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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026

Revitalisierung Robotron-Kantine in Dresden

7

3. Preis

Preisgeld: 5.100 EUR

Heine Mildner Architekten

Architektur

Architekten Kunze Reisnecker

Architektur

Erläuterungstext

Östlich der Dresdner Altstadt liegt das ehemalige Areal der VEB Robotron
Elektronik Dresden. Als Zeitzeugnis der Ostmoderne bildet die Robotron Kantine
heute einen markanten Solitär zwischen Innenstadt, Großem Garten, Hygiene
Museum, Skatepark und den geplanten Quartieren der Lingnerstadt. Durch ihre
Lage birgt sie das Potenzial im öffentlichen Raum zu vermitteln: Zwischen Stadt und
Park, sowie zwischen öffentlich/kulturellen Einrichtungen und zukünftigen
Wohnquartieren. Aus der ehemaligen Betriebskantine entsteht ein Haus der Kunst,
ein Dritter Ort für Austausch und zeitgenössische, städtische Kultur, dessen
Strahlkraft weit über die Grenzen des Areals hinauswirkt und die Sichtbarkeit der
neuen Nutzer stärkt.
Die Umnutzung erfordert ein sensibles und denkmalgerechtes Umprogrammieren
des Bestands. Alle Eingriffe folgen der inneren Logik der Struktur und respektieren
die räumlichen Qualitäten des Solitärs. Aufgrund des begrenzten Budgets werden
Low- Cost und Low-Tech zum Leitmotiv. Darüber hinaus resultieren die baulichen
Eingriffe auf pragmatischer Weise aus der geplanten Nutzung und können
abschnittsweise nach Bedarf erfolgen. Es entsteht ein ganzjährig nutzbares,
robustes und schaltbares Gebäude, das große Offenheit ermöglicht, ohne den
Bestand zu überformen.
Saal A wird denkmalgerecht erneuert. Die Orientierung zum Park, der Blick in das
Grün und die vorhandenen Oberflächen und Materialien bilden den zukünftigen
atmosphärischen Rahmen. Saal B reagiert auf dessen urbane Ausrichtung zum
Stadtzentrum und den geplanten Quartieren. Seine zurückhaltende Gestaltung folgt
in Anlehnung an den White Cube als neutrale wandlungsfähige Fläche. Ein leichtes
Ausstellungssystem aus Stellwänden ermöglicht variable Setzungen und reagiert
auf unterschiedliche kuratorische Anforderungen.
Die zwei prägnanten Säle der ursprünglichen Kantine werden um einen neuen
großen Saal im Untergeschoss ergänzt. Durch das Entfernen der Zwischendecke
wird das ehemalige Herz der Kantine, die Küche zum überhohen Zentralraum.

Indirektes Licht von oben, große Wandflächen und eine klare räumliche Fassung
machen ihn zum idealen Saal für große, raumgreifende Ausstellungen und
Performances. Der Raum ist schaltbar und kann unabhängig vom laufenden
Ausstellungsbetrieb genutzt werden. Die innere Fassade verbindet die Haupträume
von Freiraum zu Freiraum und geschossübergreifend.
Die ehemalige Erschließungsachse der Essensausgabe bleibt bestehen. Sie führt
entlang der Säle zu zwei neuen großzügigen Treppen in das Untergeschoss. Die
Kellerflächen werden von nichttragenden Einbauten befreit und zu weitläufigen
Ausstellungsbereichen zusammengeführt. Diese erweitern die Ausstellungen
unterhalb der großen Säle.
Rückseitig orientieren sich die Räume auf neu gefasste Höfe, welche Teil der
inneren Welt des Gebäudes werden, nutzbar als innenliegender Außenraum für
Ausstellungen oder Workshops.
Um die Ausstellungsräume im Untergeschoss von den kritischen erdanliegenden
Außenwänden zu entkoppeln, wird an der Ost- und Westseite ein Technikumgang
vorgeschlagen. Der Umgang unterhalb der Terrassen wird zur klimatischen
Pufferzone und dient der technischen Erschließung. Somit kann auf eine
aufwendige Freilegung und Abdichtung der Wände im Außenbereich verzichtet
werden.
Um seine funktionale Rolle zu stärken und die Anforderungen an Belichtung und
Nutzung zu erfüllen wird der Anbau im Sinne seiner Struktur erweitert und
überformt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Architektur
Die klar strukturierte Arbeit schlägt im Realisierungsteil vor, das Erdgeschoss unter weitergehendem Erhalt bestehender Raumstrukturen in vier Ausstellungsräumen zu organisieren: Das ebenfalls übersichtlich und klar strukturierte Foyer weist neben Tresen und versteckter Catering Küche auch eine Fläche auf, die gegebenenfalls mit einem Aufzug bestückt werden könnte.
Der südliche dreigeschossige Anbau soll im Bestand erhalten bleiben und im Erdgeschoss als Lagerfläche für den Ausstellungsteil genutzt werden.
Im übersichtlich bearbeiteten Untergeschoss sind WC-Anlagen, Technikräume und ein mittlerer größerer Ausstellungsraum im nördlichen Gebäudeteil eingeordnet.
Für die erste Nutzungsphase ist der dargestellte sensible und aufgeräumte Entwurfsansatz gut nachvollziehbar, er erkennt die Raumqualitäten an und entwickelt diese qualitätvoll weiter. Auch das Absehen von nicht absolut notwendigen Maßnahmen am Anbau wird angesichts des geringen Budgets begrüßt.

