Stadtteilzentrum Rheine-Schotthock – Lebendig, Kreativ, Nachhaltig
1. Ausgangslage und Leitidee
Rheine-Schotthock steht als Stadtteil mit kleinstädtischer Prägung, grünem Charakter und aktiver Bürgerschaft vor der Herausforderung, sich zukunftsfähig und lebenswert weiterzuentwickeln. Die starke soziale Durchmischung und die Integration verschiedener Kulturen bilden eine wichtige Grundlage für den sozialen Zusammenhalt. Die Leitidee des Projekts ist es, aus dem bestehenden Stadtraum ein identitätsstiftendes, lebendiges Zentrum zu formen, das die Qualitäten des Stadtteils erhält und weiterentwickelt. Ziel ist es, die historischen und strukturellen Potenziale Schotthocks – insbesondere die identitätsstiftende St. Ludgerus-Kirche – neu zu aktivieren und als Kristallisationspunkt für ein modernes, nachhaltiges Stadtteilleben zu nutzen. Dabei sollen kurze Wege, soziale Teilhabe, ökologische Verantwortung und kulturelle Vielfalt ineinandergreifen.
2. Die Kirche als multifunktionaler Begegnungsort
Die ehemalige St. Ludgerus-Kirche soll erhalten bleiben und in ihrer neuen Funktion als offenes, multifunktionales Gebäude zum Herzstück des Stadtteilzentrums werden. Geplant ist ein Café im Eingangsbereich mit großzügiger Verglasung, das die historische Fensterrosette zum architektonischen Highlight macht. Im Inneren entstehen flexibel nutzbare Räume für Gesundheit, Bildung, Jugend- und Kulturangebote. Fitness- und Yogakurse, Meditationsräume, ein Jugendtreff und ein Co-Working-Space fördern Gemeinschaft, Gesundheit und moderne Arbeitsformen. Die Kirche wird bewusst geöffnet – architektonisch durch große Glasflächen, konzeptionell durch vielfältige Angebote für alle Generationen. Sie soll nicht mehr ausschließlich kirchlich genutzt, sondern zu einem Raum für alltägliche Begegnung, Integration und soziales Miteinander werden.
Falls die Kirche nicht erhalten werden kann, zeigt das Konzept auf, wie sich das Ortszentrum von Schotthock unter Beibehaltung der Qualitäten eines grünen, fußgängerfreundlichen und optimal vernetzten Zentrums entwickeln kann. Der von im Osten durch zwei Gebäude gefasster Platz wird zum großzügigen Pendant zum diagonal gegenüberliegenden neugestalteten Entréeplatz vor dem K+K Markt. Weitere stadtvillenartige Baukörper bieten neue, bisher im Stadtteil nicht vorhandene Wohnungstypen und -größen als verdichtetes Wohnen im Grünen an Stelle der ehemaligen Ludgeruskirche.
3. Öffentlicher Raum und Außengestaltung
Die Aufwertung des öffentlichen Raumes kann unabhängig von der baulicher Entwicklung des Stadtteils erfolgen. Die Freiflächen rund um die Kirche werden zu einem attraktiven, grünen Aufenthaltsraum umgestaltet, der Innen- und Außenbereiche verbindet. Die Außengastronomie erweitert das Café nach draußen, Sitzinseln unter schattenspendenden Bäumen laden zum Verweilen ein. Spiel- und Bewegungsangebote für Kinder, ein Laptopgarten für junge Erwachsene und ruhige Liegewiesen schaffen Räume für verschiedenste Nutzergruppen. Veranstaltungen wie Flohmärkte, Tanzangebote oder Open-Air-Konzerte machen den Kirchplatz zum kulturellen Anker des Stadtteils. Bestehende Baumstrukturen werden erhalten, ergänzt durch artenreiche Staudenpflanzungen. Durch Entsiegelung, Versickerungssysteme und Wasserspiele wird der Platz nicht nur ökologisch aufgewertet, sondern auch zur angenehmen Klimazone im Sommer. Die Verzahnung von Innen- und Außenraum fördert die Nutzung der Kirche als offenen Stadtbaustein.
