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Einladungswettbewerb | 07/2023

Quartiersentwicklung Neues Leben an der W√ľrm in Stockdorf

Lageplan

Lageplan

2. Preis

Preisgeld: 34.000 EUR

Kartenbeck und Lang Architekten PartG mbB

Stadtplanung / Städtebau

KOPPERROTH - Architektur und Stadtumbau

Stadtplanung / Städtebau

HOLZWARTH Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

ee concept gmbh

Energieplanung

Maquette Modellbau Architekturmodellbau Frässervice Berlin

Modellbau

Erläuterungstext

Leitidee - Städtebau und Freiraum

Das Wettbewerbsgebiet rund um die W√ľrm als alter Industriestandort nebst gr√ľner Oase ist einmalig in Stockdorf. Der R√ľckbau der alten Gewerbebauten der Firma Stanz Schmidt bietet die Chance ein neues, zentrales St√ľck Stockdorf mit der W√ľrm als zentrale Lebensader zu entwickeln. Die bestehenden Gr√ľnr√§ume sind dabei nicht nur aus Sicht des Naturschutzes, sondern auch aus stadtklimatischen und rekreativen Gr√ľnden als besonders wertvoll einzusch√§tzen. Der vorliegende Entwurf m√∂chte in diesem sensiblen Kontext f√ľr das urbane Wohnen und Arbeiten unter der Maxime der √∂kologischen Nachhaltigkeit neue Ma√üst√§be setzen. Ziel ist es, ein lebendiges und durchmischtes Quartier, in dem Menschen, Tiere und Flora mit- und nebeneinander existieren k√∂nnen, zu entwickeln. Das Zusammenleben wird dabei mit architektonischen und freiraumplanerischen Ma√ünahmen auf unterschiedlichen Ma√üst√§ben gef√∂rdert.

Vorgeschlagen wird eine durchl√§ssige, st√§dtebauliche Entwicklung, die um eine √ľppige ‚ÄöGr√ľne Mitte‚Äė herum angeordnet wird. Je nach Standort wird eine angemessen hohe bauliche Dichte vorgeschlagen. Die Gr√ľne Mitte erstreckt sich sowohl auf das westliche als auch das √∂stliche Ufer der renaturierten W√ľrm und rahmt dabei naturnah den wiederhergestellten Altarm der W√ľrm, der mit Flachwasserzonen und renaturierten Ufern einer Vielzahl von heimischen Arten Platz bietet. Dieser wertvolle √∂kologische Trittstein erh√§lt mit dem renaturierten und abgeflachten Ufer im S√ľden und der Fischtreppe im Norden sinnvolle Erg√§nzungen. W√§hrend im Osten das Erleben der W√ľrm f√ľr die Anwohner und Besucher mit Aufenthaltsangeboten wie Sitzstufen, B√§nken und Au√üengastronomie am alten Kraftwerk im Vordergrund steht, werden die Nutzungen durch die Anwohner im Westen bis an den westlichen Grundst√ľcksrand zur√ľckgezogen. Auf diese Weise werden m√∂glichst gro√üe Freir√§ume f√ľr Nistpl√§tze und Quartiere mit ausreichend Entfernung von der Bebauung und Durchwegung m√∂glich. Um dennoch ein Naturerlebnis und eine bessere Verkn√ľpfung herzustellen erhalten die Stege, die √ľber die W√ľrm f√ľhren Terrassen mit Sitzgelegenheiten, bzw. einen Waldspielplatz zwischen den Wohngeb√§uden im Westen.

S√§mtliche Bel√§ge, die nicht befahrbar ausgebildet oder stark frequentiert werden m√ľssen, werden in wassergebundener Wegedecke oder in den √úberflutungsbereichen in Stabilizer ausgef√ľhrt. Bei den Pflasterbel√§gen wird zwischen einer offenen Bauweise vor Hauseing√§ngen oder Fu√üwegen und der geschlossenen Bauweise entlang von Anlieferung und Rettungswegen unterschieden. Oberirdische PKW-Stellpl√§tze erhalten eine Deckschicht aus Rasenliner, die mit Split verf√ľllt ist. Die im Westen neu angelegte Zufahrt zur Wohnbebauung wird offenporig mit Drainasphalt hergestellt. Die Ma√ünahmen erm√∂glichen ein Maximum an Entsiegelung und Versickerung der Niederschl√§ge am Ort.

