebauungsstruktur. Eine angemessene Nutzungsverteilung wird
ihr durch die Strengerstra√üe als ‚ÄěTor zur Innenstadt‚Äú in Kombination mit
einem Blockgebäude als Wohn- und Einzelhandelsraum zugesprochen. Die
straßenbegleitende Gliederung des Blocks bietet in der architektonischen
Umsetzung die M√∂glichkeit f√ľr ein einheitliches oder ein kleinteiliges Bauensemble
in Verbindung mit der vorhandenen Bebauung. In den Erdgeschoßzonen
an der Eickhoffstraße und am Strengerplatz sind kleine, mittlere und
größere Einzelhandelsnutzungen möglich. Das markante Turmgebäude am
Bahnhofsplatz bildet mit seiner zentralen Lage zum Beispiel ein ideales
√Ąrztehaus mit einer Apotheke und Drogeriemarkt im EG am Strengerplatz.
Die Mitte des Quartiers kennzeichnet sich durch eine große Freifläche, welche
durch einen alten Baumbestand eine hohe Attraktivität bietet. Ergänzt um
weitere schmuckvolle Gehölze und umrahmt von kleinen, privaten Gärten der
angrenzenden Wohnungen im Erdgeschoss, entsteht eine einladende,
park√§hnliche Gr√ľnfl√§che.
Durch eine Durchwegung, welche zeitweise eine hofseitige Andienung der
Ladenlokale ermöglicht, entsteht die urbane Atmosphäre eines Werkhofs.
Au√üengastronomie auf der S√ľdseite oder Spielbereiche einer m√∂glichen Kita
an der Nordseite weisen den Hof als einen halböffentlichen Freiraum aus, der
durch die weitgehende bauliche Schlie√üung gegen√ľber Friedrich-Ebert-Stra√üe
und Kaiserstra√üe eine ruhige, gr√ľne Oase im Zentrum bildet. G√§rten auf
den Erdgeschosszonen und auf den Dächern unterstreichen diesen Eindruck.
In den Obergeschossen besteht die Nutzung weitgehend aus Wohnen, differenziert
durch verschiedene Erschliessungstypen, die aus der örtlichen Positionierung
innerhalb des Baublocks entwickelt werden (Laubengangtyp im
Norden zur schallintensiven Ebert-Strasse sowie Maisonettetyp mit Gartenanteil,
Zweispänner an der Westseite). Sämtliche Wohnungen orientieren sich
zum ruhigen und gr√ľnen Blockinnenbereich. Zum Strengerplatz ist in den
OG auch eine B√ľro- und Praxen-Nutzung denkbar.
Zum Strengerplatz wird der Baublock durch breite Zwischenräume geöffnet.
Das sich hieraus ergebende Sondergebäude bildet eine Verbindung zwischen
Innenhof und Platz und kann von beiden Seiten bespielt werden. An dieser
Stelle wird eine deutliche Verbindung der gr√ľnen, halb√∂ffentlichen Freifl√§che
und der öffentlichen Platzfläche geschaffen, wie Sie auch an anderen Stellen
die G√ľtersloher Innenstadt pr√§gt.
Ein gro√üer Teil des Blocks ist mit einer Tiefgarage unterbaut, welche √ľber die
meisten Treppenhäuser erschlossen werden kann. Die Erschließung der
Tiefgarage erfolgt √ľber die Freidrich-Ebert-Stra√üe. Der vorhandene Baumbestand
kann durch die gewählte Blockrandbebauung und die Kubatur der
Tiefgarage weitgehend erhalten werden. Eine Teil-Unterbauung des Strengerplatzes
ist denkbar, unabhängig von einer öffentlichen oder privaten
Fl√§chenwidmung des Platzes. Hierbei w√ľrde der √∂ffentliche Charakter der
Tiefgarage durch eine Zugangssituation √ľber das Pavilliongeb√§ude auf dem
Strengerplatz zusätzliche Stärkung erfahren.


