Wohntraum Fürstenried
Quartiersentwicklung an der Forstenrieder Allee
Maximaler Erhalt der Bäume: Einen wesentlichen Beitrag zur Wahrung der Qualitäten vor Ort stellt der Erhalt des wertvollen Baumbestands dar. Die über Jahrzehnte gewachsenen Baumgruppen sind ortsprägend und identitätsstiftend. Sie helfen dank Ihrer schattenspendenden Baumkronen beim sommerlichen Wärmeschutz und fördern ein gesundes Binnenklima im Quartier.
Durch die Situierung der Neubauten innerhalb des bestehenden Bauraums der Bestandshäuser kann der wertvolle Baumbestand nahezu komplett erhalten werden. Die neuen, größeren Baukörper fügen sich trotz ihrer hohen Dichte in den Baumbestand ein und nutzen die Qualität der Bäume für das neue Quartier.
Gesamtkonzept statt Stückwerk: Die Neubauten übernehmen Formensprache und Geometrie der beiden bestehenden Punkthäuser. Punkthäuser, Bäume und Neubauten verbinden sich zu einem räumlich spannungsvollen Gesamtkonzept. An beiden Enden der langgezogenen Zeilen bilden sich polygonale Köpfe aus, die in die Hofräume ein- und zu den Punkthäusern überleiten. Mit 7 bis 8 Geschossen weisen sie die gleiche Höhe auf wie die Punkthäuser. Zwischen den Köpfen wird der Außenraum zum Hofraum erweitert. Sie wirken gliedernd und rhythmisierend.
Räume statt Zwischenräume: Die Zwischenräume werden als gemeinschaftliche Höfe verstanden, die gegliedert und rhythmisiert werden. Sie erhalten unterschiedliche Themenschwerpunkte und Charaktere.
Dank großzügiger Durchgänge und einer guten Durchwegung von Hof zu Hof entsteht ein engmaschiges Wegenetz, das alle Höfe miteinander verbindet.
Verknüpfungen und Gemeinschaft: Entlang des Wegenetzes liegen verschiedene gemeinschaftliche und öffentliche Nutzungen, die wie Trittsteine im Quartier verteilt sind. Im Bereich der Durchgänge liegen die Fahrradräume und Zugänge zu den Treppenhäusern. Der mittlere Hof wird als Gemeinschaftshof und sozialen Mitte mit Sonderfunktionen wie dem Gemeinschaftspavillon, den Anwohnerspielplatzflächen sowie dem Zugang zur Kita gestaltet. Zwei weitere Dachpavillons (BA2/4) sowie je ein Waschcafe pro Haus auf den Dächern ergänzen das Angebot. Ziel ist es, Menschen ungezwungen zusammenzubringen.
Etappierung und Wiederholung: Die Gebäude können in 4 Bauabschnitten von Nord nach Süd einzeln errichtet werden, da sie in sich autark funktionieren und unabhängig voneinander realisiert werden können. Sie zeichnen sich durch eine einfache Baukörpersystematik aus, die sich gut etappieren lässt. Die 4 nahezu gleichen Baukörper ermöglichen einen vereinfachten Planungsprozess mit einem hohen Vorfertigungsgrad und führen dennoch aufgrund ihrer Form zu einem lebendigen Bild im Außenraum. Die Hofräume wirken abwechslungsreich und gegliedert.
Nutzungsverteilung und Organisation: Der Entwurf erzielt eine Geschossfläche von über 42.000m2 und eine Wohnungsanzahl zwischen 420 und 440 Einheiten je nach Organisation und Aufteilung der Grundrisse. Der Wohnungsschlüssel kann nach Bedarf flexibel angepasst und gesteuert werden.
