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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2026

Revitalisierung Robotron-Kantine in Dresden

Perspektive
4

Perspektive

Anerkennung

Preisgeld: 3.400 EUR

meyer-bassin und partner

Architektur

ErlÀuterungstext

ErlÀuterungen

Realisierungsteil

Situation und Kontext / Raumkonzept
Die Robotron-Kantine bietet ein hohes Potenzial an großen, spannungsvollen Raumfolgen fĂŒr die PrĂ€sentation zeitgenössischer Kunst und kĂŒnstlerischer Interventionen in verschiedensten Formaten und Kontexten. Dieses Potenzial ist im bestehenden GebĂ€ude vollstĂ€ndig angelegt und vorhanden wenn auch partiell verstellt und verborgen durch nicht mehr benötigte Funktionsbereiche. Im Sinne des Ă€ußerst begrenzten wirtschaftlichen Rahmens fĂŒr die Umsetzung des Raumprogramms im Realisierungsteil wird deshalb ein Raumkonzept vorgeschlagen, das eher mit der Reduktion als mit der HinzufĂŒgung von baulichen Elementen arbeitet. Die KlĂ€rung und Öffnung von Raumfolgen im GebĂ€ude ermöglicht flexible rĂ€umliche ZusammenhĂ€nge, die differenziert kombiniert werden können und unterschiedliche RundgĂ€nge und zeitliche Abfolgen ermöglichen.
Ein wesentlicher Kernpunkt der Reduktion ist der RĂŒckbau nicht mehr benötigter KĂŒchenrĂ€ume im Bereich zwischen den SĂ€len A und B, was ohne Eingriffe in die Tragstruktur des GebĂ€udes möglich ist. Damit wird ein weiterer Saal, der Saal C, geschaffen, der die AusstellungsflĂ€chen erheblich vergrĂ¶ĂŸert und die beiden großen SĂ€le miteinander verknĂŒpft. Dieser Raum, der spĂ€ter im Ideenteil noch eine erhebliche Aufwertung erfĂ€hrt, kann als Teil eines gemeinsamen „großen“ Rundgangs genutzt werden, aber auch bei getrennter Nutzung und verschiedenen Veranstaltungsformaten den beiden SĂ€len A und B jeweils flexibel zugeordnet werden.
Die Dauerausstellung ist zentral im GebÀude, nahe des Foyers und des Service-Bereichs verortet und unabhÀngig von allen anderen RÀumen zugÀnglich.
Der Anbau bleibt weitgehend unbearbeitet und ungenutzt, nur im zentralen Bereich wird ein Raum fĂŒr Lagerung von Ausstellungstechnik und Kunstgut geschaffen, der sowohl mit der vorhandenen Laderampe als auch mit den SĂ€len direkt verbunden ist.

Umgang mit dem Bestand, denkmalpflegerisches Konzept
Durch die Reduktion der Elemente im GebĂ€ude werden die wertvollen und klar definierten Elemente von historischem und kĂŒnstlerischem Wert hervorgehoben und gestĂ€rkt. Das betrifft vor allem den Saal A, der sich zum Park hin öffnet und in dem die denkmalrelevanten Elemente (Decke / Leuchten / Wandreliefs etc.) in ihrem rĂ€umlichen Zusammenhang wieder lesbar werden. FĂŒr die PrĂ€sentation von Kunstobjekten wird ein System flexibler StellwĂ€nde bereitgestellt, das auch ergĂ€nzende Beleuchtung, Anschlussmöglichkeiten fĂŒr Projektionen und Soundinstallationen etc. ermöglicht, ohne Wand- oder DeckenflĂ€chen des Bestandes im Saal A zu tangieren.
Ein gĂ€nzlich anderer Raumeindruck wird im Saal B vermittelt. Durch den fast vollstĂ€ndigen RĂŒckbau der stark schadhaften und nicht bauzeitlichen Unterhangdecke wird der Raum geöffnet und die eindrucksvolle Tragstruktur des GebĂ€udes erlebbar. Die nach Westen, zur Stadt und zum geöffneten Kaitzbach hin gerichtete Fassade des Saales wird innenseitig um eine große, frei vor der Fassade stehende PrĂ€sentationsflĂ€che ergĂ€nzt, das „Kunstschaufenster“, das sowohl eine große, zusammenhĂ€ngende PrĂ€sentationsflĂ€che fĂŒr den Saal bietet, als auch eine in den Stadtraum wirkende KunstprĂ€sentation ermöglicht.

