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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026

Revitalisierung Robotron-Kantine in Dresden

Perspektive Süd
22

Perspektive Süd

Anerkennung

Preisgeld: 3.400 EUR

Aukett + Heese GmbH

Architektur

Erläuterungstext

Kunst:werk Robotron - Ein Ort für Kunst und Kiez

Konzeptidee
Die Robotron-Kantine besitzt eine starke eigene Identität und eine hohe architektonische, städtebauliche sowie kulturelle Bedeutung. Der Entwurf setzt auf den Erhalt und die gezielte Weiterentwicklung der Qualitäten des Bestands. Durch präzise Eingriffe und eine zweiphasige Strategie wird das Gebäude zukunftsfähig, flexibel nutzbar und langfristig anpassbar für Ausstellungen, Workshops, Veranstaltungen und als öffentlicher Treffpunkt. Neue Bauteile werden aus einem eigens entwickelten, zeitgemäßen Bauteilkatalog abgeleitet und ergänzen den Bestand lesbar und respektvoll.

Städtebau und Einbindung
Durch den Rückbau des bestehenden Anbaus wird die Kantine allseitig wahrnehmbar und stärker in die Parklandschaft des Blüherparks eingebunden. Das Gebäude steht nicht mehr am Park, sondern im Park. Mit der Entwicklung des angrenzenden Stadtquartiers gewinnt die Kantine eine zentrale Rolle als identitätsstiftender Ort auf Stadt- und Quartiersebene.

Architektonische Konzeption
Der Entwurf stärkt die vierseitige Präsenz des denkmalgeschützten Gebäudes. Während die pavillonartige Erscheinung erhalten bleibt, wird die bislang funktionale Rückseite neu interpretiert. Alle neuen Eingriffe sind als zeitgenössische Ergänzungen klar ablesbar und folgen der architektonischen Grundidee des Bestands.

Realisierungsteil
In der ersten Phase wird das Erdgeschoss saniert und flexibel nutzbar gemacht. Der Rückbau des Anbaus schafft neue Freiräume zum Park und ermöglicht eine Terrasse im Erdgeschoss sowie eine aktivierte Nutzung des Souterrains, etwa für Ausstellungen, Events oder ein temporäres Sommercafé. Die barrierefreie Erschließung erfolgt über eine Rampe an der Westseite. Die bestehende Pfosten-Riegel-Fassade wird weiterverwendet und durch eine vorgesetzte Schicht konstruktiv ergänzt, um energetische und funktionale Anforderungen zu erfüllen. Natürliche Belichtung und Entrauchung werden über öffenbare Glaslamellen und perforierte Brüstungspaneele gewährleistet.

Ideenteil
In einer zweiten Phase entsteht auf der Südwestseite eine leichte, verandaartige Ergänzung, die die umlaufende Terrasse vervollständigt. Diese überdachten Bereiche können vielseitig als Terrasse, Ausstellungs- oder Veranstaltungsfläche genutzt werden. Ein transparentes Café verbindet Innen- und Außenraum. Im Souterrain entsteht ein großzügiger Workshopraum mit Garten. Eine neue Deckenöffnung schafft visuelle Bezüge zwischen Erdgeschoss und Souterrain und ermöglicht einen doppelhohen Ausstellungsraum für großformatige Kunst.

Funktionalität und Nutzungsoffenheit
Klare Raumfolgen, eine intuitive Besucherführung und flexible, adaptierbare Raumstrukturen ermöglichen eine vielseitige Nutzung des Gebäudes. Mobile Trennelemente, Vorhänge und offene Grundrisse erlauben unterschiedliche Szenarien und gewährleisten langfristige Anpassungsfähigkeit. Logistik, Anlieferung und barrierefreie Erschließung sind funktional und robust gelöst.

Low-Budget & Low-Tech
Der Entwurf folgt einem modularen Baukastenprinzip und konzentriert sich auf das Wesentliche. Bestehende Bauteile werden weitgehend weiterverwendet, neue Konstruktionen sind einfach, robust und rückbaubar. Bewährte Low-Tech-Prinzipien wie hybride Lüftung, natürliche Belichtung und baulicher Sonnenschutz minimieren den technischen Aufwand und den Energiebedarf. Über die opaken und perforierten Brüstungen wird frische Außenluft in den Sälen geführt. Diese Außenluft wird durch Konvektoren vorgewärmt und die verbrauchte Innenluft kann im oberen Bereich der Fassade über geöffnete Glaslamellen entweichen. Die Anbindung an das Fernwärmenetz sowie die Nutzung der thermischen Masse des Stahlbetonbaus unterstützen ein angenehmes Raumklima.

Denkmalschutz und Nachhaltigkeit
Der Umgang mit dem Denkmal ist behutsam und zugleich zukunftsorientiert. Erhaltenswerte Bauteile bleiben bestehen, neue Ergänzungen sind klar ablesbar. Der Entwurf folgt einem modularen Baukastenprinzip und konzentriert sich auf ressourcenschonende, wirtschaftliche Lösungen. Der Erhalt des Bestands minimiert graue Energie, während nachhaltige Materialien wie Holz, recyclefähiger Stahl und Photovoltaik-Glaselemente eine zukunftsfähige Weiterentwicklung unterstützen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Architektur
Die Verfasser wollen die vorhandenen Qualitäten nutzen und durch gezielte Eingriffe und Ergänzungen verstärken.
Im Realisierungsteil wird somit der oberirdische Teil des Anbaus abgebrochen und durch eine Terrasse und abgesenkten Garten ersetzt. Durch die Entfernung des Anbaus ergibt sich eine angenehme Lichtöffnung in den Park. Das Gebäude steht nun freier im Grünen, wird von diesem allseitig umschlossen. Die kontextuellen Sichtbeziehungen werden dadurch verbessert. Das UG der Terrasse birgt bereits im Realisierungsteil begrüßenswerte Flächen für Pop-up Café oder Ausstellung und Performance. Für die Anlieferung werden die vorhandenen Rampen an der Südseite weiterhin genutzt. Allerdings erzeugt diese Maßnahme bereits hohe Kosten in der ersten Realisierungsphase, die eine Überschreitung des Budgets erwarten lassen.

