Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026
Revitalisierung Robotron-Kantine in Dresden
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Mini Kantine 2.0 und skupturale Rampe bilden ein Gegenüber und räumliche Fassung des Vorplatzes
©KL
1. Preis
Preisgeld: 13.600 EUR
Erläuterungstext
Die Robotron-Kantine ist ein seltenes Relikt der ostmodernen Architektur, ein Bauwerk mit großer räumlicher Klarheit und zugleich ein Träger kollektiver Erinnerung. Obwohl das Gebäude über viele Jahre brachlag, blieben seine Qualitäten sichtbar: der weit gespannte Dachraum, die Großzügigkeit des Saals, die Transparenz der Fassaden und die umlaufenden Wandelgänge. Durch die OSTRALE, temporäre Nutzungen und das Engagement der Stadtgesellschaft wurde die Kantine in den letzten Jahren schließlich wieder Teil des öffentlichen Diskurses und damit zum Ausgangspunkt einer neuen Zukunftsperspektive. Unser Entwurf setzt genau dort an. Er versteht den Bestand nicht als Last, sondern als Ressource, die mit wenigen, präzisen Eingriffen aktiviert werden kann.
Im ersten Schritt wird das Gebäude repariert: Dach, Fassade von Saal A und die Foyerfassade werden instandgesetzt, um die ursprüngliche Struktur zu sichern und ihre räumliche Wirksamkeit zurückzugewinnen. Nichttragende Wände werden bewusst entfernt, um die Offenheit des Grundrisses freizulegen und die Symmetrie des Hauses neu erfahrbar zu machen. Der zentrale Wanddurchbruch im Foyer erzeugt eine klare Orientierung und führt in eine neue Mitte, die beide Säle miteinander verbindet. Zwei dienende Funktionsboxen – kompakt, reversibel und präzise gesetzt – übernehmen notwendige Services wie Kasse, WC, Lounge und später den Aufzug. Sie sind bewusst als „Plug-ins“ gedacht, die sich einfügen, ohne den Bestand zu verändern.
Im Inneren entsteht ein System aus leichten, flexiblen Elementen: eine Soft Infrastructure, die auf textile Raumteiler, mobile Wände und modulare Funktionsbausteine zwischen den Stützen setzt. Diese Module dienen als Sitzbänke, Schaufenster, Technikträger, Schrankflächen, Türen, Akustikpaneele und Klimapuffer. Sie rhythmisieren den Raum, zonieren ihn, schaffen Orte des Aufenthalts oder der Ausstellung und bilden eine funktionale zweite Haut, die reversibel bleibt. Die Kantine verwandelt sich in eine offene, wandelbare Plattform, die unterschiedlichste Formate aufnehmen kann – Workshops, Performances, Ausstellungen, Veranstaltungen, Lernräume oder stille Arbeitssituationen. Die Architektur löst sich vom Gedanken des fertigen, definierten Raums und wird zu einer Struktur, die sich stetig anpasst.
Das Klimakonzept folgt einem konsequenten Low-Tech-Ansatz. Die großräumige Betonmasse wirkt als thermischer Speicher; vorhandene Lüftungskanäle, Öffnungsflügel und Klappen ermöglichen eine manuelle, natürliche Lüftung. Eine zweite Dachhaut fungiert als Solar-Luftkollektor, bringt vorgewärmte Luft in das Gebäude und unterstützt so den winterlichen Betrieb. Der leicht temperierbare Kernraum arbeitet wie ein Haus-im-Haus, das im Winter den Energiebedarf reduziert und umliegende Bereiche mitheizt. Wandelgänge und Terrassen werden als Klimapuffer aktiviert, Regenwasser wird über Retentionsflächen und versickerungsoffene Beläge aufgenommen und steht für Verdunstungskühlung und Bewässerung zur Verfügung. Das Gebäude reagiert damit auf den saisonalen Wechsel, ohne auf komplexe Technik angewiesen zu sein.