Der im Ideenteil entwickelte Entwurfsansatz überzeugt die Jury dagegen nur in einem geringeren Maße. Der vorgeschlagene großräumige Durchbruch zwischen Erd- und Untergeschoss erzeugt zwar eine deutliche Verbesserung der Ausstellungsflächen des Untergeschosses, stellt aber nach Ansicht des Preisgerichtes einen unnötigen großen Eingriff in die vorhandene (und durch die im Realisierungsteil bereits bearbeiteten) Raumstruktur des Gebäudes dar. Auch der Umgang mit dem Anbau in dieser Phase wirft eher Fragen auf. Der vom Auslober beschriebenen Nutzung als dem Grunde nach multifunktionales Kunsthaus wird hier eine eher im Museumskontext verortetes Raumkonzept entgegengesetzt.

Fassade / Nachhaltigkeit
Der Beitrag schlägt im Realisierungsteil vor, eine neue Pfosten-Riegel-Fassade nach historischem Vorbild umzusetzen. Ein außenliegender Sonnenschutz ist nicht vorgesehen. Im Saal B sollen die thermischen Lasten durch einen innenliegenden festeingebauten Screen, der über integrierte Bilderschienen auch Ausstellungsflächen anbietet, reduziert werden. Zusätzlich ist im oberen Fassadenbereich eine innenliegende bewegliche Verschattung/Verdunklung geplant. In diesem Bereich sind auch ausreichend öffenbare Kippelemente zur natürlichen Belüftung berücksichtigt.
Der Saal A ist von der Fassadenkonstruktion vergleichbar aufgebaut. Allerdings wird der ausschließlich innenliegende Sonnenschutz mittels eines Vorhangs zu erhöhten solaren Einträgen führen, die entweder eine zusätzliche technische Kühlung erfordern oder zu unbehaglichen Temperaturen im Sommer führen.
Gelungen erscheint hingegen im Untergeschoss die Pufferzone gegen Erdreich, die zugleich der technischen Erschließung dient. Nicht überzeugen kann der Vorschlag für den Ideenteil, die Ost- und Westfassaden als effektheischende LED-Medienfassade auszubilden.

Denkmalschutz
Während im Realisierungsteil die klar strukturierte Organisation bei weitgehender Erhaltung der vorhandenen Raumqualitäten überzeugt.

Kann der starke Eingriff in Substanz durch den Deckendurchbruch im Ideenteil nicht nachvollzogen werden., Erführt zu einer elementaren Veränderung der Raumwirkung im Innern und wird von der Denkmalpflege äußerst kritisch gesehen. Auch die Einschnitte im Anbau überzeugen nicht.

Insgesamt eine Arbeit von sehr hoher architektonischer Qualität im Realisierungsteil, die jedoch durch einen unangemessenen Eingriff im Ideenteil den architektonischen Ausdruck der Robotron-Kantine in Frage stellt