Der Verzicht auf die aussteifenden Wände der Säle im Erdgeschoss wird sowohl aus tragwerkplanerischer als auch brandschutztechnischer Sicht problematisch gesehen.

Die Vorteile eines möglichen ungeteilten Raumes sind aus der Perspektive der Nutzung nicht ersichtlich. Auch die unabhängige Zugänglichkeit des mittig gelegenen Dauerausstellungsbereichs wird vermisst. Im Fall der Nutzung der südlich gelegenen Räume als Veranstaltungsräume inmitten eines Ausstellungsrundgangs ist die Kontrolle der Zugangsberechtigung zudem komplex.

Im Kellergeschoss werden für den Abschnitt des Realisierungsteils Teile der vorhandenen Räume abgestuft in südliche Richtung für die Nutzung hergerichtet, wobei die erforderlichen Fluchtwege auch durch den nicht sanierten Bereich zu führen sind. Die Popup-Flächen unter der Terrasse erscheinen jedoch über den zunächst unsanierten Flächenfilter etwas abgehängt. Auch die Zugänglichkeit der Terrasse von außen über eine der Erschließungsrampen und eine neue Treppe wird kritisch reflektiert.

Im Ideenteil wird die um den Anbau bereinigte Südfassade durch eine vorgestellte hölzerne Loggia mit Potenzial zur Schöpfung regenerativer Energien ersetzt, deren Darstellung ein neues, einladendes Bild zum Park, für Feste und Performances vermittelt. Die großvolumige Loggia wurde kontrovers diskutiert, weil sie den Charakter einer Seite des denkmalgeschützten Gebäudes stark verändert.

Fassade / Nachhaltigkeit
Die vorgeschlagene Ausbildung der Pfosten-Riegel-Fassade wird in der dargestellten Weise nicht funktionieren. Der Sonnenschutz fehlt gänzlich und die öffenbaren Lamellenfenster oberhalb der Türen verfügen nicht über die notwendigen Querschnitte, um die Ausstellungsräume natürlich zu belüften. Auch die südliche Fassade des neuen Cafés im Ideenteil kann nicht gänzlich überzeugen. Der dargestellte verglaste Technikraum (für welche Technik?) wird überhitzen. Auch die natürliche Belüftung des Gastrobereiches, ein wirksamer Sonnenschutz und die Reinigungsfähigkeit wurden nicht bedacht. Insgesamt wird der Anbau daher zu erhöhten Betriebs- und Unterhaltskosten führen.

Denkmalschutz
Durch die Einbringung der barrierefreien Erschließung an der Westseite bleibt die Nordfassade mit Treppenaufgang und Eingangsbereich im Wesentlichen unverändert erhalten.
Der bereits im RT dargestellte Rückbau des Anbaus bis auf Teile des Untergeschosses sowie die Einrichtung eines Tiefgartens verunklärt die Einbindung in den Blüher-Park.
Weder aus den Zeichnungen noch aus dem vorliegenden Text kann nachvollzogen werden, wie konkret mit der Denkmalsubstanz umgegangen werden soll. Es wird lediglich darauf hingewiesen, „erhaltenswerte Bestandsbauteile" beizubehalten.
Die Überführung der dreiseitigen Pavillonarchitektur in eine vierseitige wird kritisch gesehen.

Die Jury würdigt den mutigen Entwurf, welcher jedoch erst mit der Umsetzung des Ideenteils zur Entfaltung kommt. Insgesamt ein interessanter Diskussionsbeitrag, der jedoch im Hinblick auf den Umgang mit dem Denkmal und auf das zur Verfügung stehende Budget Zweifel aufwirft.
Lageplan

Lageplan

Axonometrie Veranda

Axonometrie Veranda

Grundriss EG Realisierungsteil

Grundriss EG Realisierungsteil

Grundriss Souterrain Realisierungsteil

Grundriss Souterrain Realisierungsteil

Grundriss EG Ideenteil

Grundriss EG Ideenteil

Grundriss Souterrain Ideenteil

Grundriss Souterrain Ideenteil

01. Bestandssituation

01. Bestandssituation

02. Rückbau des Anbaus und Verbindung mit dem Park

02. Rückbau des Anbaus und Verbindung mit dem Park

03. Umlaufende Terrasse

03. Umlaufende Terrasse

04. Holzstruktur als Erweiterung

04. Holzstruktur als Erweiterung

05. Hülle

05. Hülle

06.Kunst:werk Robotron - Ein Ort für Kunst und Kiez

06.Kunst:werk Robotron - Ein Ort für Kunst und Kiez

Fassade Ost - Realisierungsteil

Fassade Ost - Realisierungsteil

Fassade Süd - Ideenteil

Fassade Süd - Ideenteil

Ansicht Nord Realisierungsteil

Ansicht Nord Realisierungsteil

Ansicht West Realisierungsteil

Ansicht West Realisierungsteil

Ansicht Süd Ideenteil

Ansicht Süd Ideenteil

Ansicht Ost Ideenteil

Ansicht Ost Ideenteil

Schnitt A-A Ideenteil

Schnitt A-A Ideenteil

Schnitt B-B Realisierungsteil

Schnitt B-B Realisierungsteil

Schnitt B-B Ideenteil

Schnitt B-B Ideenteil