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Qualifizierungsverfahren mit Zwischenpräsentation | 09/2025

Rahmenplan Stadtteilzentrum Schotthock in Rheine

10

Teilnahme

Jung Stadtkonzepte

Stadtplanung / Städtebau

scape Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Leinfelder Ingenieure GmbH

Verkehrsplanung

Erläuterungstext

Stadtteilzentrum Rheine-Schotthock – Lebendig, Kreativ, Nachhaltig

1. Ausgangslage und Leitidee

Rheine-Schotthock steht als Stadtteil mit kleinstädtischer Prägung, grünem Charakter und aktiver Bürgerschaft vor der Herausforderung, sich zukunftsfähig und lebenswert weiterzu­entwickeln. Die starke soziale Durchmischung und die Integration verschie­dener Kulturen bil­den eine wichtige Grundlage für den sozialen Zusammenhalt. Die Leitidee des Projekts ist es, aus dem bestehenden Stadtraum ein identitätsstiftendes, lebendiges Zentrum zu formen, das die Qualitäten des Stadtteils erhält und weiter­entwickelt. Ziel ist es, die historischen und strukturellen Potenziale Schotthocks – ins­besondere die identitätsstiftende St. Ludgerus-Kir­che – neu zu aktivieren und als Kristallisationspunkt für ein modernes, nachhaltiges Stadtteil­leben zu nutzen. Dabei sollen kurze Wege, soziale Teilhabe, ökologische Verantwortung und kulturelle Viel­falt ineinandergreifen.

2. Die Kirche als multifunktionaler Begegnungsort

Die ehemalige St. Ludgerus-Kirche soll erhalten bleiben und in ihrer neuen Funktion als offe­nes, multifunktionales Gebäude zum Herzstück des Stadtteilzentrums wer­den. Geplant ist ein Café im Eingangsbereich mit großzügiger Verglasung, das die historische Fensterrosette zum architektonischen Highlight macht. Im Inneren entste­hen flexibel nutzbare Räume für Gesundheit, Bildung, Jugend- und Kulturangebote. Fitness- und Yogakurse, Meditationsräu­me, ein Jugendtreff und ein Co-Working-Space fördern Gemeinschaft, Gesundheit und mo­derne Arbeitsformen. Die Kirche wird bewusst geöffnet – architektonisch durch große Glas­flächen, konzeptionell durch vielfältige Angebote für alle Generationen. Sie soll nicht mehr ausschließlich kirchlich genutzt, sondern zu einem Raum für alltägliche Begegnung, Integra­tion und soziales Miteinander werden.
Falls die Kirche nicht erhalten werden kann, zeigt das Konzept auf, wie sich das Ortszen­trum von Schotthock unter Beibehaltung der Qualitäten eines grünen, fußgängerfreundlichen und optimal vernetzten Zentrums entwickeln kann. Der von im Osten durch zwei Gebäude gefasster Platz wird zum großzügigen Pendant zum diagonal gegenüberliegenden neuge­stalteten Entréeplatz vor dem K+K Markt. Weitere stadtvillenartige Baukörper bieten neue, bisher im Stadtteil nicht vorhandene Wohnungstypen und -größen als verdichtetes Wohnen im Grünen an Stelle der ehemaligen Ludgeruskirche.

3. Öffentlicher Raum und Außengestaltung

Die Aufwertung des öffentlichen Raumes kann unabhängig von der baulicher Entwicklung des Stadtteils erfolgen. Die Freiflächen rund um die Kirche werden zu einem attraktiven, grünen Aufenthalts­raum umgestaltet, der Innen- und Außenbereiche verbindet. Die Außengastronomie erweitert das Café nach draußen, Sitzinseln unter schattenspendenden Bäumen la­den zum Verweilen ein. Spiel- und Bewegungsangebote für Kinder, ein Laptopgarten für junge Erwachsene und ruhi­ge Liegewiesen schaffen Räume für verschiedenste Nutzergruppen. Veranstaltungen wie Flohmärkte, Tanzangebote oder Open-Air-Kon­zerte machen den Kirchplatz zum kulturellen Anker des Stadtteils. Bestehende Baumstrukturen werden erhalten, ergänzt durch artenrei­che Staudenpflanzungen. Durch Entsiegelung, Versickerungssysteme und Wasserspiele wird der Platz nicht nur ökologisch aufgewertet, sondern auch zur angenehmen Klimazone im Sommer. Die Verzahnung von Innen- und Außenraum fördert die Nutzung der Kirche als offe­nen Stadtbaustein.

4. Mobilitätskonzept und die 5-Minuten-Stadt

Das Verkehrskonzept folgt dem Leitbild der „5-Minuten-Stadt“, in der alle wichtigen Einrich­tungen fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar sind. Die Bonifatiusstraße wird dabei zur verkehrsberuhigten Lebensader von Schotthock: barrierefrei, sicher, mit hochwertigem Klin­kerpflaster und breiten Grünstreifen gestaltet. Der motorisierte Individualverkehr wird durch Temporeduzierung, Shared-Space-Elemente und opti­mierte Parkraumkonzepte stark beru­higt. Carsharing- und Lastenradangebote erset­zen Stellplätze, die Aufenthaltsqualität steigt. Fuß- und Radverkehr werden systema­tisch gefördert, was sowohl dem Klimaschutz als auch der Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner zugutekommt. Durchgehende Baumreihen mit Unterpflanzung erhöhen die Biodiver­sität und tragen zur Kühlung des Straßenraums bei. Die Verbindung zur Umgebung wird durch neue Wegeverknüpfungen gestärkt, sodass sich ein offenes, feinma­schiges Mobilitätsnetz im Stadtteil etabliert.

