Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026
Revitalisierung Robotron-Kantine in Dresden
©Hütten & Paläste
Innenraumperspektive
2. Preis
Preisgeld: 8.500 EUR
Architektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
ALEXANDER POETZSCH ARCHITEKTUREN
Architektur
Erläuterungstext
Die frühere Robotron-Kantine, einst geprägt von klaren Abläufen und strikten Nutzungsgrenzen zwischen Besucher*innen, Anlieferung und Personal, verwandelt sich in ein offenes, wandelbares und zugleich vielseitig nutzbares Haus für Ausstellungen und Veranstaltungen. Die präsente Position des denkmalgeschützten Pavillonbaus wirkt als verbindendes Element zwischen Großem Garten und der Altstadt Dresdens.
Der Entwurf setzt auf eine prozessuale Weiterentwicklung in zwei aufeinander aufbauenden Phasen, wobei das Baudenkmal sowohl als Zeitzeugnis der Ostmoderne erhalten bleiben, als auch die Spuren der jüngeren, noch unerzählten Nachwendegeschichte von Leerstand, Umformung und temporärer Aneignung (z.B. Graffiti am Brüstungsband der Terrasse) bewahren soll. Die neu entstehende Durchwegung durch das Kunst- und Kulturzentrum verknüpft den präsenten Haupteingang mit der bisherigen Gebäuderückseite und betont die Rolle des Hauses als neuen Dritten Ort im Quartier. Die beiden seitlichen Glasfassaden interagieren als Aussichts- und Schaufenster mit der Umgebung, wobei die umlaufende Terrasse als vermittelnde Schicht gedacht wird - sie dient als Wandelgang und erweiterter Ausstellungsbereich für Kunst im Außenraum.
In einer dialogischen Kooperationsarbeit zwischen Hütten & Paläste und Alexander Poetzsch Architekturen wurde die Robustheit des Bestandes herausgearbeitet: Sämtliche unter Denkmalschutz stehenden Raumkonfigurationen und Oberflächen bleiben erhalten. Die festgelegte Ordnung der ehemaligen Kantine wird durch punktuelle Eingriffe im Grundriss in eine wandelbare, verschaltbare und flexible Raumgestaltung überführt. Schon in dieser ersten Phase (Realisierungsteil) soll durch die thermische Ertüchtigung der Gebäudehülle ein ganzjähriger Veranstaltungs- und Ausstellungsbetrieb ermöglicht werden, der alle Räume im Erd- und einen Kernbereich des Untergeschosses umfasst. Auf eindeutig definierte Raumzuweisungen wird teilweise zugunsten von temporären Überlagerungen und veränderbaren Raumgrenzen verzichtet.
Den Nutzenden wird ein Set an Raumwerkzeugen zur Verfügung gestellt, um Raumbedarfe für verschiedene Medien und Formate selbst herstellen zu können. Dadurch entsteht eine Architektur der Anpassungsfähigkeit und Gleichzeitigkeit, in der parallele Bespielung, kurze Wege und ein vielfältiges Raumangebot möglich gemacht werden. Die Säle bleiben offene Räume, die mittels mobiler Gitter- und Gerüstwände in ihrer Größe und Form frei konfigurierbar sind (s. Verschaltungs-ABC). Durch diese Kombinationsmöglichkeiten entsteht ein Raumcluster aus einer Vielzahl von Optionsräumen, die flexibel durch den Museumsbetrieb konfiguriert werden können.
Die Eingriffe in den Bestand werden ressourcenschonend und minimal gehalten, für räumliche Setzungen wird die Grundstruktur des Bestands genutzt und weitergedacht: Reparatur geht vor Neuerstellung. Mobile Raumelemente werden aus kostengünstigen und einfachen Materialien, z.B. Gerüstbauelemente, Bauzäune, Absperrgitter erstellt, welche zukünftig auch in eine andere Nutzung überführt werden können. Funktionstüchtige Bauelemente, wie etwa Türen, werden auch mit Brandschutzanforderungen wiederverwendet. Schadstoffe / Altlasten werden nur dort zurückgebaut, wo Freilegungen bzw. Eingriffe erfolgen. Neue Materialien und Elemente, die im Realisierungsteil ergänzt werden, werden in der zweiten Phase (Ideenteil) konsequent weitergenutzt und bestehen weitestgehend aus nachwachsenden Rohstoffen wie Stroh, Holz und Cellulose.