Ideenteil

HauptgebÀude
Im Saal B wird das Café integriert, das sich zur Terrasse hin öffnet und unabhÀngig vom Ausstellungsbetrieb genutzt werden kann. Das Café wird geprÀgt durch die Reliefwand auf der Nordseite und durch den erhaltenen und wiederhergestellten Anteil der bauzeitlichen Unterhangdecke.
Die barrierefreie Erschließung der Publikumsbereiche wird durch die EinfĂŒgung eines Aufzuges im Bereich des Foyers qualifiziert, ein zusĂ€tzlicher Treppenaufgang im Bereich des Saals C ermöglicht direkte Verbindungen zwischen Erdgeschoss und Untergeschoss im Zuge von AusstellungsrundgĂ€ngen.
Durch RĂŒckbau von InnenwĂ€nden und einer klaren Zonierung von Neben- und AusstellungsflĂ€chen werden auch im Untergeschoss großzĂŒgige, zusammenhĂ€ngende RundgĂ€nge ermöglicht.
Die beiden bestehenden Rampen erlauben den Transport auch großformatiger und schwerer Objekte in das Untergeschoss.

Anbau
Auch im Anbau resultiert aus der KlĂ€rung der rĂ€umlichen und funktionalen Anforderungen eine Reduktion der FlĂ€chen. Dabei wird das Obergeschoss zurĂŒckgebaut und die GebĂ€udehöhe signifikant verringert. Der prĂ€gende Charakter des HauptgebĂ€udes als freistehender Pavillon wird gestĂ€rkt und auch auf der bislang eher vernachlĂ€ssigten SĂŒdseite des GebĂ€udes ablesbar.
Der RĂŒckbau erfolgt substanzschonend, die Tragstruktur, die Decken und die UmfassungswĂ€nde in UG und EG bleiben erhalten. Die ergĂ€nzenden Bauteile, die beidseitig angefĂŒgt werden, erweitern das Volumen bis an die verbleibenden beiden Rampen in das UG heran. In das verbleibende Volumen wird ein zweigeschossiger Lichthof eingeschnitten, der fĂŒr den Saal C im EG und den sĂŒdlichen Ausstellungsraum im UG Außenbezug und Tageslicht ermöglicht.
Im Bereich des Anbaus werden alle Projekt- und ArbeitsrĂ€ume, die WerkstĂ€tten sowie sĂ€mtliche BĂŒro- und VerwaltungsflĂ€chen vorgesehen. Über den Lichthof tritt der Anbau in vielfĂ€ltige Interaktion mit dem HauptgebĂ€ude, dieser Raum kann fĂŒr Ausstellungen und Workshops, zum Arbeiten ebenso wie zum Feiern genutzt werden, als lebendiger Begegnungsort zwischen den Publikumsbereichen und eher internen Nutzungen.
Um den Anbau spannt sich eine durchlĂ€ssige Fassade aus hellen, stabförmigen Keramikelementen, die diesem eine eher abstrakte, zurĂŒckhaltende aber auch eigenstĂ€ndige Anmutung gegenĂŒber dem HauptgebĂ€ude verleiht.

Beurteilung durch das Preisgericht

Architektur
Der Beitrag ĂŒberzeugt durch einen insgesamt behutsamen und respektvollen Umgang mit der denkmalgeschĂŒtzten Bausubstanz, insbesondere mit der AußenhĂŒlle des HauptgebĂ€udes und der prĂ€genden Glasfassade. Im Erdgeschoss wird eine klare und nachvollziehbare Organisation von Foyer und Ausstellungsbereichen angeboten; die gut voneinander trennbaren Ausstellungszonen lassen zudem eine eigenstĂ€ndige Bespielung und damit flexible Betriebsmodelle erwarten. Als rĂ€umlich interessanter Ansatz ist die Einordnung eines Lichthofs im Anbau hervorzuheben, der insbesondere Saal C sowie die BĂŒrobereiche im Ideenteil aufwertet und durch die zusĂ€tzliche Belichtung eine besondere Aufenthalts- und AusstellungsqualitĂ€t verspricht. Positiv wird darĂŒber hinaus eingeschĂ€tzt, dass im Realisierungsteil vergleichsweise wenige Umbaumaßnahmen vorgesehen sind und damit ein wirtschaftlicher Umgang mit dem Bestand erkennbar wird.