Ein besonderes Element ist die Mini-Kantine, eine mobile, zirkuläre Mini-Architektur. Si e beginnt im Gebäudeinneren als Café, Infopunkt oder Ausstellungspavillon, wandert später auf den Vorplatz und schließlich in andere Stadtteile – als bewegliche Botschafterin für die Idee des Weiterbauens und für die Themen Zirkularität, Klimasensibilität und gemeinschaftliche Stadtproduktion. Als kleines, flexibles Element setzt sie Impulse, aktiviert Orte und macht den Prozess der Transformation außerhalb des Gebäudes sichtbar.
Der Außenraum wird in den Prozess einbezogen: Der Vorplatz erhält eine neue Schicht aus wiederverwendeten Materialien des Rückbaus; die Terrassen und Wandelgänge werden für Ausstellung und Aufenthalt genutzt; langfristig wird der Kaitzbach geöffnet und landschaftlich mit der Kantine verwoben. Innen und Außen bilden ein zusammenhängendes, atmendes System, das als sozialer, kultureller und ökologischer Raum funktioniert.
„Spread the Kantine“ ist damit mehr als ein architektonisches Konzept. Es ist ein Leitfaden für minimalinvasive Transformation – ein Ansatz, der zeigt, wie durch Reparatur, Freilegung, Leichtbau, reversible Module und Low-Tech-Klimaarchitektur ein Bestand neu aktiviert werden kann. Die Robotron-Kantine wird nicht neu erfunden, sondern weitergebaut: offen, flexibel, gemeinschaftlich und zukunftsorientiert. Sie wird zu einem Ort, der Impulse aussendet – ein Ökosystem für Kunst, Klima, Stadt und kollektive Produktion.
Beurteilung durch das Preisgericht
Architektur
Der Entwurf betrachtet die Robotron-Kantine nicht als ein neues Projekt, sondern einen „Ort, der nicht neu erfunden, sondern weitergedacht werden soll“, so die Verfasser im Erläuterungsbericht.
Das Vorhandene soll sowohl mit seiner ursprünglichen Entwurfsidee, dem architektonischen Konzept, der Materialität und den Erinnerungen an die Zeit der Kantinennutzung weiterleben, als auch die „kulturelle Energie" der Zeitschicht danach nicht vergessen. Im ersten Schritt werden daher nur Eingriffe vorgeschlagen, die die Räume nutzbar machen, klären, aufräumen und im Sinne der ursprünglichen Entwurfsidee stärken.
Leichte Trennwände werden zugunsten einer großzügigen Raumwirkung und guten Erschließungssituation entfernt und die Fassade ertüchtigt.
Es entsteht bereits im Realisierungsteil ein gut nutzbares Raumkonzept im EG.
Aufbauend auf einem Low Tech Ansatz schlägt der Entwurf einfache Lösungen vor, die dem engen Kostenbudget Rechnung tragen, wie z.B. einfache Raumabtrennungen, Möbel zur Zonierung, natürliche Lüftung, Wiederverwertung von Materialien.
Es wird der Ansatz gewürdigt, sparsam mit der Energie umzugehen und die Ausstellungsräume als Pufferräume zu sehen.
Der Nachweis der ganzjährigen Nutzungsmöglichkeit ist jedoch noch im Detail darzulegen.
Das Konzept kann flexibel an die Anforderungen und Notwendigkeiten der Nutzer im Betrieb angepasst werden.
Die Realisierungs- und Ideenteile bauen aufeinander auf und führen zu sehr guten Grundrissen auf beiden Stockwerken im Ideenteil.
Im Sinne des Denkmalschutzes wird außerdem positiv gesehen, dass sich das Gebäude weiterhin ganz klar in Richtung Lingner-Allee hin orientiert und die ursprünglichen Raumbezüge mit der Anlieferung im Rückbereich unangetastet lässt. Das neue Erscheinungsbild des Anbaus im Ideenteil ist stimmig.
Kontrovers wird diskutiert, ob die doch sehr zurückhaltenden Eingriffe vor allem am äußeren Erscheinungsbild der Fassade das Narrativ einer neuen Zeitschicht stark genug in die Öffentlichkeit transportieren können.