Das Erdgeschoss verfügt über ein Hochparterre und bietet eine Mischung aus privaten und öffentlichen Nutzungen. Hier befinden sich einerseits Wohnungen mit einem eigenen Freibereich, andererseits Sondernutzungen wie kleinere Gewerbeeinheiten sowie gemeinschaftlich nutzbare Flächen wie Nachbartreff, Coworking und Sozialstation. Die Fahrradabstellräume/Mobilitätsstationen sind in der Nähe der Eingänge organisiert. Die Kita ist in den 3.Bauabschnitt integriert und damit mitten im Quartier. Sie wird als integraler Bestandteil der Wohnungsgenossenschaft verstanden. Der vielfältige Nutzungsmix fördert ein lebendiges Erdgeschoss und stärkt das nachbarschaftliche Miteinander.
In den Obergeschossen befinden sich Wohnungen unterschiedlicher Größen, die allesamt mit einem eigenen Balkon ausgestattet sind. Der Großteil der Wohnungen verfügt über eine Südostorientierung der Wohnräume und über durchgesteckte Grundrisse. Im Bereich der Kopfbauten liegen auch nordwestorientierte Wohnungen, die jedoch dank Situierung an den Enden der Gebäude meist über zweiseitige Orientierungen verfügen.
Die Wohnungsgrundrisse sind übereinanderliegend organisiert, was eine hohe strukturelle Klarheit und Wirtschaftlichkeit ermöglicht. Insbesondere die innenliegenden Sanitärzonen sind nahezu immer gleich entwickelt. Sie können als vorgefertigte Badmodule in serieller Bauweise gefertigt werden, die eine gleichbleibend hohe Ausführungsqualität sowie eine deutliche Reduktion der Bauzeit gewährleistet.
Permeable Höfe: Aus Zwischenräumen werden permeable Höfe mit einem differenzierten Raumangebot, denen unterschiedliche Themenschwerpunkte zugeordnet werden. So lassen sich die Vorbereiche des Gemeinschaftspavillons und der KiTa, sowie deren Spielflächen in die Freiräume integrieren.
Südlich von Haus 1 (Bauabschnitt 1) schließt der
ruhige Hof an, in dem es neben Schach und Boule
Rückzugsangebote gibt.
Südlich davon im nächsten Hof zwischen Haus 2 und Haus 3 liegt der Gemeinschaftspavillon und der Zugang der KiTa. Hier soll ein breites Gemeinschaftsangebot einen Treffpunkt für Alle bieten, also Bewohner wie Nachbarn. Dieser Hof wird als soziale Mitte des Quartiers verstanden.
Der südlich angrenzende Hof zwischen Haus 3 und Haus 4 widmet sich dem Thema Spiel. Die umliegenden Grünflächen verzahnen sich mit den Höfen und sind durch ihre weniger frequentierte Lage vorrangig der Retention, sowie ökologischen Schwerpunkten gewidmet.
Mobilitätskonzept: Jedes der Gebäude verfügt über eine eigene Tiefgarage, welche jeweils separat über eine eigene TG-Rampe im Nordosten erschlossen wird (Zufahrt jeweils über die bestehenden Einfahrten von der Forstenrieder Allee). Alternativ können bei Haus 2 und Haus 4 (2. und 4.Bauabschnitt) die Tiefgaragen optional über die BestandsTG der beiden Türme erschlossen werden. Jede Tiefgarage bietet 36 Stellplätze und bleibt eine Mittelgarage (unter 1000m2). In den TGs sind auch Carsharing-Stellplätze und Mitarbeiterstellplätze für Gewerbe und Kita mit eingerechnet. Jeweils drei Besucherstellplätze pro Gebäude im Nordosten ergänzen das Angebot.
Die Fahrradabstellräume sind zum Teil im Erdgeschoss neben den Gebäudezugängen organisiert und zum weiteren Teil im Untergeschoss, welches über eine eigene Fahrradrampe erschlossen wird (im Erdgeschoss im Fahrradraum integriert). Damit wird eine effiziente und komfortable Mobilitätslösung für das gesamte Quartier gewährleistet.
