modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Einladungswettbewerb | 11/2025

Quartier Schwabstraße in Friedrichshafen

Skizze - Quartiersmitte
5

Skizze - Quartiersmitte

1. Preis

schaudt architekten bda

Stadtplanung / Städtebau

Schuler und Winz Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Potential erkennen - Qualität erhalten
Das Gebiet ist geprägt von den ehemaligen Kasernengebäude aus den Jahren 1951/1952.
Diese Zeilenbauten richten sich in einer strukturierten Anordnung von Nord nach Süd aus und weisen als 2-Spänner durchgestreckte Wohnungen mit Ost-West-Orientierung auf. Die nachträglich erweiterten Balkonanbauten stellt den wertvollen Bezug zum Freiraum her. Aufgrund den vorhandenen Qualitäten gilt es die Bestandstruktur zu erhalten und fortzuführen: Die markante Zeilenstruktur wird somit größtenteils belassen und durch punktuelle Nachverdichtung und Erweiterungen in Form von Aufstockungen und Anbauten ergänzt. So kann die identitätsstiftende Struktur sowie die qualitätsvolle Ost-West-Orientierung beibehalten werden. Durch die Nutzung der vorhandenen Wegestruktur entsteht so wenig zusätzliche Versiegelung. Der Rückbau der Bestandsstruktur wird auf ein Minimum reduziert. Lediglich die neuen Sonderbausteine, wie die Quartiersgarage und der zentrale Hochpunkt in der Quartiersmitte erfordern einen Eingriff in die Bestandsstruktur.

Das Quartier weist sich im Vergleich zu den umliegenden Quartiere als sehr Grün auf. Zwischen der Bestandsbebauung befinden sich großzügige Freiflächen mit zahlreichen markanten Großbäumen und Gehölzstrukturen.
Auch hier gilt, die bestehenden Qualitäten zu erhalten und herauszuarbeiten. Die grünen Wohnhöfe und Vorzonen bleiben erhalten und werden gezielt weiterentwickelt. Die bestehende Grünfläche im Süden des Quartiers wird zum Quartierspark aufgewertet und schafft damit auch ein Angebot an die Bewohner des Hochhauses. Die bestehenden Gärten werden erhalten und durch öffentliche Gemeinschaftsgärten ergänzt. Räume für Spiel, Aufenthalt und Begegnung ergänzen das Angebot und schaffen einen Treffpunkt für alle Altersgruppen. Zur Steigerung der Artenvielfalt und Anpassung an Starkregenereignisse werden zwischen den Gebäuden mit heimischen Wiesenarten bepflanzte Retentionsmulden angelegt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Konzeption einer kompletten Bestandserhaltung setzt einen neuen Maßstab im Umgang mit knappen Ressourcen, nachhaltigem Bauen, grauer Energie und dem Faktor Zeit. Die Planer wollen mit dem Konzept eine höchstmögliche Identität der Bewohner mit dem bestehenden Wohnquartier erreichen. Dies wird u.a. mit der Wiederherstellung von Satteldächern nach Aufstockung oder dem parkähnlichen Charakter der Freiflächen begründet.

Zusätzlich werden Neubauten, Aufstockungen und Anbauten zur Nachverdichtung vorgeschlagen.

Durch die Neubauten – Punkthäuser mit Flachdach und PV-Anlagen – entlang der Schwabstraße entstehen nach Süden gerahmte Wohnhöfe, die eine gute Freiraumqualität vermitteln und dabei den Lärmeintrag in das Quartier verringern. Einfache Grundrisse mit durchgehenden Balkonen nach Süden sind stimmig geplant und funktional abgeordnet.

Die vier Bestandsgebäude an der Schwabstraße wurden nicht angetastet, da eine energetische Sanierung oder angedockte Balkone in der Auslobung als machbar benannt wurde, aber nicht Vorgabe war. Hier wäre es möglich gewesen, Sanierungspotenziale aufzuzeigen.
Die Zeilenbauten südlich der Hebelstraße mit vorgeschlagenen kopfseitigen Anbauten im Norden wurden um ein Geschoss erhöht unter Hinweis auf eine statisch machbare Ertüchtigung der Konstruktion. Alle Wohnungen werden über einen Aufzug in den östlichen Laubengängen barrierefrei erschlossen. Auch hier werden Grundrisstypologien aufgezeigt, die Potenzial für gut belichtete Wohnungen bieten.

Der Bestandsblock östlich der Ekkehardstraße wirft hingegen Probleme in der Umsetzung von Nord nach Süd auf. Hier ist der Einbau der KITA innerhalb des Bestandes aufgrund der heutigen Geschosshöhen im Norden und der ungelöste Brandschutz im Süden durch die östlichen Anbauten zu prüfen. Durch die drei Anbauten werden vor allem Wohnungen im Altbau der unteren Wohngeschosse nicht ausreichend belichtet. Auch die Erhöhung des östlichen Zeilenbaus wird im Preisgericht negativ bewertet.

Der 7-geschossige zentrale Wohnungsneubau mit einem Quartierstreff und davor gelagertem Platz wird als urbane Mitte verstanden und ist damit der einzige öffentliche Platz, was auch vom Preisgericht als angemessen beurteilt wird. In den bestehenden Freiräumen möglichst viele Strukturen zu belassen und kleinere Aufenthaltsbereiche additiv hinzuzufügen, kann nachvollzogen werden und entspricht der grundsätzlichen konzeptionellen Auseinandersetzung mit dem Quartier.

Der Entwurf besticht in der durchgängig guten Qualität an neuen Wohngrundrissen innerhalb der Bestands-bauten; ausgenommen der Bereiche östlich der Ekkehardstraße. Hier müssen andere Lösungen gesucht wer-den; auch unter der Möglichkeit von Abriss oder Teilabriss.

Der überwiegende Erhalt der Bestandsbauten ist nicht nur identitätsstiftend, sondern auch ein Beitrag zu klimaangepasstem Bauen hinsichtlich der grauen Energie. Zusammen mit dem Erhalt der Grün- und dadurch auch Bodenstrukturen ist dies ein gutes Beispiel an energetischer Bestandssanierung, Nachverdichtung und Aufstockung, das Schule machen kann.

Bei den Freiräumen sind trotz des Wunsches, den Grünraum möglichst wie im Bestand zu erhalten, Nach-weise zum Brandschutz zu erbringen. Dies betrifft insbesondere die Aufstockungen im Blockinneren mit den notwendigen Anfahrbarkeiten für die Feuerwehr. Die Freiraumqualitäten haben generell noch Potential „nach oben“. Auch Antworten zur Regenwasserbewirtschaftung beispielsweise sind noch nicht dargestellt. Die freigehaltene Grünstruktur im Süden wird als eine von den Bewohnern stark angeeignete Freifläche sehr positiv gewürdigt.

Das Parkierungsgebäude am südlichen Zugang an der Ekkehardstraße ist richtig gesetzt und bietet zudem noch Wohnqualität in den oberen Geschossen. Auch auf die Frage eines Grundstückstauschs für das Flurstück 1283 der Zeppelin GmbH wurde eine machbare Antwort nördlich davon gefunden.

Der Entwurf besticht durch den sorgfältigen Umgang mit dem Bestand. Neben einem weitestgehenden Erhalt der Gebäude werden Neubauten sorgfältig eingefügt und betonen die Identität des Quartiers. Insgesamt ein beispielhafter Ansatz in der Weiterentwicklung von Nachkriegsquartieren.
Lageplan

Lageplan

Isometrie des Quartiers

Isometrie des Quartiers

Modellfoto

Modellfoto

Modellfoto

Modellfoto