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Städtebauliches Qualifizierungsverfahren | 07/2025

Quartiersentwicklung Bülser Alm in Gelsenkirchen

Lageplan
3

Lageplan

2. Rang

rheinflügel severin

Stadtplanung / Städtebau

Die Planergruppe

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Verbindung
Durch die Konversion der Sporteinrichtungen und die Ausbildung eines gestalteten Ortsrands gelingt es im südlichen Teil von Bülse mehr Öffentlichkeit, Zusammenhang und nachbarschaftliche Identität zu stiften. Den Schlüssel dazu liefern neue Wegeverbindungen mit attraktiven Knotenpunkten als gestaltete Freiräume und einer Bebauung, die sich selbstverständlich einfügt, aber auch markante Zeichen setzt. Die Gliederung des Quartiers wurde in Abstimmung mit dem Freiraum entwickelt. Grundlage sind die bestehenden und noch herzustellenden Grünverbindungen, die Frischluft von West nach Ost ins Quartier bringen. Sie liegen südlich der der bestehenden Tennishalle und südlich des ehemaligen Sportplatzes Bülser Alm.

Struktur
Die bauliche Struktur des Quartiers zeichnet sich nicht nur durch eine hohe Durchlässigkeit aus, sondern, sondern auch durch die Ausbildung von aneignungsfähigen Freiräumen mit der Zielsetzung das nachbarschaftliche Miteinander zu fördern. Aufgrund der unterschiedlichen Situationen vor Ort erfolgt die Ausbildung der Freiräume in differenzierter Weise und stellt darüber Vielfalt ohne Beliebigkeit her. Es handelt sich bei der Umwandlung der beiden Sportflächen um Anger, die durch eine hofartige Bebauung räumlich gefasst werden. Im Unterschied dazu erfolgt die Ausbildung des öffentlichen Freiraums am Ortsrand nach dem Prinzip der Offenheit. Eine einseitige Bebauung mit Punkthäusern unterstützt die Linearität und die Ausrichtung auf die benachbarten Landschaftsflächen.

Urbanität
Die baulichen Ergänzungen Bülses zeichnen sich insgesamt durch eine wohldosierte Urbanität aus, welche die Komponenten Freiraumbezug, Gemeinschaft, typologische Vielfalt, Adressbildung und Vernetzung miteinander verknüpfen und hieraus eine unverwechselbare Identität entwickeln. Geschossigkeiten und Dachformen orientieren sich an der unmittelbaren Nachbarschaft. Eine maßvoll höhere Geschossigkeit wird lediglich am nordwestlichen Ortsrand vorgeschlagen, wo kein bestehendes Gegenüber existiert, um Punkthäuser im Geschosswohnungsbau wirtschaftlich realisieren zu können, die den öffentlichen Charakter des Orts unterstreichen.

Nutzung
Neben der Vielfalt unterschiedlicher Wohnformen vom Eigenheim bis zum geförderten Wohnungsbau sieht das Konzept im Zentralbereich des neu gestalteten Ortsrands eine integrierte Kita mit entsprechendem Außenspielbereich vor. Unweit dieses Standorts wird am westlichen „Dorfplatz“ ein Nachbarschaftstreff im Erdgeschoss des solitär herausgedrehten Baukörpers vorgeschlagen, dessen Höhenentwicklung mit 5 Geschossen diese Besonderheit unterstreicht.

Mobilität
Mit der Zielsetzung eines autoarmen Quartiers erfolgt die Organisation des ruhenden Verkehrs in gebündelter Form. In jeder der 3 Teilflächen wird eine Quartiersgarage als Parkscheune angeboten. Die Garagen können bis auf wenige Kurzzeitstellplätze den gesamten ruhenden Verkehr des neu zu erstellenden Wohnungsbaus aufnehmen. Sollten die Flächen am Ortsrand zeitlich vor der Fläche der Tennishalle entwickelt werden, müssten die Eigenheime in Ortsrandlage wie dargestellt oberirdisch zugeordnete Stellplätze erhalten. Bei einer konsequenten Entwicklung von Ost nach West ließe sich ein Teil der Stellplätze der Punkthäuser in der nördlichen Parkscheune unterbringen, sodass die Stellplätze der südwestlichen Eigenheime in der westlichen Parkscheune zu verorten wären. Neben der Busanbindung setzt das Verkehrskonzept auf ein feinmaschiges Nahmobilitätsnetz im Quartier. Flächen für Räder und Lastenräder befinden sich vor oder zum Teil überdeckt neben den Gebäuden sowie über eigene Fahrradrampen erreichbar im Untergeschoss.