Teil Ost

An der Gautinger Stra√üe wird ein durchl√§ssiges Gewerbe-Ensemble vorgeschlagen mit dreigeschossigen polygonalen Aufbauten auf einem zweigeschossigen Sockel. Die relativ hohe Dichte entlang der Gautinger Stra√üe vermittelt Urbanit√§t und erlaubt das Freihalten einer gro√üz√ľgigen, gr√ľnen Mitte als hochwertiger Naturraum. Durch die linsenf√∂rmige Grundform wird eine einladende, klar auffindbare Wegeverbindung vom Baierplatz und s√ľdlich des Quartiers erm√∂glicht. Gleicherma√üen stellt sich der Sockel an der vielbefahrenen Stra√üe l√§rmsch√ľtzend vor das Quartierszentrum an der W√ľrm.

Der industrielle Charme der Werkst√§tten im Bereich des Wasserkraftwerks wird als identit√§tsstiftend und charakteristisch f√ľr das Quartier anerkannt und in Teilen als Zitat der Ortsgeschichte beibehalten. Er bildet mit einem in wassergebundener Wegedecke hergestellten Biergarten einen attraktiven Raum f√ľr die Au√üengastronomie.

Im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen wird das Bestandswohngeb√§ude an der Gautinger Stra√üe 12 beibehalten, energetisch saniert und um ein Geschoss aufgestockt. Nach vorausgesetzt erfolgreicher detaillierter bauphysikalischer und statischer Untersuchung, k√∂nnte die Metamorphose des Geb√§udes aufgrund der besonderen Sichtbarkeit am s√ľdlichen Quartierseingang, als Sinnbild f√ľr das nachhaltig entwickelte Quartier gelten. Im √∂stlichen Teilgebiet bilden zwei weitere Bausteine den Rahmen der gr√ľnen Mitte: Im Norden ein vier-bis f√ľnfgeschossiges Geb√§ude mit Gastronomie, Gewerbe und Wohnungen. Im S√ľden ein Geb√§ude mit √§hnlicher Kubatur mit Kita und Wohnen. Die zugeordneten Kita-Freifl√§chen befinden sich s√ľdorientiert entlang der L√§ngsseite des Geb√§udes.

Teil West

Auf der Westseite werden zwei dreigeschossige Wohngeb√§ude vorgeschlagen die mit gr√∂√ütm√∂glicher R√ľcksicht zwischen dem wertvollen Baumbestand positioniert werden. In ihrer strukturellen Kleinteiligkeit orientiert sich diese neue Bebauung an den umliegenden Einfamilienh√§usern, w√§hrend das Zusammenschalten der Wohnungen einen kompakten Fu√üabdruck und somit gr√∂√ütm√∂glichen Beibeh√§lt des Gr√ľnraums erm√∂glicht.

Teil S√ľd

Im s√ľdlichen Abschnitt des Wettbewerbsgebiets wird eine Renaturierung der W√ľrm in Zusammenhang mit einer im Naturraum sensibel eingef√ľgten Durchwegung vorgeschlagen.

KITA

Die Kita erstreckt sich √ľber zwei Geschosse. Das Foyer bietet erste Einblicke in den Krippenbereich im Erdgeschoss und den √ú3-Bereich im Obergeschoss. Der Speiseraum liegt zentral am Eingangsbereich und ist zum Vorplatz hin orientiert. Der Raum l√§sst sich im Alltagsbetrieb oder bei Feierlichkeiten vielseitig nutzen. Verwaltung und R√§ume f√ľr Mitarbeitende befinden sich im Obergeschoss in unmittelbare N√§he zum Foyer/ Eingangsbereich. Der Entwurf bietet gr√∂√ütm√∂gliche Flexibilit√§t in der Raumaufteilung.

F√ľr die Krippe wird eine ebenerdige ‚ÄöKinderwelt‚Äô ohne Barrieren vorgeschlagen. Alle Gruppenr√§ume sind entlang eines gro√üz√ľgigen Spielflures angeordnet und orientieren sich zum Garten. Die zwei Gruppenr√§ume der Krippe lassen sich durch Faltw√§nde zusammenschalten. Spielflur, Gruppenr√§ume und Garten bilden eine zusammenh√§ngende, aufregende Spiellandschaft. In den Gruppenr√§umen generieren h√∂lzerne Einbauten verschiedene Zwischenebenen und halboffene Spielnischen. In den Spielecken und abgeschlossenen R√§umen k√∂nnen die Kinder Geborgenheit und Ruhe finden.