Die sich verändernde Position der Kantine wird kontrovers diskutiert. Die vorgeschlagene Rampe ist auf die Länge hin zu überprüfen.
Fassade / Nachhaltigkeit
Der Beitrag liefert in Bezug auf das einfache, kostengünstige und gleichermaßen nachhaltige Bauen einen Reigen an Ideen und Maßnahmen. Dazu zählen u. a.: das zirkuläre Bauen, Suffizienz mittels thermischer Zonierung, Low-Tech-Prinzipien, Klimaresilienz und die Gewinnung erneuerbarer Energien. Detaillierter hervorzuheben sind folgende Vorschläge:
Um den Heizwärmebedarf zu reduzieren, wird nicht das gesamte Gebäude gleichermaßen temperiert.
Die Erschließungszonen oder Nebenräume sollen von der Abwärme der Kernzonen profitieren.
Zusätzlich werden schnell reagierende Infrarot-Strahlungsheizungen angeboten.
Die Pfosten-Riegel-Fassade wird im Saal A in der bisherigen Teilung neu eingebaut.
Allerdings ist nur ein bedingt effizienter innenliegender Sonnenschutz vorgesehen und die wenigen Öffnungselemente zur natürlichen Lüftung im unteren Fassadenelement sind nicht ausreichend dimensioniert bzw. ungünstig platziert.
Einen Beitrag zur Klimaresilienz und zum natürlichen Sonnenschutz soll partiell die troggebundene Fassadenbegrünung leisten. Jedoch kann die Anmutung und die Wirksamkeit nicht überzeugen.
Nicht funktionieren wird der Solar-Luftkollektor auf dem Flachdach – hier sind im Sommer stark überhöhte Temperaturen zu erwarten, die sich energetisch nicht sinnvoll nutzen lassen. Zudem lässt die Statik des Daches keine weiteren Lasten zu.
Denkmalschutz
Das prozessorientierte Konzept überzeugt in einem die Denkmalsubstanz schonenden und sorgsamen Umgang, der durch die Wertigkeit der zu erhaltenden Bauteile fein abgestuft wird und der Realität begrenzter Haushaltsmittel auf ungewöhnliche Weise gerecht zu werden verspricht.
Die im Ideenteil geplante Fassadenbekleidung des Anbaus aus Recycling-Material ist aus denkmalpflegerischer Sicht vorstellbar und passt gut zum angedachten Konzept von Reparatur, Low-Tech und Kreislaufwirtschaft.
Insgesamt ein überzeugender Entwurf der im Grundriss flexible Raumkonstellationen zulässt, der Lust zum Mitmachen weckt und dabei das Prinzip der Wieder- und Weiterverwendung ernst nimmt.
Der Entwurf betrachtet die Robotron-Kantine nicht als ein neues Projekt, sondern einen „Ort, der nicht neu erfunden, sondern weitergedacht werden soll“, so die Verfasser im Erläuterungsbericht.
Das Vorhandene soll sowohl mit seiner ursprünglichen Entwurfsidee, dem architektonischen Konzept, der Materialität und den Erinnerungen an die Zeit der Kantinennutzung weiterleben, als auch die „kulturelle Energie" der Zeitschicht danach nicht vergessen. Im ersten Schritt werden daher nur Eingriffe vorgeschlagen, die die Räume nutzbar machen, klären, aufräumen und im Sinne der ursprünglichen Entwurfsidee stärken.
Leichte Trennwände werden zugunsten einer großzügigen Raumwirkung und guten Erschließungssituation entfernt und die Fassade ertüchtigt.
Es entsteht bereits im Realisierungsteil ein gut nutzbares Raumkonzept im EG.
Aufbauend auf einem Low Tech Ansatz schlägt der Entwurf einfache Lösungen vor, die dem engen Kostenbudget Rechnung tragen, wie z.B. einfache Raumabtrennungen, Möbel zur Zonierung, natürliche Lüftung, Wiederverwertung von Materialien.
