Konzeptvergabe | Nichtoffenes Investoren - und Architektenauswahlverfahren mit Präqualifikation | 01/2025
Quartiersentwicklung Strasser-Areal in Balingen
3
Haus und Platz
©nbundm* Architekten BDA und Stadtplaner
1. Rang / 2. Phase
Wohnbaugenossenschaft Balingen eG
Investor*in
nbundm* neuburger, bohnert und müller, Architekten BDA und Stadtplaner, Part mbB
Architektur
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Verfasser:
Jan Bohnert, Andreas Kicherer, Christian Neuburger, Anick Bohnert
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Mitarbeitende:
Anna Smyczynska, Ana Boos, Hannes Beck
OK Landschaft I Andreas Kicherer
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Auf den ersten Blick hat die Überarbeitung der Arbeit 002 in der zweiten Phase nur sehr kleine Veränderungen ergeben. Bei näherer Auseinandersetzung mit den eingereichten Unterlagen lässt sich aber feststellen, dass sehr sensibel auf die von der Jury angesprochenen Punkte eingegangen wurde. Die Fassade am Rossnägele – in der ersten Phase als relativ ungegliedert und massiv wirkend kritisiert – erreicht durch Ausbildung eines kleinen Erkers über dem Durchgang zum Freiraum und durch eine etwas andere Staffelung im 3. Obergeschoss eine deutlich differenziertere Gliederung. Durch Abrunden beider Ecken am Durchgang zum Platz wurde diese wichtige Verbindung besser akzentuiert, dies gilt auch für die Gebäudeecke Rossnägele / Stingstraße. Durch die baukörperliche Entwicklung des Entwurfs zum Rossnägele entsteht ein erweiterter Fußwegbereich, der Optionen für eine zukünftige Gestaltung z.B. ergänzende Baumstandorte aufzeigt. Die vorgeschlagene Konstruktion in Holzhybrid mit einer differenzierten Holzfassade lässt eine ansprechend-gegliederte und angemessene Qualität in den Fassaden erwarten, die an dieser städtebaulich prägnanten Stelle unerlässlich ist. Beim, ebenfalls im Jurybericht angesprochenen Kopfbau an der Eyach wurde durch leichte Rücknahme des Erdgeschosses und Auskragung der Obergeschosse eine bessere Schnittstelle zum öffentlichen Raum formuliert. Mit der vorgeschlagenen gewerblichen Nutzung (Beispiel Eisdiele) erhält diese wichtige Stelle auch eine öffentliche Funktion, die beim Freiraum zur Eyach eine deutliche Belebung erzielen wird. In den Wohngeschossen wurde gegenüber dem südlichen Treppenhaus jeweils ein Gemeinschaftsraum angeordnet, sodass sich zusammen mit der aufgeweiteten Flurzone vor der Treppe ein echter, gut belichteter und großzügiger Treffpunkt für die Bewohner ergibt. Das Angebot der Schaffung innerstädtischen Wohnraums wird grundsätzlich begrüßt. Differenzierte Wohnungstypologien, ergänzend zu den geplanten kleinen Einheiten, könnten dies noch stärken.
Die in der ersten Phase vorgeschlagene Konstruktionsweise und Materialisierung der Bebauung wird in der Präsentation deutlich offener und dadurch auch unverbindlicher vorgestellt. Eine klare architektonische Haltung wird vermisst. Eine eindeutige und verbindliche Aussage kann hier nicht zugesichert werden, was die gestalterische Qualitätssicherung an dieser prominenten Stelle nicht möglich macht. Bezüglich der Nutzungen werden die vorgeschlagenen Arztpraxen sehr positiv bewertet, auch eine Gastronomienutzung kann den Platz angemessen beleben. Ob das Fitnessstudio im EG in Verbindung mit den angedachten Co-Working Nutzungen platzseitig die gewünschte Frequenz für den öffentlichen Raum bringen kann, wird hinterfragt. Auch bestehen Bedenken, ob eine regelmäßige „Eventnutzung“ am Abend nicht eher Konfliktpotential mit den angedachten Eigentumswohnungen birgt. Insgesamt konnte die Arbeit ihre grundsätzlich positive städtebauliche Setzung und Differenzierung in den genannten Kritikpunkten nicht so weit stärken, dass sie für eine Weiterverfolgung empfohlen wird, was durch die vage Haltung und Aussage zur Materialität und Gestaltung dieses für die Stadt so besonderen Ortes nicht unerheblich ins Gewicht fällt.
Fassadenausschnitt
©nbundm* Architekten BDA und Stadtplaner
Stadtmodell Balingen Ausschnitt
©nbundm* Architekten BDA und Stadtplaner