Der Gruppenraum im √ú3-Bereich, sowie der Mehrzweckraum werden analog zum Krippenbereich √ľber einen gro√üz√ľgigen, lichtdurchfluteten Spielflur erschlossen. Die R√§ume haben jeweils √ľber einen Laubengang einen direkten Zugang zum Garten.

GASTRONOMIE

Die Gastronomie befindet sich im Erdgeschoss des n√∂rdlichen Bauk√∂rpers in unmittelbare N√§he zur W√ľrm. Der Gastraum und der anschlie√üende Au√üenbereich sind nach S√ľden hin zur gr√ľnen Mitte orientiert. Die Anlieferung der K√ľche erfolgt st√∂rungsfrei im Norden. Teile der charakteristischen Bestandsmauern des ehemaligen Gewerbegeb√§udes der Firma Stanz Schmidt werden als gebautes ‚ÄöZitat‚Äė beibehalten und als durchl√§ssige Wand in einem wettergesch√ľtzen, √ľberdachten Freibereich an der W√ľrm integriert. Die bestehenden Fenster√∂ffnungen werden bis auf Bodenniveau erweitert und machen die W√ľrm und das Wasserkraftwerk zug√§nglich f√ľr Passanten, Einwohner und G√§ste der Gastronomie. Es entsteht ein neuartiger Ort als bildhafte Erinnerung an die industrielle Geschichte des Ortes.

GEWERBE

Der Gro√üteil des geforderten Gewerbes wird in die zwei baugleichen Volumen entlang der Gautinger Stra√üe untergebracht. Um zusammenh√§ngende Mietfl√§chen zu generieren, w√§re bei Bedarf eine verbindende Passage als ‚ÄöBr√ľcke‚Äė in den Obergeschossen denkbar.
Eine Besonderheit der Gewerbebauten ist der √ľppig gestaltete, gr√ľne Dachgarten auf dem zweigeschossigen Sockel. Der Dachgarten ist direkt zug√§nglich aus den Gewerber√§umen und l√§dt zu einer kurzen Verschnaufpause mit Blick auf die W√ľrm und die gr√ľne Mitte ein.

WOHNEN OST

Die nachzuweisenden Wohnungen befinden sich im Bestandwohngeb√§ude an der Gautinger Stra√üe 12, das saniert und um ein Geschoss erweitert wird. Eine einheitliche, neue Fassadenstruktur umh√ľllt das Geb√§ude und umfasst weitestgehend s√ľdorientierte Winterg√§rten, die als nicht-beheizte Pufferzonen den Wohnr√§umen vorgelagert werden. Nach Osten, Norden und Westen bietet die Struktur ein Ger√ľst f√ľr eine Fassadenbegr√ľnung. Die Aufstockung beinhaltet vier neue Wohnungen in Holzrahmenbau, w√§hrend die Dachfl√§che mit gemeinschaftlichen und privaten Dachg√§rten mit Weitblick zug√§nglich gemacht wird.

Weitere Wohnungen werden im Baukörper der Kita und am Wasserkraftwerk geplant. Diese Wohnungen können bei Bedarf jeweils auch als Gewerbeflächen genutzt werden.

WOHNEN WEST

F√ľr die Wohnungen im Westen wird eine hybride Geb√§udetypologie vorgeschlagen, die die attraktivsten Merkmale von Einfamilienhaus und Etagenwohnung in sich verbindet. Ein modulares System mit einfach zu adaptierenden Grundrisse erlaubt dabei die gr√∂√ütm√∂gliche Flexibilit√§t. Die insgesamt 10 Wohnungen werden in zwei dreigeschossigen Geb√§uden angeordnet. Die 5- und 6-Zimmerwohnungen erstrecken sich jeweils √ľber zwei Geschosse. Die 3-Zimmer-Wohnungen sind eingeschossig konzipiert. Alle Wohnungen sind √ľber alle Geschosse jeweils √ľber ein offenes Treppenhaus barrierefrei erschlossen, wobei die Wohnungen im Erdgeschoss einen zus√§tzlichen privaten Wohnungszugang entlang der Erschlie√üungsstra√üe bekommen. Nach Osten, zur renaturierten W√ľrm, bekommen die Wohnungen gro√üz√ľgige Verglasungen und Balkone, die auch als baulicher Sonnenschutz dienen.

