Einladungswettbewerb | 04/2024
Quartiersentwicklung LIA in Augsburg
8
Fußgängerperspektive
©WILLNER VISUALISIERUNG
ein 3. Preis
Preisgeld: 14.000 EUR
Stadtplanung / Städtebau
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Michael Frischauf, Annika J. Steinhuber, Celine P. S. Stemmelen, Ivan Zdenkovic, Ada Curkic, Kalina Vankova, Martina Unzeitig
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Modellwerkstatt Gerhard Stocker
Modellbau
Visualisierung
Erläuterungstext
Städtebauliches Konzept und Leitprinzipien
Auf der ca. 3,5ha großen Fläche im Stadtteil Pfersee soll auf dem ehemaligen Gewerbegebiet der Firma Eberle ein attraktives nachhaltiges Wohnquartier entstehen, das den historischen Wert des Areals mit seinen Bestandsbauten berücksichtigt und sich durch die Neuordnung des Areals gut in die umliegende Nachbarschaft eingliedert. Die Mischung aus Wohnbebauung mit ergänzenden Kleingewerbe lässt ein lebendiges Quartier mit Ausstrahlkraft weit über das Projektgebiet hinaus für den gesamten Stadtteil Pfersee entstehen.
Die Differenzierung in der städtebaulichen Körnung und Ausbildung eines kleinteiligen, menschlichen Maßstabs unterstützt ein lebendiges Ortsbild, welches mit seiner Umgebung fein abgestimmt ist. So entstehen auf dem ehemaligen Eberle-Areal vier Nachbarschaftshöfe, die sich aus Bestand und Neubauten formen, sowie entlang der Zweibrückenstraße ein begleitender Wohnriegel.
Folgende Leitprinzipien bilden das Grundgerüst des städtebaulichen und freiraumplanerischen Konzeptes:
1) Vernetzung mit der Umgebung (Nord-Süd und Ost-West Richtung) | Transitraum Halle 13
Das ehemalige Eberle-Areal soll sich in alle Himmelsrichtungen mit der Umgebung vernetzen – zentrales Gelenk ist dabei die Halle 13 mit ihren denkmalgeschützten Trägern. Diese werden zum Teil freigestellt und es entsteht ein offener Transitraum, der als Knotenpunkt zwischen Nord, Süd, Ost und West dient. An den Raum angelagert sind die zentralen öffentlichen Freiräume des Areals mit der grünen Quartiersmitte „Eberleplatz“, dem Schlot im Westen und dem grünen Anger mit Sitzstufen zum Bach im Osten. Die Halle 13 bleibt in ihrer Dimensionierung zu 100% erhalten, wobei das restliche geschlossene Raumvolumen im Norden die Musikschule beherbergt, während im Südenteil ein Quartierscafé angelegt ist.
Ergänzt wird diese Vernetzung des Areals durch die Ausbildung eines grünen Rahmens, der entlang des Mühl-Hettenbaches das grüne Rückgrat des Quartiers bildet und sich über den Transitraum der Halle 13 bis zum mittigen Quartiersplatz am Schlot hineinzieht. Zwei Brücken überwinden die Barriere des Mühl-Hettenbachs und vernetzen damit den Grünraum am Planungsgebiet mit dem umliegenden Grünraum entlang der Wertach.
2) Grüne Quartiersmitte „Eberleplatz“
Die grüne Quartiersmitte bildet im Zusammenspiel mit der Halle 13 und dem Schlot das Herzstück des Areals. An dieser sind Kleingewerbe sowie kommunikationsfördernde Nutzungen in der Halle 13 angesiedelt. Eine Musikschule, sowie das Café sollen den Austausch unter den BewohnerInnen und BesucherInnen fördern. Dabei kann der öffentliche Transitraum multifunktional für z.B. Quartiersfeste mitgenutzt werden und bildet somit eine witterungsgeschützte Alternative zum urbanen, konsumfreien Platz.