Platz an der Strengerstraße

Als Hauptverbindung zwischen Bahnhof und historischer Innenstadt wird die
schmale Strengerstraße platzartig erweitert. Es entsteht eine Erweiterung der
Fu√üg√§ngerzone und der Individualverkehr wird √ľber den Platz gef√ľhrt, der in
einem einheitlichen Pflastermaterial von der bestehenden s√ľdlichen Fassade
bis zu den neuen Geschäftsfassaden an der Nordseite reicht. Die einheitliche
Materialität des Platzes aus ortstypischer Pflasterung macht die Erweiterung
der Fu√üg√§ngerzone erlebbar. Betont wir der Strengerplatz mit einem gro.z√ľgigen
Plattenteppich, der ausgestattet mit Fontänenfeldern, Sitzmöglichkeiten
und einer attraktiven Beleuchtung eine besondere Aufenthaltsqualität
bietet.
Das bisher noch in den Baublock integrierte Café Alex wird als Solitärgebäude
an der westlichen Platzseite freigestellt. Die neue exponierte Lage bietet an
den bisherigen R√ľckseiten Erweiterungsoptionen an den Bestandgeb√§uden
zum neuen Strengerplatz durch attraktive Wintergärten oder Terrassen, die
durch den Gastronom sicherlich angenommen werden.
Ein weiteres Solitärgebäude an der Ostseite markiert das Tor zur Innenstadt
aus Sicht vom Bahnhof. Als zweigeschossiger Pavillon am Platz errichtet, ist es
ein besonderer Ort f√ľr Ausstellungen, einen Foodmarkt oder Eventgastronomie.
Vieles ist hier denkbar und im Gesamtzusammenhang mit der intensiven
Bebauung des restlichen Quartiers auch wirtschaftlich umsetzbar. Hiermit
wird ein städtebauliches Element der Kleinarchitektur zitiert, das auf vielen
Plätzen als unverzichtbares Element des Stadtraums erlebt wird.

Beurteilung durch das Preisgericht

Zun√§chst √ľberzeugt die konsequente Struktur der Blockrandbebauung, die einen gesch√ľtzten Innenraum schaffen will und zugleich eine Durchl√§ssigkeit zur Friedrich-Ebert-Stra√üe und zur Strengerstra√üe erlaubt. Die platz√§hnliche Situation durch Aufweitung der Strengerstra√üe mit freigestelltem ‚ÄěAlex‚Äú sowie einem neuen Pavillongeb√§ude wirkt hingegen weniger √ľberzeugend. Die niedrigen Geb√§ude lassen eine ‚ÄěSekund√§rarchitektur‚Äú entstehen, die den st√§dtebaulichen Zielen von Kanten- und Raumbildung widersprechen. Auch ist die Nutzung als Ausstellungspavillon zu hinterfragen, im Zweifel entsteht dort Systemgastronomie.
Die gebildete Struktur ist so robust, dass sie mehrere Nutzungen (Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen etc.) zulässt, wobei die Einzelhandelsflächen im Vergleich zu anderen Arbeiten zu gering erscheinen.
Die Blockrandbebauung nimmt die städtebauliche Struktur der Innenstadt auf. Sie ermöglicht sowohl eine einheitliche wie auch differenzierte Gestaltung. Die gezeigten Baukörpertiefen erlauben vielfältige Nutzungen, so auch Tageslicht in den Obergeschossen.
Die vorgeschlagene Kita ist zur St√ľtzung des innerst√§dtischen Wohnens sinnvoll, dennoch muss ihr Standort kritisch hinterfragt werden. Die zugeordneten Freifl√§chen sind nicht erkennbar.
Das Gr√ľnkonzept √ľberzeugt, letztlich auch durch den Erhalt des alten Baumbestandes. Dennoch darf nicht √ľbersehen werden, dass der im Plan als zusammenh√§ngende Gr√ľnfl√§che erscheinende Innenbereich zum Teil eine begr√ľnte Dachfl√§che ist. Die modulare Umsetzung ‚Äď in Abh√§ngigkeit der Verf√ľgbarkeit der Grundst√ľcke ‚Äď ist m√∂glich und eine Realisierung in mehreren Bauabschnitten unproblematisch. Die Tiefgarage wird √ľber die Friedrich-Ebert-Stra√üe angefahren, die Frage der Anlieferverkehre ist aber ungel√∂st. Auch scheint im Vergleich die Anzahl der Tiefgaragenstellpl√§tze unterdimensioniert zu sein. Letztlich ist dies dem Baumbestand geschuldet.

In G√§nze √ľberzeugt der st√§dtebauliche Ansatz durch seinen robusten und konsequenten Aufbau und seine Klarheit. Es werden gr√ľne und ruhige Innenbereiche geschaffen. Die umliegenden Stra√üen behalten eine deutliche Kontur. Kritisch zu hinterfragen ist die Aufweitung der Strengerstra√üe, die heute ‚Äď trotz weniger Defizite ‚Äď als einfache Stra√üe √ľberzeugt.
Blick auf den Strengerplatz

Blick auf den Strengerplatz

Lageplan Städtebauliches Konzept

Lageplan Städtebauliches Konzept

Perspektive Stadteingang

Perspektive Stadteingang

Lageplan Ausschnitt EG

Lageplan Ausschnitt EG