Gebäudeplanung

Die Geb√§ude sind kompakt, die Geb√§udetiefen erm√∂glichen eine gute Tageslichtausbeute auch in den Innenzonen. Die Stadtstruktur ist so angelegt, dass die Frischluftversorgung im gesamten Gebiet gew√§hrleistet wird. Alle Geb√§ude k√∂nnen somit nat√ľrlich bel√ľftet werden. Nutzungen mit hohen internen Lasten wie bspw. der Kindergarten sind in Nord-S√ľd-Ausrichtung ausgerichtet, um die √úberlagerung mit solaren Gewinnen durch die tiefstehende Sonne der K√ľhlperiode aus Ost- und Westrichtung zu meiden und so thermischen Lasten strukturell zu minimieren. Der Au√üenraum ist resilient geplant, Vegetation verschattet Fassaden wie den Au√üenbereich, √ľber den Zuluft passiv vorkonditioniert wird.
Alle Materialien werden als Leihgabe verstanden, die es gilt, nach Ende der Nutzungsdauer dem Kreislauf zur√ľck zu geben. Das Quartier und die Geb√§ude werden, wo m√∂glich, im Sinne der Zirkularit√§t geplant. Ein hoher Anteil an lokal verf√ľgbaren Sekund√§rbauteilen und -stoffen sowie an Recyklaten soll architektonisch integriert werden und so die Treibhausgasemissionen der Herstellungsphase minimieren. Die Geb√§ude weisen nutzungsneutrale Geb√§udegeometrien auf, die eine lange Nutzungsdauer gew√§hrleisten. Die Bauelemente sollen dauerhaft mit einem hohen Anteil regenerativer Baustoffe wie bspw. Holz errichtet werden. Alle Verbindungen sind l√∂sbar, so dass nach R√ľckbau Bauelemente und Bauteile weiterverwendet werden k√∂nnen.

Alle Dachfl√§chen werden als Gr√ľnd√§cher oder Dachg√§rten geplant. Regenwasser von Dachfl√§chen wird √ľber Substratfilter gereinigt, gespeichert und wieder genutzt bzw. versickert. Der Dachgarten auf dem zweigeschossigen Gewerbesockel der Gautinger Stra√üe wird als √ľppige intensive Dachbegr√ľnung vorgesehenen. Auf den h√∂her gelegenen extensiv begr√ľnten Flachd√§chern wird eine PV-Anlage (bei den Wohnungen im Westen in Kombination mit Solarthermie) vorgesehen.

Baumaterialien

Es sollen ausschließlich Materialien zum Einsatz kommen, die recyclierbar sind. Die Tiefgarage, die einen enormen Einfluss auf die Gesamt-Treibhausgasemission des Quartiers haben wird, soll zur Treibhausgasminimierung aus CEM III Zement sowie zur relativen Ressourcenschonung aus Recyclingbeton realisiert werden. Ein präzisen Mobilitätskonzept gibt die Möglichkeit, unterirdische Stellplätze zu Gunsten der Vegetation und Versickerungsflächen zu reduzieren.

S√§mtliche Neubauten im √∂stlichen Teilbereich sind als Holz-Beton-Hybride geplant. St√ľtzen und Tr√§ger werden aus Brettschichtholz vorgesehen. F√ľr die Decken wurde aufgrund der besonderen thermischen und akustischen Eigenschaften eine reversible Holzbeton-Verbunddecke gew√§hlt. Es wird eine Holz-Pfosten-Riegelfassade mit gro√üz√ľgigen Verglasungen, abwechselnd mit Blindpaneelen vorgeschlagen. Geschlossene Fassadenabschnitte werden als vorvergraute, vertikale Holzschalung auf einem Holzrahmenbau mit Zellulosed√§mmung vorgeschlagen.

Die Wohnungen im Westen werden als reiner Holzbau konzipiert. St√ľtzen und Tr√§ger werden aus Brettschichtholz vorgesehen, Bodenplatten und aussteifende Wandelemente aus Brettsperrholzplatten. Die Bodenplatte im EG ist ebenfalls aus Holz und ist auf Stahl-Schraubfundamenten gegr√ľndet, die trotz Bebauung eine gr√∂√ütm√∂gliche Regenwasserversickerung zulassen. Au√üenseitig sind die W√§nde mit einer Schalung aus vorvergrautem Holz verkleidet.

