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Wettbewerblicher Dialog | 10/2024

Revitalisierung der Halle 237 in Schweinfurt

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2. Rundgang

Brückner & Brückner Architekten GmbH Tirschenreuth I Würzburg

Architektur

Erläuterungstext

Anziehend Revitalisierung der Halle 237 in Schweinfurt Wettbewerblicher Dialog

Unsere Vision für die Halle 237 ist ein lebendiger, vielfältiger und bunter Dritter Ort. Ein neuer Stadtbaustein für alle, gleichberechtigt und ohne Barrieren – aber auch ein Impuls für die Stadt und die Menschen aus der Nachbarschaft, aus Schweinfurt und der Region! Ein Ort, der Identität stiftet, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und in die Stadt und die Leben der Menschen strahlt.
Ein Dritter Ort besitzt keinerlei hierarchische Struktur, ist niederschwellig, demokratisch, generationenübergreifend und nachhaltig. Das stadtsoziologische Konzept wurde von dem amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg geprägt und grenzt den 'Dritten Ort' von der Familie und der Arbeit als 'Erstem' und 'Zweitem Ort' ab. Der Dritte Ort ist als sozialer Interaktionsort zu sehen, der sich neben funktionalen Qualitäten stark über weiche Faktoren wie Offenheit und Atmosphäre definiert.
Während unserer Spurensuche waren wir sehr beeindruckt von den Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten der Stadt Schweinfurt und der Region sowie den städtebaulichen, architektonischen und stadtplanerischen Eingriffen und Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Die Stadt ist grün, offen und lebendig.
Die Halle 237 ist ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Sie erzählt ihre Geschichte. Dies allein ist uns allerdings zu wenig. Die neue Halle 237 soll, ein Magnet sein mit starker Anziehung für die Menschen des Quartiers und der ganzen Stadt Schweinfurt. Gegenspieler des Marktplatzes und ebenbürtiger Anfangs- oder Endpunkt des grünen Bandes durch die Stadt. Wir respektieren und schätzen das Bestandsgebäude als Kind seiner Zeit, als Zeitzeuge der vergangenen militärischen Nutzung. Der letzte prägende historische Stadtbaustein der Ledward Barracks. Früher eine Stadt in der Stadt, heute Teil der Stadt.

Ein Dach für alle!
Wir entwickeln dieses militärische Bestandsgebäude nicht nur architektonisch, gesellschaftlich und städtebaulich sensibel weiter, sondern auch nachhaltig, indem wir die in seinen Mauern gebundene graue Energie dauerhaft und hochwertig weiternutzen. Wir befreien die Halle von ihren Anbauten und Zwischendecken. So steht die freigestellte Halle auf einem schönen ebenen Platz mitten im Park. Dieser Ort soll technisch alles haben, was er braucht. Aber nicht mehr. Einfach bauen. Potentiale des Vorhandenen freilegen. Atmosphärisch gewinnt dieser Ort sehr. Wir schützen und sanieren die historischen Elemente, bewahren ihren Charakter. Öffnen die Tore und die Halle zum Park. Die militärische Nutzung bleibt ablesbar in vielen kleinen und großen Details, Toren, Fenster, konstruktiven Elementen oder Farb- und Zeitschichten. Innen- und Außenraum verweben sich.
Dieses Konzept macht Wärmedämmung, Heizung und Kühlung überflüssig. Die Brandschutzanforderungen werden minimiert, sodass das beeindruckende Stahltragwerk unverkleidet bleiben kann. Ein nachhaltiges, ressourcenschonendes, dennoch starkes architektonisches und inhaltliches Konzept im Sinne neuer Umbaukultur.
Ein Dach ist Sinnbild für Schutz, Begegnen und Versammlung. Schon immer trafen sich Menschen bevorzugt unter Dächern. Die neue Halle 237 wird zum Dach für Märkte, zum Spielen, Verweilen und Begegnen. Kostenlos und niederschwellig. Sie wird zum Zentrum des Bürgerparks, indem alle bisher verstreuten Nutzungen hier gebündelt werden. Man kann jeden Tag und jederzeit durch den Park spazieren, in der Halle klettern, springen, buddeln, kneippen, bouldern, schaukeln, balancieren, Basketball spielen, den Turm ersteigen oder sich einfach nur unterhalten. An besonderen Tagen können unter dem Dach Ausstellungen, Konzerte, Feste oder Märkte stattfinden. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Im Inneren bietet ein Infrastrukturblock Kiosk, Cateringküche, Lagerflächen und Toiletten. Hierdurch wird ein Raumbereich abgetrennt, der separat bespielt und vermietet werden kann.

Ein Turm für alle!
Schweinfurt ist eine Stadt der Türme. Türme sind im historischen und heutigen Schweinfurter Stadtbild allgegenwärtig. Waren es in früheren Zeiten maßgeblich Kirchtürme, kamen im 19. Jahrhundert die qualmenden Schlote der Industrie hinzu. Keiner dieser vielen Türme in der Stadt ist heute dauerhaft und ohne Termin für die Öffentlichkeit zugänglich.
Wir bauen auf den Freianlagenplanungen zum zünftigen Bürgerpark auf. Alle Bäume und umlaufenden Wege, sowie die Zonierungen in Wald- und Wiesenflächen bleiben. In der Mitte laufen alle Wege des Bürgerparks auf den neuen Turm zu. Das grüne Band endet somit an der Turmspitze mit dem Blick über die Stadt. Der zeigt, wie sich die Stadt entwickelt hat, was wo ist und was wo nicht mehr ist. Eine Turmskulptur, die ein Zeichen setzt, die Menschen aus der ganzen Region anzieht und neue Perspektiven eröffnet – ein Rundumblick mit didaktischem Mehrwert zur Stadtentwicklung und -geschichte. Das grüne Band wickelt sich in die Höhe. Immer höher. Weite Blicke. 360 Grad.
Die neue Halle 237 als dritter Ort und die neue Turmskulptur bilden einen zeitgemäßen Gegenpart zum historischen Marktplatz und starken öffentlichen Magneten, der auch überregional Menschen anzieht.