Erschließung und Fluchtwege: Die vertikale Erschließung erfolgt über zwei innenliegende Treppenhäuser mit Aufzug, die sich jeweils in den Gebäudeköpfen befinden und einer dritten Treppe im Bereich des Laubengangs. Ergänzend dazu gewährleistet ein durchgehender Laubengang auf der nordwestlichen Seite die horizontale Erschließung. Die Kombination dieser zwei Erschließungssysteme schafft eine hohe Abwechslung und Vielfalt in den halböffentlichen Bereichen, die eine wichtige Funktion im gemeinschaftlichen Miteinander und der Interaktion untereinander spielt. Damit werden durchgängig zwei bauliche Rettungswege pro Wohneinheit angeboten und es kann auf eine Anleiterung durch die Feuerwehr verzichtet werden, was wiederum eine Feuerwehrzufahrt in den Innenhof überflüssig macht und eine höhere Aufenthaltsqualität im Hofbereich ermöglicht.
Die nötigen Müllräume sind im EG nahe den Treppenhäusern und in unmittelbarer Nähe zur Forstenrieder Allee organisiert.
Regenwassermanagement und Retention: Durch den alten Baumbestand gibt es nur wenige Stellen, an denen in den Boden eingegriffen werden kann, um Oberflächenwasser in Mulden zur Versickerung zu sammeln. Daher werden die Dachflächen mit Retentionsboxen ausgestattet, die Regenwasser speichern und gedrosselt in Mulden abgeben können. Während das Wasser auf dem Dach gehalten wird, kann es der Bepflanzung der Dachterrasse dienen und verdunsten. Die neue Bebauung wird von einer Spange aus Versickerungsmulden gerahmt. Die Peripherie des neuen Quartiersbausteins leistet so einen wichtigen Beitrag zu Regenwassermanagement und verteilt das anfallende Wasser. Für den Überlauf können Rigolen in Zufahrtsbereichen der Tiefgaragen und Parkbuchten das Entwässerungssystem vervollständigen.
Energiekonzept und Gebäudetyp E: Die PV-Pergola bietet Sonnenschutz für die Dachterrasse und ermöglicht gleichzeitig dank ihrer Durchlässigkeit und Transparenz grüne Dachgärten und Urban Gardening. Die Hauptenergie wird aus dem Erdreich und über PV gewonnen und wird mittels Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen verwendet. Fernwärme wird nur zu Spitzenlastzeiten genutzt, um Heizkosten zu senken.
Die Holz-Beton-Hybridbauweise führt dank ihres niedrigen Gewichts und des reduzierten Materialeinsatzs zu einer optimierten CO2-Bilanz. Dies wird durch Auflagern von 12 cm starken vorgefertigten Betonfertigteilplatte mit thermischer Aktivierung auf Holzträgern erreicht. Der Mindestschallschutz wird durch die Masse der STB-Decken erreicht.
Pendellüfter als dezentrale Lüftungsgeräte mit Keramik-Wärmespeicher sind dank der Wärmerückgewinnung, die bis zu 90% der Wärme zurückführt, sehr energieeffizient und tragen zur Heizkostenersparnis bei.
Klima- und Nachhaltigkeitskonzept
Geringer Materialeinsatz und Verwendung von Holz für die konstruktiven Bauteile führt zu einer deutlichen CO2-Reduktion. Dies führt zu einer positiven CO2-Bilanz des Holzanteils im System.
Recyclingbeton kann für die meisten Fundamentanwendungen verwendet werden. Der Bedarf an Primärrohstoffen (Kies, Sand) wird dadurch reduziert. Dies wiederum führt zu einer weiteren CO2-Minderung.
Durch die einfache Trennbarkeit der Materialien (Holz und Beton) am Ende des Lebenszyklus wird Reziklierbarkeit und Kreislaufwirtschaft gefördert. Die modularen Fertigbetonplatten und die standardisierten Holzbalken und -stützen können leicht demontiert und wiederverwendet werden.
Begrünung verbessert den Außenkomfort maßgeblich, indem Bäume direkten
Schatten spenden und so die Oberflächentemperatur sowie die gefühlte Temperatur reduzieren. Durch die
Verdunstung der Pflanzen wird eine angenehme
Kühlung der Umgebungsluft gewährleistet.