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Mehrfachbeauftragung | 07/2025

Quartiersentwicklung Wohntraum Fürstenried in München

Perspektive

Perspektive

3. Rang

zillerplus Architekten und Stadtplaner GmbH

Stadtplanung / Städtebau

Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Matthes Max Modellbau GmbH

Modellbau

Erläuterungstext

Zwischen den Zeilen
Gemeinsam Einfach StadtBauen : Der Bestand als Grundlage für eine zeitgemäße Neuinterpretation

Haltung – Bauen im sozialen und kulturellen Kontext
Räumliche und soziale Qualitäten prägen unseren Städtebau und so Bauen wir am liebsten mit Genossenschaften, die darin den gleichen Stellenwert sehen. Wir nehmen die WGMW als Genossenschaft wahr, die den Mehrwert und die Ressource im Ort, dem Baumbestand und im gemeinsamen Wohnen sieht und im Sinne eines Gesamtquartiers handelt: so entsteht städtische Zukunft mit einer hohen Alltagsqualität, die Wohnen mit Arbeit, Freizeit und täglichem Bedarf verbindet und ein modernes Angebot für die Mobilität der Bewohner im Quartier schafft.
Wir verfolgen hier einen pragmatischen Ansatz, Schlichtheit mit hoher Qualität und einer logischen Fügung aller Funktionen des Städtebaus zu verbinden: Einfachheit trifft Schönheit und Lebensfreude!
Als städtebauliches Prinzip ist der Schwerpunkt auf die bewusste Ausbildung der Ränder und einer Stärkung der Quartiersmitte auf den Spuren des Bestandes gelegt.

Die neuen Baukörper orientieren sich an den bestehenden Baufenstern um möglichst viele Bestandsbäume zu erhalten, bestehende Wegebeziehungen nicht zu verlieren und auf bestehende Infrastrukturen aufbauen zu können. Der Quartierscharakter bleibt erhalten, wird aber weiterentwickelt.

Die kürzeren Bauten erzeugen eine höhere Durchlässigkeit und Zugänglichkeit der Quartiersfreiräume. Durch eine konsequente Klärung der Adresse wird die Orientierung im neuen Quartier erleichtert und die Hofräume von durchgehendem Fahrrad- und Fußgängerverkehr entlastet.

Zur Fürstenrieder Allee ergänzt ein polygonal geformter Punktbau die beiden bestehenden Punkthäuser zu einem quartiersübergreifenden Ensemble und bildet den städtebaulichen Anschluss an den Bestand. Das Erdgeschoss des Hochpunktes ist gewerblichen Nutzungen zugedacht und kann den kleinen umgebenden Eingangsplatz bespielen und fürs Quartier aktivieren.

Der Mensch im Mittelpunkt
Wir möchten erreichen, dass die Menschen mit dem sie umgebenden Raum interagieren. So ist der Freiraum hier ein kollektiver: ohne eine Privatisierung von Grünflächen. Dabei ist der Baumbestand besonders wertvoll.
Die Adressbildung erfolgt über großzügige, zusammengefasste Eingänge mit Zuordnung von Mobilitätsfunktionen. Hier ist die Gebäudetiefe eine große Chance: : die „Poesie der Gebäudetiefe“.
Die Wohnungstypologie, die Multicodierung von Wohnung, Dach und Freiraum, die Generationen und das Miteinander: Gemeinschaft findet in den Grünflächen, den Geschoßen und auf dem Dach statt.
Der Entwurf verfolgt eine moderate Höhenentwicklung bei hoher Dichte und Optimierung der Verschattung.

Nachhaltiges Design
Ökologie meets Ökonomie: Nachhaltigkeit wird als urbane Lebensqualität und dauerhafte Architekturqualität verstanden und mit ressourcenschonender Materialität und Energieversorgung verknüpft.

  • keine Unterbauung der Freianlagen
  • Die Wiederholung als Chance für homogene Gebäude und Nachhaltigkeit
  • Die Gebäudetiefe und -Größe als Chance für Gemeinschaftsbildung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
  • Ruhender Verkehr und Mobilität der Zukunft für Alle im EG und eine zentrale Mobilitätsstation. Das UG ist für Fahrrad und PKW nutzbar
  • Entfluchtung: zweiter baulicher Rettungsweg als Chance für den Freiraum und den Baumbestand
  • Energie erzeugen und die erneuerbaren Energiequellen in die Architektur integrieren (Dach, PV als -Mieterstrommodell, Großwärmepumpe mit Nahwärmenetz als Alternative zur Fernwärme)
  • Sommerlicher Wärmeschutz als Chance für die Gestalt der Gebäudehülle: auskragende Balkone, kompakte Hülle, innere Vorhänge
  • Vielfältige Wohnformen und Mischung der Generationen in der gleichen Gebäudetypologie möglich
  • Gästeappartements, Gemeinschaftsräume, Multiräume, Sporträume, Spielflächen, Musikzimmer, Bibliothek, Lagern etc. in jedem Geschoß möglich
  • bewusste Materialwahl und konstruktive Logik bei gutem A/V Verhältnis (Hüllflächenreduzierung)