Materialität und Nachhaltigkeit
Lange Jahre hatte hier das Militär das Kommando. Heute sieht die Halle 237 keine Panzer und keine Soldaten mehr. Aber die Materialien erinnern sich. Fassade, Struktur, Tore, Lampen, der Kran und viele Details bleiben. Sie sind bauliche Zeugen der Geschichte der Halle. Sie werden freigelegt, saniert und bewahrt. Ein Ort entsteht, der offen ist für Neues, seine Geschichte und Identität aber nicht vergisst. Das ganze Konzept ist konsequent nachhaltig in Sachen Low-Tec mit geringen Investitions- und Betriebskosten. Bereits für die Freianlagen angedachte Themen werden hier zusammengezogen und erweitert. Der Turm nimmt die Architektursprache und Materialität der Maschinenhalle auf und ist gleichzeitig Reminiszenz an die, Schweinfurt prägende, metallverarbeitende Industrie. Er spiegelt seine Umgebung und den Himmel.
Zusammen unser leidenschaftlichstes Bild. Die neue Halle 237 und der Turm werden ein Ort, an dem sich Menschen jeden Alters, jeder Nationalität und jeden Einkommens wohl fühlen und gerne hinkommen. Es wird gespielt, getanzt, gefeiert, gegessen. Begegnungen entstehen. Netzwerke werden geknüpft. So ein Ort kann dazu beitragen, dass die Menschen gemeinsam und nicht einsam in der Stadt leben. Schweinfurt gewinnt einen neuen besonderen Ort des öffentlichen Lebens und für die Gesellschaft! Zugleich geht das Gebäude respektvoll und zurückhaltend mit den Ressourcen unserer Erde um. Beautiful – sustainable – together. Anziehend für die Menschen in und um Schweinfurt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Lösungsvorschlag von Brückner & Brückner Architekten stellt einen sehr eigenständigen Beitrag dar und bereichert die Diskussion über den Umgang mit der Halle 237. Nach Vorstellung der Verfasser entsteht mit dem Umbau der Halle 237 ein lebendiger, vielfältiger und bunter Dritter Ort. Ein Magnet am westlichen Ende des Grünen Bandes.

Die Vergabekommission würdigt die intensive Auseinandersetzung mit dem Standort inmitten des künftigen Bürgerparks. Im Ergebnis sieht der Beitrag den Abriss von größeren Teilen der Halle vor, die bislang vorgesehenen Nutzungen werden nicht untergebracht. Vielmehr soll die Halle auf einen hohen Grundkörper reduziert werden, der durch seine vielfältigen, offenen Nutzungsangebote als Treffpunkt für alle Bevölkerungsgruppen dient, ohne dabei mit den Problemen der Wärmedämmung, Heizung, Kühlung, etc. umgehen zu müssen.

Ein Aussichtsturm ergänzt das Angebot und bildet den Abschluss des Grünen Bandes. Nach eingehender Diskussion stellt die Vergabekommission fest, dass der Lösungsvorschlag von Brückner & Brückner Architekten einen eigenständigen und architektonisch überzeugenden Umgang mit der Halle findet. Der Dritte Ort wird als Anziehungspunkt im Bürgerpark gewertet. Auch die Belebung des Ortes auf der Nordseite der Halle wird positiv gesehen.

Der Verzicht auf die bislang vorgesehenen Nutzungen bringt jedoch auch Nachteile mit sich. Durch das Fehlen einer Nutzung, die eine dauerhafte Anwesenheit von Aufsichtspersonal mit sich bringt, erscheint die Halle im Park besonders anfällig für Vandalismus.

Nicht abschließend geklärt wurde die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, das Gebäude zumindest in Teilen zu verschließen. Die Idee, die große Halle durch einen Aussichtsturm zu ergänzen wird von der Vergabekommission begrüßt, die architektonische Ausbildung des Turms kann die Vergabekommission jedoch nicht überzeugen. Der Bau des Turms würde zudem erhebliche zusätzliche finanzielle Mittel erfordern. Das Ziel, der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schweinfurt, mit der Halle 237 ein letztes Zeugnis der Militärgeschichte im Bürgerpark sichtbar zu lassen, wird durch den rigorosen Rückbau der Halle nur bedingt erreicht.

Die Vergabekommission würdigt die vorgeschlagene Lösung ausdrücklich als sehr wertvollen Beitrag im Rahmen der Diskussion um die weitere Entwicklung der Halle 237, sieht jedoch in der Umsetzung im Betrieb, Förderfähigkeit und in der Vermittlung an die Bevölkerung große Schwierigkeiten.
Materialität Turm

Materialität Turm

Turm bei nacht

Turm bei nacht

Aussicht vom Turm

Aussicht vom Turm

Lageplan mit Turm

Lageplan mit Turm

Mögliche Nutzung Basketball

Mögliche Nutzung Basketball

Mögliche Nutzung Flohmarkt

Mögliche Nutzung Flohmarkt

Mögliche Nutzung Kneipbecken im bestehenden Wartungsgang

Mögliche Nutzung Kneipbecken im bestehenden Wartungsgang

Mögliche Nutzung Konzert

Mögliche Nutzung Konzert

Mögliche Nutzung Rutsche mit Sand im bestehenden Wartungsgang

Mögliche Nutzung Rutsche mit Sand im bestehenden Wartungsgang

Mögliche Nutzung Schach

Mögliche Nutzung Schach