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Werkstattverfahren | 11/2023

Quartiersentwicklung Goslarer Ufer in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Suedansicht - Quedlinburger Strasse

Suedansicht - Quedlinburger Strasse

Teilnahme

UNStudio

Stadtplanung / Städtebau

Henning Larsen

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

UNStudio - Turm im Park Goslarer Ufer 23, 25 + 27
Als Interface zwischen Kultur und Natur, Produktivität und Erholung, Fokus und Inspiration bietet der Entwurf von UNStudio gemeinsam mit Henning Larsen zu diesem Akzent für die Mierendorff Insel in Berlin Charlottenburg Wilmersdorf die anregende Dynamik aus der Interpendenz des akzentuierenden Hochpunktes in Richtung Spree-Ufer mit einer neu geschaffenen Transparenz der Stadtstruktur. Diese stimulierende Dualität von Gravitation und Permeabilität formuliert die Hochpunkt-akzentuierte Stadtgestalt entschlossen weiter, wobei sie gleichzeitig die erholsame Natürlichkeit des Uferbereiches and die hinter liegende Blockrandbebauung des Inselzentrums heranführt. Damit gelingt es, die bauliche Struktur vertraut zu halten und gleichsam den Raum spielerisch anziehend und vitalisierend weiterzuentwickeln.
Als wesentliches Gestaltungselement verleihen die ineinandergreifenden Volumina der Adresse eine spannende Anmutung und fassen gemeinschaftliche Freiflächen ein, was über die korrelierende Fassadengestaltung intensiviert wird. Die gestalterische Strategie zur inneren und äußeren Gebäudebegrünung liegt ebenfalls im Spannungsfeld von innerem und äußerem Maßstab, welche zwischen der übergeordneten Semantik der Baumassen hin auf den menschlichen Maßstab des Wohnraumes vermitteln und damit eine identitätsstiftende Symbolik abbilden.
Die halböffentlichen Freiräume - Spiel- und Aufenthaltsorte – sind darauf aufbauend als Erfahrungsraum konzipiert und unter höchsten Maßstäben hinsichtlich Biodiversität, Regenwassermanagement, Mikroklima und Gestaltung angelegt. Sie bieten die vermittelnde Plattform für gemeinschaftliche Initiativen und sind damit ein erster Identifikationsort für Bewohner und Besucher; Schlüsselqualitäten dieses nachhaltigen Stadtquartiers. Dabei dekliniert eine Hierarchie, subtil doch bestimmt das Spektrum öffentlicher, halb-öffentlicher, gemeinschaftlicher und privater Freiräume, welche in ihrem distinkten Charakter und Funktion durch individuelle Gestaltung intuitiv erkennbar sind. Der geschaffene Freiraum bietet so ein sinnliches Erleben von Natur und gewährleistet gleichsam die notwendigen baulichen Funktionen eines städtischen Quartiers; die Durchwegung stellt dabei nicht allein eine verkehrliche Verbindung dar, sondern vielmehr die ideelle, natürliche Transparenz dieses Ortes als zukunftstüchtiger Stadt- und Lebensraum. Aus dieser synergetischen Ausstrahlung gebauter und natürlicher Umwelt wird die katalytische Wirkung zur Belebung und Verjüngung des Ortes geschöpft.