In Teilen werden die Geb√§ude mit sommergr√ľnen Kletterpflanzen bewachsen, die Schatten spenden in der warmen Jahreszeit und als variierendes Gestaltungselement eingesetzt werden.

Energie

Das Gel√§nde liegt nicht im Wasserschutzgebiet, so dass die Versorgung √ľber ein grundwassergespeistes kaltes Nahw√§rmenetz m√∂glich scheint. Die Dachfl√§chen sind so ausgeformt, dass die Erzeugung solaren Stroms und f√ľr den Wohnungsbau -w√§rme in Kombination mit einer Dachbegr√ľnung m√∂glich ist. Die Dachfl√§chen der Einzelgeb√§ude werden zusammengeschlossen, Stromspitzen in zwei zentral angeordnete Stromspeicher-Hubs zwischengespeichert. Die minimierten Energiebedarfe sorgen in Kombination mit der effizienten W√§rmeversorgung und dem geb√§ude√ľbergreifenden Strommanagement zu nahezu Null-Energie-Siedlung. Das Quartier wird mit sinkendem CO2-Faktor des dt. Strommixes innerhalb der kommenden 10-15 Jahre bereits CO2-neutral betrieben werden k√∂nnen.

(Regen)wasser, Bodenmanagement / Versiegelung

Die Verdunstung der Niederschl√§ge vor Ort hat Vorrang vor der Versickerung und der Ableitung der Niederschl√§ge. Daf√ľr werden insbesondere in den renaturierten Bereichen des abgeflachten Ufers weitl√§ufige Bereiche mit feuchtigkeitsliebenden, ortstypischen Stauden und Gr√§sern angelegt. Im Ostteil werden √ľber den Sockeln der Gewerbebauten Retentionsd√§cher angelegt, die mit einer einfach intensiven Begr√ľnung mikroklimatisch wirksam der Erw√§rmung entgegenwirken. Eine Zisterne sammelt das aus den Dachfl√§chen √ľbersch√ľssige Wasser, um es zur W√§sserung der Pflanzfl√§chen im Sommer zur Verf√ľgung zu stellen. Niederschl√§ge aus Verkehrsfl√§chen werden √ľber die belebte Bodenzone gereinigt und seitlich in die Gr√ľnfl√§chen abgeleitet. Die B√§ume entlang der Gautinger Stra√üe erhalten Baumrigolen, die mit den wasserleitenden Schichten der Bel√§ge verbunden sind und so die Niederschl√§ge √ľber die B√§ume verdunsten (Stockholmer Modell).
Die starke Durchbegr√ľnung des neuen Quartiers tr√§gt durch adabiate K√ľhlung zu einem angenehmen und gesunden Aufenthalt bei.

Mobilität

Fahrrad- und Fu√üg√§ngerverkehr wird durch eine intuitive Wegef√ľhrung attraktiv gestaltet. Gro√üz√ľgige Abstellr√§ume f√ľr Fahrr√§der und Kinderwagen werden in allen Geb√§uden im Bereich des Treppenhauses angeordnet. M√∂glichst alle Fahrradstellpl√§tze werden mit Ladeinfrastruktur realisiert, die durch ein kluges Lade- und Lastmanagement bedient werden.

Mobility-Points, die r√§umlich mit der Quartiers-Stromspeicherung zusammen gedacht werden, werden zentral erreichbar im Quartier angeordnet. Zwei davon an den Quartierseing√§ngen im Osten, der Dritte im westlichen Teilgebiet. Diese Hubs beinhalten wettergesch√ľtzen Stellpl√§tze f√ľr (Leih-) Lastenfahrr√§der, Elektroroller und Ladeinfrastruktur.

Das Quartier ist mit den Bushaltestellen am Harmsplatz und Baierplatz in einem Umkreis von 100 Metern und dem S-Bahnhof in einem Umkreis von 500 Metern bestens an den √ĖPNV angebunden.

Aufgrund der Attraktivit√§t der oben genannten Alternativen sind weniger Autostellpl√§tze im Quartier notwendig. Auf oberirdische Stellpl√§tze wird weitgehend verzichtet. Insgesamt 255 PKW-Pl√§tze werden in einer eingeschossigen Tiefgarage nachgewiesen. Zwei getrennte Zufahrten reduzieren die L√§rmbelastung. F√ľr die Wohnungen werden 5 Stellpl√§tze f√ľr Car-Sharing vorgehalten, √§quivalent zu 25 konventionellen Pl√§tzen. Somit hat die vorgeschlagene Tiefgarage eine Kapazit√§t von 275 Stellpl√§tzen. Lades√§ulen sind √ľber die Tiefgarage verteilt und erm√∂glichen bzw. f√∂rdern die Elektromobilit√§t.

