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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025

Quartiersentwicklung An der Vulkanstraße in Berlin-Lichtenberg

Perspektive

Perspektive

3. Preis

Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH

Stadtplanung / Städtebau

STORCH LANDSCHAFTSARCHITEKTUR

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

In Berlin Lichtenberg entstand in den 1960er und 1970er Jahren der Wohnkomplex Fennpfuhl, eins als erste Großwohnsiedlung im später typischen P2 Plattenbautypus der DDR konzipiert, heute Wohnort für rund 33.000 Menschen. Den Übergangsbereich der Siedlung zu einem Gewerbegebiet prägen großflächige Stellplatzanlagen, versiegelte Flächen mit einseitiger Nutzungsmöglichkeit. Hier, entlang der Vulkanstraße plant die auslobende Howoge „den Neubau von etwa 800 Wohnungen in einem lebendigen, durchmischten Quartier mit attraktiven Grün- und Spielflächen“. Im Rahmen des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs wurde unser Entwurf gemeinsam mit Storch Landschaftsarchitekten mit dem 3. Preis ausgezeichnet.

Vom Unort zum Alltagsort
Unsere Idee denkt die Siedlungslogik der 1970er Jahre weiter. Wir behalten die Großform des Fennpfuhls, entwickeln diese jedoch mit Nähe, Dichte und Alltagstauglichkeit weiter. Die Vulkanstraße verändert sich nicht durch Bruch, sondern durch präzise Setzungen neuer Baukörper.
Aufgreifen der Großform - der urbane Vulkan

Die präzise gesetzten Baukörper mit unterschiedlicher Höhe staffeln sich entlang des Geländes, parallel zur Vulkanstraße. Das Bauvolumen des Vulkanhofs nimmt das Motiv des Vulkans auf – als zentripetale Figur mit räumlicher Tiefenstaffelung, in Anlehnung an den städtebaulichen Kontext. Die gestufte Höhenentwicklung formt eine kraftvolle Großform, die Maßstab, Orientierung und räumliche Haltung vereint. Durch das Herausschneiden des mittleren Bereichs entsteht die Typologie eines Hofgebäudes - der Vulkanhof. Er bildet das Herz des Ensembles: gut belichtet, räumlich gefasst und gleichzeitig durchlässig verknüpft mit dem umliegenden Stadtraum. Gezielte Hofdurchgänge gliedern das Volumen und schaffen strukturelle Durchlässigkeit zwischen Quartier, Nachbarschaftspromenade und öffentlichem Raum. Auf den gestuften Dachflächen entstehen grüne Landschaften mit hoher Aufenthaltsqualität für die Hausgemeinschaften. Auch die übrigen Gebäude greifen die stufenförmige Höhenstruktur auf.

Raum für Alltag, Nähe und Nutzung
Die Architektur folgt der Logik des Raums. Zeile, Punkthaus, Hochpunkt und Laubengang ermöglichen präzise Reaktionen auf Kontext und Programm. Unterschiedliche Regelgeschosstypen sichern die Umsetzung des geforderten Wohnungsmixes. Modular entwickelte Baukörper lassen sich für funktionale Dichte und kurze Wege typologisch kombinieren und flexibel anschließen. Balkon- und Laubengangstrukturen dienen zugleich als konstruktiver Sonnen- und Schallschutz. Die Erdgeschosszonen sind nutzungsflexibel konzipiert und nehmen quartiersbezogene Programme auf, vom Nachbarschaftscafé über die Fahrradwerkstatt und den Senior:innentreff bis hin zur Kletterhalle im Hochpunkt. Publikumsorientierte Nutzungen an den Ecken stärken die Adressen – funktional wie städtebaulich.

Freiräume
Als grüne Lebensader durchzieht eine Nachbarschaftspromenade das Areal und verbindet Bestand und Neubau. Der Baumbestand wird integriert und ergänzt. Gemeinschaftlich nutzbare Dachlandschaften erweitern den Freiraum in der Vertikalen. Innerhalb der Gebäude entstehen grüne Innenhöfe mit Spielplätzen, öffentlichen Trinkbrunnen und Außenbereiche für die Cafés in den Erdgeschossen. Die Spielplätze denken die gesamte Altersstruktur des Quartiers mit und bieten Möglichkeiten für Kleinkinder und Jugendliche. Mit einer Boulebahn werden auch ältere Bewohner:innen angesprochen.
Serielles Bauen mit System

Um die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren folgt die Konstruktion dem Prinzip des vorgefertigten Leichtbaus in Holzrahmenbauweise. Wand- und Deckenmodule werden werkseitig gefertigt, vor Ort gefügt und durch steckfertige Sanitärmodule (Bad-Boxen) ergänzt. Das serielle Bausystem ermöglicht nicht nur kurze Bauzeiten und emissionsarme Prozesse, sondern auch eine hohe Umnutzungsfähigkeit der Strukturen. Alle Bauteile sind sortenrein trennbar, rückbaugeeignet und digital dokumentiert – im Sinne einer zirkulären Materialstrategie.

Durchdachte Mobilität statt Stellplatzwüsten
Aus einem großflächigen Parkplatz wird Wohnraum, dennoch bleibt die Frage nach Mobilitätsangeboten und Parkmöglichkeiten zentral für die Bewohner:innen der Wohnkomplexe. Eine Quartiersgarage entlang der Landsberger Allee markiert den nördlichen Auftakt. Sie puffert Lärm und nimmt geräuschintensive Nutzungen auf. Weitere Stellplätze entstehen entlang der Vulkanstraße. So wird eine weitgehend autofreie Binnenstruktur möglich. Alle Garagen sind als wandelbare Infrastrukturen konzipiert. Erdgeschosse sind heute schon hybrid nutzbar – z. B. als Markt oder Skatefläche – und können flexibel umgenutzt werden. Fu- und Radwege sind durchgängig, barrierefrei und sicher geführt – ergänzt durch dezentrale Mobilitätsangebote, Sharing-Punkte und alltagsnahe Fahrradabstellanlagen.
Planausschnitt

Planausschnitt

Lageplan Nord

Lageplan Nord

Lageplan Süd

Lageplan Süd

Schnitt

Schnitt

Grundriss Regelgeschoss

Grundriss Regelgeschoss