5. Nutzungsmix und flexible Entwicklung

Das Konzept setzt auf eine schrittweise, flexible Entwicklung, die sich am Bedarf, an finanzi­ellen Möglichkeiten und am Engagement der Bevölkerung orientiert. Neben der Kirche als Zentrum sind kleine eh­renamtlich betriebene Ladenlokale, Kreativräu­me oder Werkstätten in heute leerstehenden Ladenlokalen möglich. Erdgeschos­se sollen multifunktional genutzt werden – als Treffpunkte, Bildungsräume oder für klei­ne Gastronomieangebote. Eine maß­volle bauliche Ergänzung des Bestandes durch zweigeschossige Gebäude mit regionaltypi­schen Backsteinfassaden und Sat­teldächern fügt sich in den Cha­rakter des Stadtteils ein. Die Entwicklung erfolgt mo­dular: Jede Maßnahme ist eigen­ständig realisierbar, ohne großflä­chige Neubauten zu benötigen. So bleibt die bauli­che Struktur kleinteilig und die Dichte orts­verträglich. Das Quartier erhält ein lebendiges Zentrum, das auch auf veränderte Rahmen­bedingungen reagieren kann – sei es durch bürger­schaftliches Engagement, kirchliche Initiat­iven oder private Investitionen.

6. Nachhaltigkeit und soziale Wirkung

Im Zentrum des Projekts steht die Verbindung von Nachhaltigkeit und sozialer Wir­kung. Der Erhalt der Kirche spart „graue Energie“ und bewahrt baukulturelles Erbe. Regenwasserma­nagement, klimaangepasste Begrünung, regionale Baustoffe und ressourcenschonende Bauweisen fördern die Umweltverträglichkeit. Gleichzeitig wird ein neuer Ort der Integration geschaffen – offen für alle Altersgruppen, Kulturen und Lebenssituationen. Angebote wie Sprachförderung, gemeinsames Kochen, interkul­turelle Feste oder lokale Handwerksmärkte stärken das Miteinander. Die Nähe von Wohnen, Arbeit, Versorgung und Freizeit verbessert die Lebensqualität und verringert soziale Isolation. Das neue Stadtteilzentrum wird damit nicht nur funktional, sondern auch symbolisch zu einem Ort des Zusammenhalts und der Zu­kunftsfähigkeit.

Das Konzept basiert auf den bestehenden Qualitäten des Stadtteils und ver­bindet ökolo­gische, soziale und kulturelle Perspektiven auf innovative Weise. Es will Impuls­geber sein für eine möglichst eigenständige Entwicklung von Rheine-Schotthock, damit sich der Stadtteil, wo immer sich die Chance bietet, aus sich selbst heraus erneuern kann.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit „Rheine Schotthock neu erleben: lebendig, kreativ, nachhaltig" versucht schrittweise und mit kleinen Eingriffen eine modulare Veränderung des Stadtteils herbeizuführen. Geprägt von dem Gedanken der Stärkung der Nahmobilität (Leitbild der „5-Minuten-Stadt"), werden die im Ansatz vorhandenen Wegenetze, ausgehend von und einschließlich der Bonifatiusstraße, durch eine prägnante Begrünung qualifiziert. Kritisch werden die in weiten Teilen durchgängigen, freie Querungen behindernden, Grünstreifen gesehen. Die Aufwertung des öffentlichen Raumes wird unabhängig von der baulichen Entwicklung gesehen.

Die städtebauliche Entwicklung erfolgt dabei in Stufen und zoniert sich im Endausbau in einen von Nahversorgung geprägten aufgeweiteten Straßenraum im südlichen Bereich, dem inselartig, etwas abseits in Grün gebetteten Bereich um die St. Ludgerus Kirche und dem nach Norden anschließenden linearen Straßenraum. Nördlich der Kirche schließen sich Sozial- und Kreativnutzungen, die bestehende Sparkasse und Wohnen an. Für die Kirche werden nachvollzieh- bare Bausteine für eine angemessene Nachnutzung vorgeschlagen. Der Alternative Vorschlag für den Fall eines Kirchabrisses kann dagegen nicht überzeugen.

Die Anordnung und Maßstäblichkeit (Kubatur und Geschossigkeit) der vorgeschlagenen Neubebauung zeigen klare Raumkanten und erscheinen insgesamt angemessen.

Kritisch hinterfragt wird der stadträumliche Eindruck den der Parkplatz vor dem Nahversorgungszentrum mit der Anordnung der Stellplätze, von der Staufenstraße kommend vermittelt. Insgesamt liefert die Arbeit einen nicht in allen Teilen überzeugenden Beitrag für einen Wandel in kleinen Schritten.
Lageplan M 1:1000 Aufwertung des öffentlicher Raumes

Lageplan M 1:1000 Aufwertung des öffentlicher Raumes

Lageplan M 1:1000 Bauliche Entwicklungspotentiale

Lageplan M 1:1000 Bauliche Entwicklungspotentiale

Schwarzplan M 1:5000

Schwarzplan M 1:5000

Konzept

Konzept

Nutzungen

Nutzungen

Modulare Entwicklung

Modulare Entwicklung

Lageplan M 1:200 Stadtteilplatz und Ludgerusplatz

Lageplan M 1:200 Stadtteilplatz und Ludgerusplatz

Längsschnitt M 1:200 Ludgerusplatz

Längsschnitt M 1:200 Ludgerusplatz

Querschnitt M 1:100 Stadtteilplatz & Bonifatiusstraße

Querschnitt M 1:100 Stadtteilplatz & Bonifatiusstraße