Wettbewerblicher Dialog | 10/2024
Revitalisierung der Halle 237 in Schweinfurt
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
2. Rundgang
Erläuterungstext
Ein Dritter Ort besitzt keinerlei hierarchische Struktur, ist niederschwellig, demokratisch, generationenübergreifend und nachhaltig. Das stadtsoziologische Konzept wurde von dem amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg geprägt und grenzt den 'Dritten Ort' von der Familie und der Arbeit als 'Erstem' und 'Zweitem Ort' ab. Der Dritte Ort ist als sozialer Interaktionsort zu sehen, der sich neben funktionalen Qualitäten stark über weiche Faktoren wie Offenheit und Atmosphäre definiert.
Während unserer Spurensuche waren wir sehr beeindruckt von den Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten der Stadt Schweinfurt und der Region sowie den städtebaulichen, architektonischen und stadtplanerischen Eingriffen und Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Die Stadt ist grün, offen und lebendig.
Wir entwickeln dieses militärische Bestandsgebäude nicht nur architektonisch, gesellschaftlich und städtebaulich sensibel weiter, sondern auch nachhaltig, indem wir die in seinen Mauern gebundene graue Energie dauerhaft und hochwertig weiternutzen. Wir befreien die Halle von ihren Anbauten und Zwischendecken. So steht die freigestellte Halle auf einem schönen ebenen Platz mitten im Park. Dieser Ort soll technisch alles haben, was er braucht. Aber nicht mehr. Einfach bauen. Potentiale des Vorhandenen freilegen. Atmosphärisch gewinnt dieser Ort sehr. Wir schützen und sanieren die historischen Elemente, bewahren ihren Charakter. Öffnen die Tore und die Halle zum Park. Die militärische Nutzung bleibt ablesbar in vielen kleinen und großen Details, Toren, Fenster, konstruktiven Elementen oder Farb- und Zeitschichten. Innen- und Außenraum verweben sich.
Schweinfurt ist eine Stadt der Türme. Türme sind im historischen und heutigen Schweinfurter Stadtbild allgegenwärtig. Waren es in früheren Zeiten maßgeblich Kirchtürme, kamen im 19. Jahrhundert die qualmenden Schlote der Industrie hinzu. Keiner dieser vielen Türme in der Stadt ist heute dauerhaft und ohne Termin für die Öffentlichkeit zugänglich.
Wir bauen auf den Freianlagenplanungen zum zünftigen Bürgerpark auf. Alle Bäume und umlaufenden Wege, sowie die Zonierungen in Wald- und Wiesenflächen bleiben. In der Mitte laufen alle Wege des Bürgerparks auf den neuen Turm zu. Das grüne Band endet somit an der Turmspitze mit dem Blick über die Stadt. Der zeigt, wie sich die Stadt entwickelt hat, was wo ist und was wo nicht mehr ist. Eine Turmskulptur, die ein Zeichen setzt, die Menschen aus der ganzen Region anzieht und neue Perspektiven eröffnet – ein Rundumblick mit didaktischem Mehrwert zur Stadtentwicklung und -geschichte. Das grüne Band wickelt sich in die Höhe. Immer höher. Weite Blicke. 360 Grad.
Die neue Halle 237 als dritter Ort und die neue Turmskulptur bilden einen zeitgemäßen Gegenpart zum historischen Marktplatz und starken öffentlichen Magneten, der auch überregional Menschen anzieht.
Lange Jahre hatte hier das Militär das Kommando. Heute sieht die Halle 237 keine Panzer und keine Soldaten mehr. Aber die Materialien erinnern sich. Fassade, Struktur, Tore, Lampen, der Kran und viele Details bleiben. Sie sind bauliche Zeugen der Geschichte der Halle. Sie werden freigelegt, saniert und bewahrt. Ein Ort entsteht, der offen ist für Neues, seine Geschichte und Identität aber nicht vergisst. Das ganze Konzept ist konsequent nachhaltig in Sachen Low-Tec mit geringen Investitions- und Betriebskosten. Bereits für die Freianlagen angedachte Themen werden hier zusammengezogen und erweitert. Der Turm nimmt die Architektursprache und Materialität der Maschinenhalle auf und ist gleichzeitig Reminiszenz an die, Schweinfurt prägende, metallverarbeitende Industrie. Er spiegelt seine Umgebung und den Himmel.
Zusammen unser leidenschaftlichstes Bild. Die neue Halle 237 und der Turm werden ein Ort, an dem sich Menschen jeden Alters, jeder Nationalität und jeden Einkommens wohl fühlen und gerne hinkommen. Es wird gespielt, getanzt, gefeiert, gegessen. Begegnungen entstehen. Netzwerke werden geknüpft. So ein Ort kann dazu beitragen, dass die Menschen gemeinsam und nicht einsam in der Stadt leben. Schweinfurt gewinnt einen neuen besonderen Ort des öffentlichen Lebens und für die Gesellschaft! Zugleich geht das Gebäude respektvoll und zurückhaltend mit den Ressourcen unserer Erde um. Beautiful – sustainable – together. Anziehend für die Menschen in und um Schweinfurt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Materialität Turm
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Turm bei nacht
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Aussicht vom Turm
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Lageplan mit Turm
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Mögliche Nutzung Basketball
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Mögliche Nutzung Flohmarkt
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Mögliche Nutzung Kneipbecken im bestehenden Wartungsgang
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Mögliche Nutzung Konzert
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Mögliche Nutzung Rutsche mit Sand im bestehenden Wartungsgang
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg
Mögliche Nutzung Schach
©Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth | Würzburg