3) Grüner Rahmen entlang des Mühl-Hettenbachs
Das grüne Rückgrat des Quartiers bildet der grüne Rahmen, der die wertvollen Bestandsbiotope im Norden und Süden aufgreift und ergänzt. Dabei dient der grüne Rahmen nicht nur der Bevölkerung als grünes Wohnzimmer im Freien, sondern legt auch besonderes Augenmerk auf den Artenschutz. Er zieht sich über den Transitraum der Halle 13 bis zur Quartiersmitte „Eberleplatz“ in das Quartier hinein. Durch die klimaresiliente Freiraumplanung, die das Schwammstadtprinzip und eine sinnvolle Nutzung und Ableitung von Regenwasser berücksichtigt und damit auf die Auswirkungen und Belastungen des Klimawandels reagiert, wird ein Vorbildprojekt geschaffen, das die vorhandenen Frischluftzirkulationen durch blau-grüne Infrastrukturen berücksichtigt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das neue Quartier würdigt den industriellen Charakter des Ortes und gliedert durch gut proportionierte Erschließungsräume und Freiraumstrukturen den neuen Stadtbaustein. Der grüne Rahmen des Quartiers scheint allerdings im Norden etwas unglaubwürdig. Ob hier auf der verbleibenden schmalen Grünfläche der wertvolle Baumbestand gehalten werden kann, wird bezweifelt.
Zu den Rändern verhält sich die neue Bebauung wenig differenziert: Zu den benachbarten Straßenzügen wie auch zum Hettenbach zeigen sich die Strukturen beinahe identisch. Eine in Höhe und Körnung vermittelnde Bebauung an der Zweibrückenstraße wird vermisst. Die Eckausbildung Eberlestraße/ Zweibrückenstraße mit ihrer Zeilentypologie vermittelt kaum zur Nachbarschaft. Auch die eher geschlossene Ausbildung zum Bachverlauf lässt einen sensiblen Umgang mit diesem besonderen Landschaftsraum vermissen.
Die Erschließung des Quartiers erfolgt über 3 Zufahrten, über welche die Tiefgaragen dezentral und kurzwegig erschlossen werden. Der motorisierte Verkehr wird somit jeweils an den Rändern abgefangen und der überwiegende Teil der dargestellten Erschließungsräume bleibt frei von MIV.
Das zentrale Gelenk ist der Eberleplatz mit der Halle 13, welche für eine grüne Fuge mit Hinleitung zum Anger am Bach geöffnet wird. Die Darstellung der Freifläche zeigt hier große Qualitäten: Reduzierung der Versiegelung, Großbaumpflanzungen und Regenwasserrückhalt versprechen eine hohe Aufenthaltsqualität, auch an heißen Sommertagen.
Um den Eberleplatz gruppierenden sich halbprivate Gartenhöfe. Diese bilden zusätzliche Freiraumqualitäten zu den öffentlichen Bereichen an Fluss und Platz aus. Ob die angedachte „Rote Vernetzung“ von Norden bis südlich des Hettenbachs tatsächlich so umgesetzt werden kann, bleibt unklar, wird aber als sehr wünschenswert beurteilt. Die uferbegleitende Bachpromenade erhält Aufenthaltsakzente an den richtigen Stellen. Auch die Themen Biodiversität, Regenwasserrückhalt und Umgang mit Baumbestand und Biotopen werden positiv gewürdigt.
Der hohe Anteil an gewerblichen Nutzungen im EG wird begrüßt und aktiviert die öffentlichen Bereiche. Der vielfältig variierende Wohnungsmix ist ambitioniert, stellt sich jedoch in der architektonischen Umsetzung teilweise problematisch dar. Die Grundrisslösungen im Vertiefungsbereich bleiben etwas schematisch und lassen attraktive Wohnungstypologien vermissen.
Die Bauabschnitte sind plausibel und gut gegliedert, Erschließung und Realteilbarkeit scheinen im Detail jedoch unklar. Das Thema Lärmschutz wird hingegen in dieser Arbeit gut gelöst: So sind in den Bestandsgebäuden entlang der Eberlestraße ausschließlich gewerbliche Nutzungen geplant. Die Verlängerung des Baukörpers 7 zur Wasserkraftanlage ist möglich, soweit hier durchgängig gewerbliche Nutzung vorgesehen ist. Auch die denkmalpflegerischen Belange werden bei dem Entwurf in vollem Umfang berücksichtigt.
Die Arbeit stellt einen durchdachten, vielversprechenden Beitrag zur Metamorphose dieses historischen Industriequartiers in ein lebendig-urbanes Wohn- und Arbeitsquartier dar.
Konzeptpiktogramme
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Axonometrie Planungsgebiet
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Lageplan
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Schwarzplan
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Umgang mit Bestandshalle 13
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Lageplan mit Vertiefungsbereich
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Modellfoto
©Gerhard Stocker