Städtebauliches Konzept
Das Wettbewerbsgebiet befindet sich auf der Mierendorff Insel im Berliner Bezirk Charlottenburg Wilmersdorf. Das Gebiet zeichnet sich durch seine Nähe zum Stadtzentrum und seine einzigartige Lage auf einer Insel aus, die von der Spree und ihren Kanälen umgeben ist. Unmittelbar an das Planungsgebiet angrenzend verläuft der Charlottenburger Verbindungskanal, der den Bewohnern des Hauses künftig Erholungsmöglichkeiten bietet. Die Insel dient der Erholung, ist aber auch ein Ort der Begegnung, der Arbeit und der Freizeitgestaltung für viele Berliner. In der näheren Umgebung gibt es einige Hochhäuser, und in naher Zukunft auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Komplex von 6 Hochhäusern auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerks. Die räumliche Anordnung des Gebäudes fügt sich in die bestehende städtebauliche Struktur ein, vervollständigt den bestehenden Block und schafft einen charakteristischen Hochpunkt, der sich zur Grundstücksecke hin in Richtung des Wassers erhebt. Dies verleiht dem Ganzen eine besondere Ausstrahlung und schafft ein unvergessliches charakteristisches Objekt. Das Gebäude ist ein Ort zum Leben und Arbeiten. Funktionen wie eine kleine Gärtnerei, ein Blumenladen, ein Biomarkt, Arztpraxen, ein Fitnesscenter und ein Yogastudio runden das Paket ab und machen es nutzer- und besucherfreundlich.
Grünes Haus
Die gestalterische Strategie zur inneren und äußeren Gebäudebegrünung liegt im Spannungsfeld von zwei Maßstäben. Zum einen dem äußeren Maßstab, der sich an den nahen umliegenden Baumassen und Fassaden misst und eine Antwort auf die andere Uferseite findet. Zum anderen am Inneren, welcher sich an der Qualität des Wohnraumes und am Maßstab Mensch orientiert.
Fassade = vertikales Grün + Fernwirkung + Mikroklima
Innenraum = grüne Inseln + psychologische Wirkung + Indoor-Outdoor Living
Während das „Grün“ in der externen Artikulierung des Baukörpers vom Turm im Stadtbild des Bezirks Charlottenburg Wilmersdorf verankert ist und in alle Himmelsrichtung deutlich zur Markierung und Verjüngung des Hochbaus beiträgt, werden das „Grün“ und die Farbakzente an mehrfacher Stelle direkt erleb- und erfahrbar gemacht: beginnend von den Eingängen des Gebäudes, zum semi-öffentlichen Innenraum im Sockel, hin zu den Dachterrassen und zu den Grünzonen in den Wohngeschosse.

Freiraum
Hierarchie der Freiräume: Ein Spektrum verschiedener Freiräume soll für die Lebensqualität im neuen Quartier sorgen. Halböffentliche und öffentliche Spiel- und Aufenthaltsbereiche, private und gemeinschaftliche Gärten, öffentliche Platz- und hausbezogene Wegeflächen sollen in ihrem jeweiligen Charakter und Funktion durch die individuelle Gestaltung unverwechselbar erkennbar sein. Dabei ist uns die Abfolge von Maßstäben und Öffentlichkeit-Privatheit wichtig. Eine robuste, gestaltgebende „Basislandschaft“ mit Baumgruppen, Wiesen und Heckenpflanzungen, der funktionalen Gliederung der Räume und der Topografie kann und soll sich auch weiterentwickeln. Nutzungsoffene „Jokerflächen“ und multicodierte Räume sollen Platz bieten für die Ideen, Beteiligungen und Anforderungen durch zukünftige NutzerInnen.
Identifikation und Funktionalität: Die halböffentlichen Freiräume sind Spiel- und Aufenthaltsort, Platz für Regenwasserbewirtschaftung der umgebenden Flächen, bieten Raum für gemeinschaftliche Initiativen und sind damit ein erster Identifikationsort für Bewohner und Besucher. Der Übergang zwischen den Grundstücken und den unterschiedlichen Nutzungen wir durch die Regenwassermulden definiert. Das direkte und indirekte Erleben und Erfahren von Natur und Raum sind Schlüsselqualitäten eines nachhaltigen Stadtquartiers. Der Freiraum als Ganzes soll als Spiel- und Erfahrungsraum angelegt werden. Der Freiraum bietet so ein sinnliches Erleben von Natur, gewährleistet aber auch die notwendigen Funktionen. Feuerwehraufstellflächen, Orientierung, Pflege, Entwässerung, Artenschutz, Arbeiten im Freien sind nur einige der integrierten Funktionen. Bei der zukünftigen Entwicklung des Quartiers eine größtmögliche Vielfalt an unterschiedlichen Habitaten und Mikro-Lebensräumen geschaffen werden. Nach der Idee des „Animal Aided Designs“ sind konzeptionell für verschiede, repräsentative Arten Lebensräume geplant. So soll einer Vielzahl von Lebewesen Lebensraum angeboten und zu einer hohen Biodiversität im Quartier beitragen werden. Der zentrale Baumhain und Staudenpflanzungen, trockene und feuchte Biotope ergänzen sich mit offen, blütenreichen Wiesen.

