Einladungswettbewerb | 06/2025
Quartiersentwicklung ehemaliges Setex-Gelände zum EmsAuenQuartier Greven
©CITYFÖRSTER architecture + urbanism, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
3. Preis
Preisgeld: 8.500 EUR
CITYFÖRSTER architecture + urbanism
Stadtplanung / Städtebau
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Jacob Fielers, Lydia Oehlwein, Lena Lauermann, Otis Schmidt, Sina Schröder
Erläuterungstext
EmsAuenQuartier Greven
Das neue Quartier bringt urbane Dichte und naturnahes Wohnen zusammen. Zwei klar gegliederte Bereiche – das urbane Ems-Karree mit Quartiersplatz und die durchgrünten Ems-Gärten – bilden eine starke städtebauliche Figur. Vom Stadt-Entree bis zur Deich-Terrasse spannt sich eine öffentliche Achse, die Stadt und Landschaft verbindet. Punktbauten rhythmisieren die Struktur, grüne Wohnhöfe schaffen Rückzugsorte. Der Quartiersplatz wird lebendiger Mittelpunkt mit Gastronomie, Gewerbe und Co-Working. Punktbauten strukturieren den urbanen Raum, während grüne Höfe das gemeinschaftliche Wohnen stärken. Im Süden öffnet sich das Quartier zur renaturierten Ems. Promenade, Spielwiese und Deichterrasse laden zur Begegnung ein – Landschaft wird Teil des Alltags.
Der bestehende Emsradweg als übergeordnete Verbindung macht die Natur direkt erlebbar. Die städtebauliche Figur reagiert sensibel auf Lärm und Topografie. Entlang der Hauptstraße schützt eine robuste Randbebauung das Quartier und bildet gleichzeitig klare Stadträume. Flexible Gebäudetypen und gemischte Wohnformen ermöglichen vielfältige Lebensmodelle. Das Freiraumkonzept verknüpft urbanes Leben, nachbarschaftliche Höfe und offene Landschaft zu einem zusammenhängenden Netz. So entsteht ein Quartier mit eigener Identität – offen, grün und gemeinschaftlich gedacht.
Beurteilung durch das Preisgericht
Den VerfasserInnen gelingt mit ihrem Konzept die stadträumliche Verlängerung der Münsterstraße in das neue, urbane Quartier an der Emsaue. Damit kann sich das Quartier für alle BürgerInnen Grevens zu einem Lebens- und Attraktivitätsort entwickeln und den Stadtkörper über den Münsterdamm hinweg mit seinem städtebaulichen Footprint überzeugend ergänzen. Die Baukörper am zentralen Platz im Ems-Karree bieten damit das Potential, gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss mit wirtschaftlicher Perspektive vorhalten zu können und in unmittelbarer Verknüpfung mit der renaturierten Emsaue über die Deichpromenade und den Quartiersplatz auch Ortsunkundige in das Quartier und den Stadtkörper Grevens zu bitten. Genau darin liegt aber auch die im Preisgericht diskutierte, potenzielle Gefahr, die als Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet geschützte Emsauenlandschaft zu offensichtlich dem Zutrittsbegehr der Stadtgesellschaft anzubieten.
Die städtebauliche Gliederung in zwei voneinander unterschiedliche Quartiere – das urbane, stadtöffentliche Ems-Karree sowie die Ems-Gärten mit einem eher familiären und introvertierteren Charakter – wird ebenfalls kontrovers diskutiert und überzeugt nicht vollständig. Das Erschließungskonzept ist konsequent strukturiert, schafft eine gute Orientierung und ist als Ganzes für sämtliche Belange des Erschließens sowohl für BewohnerInnen als auch für Rettungsfahrzeuge überzeugend und wirtschaftlich tragbar gelöst. In der Verschränkung der Straßenbereiche mit den lärmgeschützten rückwärtigen Freiräumen bietet es gute und attraktive Wohnlagen für alle BewohnerInnen. Die Ausgestaltung der Erschließungsflächen mit integrierten sog. Flexstreifen, auch für BesucherInnen-parken, ermöglichen auch Mobilitätseingeschränkten den Besuch im Quartier auf kurzen Gehwegen.
Die stringent durchgehaltene Block- und Blockrandstruktur zum Münsterdamm führt in der vorgeschlagenen Dimensionierung trotz der dargestellten Typologisierung zur Einschätzung einer eher ortsuntypischen und damit unverträglichen, äußeren Fassung der Neubebauung. Obgleich das städtebauliche Grundgerüst mit seiner klaren Ordnung und die Verteilung der unterschiedlichen Typologien überzeugen und die für das Quartier gewählten Milieus vor dem inneren Auge der BetrachterInnen zugleich nachvollzogen werden können, wird die unmittelbare Bezugnahme auf die Kleinkörnigkeit des bestehenden Stadtkörpers vermisst.
Die stadträumlich begrüßenswerten, angebotenen Visierbrüche an den Übergängen in die Stadt reichen nicht aus, um die Ungleichgewichtigkeit in der Körnung auszugleichen.
Die Kita als Endpunkt, integriert in den schützenswerten, von Großbäumen bestandenen Freiraum wird ebenso begrüßt wie die Lage des Kinderspielplatzes hinter dem Deich und in direkter Nachbarschaft des Cafés am südlichen Ende des Platzes.
Die Adressbildung aller Wohneinheiten ist der städtebaulichen Betrachtung gemäß ausdifferenziert, eindeutig und sozial ausgewogen gut gelöst. Das Konzept setzt auf gute Nachbarschaft mit einer klaren Differenzierung in öffentliche und private Freiräume und guten Blickbeziehungen.
Auch die Lage der potenziellen Energiezentrale ist überzeugend gelöst und weist in eine CO2-neutrale Zukunft.
Trotz einiger diskussionsrelevanter Einwände handelt es sich um einen sehr sorgfältig durchgearbeiteten, Milieu-versprechenden städtebaulichen Footprint mit guter Adressbildung und hoher Gesamtqualität zur Entwicklung des Standortes.
©CITYFÖRSTER architecture + urbanism, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Städtebauliches Konzept
©CITYFÖRSTER architecture + urbanism, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur