Mehrfachbeauftragung | 07/2024
Quartiersentwicklung Wohnen am Illerpark in Neu-Ulm, Baufeld Nr. 3
2. Rang
Preisgeld: 8.000 EUR
STEINHOFF | HAEHNEL ARCHITEKTEN GmbH
Architektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf besetzt das prominente Grundstück mit einfachen, wenig zerklüfteten Baukörpern und sorgt damit für eine angenehm ruhige Stadtkante zum Park. Die Ausbildung der Fassaden schießt bei ihrem Versuch, bei den Ansichten des großen Wohnhofs den Eindruck von Monotonie zu vermeiden, ein wenig über das Ziel hinaus: Den durch Vor- und Rücksprünge, Loggien und Balkone sowie Materialwechsel stark plastizierten Wänden hätte mehr Großzügigkeit gutgetan. Dieser Eindruck fällt im Innenhof besonders ins Auge.
Die gewerblichen und gemeinschaftlichen Nutzungen im Erdgeschoss sind sinnvoll verteilt und zum Quartiersplatz in Beziehung gesetzt. Die Erschließungskerne sind sowohl nach außen als auch zum Hof hin angebunden, die Adressbildung zum öffentlichen Raum wird positiv bewertet. Der Innenhof weist eine hochwertige und attraktive Gestaltung auf und lässt eine hohe Aufenthaltsqualität erwarten. Allerdings wäre dort mindestens ein großer Baum wünschenswert, der ausreichend Wurzelraum mit direktem Kontakt zum Erdreich benötigen würde.
Dies würde einige Veränderungen in der Tiefgarage nötig machen - die ohnehin hinsichtlich ihrer Befahrbarkeit (Fahrgassenbreiten und Kurvenradien) an mehreren Stellen nicht funktioniert.
Die Erschließung des großen, abgewinkelten Baukörpers mit vier Erschließungskernen ist sinn- voll und angemessen, ebenso die Typologie der Wohnungen in überwiegend vierspännigen Gruppierungen. Hingegen ist der nordöstliche, für die Eigentumswohnungen vorgesehene Baukörper mit seinen zwei Treppenhäusern unwirtschaftlich erschlossen und müsste grundlegend überarbeitet werden. Er überschreitet zudem mit seiner Viergeschossigkeit die Vorgaben des Bebauungsplans.
Die Wohnungsmischung und die Einheitsgrößen liegen sehr nahe bei den Vorgaben der Auslobung. Die Grundrisse sind durchweg sehr gut organisiert und durchgearbeitet und lassen eine hohe Wohnqualität erwarten.
Das vorgestellte Fassadendetail verdeutlicht durch seine überzeugende Materialität und differenzierte Formensprache den hohen gestalterischen Anspruch des Entwurfs, der allerdings durch die oben erwähnte Überinstrumentierung im Gesamtbild geschwächt wird.
Die Arbeit liefert einen kraftvollen Beitrag zur gestellten Aufgabe, der sowohl im städtebaulichen als auch im Wohnungs-Maßstab überzeugen kann. Leider finden sich diese Qualitäten im Erscheinungsbild nicht vollständig wieder.