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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2024

Quartiersentwicklung Im Rosenfeld in Bonn

Visualiserung Quartierseingang
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Visualiserung Quartierseingang

Anerkennung

Preisgeld: 7.500 EUR

Stefan Forster GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Entwurfskonzept und Städtebau

Das Plangebiet gliedert sich in 3 Bauabschnitte, die Erschließung über die Schickgasse ist gegeben und stellt die Anbindung an umliegende Stadtteile dar. Hierdurch wird das Gebiet in einen Süd- sowie 2 Nord-Teile gegliedert, welche vom neu geplanten Boulevard getrennt werden. Der Boulevard stellt zudem die direkte Anbindung zum Grünen C dar.
Der südliche Abschnitt ist der späteren Schulnutzung vorbehalten. Auf dem nördlichen Teil werden einzelne Blöcke, mit ähnlichen Maßstäben, der Wohnnutzung sowie wohnungsnahen Nutzung vorbehalten. Durch die Zusammensetzung von unterschiedlichen Typologien im Quartier, sowie eine ausdifferenzierte Höhenstaffelung entstehen lebendige Räume mit einem urbanen Dorfcharakter und einer sozial durchmischten Bevölkerungsschicht. An den Zugängen ins Viertel dienen überhöhte Gebäude der Orientierung und sind identitätsstiftend.
Das autofreie Quartier ist als Quartier der kurzen Wege geplant. Ein enges Netz von schmalen Straßen umfährt die einzelnen Wohnquartiere. Die gewählte offene Blockstruktur schafft zudem Abkürzungen durch die halböffentlichen Innenhöfe. Es entstehen Blickbezüge zwischen den Höfen, ähnlich dem dörflichen Vorbild.

Alle Wohnensembles werden mit Grünbereichen ummantelt. Die einzelnen Bausteine werden mit z.T. begrünten Fassaden geplant, die Dachflächen und Dachgärten werden ebenfalls stark durchgrünt. Um jedes Wohngebäude sind großzügige private Vorbereiche vorgesehen, zum Innenhof gibt es eine Privatgarten-Zone, sowie den nachbarschaftlich genutzten Innenhof.
Die öffentlichen Räume (Boulevard und Grüne Mitte) dienen als zentralere, soziale Bereiche. Wie ein Stadtplatz werden sie mit öffentlichen Nutzungen und Freizeitangeboten bespielt. Um diese beiden wichtigen Achsen im Quartier entschleunigt sich das Leben und sie werden zum Begegnungsort für Anwohner:innen und Besucher:innen.
Entsprechend der Klimaziele ist das Quartier bodendurchlässig, im Sinne einer Schwammstadt, konzipiert. Alle horizontalen Freiflächen, auf und um die Gebäude, dienen der Entwässerung, Retention, Artenvielfalt oder dem erneuerbaren Energiegewinn. Die Bebauungsstruktur soll eine bestmögliche Begrünung, Verschattung, Kühlung und Durchlüftung des Quartiers ermöglichen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit schlägt als städtebauliche Struktur ein Quartier aus sieben unterschiedliche großen Baufeldern (Blockstrukturen) vor. Diese knüpfen in ihrer internen Kleinteiligkeit teilweise an den Maßstab des Bestandes an und integrieren sich - mit einer ablesbaren Eigenständigkeit - nachvollziehbar in die bestehende Stadtstruktur. Zwei große öffentliche Stadt- bzw. Grünräume strukturieren das Quartier. Der Auftakt an der Schickgasse mit dem sog. „Plaza“ liegt gut und ist angemessen proportioniert und leitet in die beiden großen Öffentlichen Grünräume über.
Diese zunächst nachvollziehbare Strategie ist aber im Detail bisher noch wenig ausdifferenziert – die Baufelder wirken, aus ähnlichen Baukörpern gebildet, wenig adressbildend. So sind beispielsweise die räumlichen Ausprägungen zur Schickgasse, zu den kleinen Erschließungsgassen und die zum Freiraum des innenliegendes Boulevards und des Spielbandes, mit je gleichen grünen Vorzonen identisch. Die sich teilweise gegenüberliegende Lücken zwischen den einzelnen Baukörpern führen dagegen zu einer angemessenen Vernetzung der inneren halböffentlichen Hofräume.
Die gemeinschaftlichen Hof- bzw. Freiräume in den Baufeldern sind eher als Benutzerräume den Bewohnern zur Verfügung gestellt. Sie erscheinen maßstäblich angemessen und funktional als unterschiedliche kleine Nachbarschaften. Wohnungen in den Hof zu entfluchten erscheint je nach Geschoss, nicht sinnvoll, da Rettungsflächen die Qualität der Höfe stark beeinträchtigen würde – ein funktionaler Mangel der allerdings leicht behoben werden kann. Die hohe Durchgrünung, besonders mit großkronigen Straßenbäumen und Hofbepflanzungen, wird dazu aus freiraumplanerischer und klimatologischer Sicht sehr positiv bewertet. Die zu erwartenden Wohntypologien und der Mix des Wohnungsangebots erscheinen vielfältig und aktuell marktgängig – weisen aber bisher nur eingeschränkt Innovationspotenzial sich wandelnder Wohnanforderungen auf. Die Baufelder lassen sich allerdings in zahlreichen Varianten je unterschiedlich entwickeln - vom Gesamtprojekt bis zur realgeteilten Parzelle für Baugruppen. Die Integration von „eigentumsorientierten“ Wohnformen (EFH) wird positiv diskutiert. Die sich ergebende Anzahl an möglichen Wohneinheiten ist begrüßenswert, steht aber etwas im Widerspruch zu der zu hoch erscheinenden Dichte am südlichen Boulevard. Kritisch erscheint die Dimensionierung und Lage der Quartiersgarage im Süden, was weite Wege hervorruft. Die Lage der Schule auf einem Privatgelände ist städtebaulich nachvollziehbar, aber aktuell nicht sicher realisierbar und entspricht nicht den Vorgaben der Auslobung. Die Struktur des Gesamtkonzept erlaubt aber einen „Tausch“ von Nutzungsprogrammen und Flächen.
Die Lage der Kita erscheint an der Schnittstelle zum „Grünen C“ angemessen, erzeugt zugleich aber lange Bringwege im Quartier. Auch erscheint die Maßstäblichkeit des darüberliegende Wohnungsbaus mit acht Geschoßen im Bezug zur Kitanutzung unangemessen. Die hohe Dichte des Quartiers an dessen Freiraumkanten zum Boulevard wird kritisch diskutiert. Insgesamt erscheint das Projekt als ein robuster Entwurf, der eine überzeugende städtebauliche Antwort in der gestellten Thematik liefert und viele Möglichkeiten der weiteren Entwicklung aufzeigt.
Lageplan

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