Klimaanpassung und „cradle to cradle“
Für das Wasserkonzept wird eine ganzheitliches, in sinnvollen Kreisläufen organisiertes, klimaangepasstes Gesamtkonzept vorgeschlagen. Ziel ist die Etablierung/Erhalt eines natürlichen Wasserhaushalts - d.h. Verdunstung, Grundwasserneubildung und Oberflächenabfluss ähnlich einer unbebauten Fläche. Das Regenwasser wird komplett vom Kanal entkoppelt und im Gebiet dezentral und oberflächig bewirtschaftet. Das notwendige Retentionsvolumen wird dabei auf das gesamte Gebiet integriert bereitgestellt. Die dafür notwendigen Funktionen zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung werden durch die Konzeptbausteine Gründächer (mit Wassereinstau), Retentionsflächen, oberflächigen Mulden-Gräben-Rinnen, Zisterne und Filterbiotope etabliert. Diese technischen Funktionen werden als prägende Elemente in der Gestaltung und Atmosphäre des Freiraums sichtbar. Für die Starkregenvorsorge gewährleistet eine entsprechend integrierte Entwässerungstopografie und Rückhaltemöglichkeiten in den Grünbereichen Sicherheit. Der Baumhain als „grün-blaues Herz“ soll mit einer Baumrigole und Versickerung gekoppelt für ein besseres Kleinklima auch an heißen Tagen, für Lebens- und Gestaltqualität sorgen. Eine Regenwassernutzung in den Gebäuden zur Bewässerung, als Brauchwasser z.B. in den Toiletten wäre ebenso denkbar und wünschenswert.
Die oberflächige Regenwasserbewirtschaftung, das hohe Grünvolumen, die durchlässigen in der Fläche minimierten Beläge und die grünen Fassaden- und Dachflächen sollen effektiv der Aufheizung entgegenwirken. Wie wir bauen – die Materialität orientiert sich an den nachhaltigen Grundsätzen von „Cradle2Cradle“. Wiederverwendbare, robuste und durchlässige Beläge in Kombination mit akzentuierenden massiven Natursteinaufkantungen, wie z.B. Sitzmauern sollen so die befestigten Bereiche prägen. Die Pflanzenauswahl folgt der potentiellen natürlichen Vegetation, aber auch an den sich verändernden klimatischen Herausforderungen.

Fassadenkonzept
Die wärmetechnisch hocheffiziente Fassade zeichnet sich durch seine einfache Konstruktionsweise aus und fokussiert sich im Sinne des Low-Tech-Gedankens auf eine Reduktion des Wartungs- und Instandhaltungsaufwands bzw. der Betriebskosten. Dies wird erreicht, indem infolge der ausgeprägten Laibungstiefe des opaken Fassadenrahmens eine Teilverschattung auf der Verglasung geschaffen wird, die in passiver Weise zum sommerlichen Wärmeschutz beiträgt.
Bei der Wahl der Bekleidungselemente wird der Fokus auf ein geringes Gewicht und somit filigrane und materialschonende Unterkonstruktion gelegt. Gleichermaßen wird bei der Auswahl des mineralischen Bekleidungsmaterials eine überdurchschnittlich gute CO2e-Bilanz angestrebt. Analog zum Tragwerk wird bei der Wahl der Fenster-Holzbauteile im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft ausschließlich zertifizierte Hölzer verwendet. Für die Verglasung ist der Einsatz sog. Low-Carbon Isoliergläsern vorgesehen, welche einen, vergleichsweise hohen Anteil an Altscherben aufweisen.

Tragwerkskonzept
Konstruktionsprinzip: Das Tragwerk des Hochhauses wird als flexible Skelettstruktur konzipiert. Dem modernen Hochhausbau Rechnung tragend wird die gesamte Konstruktion mit Ausnahme der Außenröhre des Kerns und der Untergeschosse mit Halb- bzw. Vollfertigteilen konzipiert. Für die Außenform des Kerns wird kletterschalungsgerechte eine einfache, kontinuierliche Geometrie gewählt. Die Aussteifung des Hochhauses erfolgt in allen Varianten ausschließlich über die Kernwandröhre des ohnehin notwendigen Erschließungskerns. Die Kerninnenwände werden ausschließlich mit dünnen Stahlbetonfertigteilen hergestellt, um einen schnellen Baufortschritt bei gleichzeitig minimalem Querschnitt zu garantieren. Im Hochhaus kommt ein Holzdeckensystem (alternativ Holz-Beton-Verbund) zum Einsatz. Dabei liegen Brettstapelflachdeckenelemente auf Stahlträgern (z. B. Delta-Beams) auf, woraus ein sehr dünnes und leichtes Deckenpaket resultiert. Der Vertikallastabtrag erfolgt direkt auf die Stahlbetonkerne als Druckvorspannung des Aussteifungssystems sowie über fassadenseitig angeordnete Stützen.
Die Gründung kann vorbehaltlich bodengutachterlicher Bestätigung als elastisch gebettete Stahlbetonbodenplatte ausgeführt werden.
Nachhaltigkeit: Für alle Stahlbetonbauteile ist der Einsatz von Recyclingbeton und CO2-reduziertem Zement geplant. Idealerweise gelingt in Kombination auch der Einsatz lokaler Zuschlagsstoffe, um energieintensive Transportwege zu minimieren. Für Holzbauteile werden im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft ausschließlich zertifizierte Hölzer verwendet. Der vorwiegende Einsatz von Halb- und Vollfertigteilen erlaubt auch die Planung einer demontierbaren Konstruktion (Rückbaustrategie). Deren Bestandteile können beim Rückbau weitgehend sortenrein getrennt und hiernach eine Weiterverwendung zugeführt werden (Life-Cycle).

