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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Quartiersentwicklung Steinhaldenfeld in Stuttgart

2. Preis

Preisgeld: 12.000 EUR

Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner

Stadtplanung / Städtebau

faktorgruen

Landschaftsarchitektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Das neue Wohnquartier Steinhaldenfeld entwickelt seine Baukörpersetzung konsequent aus dem vorhandenen Städtebau und führt die Sprache des Ortes ruhig und selbstverständlich fort. Das Konzept definiert zwei gut proportionierte und dimensionierte Wohnhöfe sowie eine gemeinsame grüne Mitte, die über ein grünes Band als Kommunikationsachse klar und nachvollziehbar miteinander verbunden werden. Das Grüne Band gibt die Möglichkeit das Quartier abseits der Straßen in Längsrichtung zu queren.

Die Wohnhöfe ermöglichen eine vielfältige, unabhängige und bei Bedarf auch ungestörte Nutzung der Freiräume. Trotz ihrer individuellen Ausprägung bilden sie über das zentrale Grüne Band eine zusammenhängende Einheit. Die gezielte Aufweitung dieses Bandes zur grünen Mitte schafft zudem ein Mindestmaß an Kaltluftstrom und trägt zur klimatischen Qualität des Quartiers bei. Zudem integriert die Grüne Mitte das Freiraum- und Spielangebot für die Kindertagesstätte.

Die städtebauliche Konfiguration setzt sich aus drei Gebäudetypen zusammen – Punkt, Winkel und Zeile –, die sorgfältig positioniert ein stimmiges Gesamtbild erzeugen. Die siebengeschossigen Punkthäuser markieren entlang der Falchstraße prägnant die städtebauliche und topographische Kante und übernehmen mit ihren Sondernutzungen im Erdgeschoss die passenden Funktionen.
Zur Talseite öffnet sich die Bebauung in Richtung Freiraum und verbindet sich überzeugend mit diesem. Die Öffnung der Höfe zur Kleingartenanlage verbindet die Freiräume auf angenehme Weise.

Kontrovers diskutiert wurde die Situation entlang der Steinhaldenstraße: Der Hochpunkt mit Café im Erdgeschoss am Quartiersplatz bildet zwar eine starke Adresse, der vorgelagerte Grünraum hingegen führte zu Diskussionen. Die Rasentreppen entlang der Steinhaldenstraße schaffen es nicht eine Torwirkung als Auftakt zum Quartier zu kreieren. Der Auftakt in die grüne Wegeachse gelingt, jedoch wären konsequent platzierte Zugänge zu den einzelnen Gebäuden wünschenswert, um das grüne Band stärker zu beleben. Die bislang vorgesehenen Erschließungen über die Höfe überzeugen nur teilweise. Die konsequente Zufahrt zu den Tiefgaragen über die Zuckerbergstraße ist einerseits gebündelt, andererseits stellt die Lage und Positionierung der Tiefgarage den Erhalt der großen schützenswerten Bäume in Frage. Die drei unterschiedlichen Gebäudebausteine sorgen für eine wohltuende Varianz und die überwiegende Südwestorientierung der Wohnungen ist überzeugend. Die Wohnungstypologien sind solide, jedoch sehr schematisch und wenig überraschend.
Das angedachte Regenwassermanagement mit der Versickerung und Verdunstung, von nicht auf dem Dach und in Zisternen zurückgehaltenen Regenwasser in Mulden im Freiraum, ist gut vorstellbar, muss im Detail aber noch auf den Baumbestand abgestimmt werden. Der hohe Anteil an versiegelter Verkehrsfläche für die Feuerwehr konterkariert jedoch den lobenswerten Ansatz. Das vorgestellte Brandschutzkonzept lässt leider lange Rettungswege entstehen und sieht befestigte Aufstellflächen in den Innenhöfen vor. Diese Aspekte sollten nochmals überdacht werden.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen des Projektes liegen im oberen durchschnittlichen Bereich, während die Baumbilanz im unteren Bereich anzusiedeln ist. Der Freiraum wird von Feuerwehrerschließungsflächen geprägt und wird bei konsequenter Darstellung weitere Fällungen des quartierprägenden, identitätsstiftenden und wohnklimatisch wertvollen Baumbestandes erfordern. Aufwendige Maßnahmen zum Schutz der Bäume wären erforderlich (Wurzelbrücken), um den Baumerhalt trotzdem zu ermöglichen.

Insgesamt überzeugt das neue Wohnquartier Steinhaldenfeld mit einer konsequenten städtebaulichen Setzung und souveränen Übergängen an den Quartiersrändern. Wünschenswert wären jedoch stärkere innovative Impulse im Wohnungsbau. Die Potenziale des Freiraums sind nicht ausgeschöpft und gefährden leider den Erhalt wichtiger Bestandsbäume.