Gr√ľn

Die Gr√ľnfl√§chen der beiden Ufer werden gem√§√ü ihres aktuellen Erscheinungsbildes unterschiedlich behandelt. Das Westufer, das aktuell keine Bebauung aufwei√üt, wird gr√∂√ütenteils renaturiert und die Wegef√ľhrung, welche vom Schulerweg zum Harmsplatz f√ľhrt, verschwenkt an der Bennostra√üe hinter die neue Bebauung. Zusammen mit der Wiederherstellung des Altarms der W√ľrm werden die Uferbereiche im Westen zu wertvollen Biotopen f√ľr Fauna und Flora.
Im Osten steht aufgrund der bereits im Bestand √ľberformten Uferbereiche die Naherholung am Ufer der W√ľrm im Vordergrund. Der Uferweg f√ľhrt entlang des auch hier renaturierten Uferstreifens und bietet mit einer Sitzstufenanlage einen direkten Wasserbezug.
Beide Bereiche sind durch die Wegef√ľhrung √ľber das Wehr im Norden und den Bennosteg im S√ľden zusammengefasst und nehmen die renaturierte W√ľrm in einem gr√ľnen Saum in ihre Mitte.

Biodiversität (animal aided design)

Das im Zuge der Arbeiten vor Ort entnommene Totholz wird in Benjeshecken und Totholzstapeln als Nist- und Unterschlupfm√∂glichkeiten f√ľr Kleins√§uger, V√∂gel und Insekten zusammengefasst und wiederverwertet. Die abgeflachten Uferbereiche mit ihren Ausbuchtungen erm√∂glichen Amphibien und Kleins√§ugern erleichterten Zugang zum Wasser. Angebote f√ľr Baum- und H√∂hlenbr√ľter in Ufern√§he werden ebenso vorgesehen, wie ein Fledermausquartier unter dem Br√ľckenkopf des neuen Holzstegs. Zusammen mit der neuen Fischtreppe, welche in den Altarm f√ľhrt, werden so grundlegende Prinzipien des Animal Aided Design umgesetzt.
Bl√ľhwiesenansaaten und der Einsatz ortstypischer Str√§ucher, Baumsetzungen und Staudenpflanzungen schaffen eine artenreiche und resiliente Fauna, welche Nahrungs- und Nistgrundlage zahlreicher Arten wird.



Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit formuliert im Ostteil des Entwurfsgebiets mit zwei kleinen Stadtpl√§tzen einen √∂ffentlichen Auftakt an der Gautinger Stra√üe, die Platzaufweitungen sind mit dem das neue Quartier durchziehenden Wegesystem sinnhaft verkn√ľpft. Vier neue Bauk√∂rper arrondieren sich um eine gro√üz√ľgige Gr√ľnfl√§che entlang der W√ľrm. Diese W√ľrmwiese wird sehr positiv bewertet, die beiden zus√§tzlichen Stege √ľber die W√ľrm erleichtern die Durchwegung der Anlage und tragen zur Belebung bei. Die Freifl√§chen im westlichen Teil bilden mit der √∂stlichen Gr√ľnfl√§che ein sch√∂nes Ensemble. Auf den Baumbestand und die H√∂chstwassersituation wird angemessen reagiert. Der Freibereich der Kita wird im S√ľden des letzten neuen Bauk√∂rpers kritisch bewertet, da die Spiel- und Aufenthaltsfl√§chen bisher ungesch√ľtzt dem Stra√üenl√§rm ausgesetzt sind.