Energiekonzept
Das Ziel des Energiekonzeptes ist die starke Reduzierung des CO2 Ausstoßes im Betrieb. Die Heiz- und Kühlenergie für die Gebäude soll aus einem Mix gewonnen werden. Zum einen aus der Luft mit Wärmepumpen und zum anderen aus dem Boden mit einer Geothermie Anlage welche in der Bodenplatte und Pfahlgründung integriert wird.
Lastspitzen sollen mit Speicherlösungen z.B. Nutzung der Sprinklertanks als Wasserspeicher abgedeckt werden. Des Weiteren ist die lokale Stromerzeugung mit mehreren Photovoltaikanlagen vorgesehen. Hierfür werden Paneele auf den Dachflächen, sowie teilweise in der Fassade vorgesehen. Zusätzlich zur Regenwassernutzung ist für Teile der Gebäude eine Grauwassernutzungsanlage vorgesehen, um weiteres Trinkwasser zu sparen.

Brandschutz
Die Rettungswege aus den einzelnen Gebäuden/Gebäudeteilen werden jeweils baulich über einen Sicherheitstreppenraum oder zwei Schachteltreppen sichergestellt. Für den hohen Gebäudekörper wird ein Feuerwehraufzug für den Löschangriff der Feuerwehr vorgesehen. Die Gebäudekerne (Treppenräume, Vorräume und Schächte werden in massiver Bauweise ausgeführt). In Abhängigkeit der Gebäudehöhen der Gebäude/Gebäudeteile werden die bauordnungsrechtlich erforderlichen baulichen und anlagentechnischen Maßnahmen getroffen. Im Hochhaus wird eine automatische Löschanlage angeordnet. Soweit brennbare Elemente im Bereich der Fassaden vorgesehen werden, müssen diese von der Feuerwehr erreichbar sein. Für die begrünten Fassaden wird ein Bewässerungs- und Pflegekonzept erarbeitet. Alle tragenden Bauteile erfüllen eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die Konzeption sieht einen schlanken Hochpunkt mit aufwändigen Fassadenelementen und einen in Teilen abgestaffelten Blockrand mit großen Terrassen vor. Die Nutzungen im Innenhof dienen als Vermittler zum öffentlichen Raum. Die hier angebotenen Nutzungen sind zu wenig differenziert dargestellt.

Der Hochpunkt wird aufgrund der Versprünge und Verjüngung als wenig ökologisch und aufgrund der Erschließung in den oberen Geschossen als unökonomisch bewertet. Die über insgesamt nur 4 Treppenräume erschlossenen Wohnungen sind nicht durchgängig durchgesteckt und die Qualität einzelner sehr tiefer Grundrisse wird bezweifelt. Der Standort der Kinderbetreuung liegt ungünstig. Die vorgeschlagene Bauweise erscheint angesichts des hohen Beton- und Glasanteils wenig nachhaltig.
Ostansicht - Goslarer Ufer

Ostansicht - Goslarer Ufer

Modell

Modell

Freiraumkonzept EG

Freiraumkonzept EG

Nutzungskonzept - Zonierung Außenanlagen

Nutzungskonzept - Zonierung Außenanlagen

Fassadenkonzept

Fassadenkonzept

Erschließungskonzept

Erschließungskonzept

Biodiversitaet

Biodiversitaet

Regelgeschoss

Regelgeschoss

Regenwasserbewirtschaftungskonzept

Regenwasserbewirtschaftungskonzept