Technologie und Produktion – einfach Bauen und kollaboratives Design
Reduzierung und ganzheitliches Denken: In der interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten, Fachplanern, Wissenschaftlern und der Genossenschaft entsteht ein innovativer und nachhaltiger Mehrwert für die Gemeinschaft.
Über Allem steht der Grundsatz der „Einfachheit und der Schönheit“. Gepaart mit einer Wiederholung von Elementen und serieller Produktion, dem Material Holz (das der Vorfertigung, dem Bautempo und der Ausführungsqualität zu Gute kommt) und einer Angemessenheit und Varianz der Gestalt entsteht eine Logik der phasenweisen Umsetzung im Bestand. Dem ordnet sich auch das einfache Tragwerk und die robuste Gebäudetechnik unter.

  • Bei der gewählten Erschließung sind für die ca. 440 Wohnungen lediglich 12 Aufzugsanlagen nötig
  • Abstellräume vorwiegend am Dach und Verzicht auf jegliche Unterbauung der Freianlagen
  • Tragende Außenwände und Decken als vorgefertigte Holzelemente, tragende Innenwände als Kaltziegel/Lehmziegel als Speichermaße (mit kurzen Spannweiten)
  • Innenausbau (Boden und Wände) mit leichten Baustoffen
  • Einsatz von vorgefertigten Sanitärzellen mit angegliederter Technik und Verteilern, wenig Durchbrüche erzeugen
  • Bauen mit möglichst wenigen Schichten, sortenreines Bauen

Gebäudetyp E und Reduzierung derzeitiger Standards
Der „Soll-Paragraph“ in der BayBO lässt Abweichungen und Befreiungen zu, so lange Sie nicht die Gesundheit der Bewohner gefährden. Dies kann in einem Vergleich mit dem Altbauniveau nachgewiesen werden. Die WGMW kann die Abweichungen und Befreiungen beschließen, sie ist Eigentümer und Nutzer gleichzeitig. Eingebunden in den Prozess sind auch Tragwerksplaner, HLS-E Planung und Bauphysik. Auf ein erfahrenes und innovatives Team kommt es in dem Fall an, gekoppelt mit einem Anreizsystem in der Honorierung. Inhaltlich sind es viele – oft auch kleine – Maßnahmen, die in der Addition zu einer spürbaren Senkung der Baukosten führen. Diese sind im Genehmigungsverfahren abzustimmen.

§ 34 BauGB – Einfügen im Bauplanungsrecht
Die städtebauliche Setzung ist in Bezug auf Länge, Grundfläche und Höhen auf eine Genehmigung nach § 34 ausgerichtet. Die Umsetzung ist auf Augenhöhe mit der HA IV und HA II abzustimmen. Die Abstandsflächen nach Außen sind bis auf den Bereich von Haus 9 in Richtung Eingrünung der KiTa eingehalten. An diesem Punkt ist eine Abstandsflächenübernahme zu vereinbaren, alternativ der Baukörper um ca. 2 m nach Süd-Osten zu verschieben. Bei den Abstandsflächen sind die Punkthäuser der WGMW in eine Gesamtbetrachtung der inneren Abstandsflächen eingeflossen. Mit dem heute geltenden Abstandsflächenrecht könnte das nord-westliche Punkthaus auf acht Geschosse aufgestockt werden.

Urban Mining, Kreislaufwirtschaft und Bauphase
  • Vorrausschauend die abzubrechenden und die neuen Baustoffe in einer Lebenszyklusanalyse bewerten
  • Recyclingbeton aus dem Bestandsbau herstellen (Fundamente und Untergeschosse Parken PKW und Fahrräder)
  • Verwertung oder Verkauf der wertigen Baustoffe beim Abbruch (Dachziegel, PV Anlagen, Balkone, Holz, Einbauten Freianlagen, Beläge in den Freianlagen, Umsetzen von Bäumen)
  • Schonen der Bäume in den Bauphasen: Baustraßen und Baustellenzufahrt nur im Bereich der Spuren der bestehenden Keller und Neubauten

Freiräume für alle Generationen
Mit der städtebaulichen Setzung entstehen unterschiedliche Freiräume. Das Herz des Quartiers bleibt der Gemeinschaftspavillon als Dreh und Angelpunkt zwischen Alt und Neu. Dabei wird die bestehende Struktur mit behutsamen Eingriffen ergänzt und im Sinne der ursprünglichen Gestaltung weiterentwickelt.