Freiraum
Neben den erhaltenen und einschl. der vorhandenen Baumsubstanz in Wert gesetzten Grünflächen entlang der Zweckeler Straße, der Endemannstraße und nördlich des Forstwegs, setzt das Freiraumkonzept auf platzartig mit Bänken gestaltete Knotenpunkte des Wegenetzes und auf Anger, welche die Mitte der neuen Nachbarschaften bilden. Mit integrierten Spiel- und Freizeitangeboten werden diese zum Treffpunkt für alle Bewohnenden. Viele Freiflächen sind nicht nur multifunktional nutzbar, sondern bewusst multicodiert gestaltet als Grün- und Retentionsfläche, als Aufenthalts- und Spielfläche und als Habitat für Flora und Fauna. Das gesamte Quartier wird mit Bäumen und weiterer Bepflanzung stark durchgrünt und schafft damit einen attraktiven Wohnstandort in Gelsenkirchen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit zeichne sich durch eine Bebauung aus, die in den einzelnen Quartieren um öffentliche Angerflächen bzw. einen öffentlichen „Dorfplatz“ angeordnet seien. In den Quartieren auf dem ehemaligen Sportplatz und der Tennisanlage mischten sich Mehrfamilienhäuser und Einfamilienhäuser in Form von Reihen- und Doppelhäusern, die die Freiflächen baulich einfassten. Dadurch ergebe sich eine klare Gliederung dieser Räume und eine gute Adressbildung. Ob die Größe der Angerflächen der zugeordneten Bebauungsdichte angemessen sei, wurde kontrovers betrachtet.

Als Besonderheit werde jedem der drei Teilquartiere eine zentrale „Parkscheune“ zugeordnet, die (mit Ausnahme von Besucherstellplätzen) der Unterbringung aller privaten Stellplätze diene. In ihren Kubaturen seien diese Quartiersgaragen für das Plangebiet sehr dominant. Diskutiert wurde die Frage, ob diese Art der Parkierung in einer peripheren Lage im Stadtgebiet angemessen sei, ober ob es sich dabei eher um eine Lösung für innerstädtische Bereiche handele. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, wie eine Betreiberstruktur aussehen könnte.

Im westlichen Quartier sei eine klare Gliederung in Teilbereiche mit unterschiedlicher städtebaulicher Ausprägung erkennbar. Die nach Westen gelegte Erschließungsstraße werde als ungünstig angesehen, da sie den Übergang zum freien Landschaftsraum einschränke.

Die im Südwesten vorgesehenen Reihenhäuser seien an dieser Stelle ungeeignet, da sie kaum mit dem Landschaftsraum interagierten und eine aufwendige Erschließung erforderten. Im Nordwesten ist eine Reihe von bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern geplant. Die Möglichkeit, den Geschosswohnungsbau in einer privilegierten Lage am Landschaftsraum anzuordnen, werde grundsätzlich positiv gesehen, allerdings beeinträchtige die Lage der Erschließungsstraße das Konzept und störe außerdem den Zugang zum vorgelagerten parkartigen Grünzug. Die vorgesehene Stellung und Dichte der Gebäude führe möglicherweise zu einer Riegelbildung, die den Kaltluftaustausch behindere.

Die vorgesehene Anordnung des Kindergartens in zentraler Lage sei grundsätzlich sinnvoll gewählt. Auch die Idee eines Gemeinschaftshauses am Dorfplatz werde positiv gesehen, die gedrehte Anordnung des Gebäudes könne allerdings nicht nachvollzogen werden, da es keine entsprechenden Bezugspunkte im Siedlungsraum gebe. Auch die Höhe mit fünf Geschossen sei überdimensioniert.
Schwarzplan

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Anger

Anger

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