Gleichzeitig bleiben einige konzeptionelle und funktionale Punkte in der vorliegenden Ausarbeitung nicht vollstĂ€ndig ĂŒberzeugend. Der TeilrĂŒckbau des Anbaus wirkt in seiner Setzung unentschlossen; die vorgesehenen Erweiterungen auf der Ost- und Westseite im Ideenteil ĂŒberzeugen die Jury nicht.
Eine offenere, freundlichere Geste in Richtung Hygienemuseum, verbunden mit einer stÀrkeren Adressbildung wird vermisst.

In Bezug auf Raumprogramm und FunktionalitĂ€t bietet der Entwurf ĂŒberzeugende AnsĂ€tze. Die Freilegung des Deckentragwerks in Saal B und C wird ausdrĂŒcklich gewĂŒrdigt. Die Kunsttransportwege mit Zwischenlager im Realisierungsteil sind durchgedacht. DemgegenĂŒber erscheint die Einordnung des Aufzugs fĂŒr Kunsttransporte im Ideenteil unglĂŒcklich. Kritisch gesehen wird zudem, dass die Anordnung der WCs im UG,
welche die Möglichkeit eines mittigen Zugangs zu den unteren Ausstellungsbereichen verstellen.

Fassade / Nachhaltigkeit
Die Arbeit erhĂ€lt die bestehende Pfosten-Riegel-Fassadenkonstruktion und schlĂ€gt als minimalinvasive Maßnahme die thermische Optimierung durch den Austausch der Verglasung vor. Der Sonnenschutz soll lediglich innenliegend, mittels raumhoher VorhĂ€nge erfolgen – woraus jedoch unbehagliche Temperaturen im Sommer bzw. zusĂ€tzliche Energiekosten fĂŒr eine technische KĂŒhlung resultieren. Öffenbare Fassadenelemente zur natĂŒrlichen LĂŒftung sind nicht dargestellt. Es ist offenkundig geplant alle RĂ€ume maschinell zu belĂŒften und im Bereich des Dachanschlusses Nachströmöffnungen vorzusehen.

Denkmalschutz
Positiv wird die Einbringung der barrierefreien Erschließung an der Ostseite bewertet, denn so verbleibt die Nordfassade mit Treppenaufgang und Eingangsbereich im Wesentlichen im Originalzustand.
Aus denkmalfachlicher Sicht wird der behutsame Umgang mit den Fassaden, welche aufgearbeitet werden und in beiden SÀlen gleich behandelt werden sollen, positiv eingeschÀtzt. Auch die dreiseitige Pavillonarchitektur bleibt erhalten.
Des Weiteren sollen die InnenrĂ€ume mit Ihren OberflĂ€chen in ihrem rĂ€umlichen Zusammenhang wieder erlebbar gemacht werden, raumseitig manuell zu bedienende VorhĂ€nge als Sonnenschutz sind als denkmalvertrĂ€glich einzustufen. Bestehende Öffnungselemente im Dach werden zur BelĂŒftung weiterverwendet.

Insgesamt stellt der Entwurf eine wertvolle Auseinandersetzung mit der Aufgabe dar, deren StĂ€rken vor allem in der klaren Organisation im Erdgeschoss und dem sensiblen Umgang mit dem Denkmal liegen; wĂ€hrend die ErgĂ€nzungen des Anbaus und die Erschließung im Ideenteil nicht ĂŒberzeugen.
Isometrie

Isometrie

Schnitt

Schnitt

Grundriss Ideenteil

Grundriss Ideenteil