Es wird der Ansatz gewürdigt, sparsam mit der Energie umzugehen und die Ausstellungsräume als Pufferräume zu sehen.
Der Nachweis der ganzjährigen Nutzungsmöglichkeit ist jedoch noch im Detail darzulegen.
Das Konzept kann flexibel an die Anforderungen und Notwendigkeiten der Nutzer im Betrieb angepasst werden.
Die Realisierungs- und Ideenteile bauen aufeinander auf und führen zu sehr guten Grundrissen auf beiden Stockwerken im Ideenteil.
Im Sinne des Denkmalschutzes wird außerdem positiv gesehen, dass sich das Gebäude weiterhin ganz klar in Richtung Lingner-Allee hin orientiert und die ursprünglichen Raumbezüge mit der Anlieferung im Rückbereich unangetastet lässt. Das neue Erscheinungsbild des Anbaus im Ideenteil ist stimmig.
Kontrovers wird diskutiert, ob die doch sehr zurückhaltenden Eingriffe vor allem am äußeren Erscheinungsbild der Fassade das Narrativ einer neuen Zeitschicht stark genug in die Öffentlichkeit transportieren können.
Die sich verändernde Position der Kantine wird kontrovers diskutiert. Die vorgeschlagene Rampe ist auf die Länge hin zu überprüfen.
Fassade / Nachhaltigkeit
Der Beitrag liefert in Bezug auf das einfache, kostengünstige und gleichermaßen nachhaltige Bauen einen Reigen an Ideen und Maßnahmen. Dazu zählen u. a.: das zirkuläre Bauen, Suffizienz mittels thermischer Zonierung, Low-Tech-Prinzipien, Klimaresilienz und die Gewinnung erneuerbarer Energien. Detaillierter hervorzuheben sind folgende Vorschläge:
Um den Heizwärmebedarf zu reduzieren, wird nicht das gesamte Gebäude gleichermaßen temperiert.
Die Erschließungszonen oder Nebenräume sollen von der Abwärme der Kernzonen profitieren.
Zusätzlich werden schnell reagierende Infrarot-Strahlungsheizungen angeboten.
Die Pfosten-Riegel-Fassade wird im Saal A in der bisherigen Teilung neu eingebaut.
Allerdings ist nur ein bedingt effizienter innenliegender Sonnenschutz vorgesehen und die wenigen Öffnungselemente zur natürlichen Lüftung im unteren Fassadenelement sind nicht ausreichend dimensioniert bzw. ungünstig platziert.
Einen Beitrag zur Klimaresilienz und zum natürlichen Sonnenschutz soll partiell die troggebundene Fassadenbegrünung leisten. Jedoch kann die Anmutung und die Wirksamkeit nicht überzeugen.
Nicht funktionieren wird der Solar-Luftkollektor auf dem Flachdach – hier sind im Sommer stark überhöhte Temperaturen zu erwarten, die sich energetisch nicht sinnvoll nutzen lassen. Zudem lässt die Statik des Daches keine weiteren Lasten zu.
Denkmalschutz
Das prozessorientierte Konzept überzeugt in einem die Denkmalsubstanz schonenden und sorgsamen Umgang, der durch die Wertigkeit der zu erhaltenden Bauteile fein abgestuft wird und der Realität begrenzter Haushaltsmittel auf ungewöhnliche Weise gerecht zu werden verspricht.
Die im Ideenteil geplante Fassadenbekleidung des Anbaus aus Recycling-Material ist aus denkmalpflegerischer Sicht vorstellbar und passt gut zum angedachten Konzept von Reparatur, Low-Tech und Kreislaufwirtschaft.
Insgesamt ein überzeugender Entwurf der im Grundriss flexible Raumkonstellationen zulässt, der Lust zum Mitmachen weckt und dabei das Prinzip der Wieder- und Weiterverwendung ernst nimmt.
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Isometrie
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Isometrie
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Soft Infrastructure
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Realisierungsteil
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Ideenteil
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