4. Mobilitätskonzept und die 5-Minuten-Stadt
Das Verkehrskonzept folgt dem Leitbild der „5-Minuten-Stadt“, in der alle wichtigen Einrichtungen fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar sind. Die Bonifatiusstraße wird dabei zur verkehrsberuhigten Lebensader von Schotthock: barrierefrei, sicher, mit hochwertigem Klinkerpflaster und breiten Grünstreifen gestaltet. Der motorisierte Individualverkehr wird durch Temporeduzierung, Shared-Space-Elemente und optimierte Parkraumkonzepte stark beruhigt. Carsharing- und Lastenradangebote ersetzen Stellplätze, die Aufenthaltsqualität steigt. Fuß- und Radverkehr werden systematisch gefördert, was sowohl dem Klimaschutz als auch der Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner zugutekommt. Durchgehende Baumreihen mit Unterpflanzung erhöhen die Biodiversität und tragen zur Kühlung des Straßenraums bei. Die Verbindung zur Umgebung wird durch neue Wegeverknüpfungen gestärkt, sodass sich ein offenes, feinmaschiges Mobilitätsnetz im Stadtteil etabliert.
5. Nutzungsmix und flexible Entwicklung
Das Konzept setzt auf eine schrittweise, flexible Entwicklung, die sich am Bedarf, an finanziellen Möglichkeiten und am Engagement der Bevölkerung orientiert. Neben der Kirche als Zentrum sind kleine ehrenamtlich betriebene Ladenlokale, Kreativräume oder Werkstätten in heute leerstehenden Ladenlokalen möglich. Erdgeschosse sollen multifunktional genutzt werden – als Treffpunkte, Bildungsräume oder für kleine Gastronomieangebote. Eine maßvolle bauliche Ergänzung des Bestandes durch zweigeschossige Gebäude mit regionaltypischen Backsteinfassaden und Satteldächern fügt sich in den Charakter des Stadtteils ein. Die Entwicklung erfolgt modular: Jede Maßnahme ist eigenständig realisierbar, ohne großflächige Neubauten zu benötigen. So bleibt die bauliche Struktur kleinteilig und die Dichte ortsverträglich. Das Quartier erhält ein lebendiges Zentrum, das auch auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann – sei es durch bürgerschaftliches Engagement, kirchliche Initiativen oder private Investitionen.
6. Nachhaltigkeit und soziale Wirkung
Im Zentrum des Projekts steht die Verbindung von Nachhaltigkeit und sozialer Wirkung. Der Erhalt der Kirche spart „graue Energie“ und bewahrt baukulturelles Erbe. Regenwassermanagement, klimaangepasste Begrünung, regionale Baustoffe und ressourcenschonende Bauweisen fördern die Umweltverträglichkeit. Gleichzeitig wird ein neuer Ort der Integration geschaffen – offen für alle Altersgruppen, Kulturen und Lebenssituationen. Angebote wie Sprachförderung, gemeinsames Kochen, interkulturelle Feste oder lokale Handwerksmärkte stärken das Miteinander. Die Nähe von Wohnen, Arbeit, Versorgung und Freizeit verbessert die Lebensqualität und verringert soziale Isolation. Das neue Stadtteilzentrum wird damit nicht nur funktional, sondern auch symbolisch zu einem Ort des Zusammenhalts und der Zukunftsfähigkeit.
Das Konzept basiert auf den bestehenden Qualitäten des Stadtteils und verbindet ökologische, soziale und kulturelle Perspektiven auf innovative Weise. Es will Impulsgeber sein für eine möglichst eigenständige Entwicklung von Rheine-Schotthock, damit sich der Stadtteil, wo immer sich die Chance bietet, aus sich selbst heraus erneuern kann.