Beurteilung durch das Preisgericht
Architektur
Der Entwurf adressiert die besondere städtebauliche Lage zwischen Lingnerallee im Norden und der Rückseite des Hygienemuseums. Im Realisierungsteil wird zunächst die Ausbildung eines Vorplatzes mit geschwungener Rampe vorgeschlagen.
Der Beitrag verfolgt einen Ansatz, der auf die Bewahrung der bestehen Raumstrukturen und Bausubstanz abzielt, Zeitschichten respektiert und innerhalb des finanziellen Rahmens versucht, das Gebäude ganzjährig in Nutzung zu bringen. Im Realisierungsteil erfolgen punktuelle Eingriffe in den Bestand wie der Rückbau der bestehenden Trennwände des Foyers und Nutzbarmachung eines Teils des Untergeschosses für die Ausstellungsnutzung. Die Eingangsgeste wird durch eine Tür zu einem Nebenraum in der Blickachse geschwächt. Mit punktuellen Eingriffen im Untergeschoss werden WCs und die Raumkonfiguration einer Ausstellungshalle rationalisiert, während ansonsten die prinzipiell kleinteiligen Raumstrukturen des Untergeschosses bewahrt werden.
Der substanzschonende Umgang mit den Ausstellungssälen A und B sowie die Etablierung eines weiteren Ausstellungsraums im ehemaligen Küchentrakt des Gebäudes überzeugen. Jedoch ist die Abtrennung der Räume aus Brandschutzsicht nicht gelöst.
Im Ideenteil erfolgt die Ausbildung eines Cafés im Erdgeschoss des derzeit rückwärtigen Anbaus der Robotron-Kantine mit Sonnenterrasse und einer weiteren Rampe. Dadurch schafft der Entwurf eine mögliche Aktivierung hin zum Hygiene-Museum, die von der Jury positiv bewertet wird. Die vorgeschlagene Durchwegung durchs Gebäude erscheint dagegen unnötig konstruiert. Die geschwungene Ausbildung der Rampen auf der Nord- und Südseite der Kantine werden im Bezug auf die Architektur des Bestands kritisch gesehen.
Der Umgang mit der Fassade des Anbaus folgt dem minimalinvasiven Gesamtkonzept. Im Ideenteil werden zudem weitere Räume des Untergeschosses reaktiviert und für Werkstatt, Ausstellungs- und Lagernutzung vorgesehen.
Fassade / Nachhaltigkeit
Die Sanierung der Pfosten-Riegel-Fassaden im Saal A und Saal B folgen den Prinzipien des Low-Tech-Gedankens. Die bestehende Fassadenkonstruktion soll weiterhin genutzt werden – als minimalinvasive Maßnahme ist nur der Austausch der Verglasung vorgesehen. Zudem werden im oberen Fassadenbereich einige Elemente als Kippflügel zur natürlichen Lüftung ausgebildet. Auch der außenliegende Sonnenschutz mittels eines Vorhangs lässt sich gleichermaßen wirksam und kostengünstig umsetzen. Allerdings bleiben hier Fragen hinsichtlich des Brand- und Vandalismus-Schutzes sowie zur Dauerhaftigkeit unbeantwortet.
Denkmalschutz
Der sorgfältige, auf die Qualität der bauzeitlichen Oberflächen und Raumfassungen abgestimmte Umgang mit dem Denkmal wird ausdrücklich gewürdigt. Der Umgang mit den Fassaden der dreiseitigen Pavillonarchitektur respektiert den Bestand. Allerdings verändern die vorgeschlagenen Vorhänge das äußere Erscheinungsbild der Robotron-Kantine und werden auch im Hinblick auf ihre Dauerhaftigkeit kritisch gesehen.
Insgesamt überzeugt der Entwurf mit seinem bestandsgerechten Ansatz und der Respektierung des besonderen Charakters der Kantine. Im architektonischen Ausdruck, insbesondere bei der Entwicklung des Ideenteils wäre eine größere Stringenz erstrebenswert.