Die beiden gr√∂√üeren Bauk√∂rper situieren sich entlang der Gautinger Stra√üe und gliedern sich ab dem 2. Obergescho√ü in vier Bauteile auf. Sie sind mit Geb√§udetiefen von 20 bis 30 Metern in den Sockelzonen sehr tief. Die geschlossene Sockelzone verbessert den Schallschutz der innenliegenden Gr√ľnfl√§che und des Wohnungsbaues quer zur W√ľrm, belastet aber die gegen√ľberliegende Stra√üenseite durch Reflektionen und sollte besser strukturiert werden. Die Nutzbarkeit erscheint hier eingeschr√§nkt. Insgesamt werden die dargestellten Fassaden als noch zu wenig differenziert gesehen. Eine st√§rkere Unterscheidung zwischen Wohnbaufassaden und Gewerbefassade w√§re w√ľnschenswert. Die Tiefgaragenzufahrt liegt an geeigneter Stelle, w√§hrend die Ausfahrt sich etwas nah am Kreuzungsbereich der Vitusstra√üe befindet. Positiv bewertet wird auch der Erhalt des s√ľdlichen Wohnhauses.

Die Setzung der Bauk√∂rper im Teil West am Grundst√ľcksrand, angelehnt an die Nachbarbebauung, ist gelungen. Der f√ľnfte und n√∂rdlichste Bauteil wird in Frage gestellt. Insgesamt scheint die Baudichte am westlichen Grundst√ľcksrand etwas zu hoch. Grunds√§tzlich sind hier die richtigen Themen angesprochen, eine Vertiefung w√§re im Realisierungsfall dringend erforderlich.

Die Fischaufstiegstreppe wird auf der Westseite des Wehrs aufgrund der fehlenden L√§nge und Verbindung mit dem Leerschuss nicht funktionieren. Die Neuanbindung des Weihers am Bennosteg sowie die Reaktivierung des Altarms ist sehr gut gelungen. Die Beschr√§nkung auf nur einen Uferweg im Ostteil schafft Ruhezonen f√ľr die Tier- und Pflanzenwelt im Westteil und vor allem im Bereich der Flachwasserzonen.

Die Durchbrechung der Gewerbebauten entlang der Gautinger Stra√üe bieten keine ideale, aber wohl eine ausreichende Durchl√ľftung. Der minimale Luftstr√∂mungsquerschnitt ist mit ca. 30 m eher gering. Die Dachbegr√ľnung unterst√ľtzt das Schwammstadtprinzip sowie die Biodiversit√§t des neuen Quartiers. Bei den Geb√§uden im √∂stlichen Teil des Entwurfsgebiets sind die Tageslichtnutzung und die M√∂glichkeiten einer ausreichenden nat√ľrlichen Bel√ľftung nur teilweise gegeben. Vor allem die gewerblich genutzten Geb√§ude haben sehr gro√üe Raumtiefen. Aufgrund der tiefen Grundrisse m√ľssen die innenliegenden Erschlie√üungsfl√§chen und R√§ume mit Nebennutzung mechanisch bel√ľftet und k√ľnstlich belichtet werden.

Die sehr kompakten Bauk√∂rper im Teil West mit Wohnnutzung weisen ein g√ľnstiges A/V-Verh√§ltnis mit einem angemessenen Fensteranteil auf, wodurch unterst√ľtzt wird, dass √ľberm√§√üige Energieverluste im Winter und ungewollte Energiegewinne im Sommer vermieden werden. Die Tageslichtnutzung und die M√∂glichkeiten einer ausreichenden nat√ľrlichen Bel√ľftung sind gegeben. Es ist zu erwarten, dass alle Geb√§ude bei entsprechender Gestaltung sehr energieeffizient betrieben werden k√∂nnen.

Die Arbeit √ľberzeugt im Freiraum durch die Qualit√§ten der gebildeten Raumabfolgen und der Ausformulierung einer attraktiven gr√ľnen Mitte, die eine ausdr√ľckliche Einladung an die √Ėffentlichkeit ausspricht. Dies gelingt mit der √Ėffnung und dem Dialog zum Baierplatz, der Gastronomie an der W√ľrm und einer attraktiven Wegeverbindung bis in das Herzst√ľck der gro√üen zentralen Freifl√§che, die als offene Wiese f√ľr alle gestaltet wird.

Insgesamt handelt es sich um einen kompakten und strukturell gelungenen Entwurf mit einem durch seine Gro√üz√ľgigkeit sehr qualit√§tsvollen, landschaftlichen Gr√ľn.
Konzept und Einf√ľgung

Konzept und Einf√ľgung

Blick von der neuen Br√ľcke in die Gr√ľne Mitte

Blick von der neuen Br√ľcke in die Gr√ľne Mitte

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Blick auf die renaturierte W√ľrm

Blick auf die renaturierte W√ľrm

Ideenskizzen

Ideenskizzen

Isometrie

Isometrie