Zwischen den Zeilen schaffen intensiv begrünte, unversiegelte Gartenhöfe wohnungsnahes Erholungs- und Spielangebot. Dabei werden fast alle Bestandsbäume erhalten. Die neuen Erschließungswege sind unter Rücksichtnahme auf den Wurzelraum der Bestandsbäume in wassergebundener Decke vorgeschlagen. An ausgesuchten Stellen ergänzen Spielangebote für das Kita- und Kindergartenalter die Freifläche.

Zur Forstenrieder Allee hin werden die Freianlagen durch zwei unterschiedliche Platzräume abgeschlossen. Um den Hochpunkt schafft ein durchgrünter Hain einen Anziehungspunkt für das urbane Leben im Quartier. Die Platzfläche bildet Auftakt und Adresse. Im Übergang zur Schaffhauser Straße entsteht ein waldartig bepflanzter Spielplatz der Alt und Jung im Quartier zusammenbringt und Angebote für alle Altersklassen bereithält.
Die separierte, aber über die Wege direkt verbundene Erschließung der Gebäude gibt dem Projekt in der Nutzung einen gemeinschaftlichen und dörflichen Charakter. Die Hauseingänge sind barrierefrei angebunden.

Klima und Regenwasser
Die wertvollen Grünflächen im Quartier leisten einen hohen Beitrag zum Klimaschutz. In den nicht unterbauten Gartenhöfen kann das anfallende Dachwasser über landschaftlich integrierte Regenwassermulden versickern. Mit einem maximalen Wasserstand von ca. 30cm werden keine Schutzeinrichtungen erforderlich und die Eingriffe in die Topografie können geringgehalten werden. Die wechselfeuchten Versickerungsflächen bringen eine erhöhte Artenvielflat in die Freianlagen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Kühlung in den heißen Sommermonaten. Der beachtliche Baumbestand verschattet und kühlt die Fassaden und die Freiflächen. Gleichzeitig ist er Lebensraum für Tiere und Insekten und bindet CO2 bzw. bildet Sauerstoff. Die zur Erschließung erforderlichen Belagsflächen werden mit Klimasteinen befestigt, die Regenwasser binden, verdunsten und versickern können. Bestehende Baumgruppen werden punktuell durch strukturschaffende Baumneuanpflanzungen ergänzt. Dabei wird in der Artenauswahl auf resiliente und stadtklimataugliche Bäume wert gelegt. Die Holzfassaden werden in Abstimmung mit dem Brandschutz in angemessenem Umfang mit bodengebundener Fassadenbegrünung begrünt.

Grüne Dächer
Die Baukörper werden durchgängig mit extensiven Biodiversitätsdächern begrünt und weitestgehend zur Energiegewinnung genutzt. Nur an zentralen Treppenaufgängen sind die Dächer für die Hausgemeinschaft zugänglich. Eine gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse kann flexibel von den BewohnerInnen genutzt werden. Sei es für die Sommerküche, zum Durchatmen oder zur sportlichen Betätigung – hier finden die AnwohnerInnen ergänzende Rückzugsorte. Auf dem Sonderbaukörper findet ein größerer, zusammenhängender Dachgarten Platz, der über das Erdgeschoss allen zugänglich gemacht werden kann.


Beurteilung durch das Preisgericht

  • Der Entwurf greift die Bestandstypologie auf und überführt diese in einen größeren Maßstab, schafft allerdings kein neues „Quartiersgefühl“.
  • Die Vernetzung des Freiraums mit der Umgebung wird nicht in der angestrebten Form erreicht.
  • Die Erdgeschosszone wird durch die Fahrradabstellflächen an den Eingängen zu stark dominiert.
  • Die Situierung und Ausformulierung des Hochpunkts überzeugen in Bezug zu den bestehenden Punkthäusern nicht.
  • Die Gebäude lassen durch ihre klare Struktur eine Ausdifferenzierung der Grundrisse auch in Zukunft zu. Dies würde aber einer deutlichen Überarbeitung der Grundrissgestaltung bedürfen
Isometrische Übersicht

Isometrische Übersicht

Schwarzplan

Schwarzplan

Gesamtplan 1:500

Gesamtplan 1:500

Erdgeschoss mit Freianlagen

Erdgeschoss mit Freianlagen

Variation Wohnungsmix

Variation Wohnungsmix

Regelgeschoss 1:200

Regelgeschoss 1:200

Tragkonzept und Gebäudestruktur

Tragkonzept und Gebäudestruktur

Konzept Vorfertigung und Gebäudetyp E

Konzept Vorfertigung und Gebäudetyp E