Der Entwurf adressiert die besondere städtebauliche Lage zwischen Lingnerallee im Norden und der Rückseite des Hygienemuseums. Im Realisierungsteil wird zunächst die Ausbildung eines Vorplatzes mit geschwungener Rampe vorgeschlagen.
Der Beitrag verfolgt einen Ansatz, der auf die Bewahrung der bestehen Raumstrukturen und Bausubstanz abzielt, Zeitschichten respektiert und innerhalb des finanziellen Rahmens versucht, das Gebäude ganzjährig in Nutzung zu bringen. Im Realisierungsteil erfolgen punktuelle Eingriffe in den Bestand wie der Rückbau der bestehenden Trennwände des Foyers und Nutzbarmachung eines Teils des Untergeschosses für die Ausstellungsnutzung. Die Eingangsgeste wird durch eine Tür zu einem Nebenraum in der Blickachse geschwächt. Mit punktuellen Eingriffen im Untergeschoss werden WCs und die Raumkonfiguration einer Ausstellungshalle rationalisiert, während ansonsten die prinzipiell kleinteiligen Raumstrukturen des Untergeschosses bewahrt werden.
Der substanzschonende Umgang mit den Ausstellungssälen A und B sowie die Etablierung eines weiteren Ausstellungsraums im ehemaligen Küchentrakt des Gebäudes überzeugen. Jedoch ist die Abtrennung der Räume aus Brandschutzsicht nicht gelöst.
Im Ideenteil erfolgt die Ausbildung eines Cafés im Erdgeschoss des derzeit rückwärtigen Anbaus der Robotron-Kantine mit Sonnenterrasse und einer weiteren Rampe. Dadurch schafft der Entwurf eine mögliche Aktivierung hin zum Hygiene-Museum, die von der Jury positiv bewertet wird. Die vorgeschlagene Durchwegung durchs Gebäude erscheint dagegen unnötig konstruiert. Die geschwungene Ausbildung der Rampen auf der Nord- und Südseite der Kantine werden im Bezug auf die Architektur des Bestands kritisch gesehen.
Der Umgang mit der Fassade des Anbaus folgt dem minimalinvasiven Gesamtkonzept. Im Ideenteil werden zudem weitere Räume des Untergeschosses reaktiviert und für Werkstatt, Ausstellungs- und Lagernutzung vorgesehen.
Fassade / Nachhaltigkeit
Die Sanierung der Pfosten-Riegel-Fassaden im Saal A und Saal B folgen den Prinzipien des Low-Tech-Gedankens. Die bestehende Fassadenkonstruktion soll weiterhin genutzt werden – als minimalinvasive Maßnahme ist nur der Austausch der Verglasung vorgesehen. Zudem werden im oberen Fassadenbereich einige Elemente als Kippflügel zur natürlichen Lüftung ausgebildet. Auch der außenliegende Sonnenschutz mittels eines Vorhangs lässt sich gleichermaßen wirksam und kostengünstig umsetzen. Allerdings bleiben hier Fragen hinsichtlich des Brand- und Vandalismus-Schutzes sowie zur Dauerhaftigkeit unbeantwortet.
Denkmalschutz
Der sorgfältige, auf die Qualität der bauzeitlichen Oberflächen und Raumfassungen abgestimmte Umgang mit dem Denkmal wird ausdrücklich gewürdigt. Der Umgang mit den Fassaden der dreiseitigen Pavillonarchitektur respektiert den Bestand. Allerdings verändern die vorgeschlagenen Vorhänge das äußere Erscheinungsbild der Robotron-Kantine und werden auch im Hinblick auf ihre Dauerhaftigkeit kritisch gesehen.
Insgesamt überzeugt der Entwurf mit seinem bestandsgerechten Ansatz und der Respektierung des besonderen Charakters der Kantine. Im architektonischen Ausdruck, insbesondere bei der Entwicklung des Ideenteils wäre eine größere Stringenz erstrebenswert.
©Hütten & Paläste
Lageplan
©Hütten & Paläste
Phase II - Grundriss UG
©Hütten & Paläste
Phase II - Grundriss EG
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Phase II - Grundriss 1. OG
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Schnitte
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Energiekonzept
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Ansichten Nord -Ost
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Ansichten Süd - West
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Schnittperspektive historischer Saal
©Hütten & Paläste
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