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2. Rang 2 / 2

Mehrfachbeauftragung | 01/2016

Robertstraße

2. Rang

Schilling Architekten

Architektur

urbanegestalt

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Leitgedanke des Entwurfes ist es, durch m√∂glichst intelligente und √∂konomische Verteilung der Baumassen der gebotenen st√§dtebaulichen Dichte eine r√§umliche Gro√üz√ľgigkeit und Weite entgegenzustellen, die an diesem besonderen Standort nicht nur qualitativ hochwertigen Wohnraum erm√∂glicht, sondern auch eine interessante stadtr√§umliche Bereicherung des gesamten Quartiers darstellt.

Städtebauliche Figur
In Erg√§nzung der kleinteiligen gr√ľnderzeitlichen Bebauung n√∂rdlich und westlich und an der Nahtstelle zu den gro√üma√üst√§blichen baulichen und infrastrukturellen ‚ÄöErrungenschaften‚Äô neueren Datums im Osten wird mit einer einfachen und pr√§gnanten Bauform das Grundst√ľck als lebenswerter Wohnstandort entwickelt und das √∂stlich angrenzende Wohnquartier insgesamt gest√§rkt.
Als typologische wie logische Fortf√ľhrung des im n√∂rdlichen Blockbereich bestehenden st√§dtebaulichen Ordnungsprinzips der strikten Trennung von ‚Äövorne‚Äô und ‚Äöhinten‚Äô, √∂ffentlichen und privaten Bereichen wird die Bebauung als konsequente Blockrandschlie√üung konzipiert. Auf diese Art wird m√ľhelos sowohl eine hohe Qualit√§t der fast ausnahmslos auf den ruhigen Innenbereich orientierten Wohnungen, als auch eine unaufgeregte und angemessene Fassung der Stra√üenr√§ume erreicht.
Der Binnenbereich wird folgerichtig in Ost-West-Richtung von Bebauung freigehalten, so dass er als ein großer zusammenhängender Raum erlebbar wird.
Die neue Bebauung schlie√üt dazu in einer Flucht an die beiden bestehenden Endgeb√§ude des Blockrumpfes an und f√ľhrt sie in einer zeitgem√§√üen Sprache fort. In der Rolshoverstra√üe wird diese Bauflucht durch zwei leichte Knicke dezent aber sehr wirkungsvoll strukturiert und bis zur Einm√ľndung der Dillenburger Stra√üe fortgef√ľhrt.
In der Robertstra√üe dagegen zieht sich die Bauflucht nach 40 Metern zur√ľck und gibt Raum f√ľr den als st√§dtischen Platz ausgebildeten √∂ffentlichen Spielplatz.
Der Baublock wird so auf eine hinsichtlich der Belichtung und Besonnung sowie der Nutzbarkeit des Innenhofes ausreichende Tiefe reduziert, und die bestehende n√∂rdliche ‚ÄöSpitze‚Äô erh√§lt ihr s√ľdliches Pendant.
Die entstandene Platzsituation wird an ihrem s√ľdlichen Ende durch einen markanten Solit√§rbauk√∂rper, der besondere Wohnformen, etwa die Wohngemeinschaft beherbergt, begrenzt. Die etwas niedrigere Bebauung an der Dillenburger Stra√üe erh√§lt ein durchl√§ssiges Gegen√ľber.
Von diesem einger√ľckten √∂ffentlichen Raum aus f√ľhrt eine Wegeverbindung in Ost-West-Richtung durch die neue Bebauung hindurch und bindet diesen an die Rolshoverstra√üe an und verleiht ihm zus√§tzlich Pr√§senz. Vor der Beeintr√§chtigung durch Verkehrsl√§rm gesch√ľtzt und dennoch an seine Umgebung optimal angeschlossen kann hier ein wirklich neuer urbaner Raum im Kontext des Kalker Wegegeflechts entstehen.
Die Konzeption der Bebauung lie√üe sich verk√ľrzt als ‚Äö Weiterbauen + ‚Äô titulieren.

Maßstäblichkeit | Baukörper
Die Sprache des Siedlungsbaus soll hier nicht gesprochen werden. Die Bebauung wird in acht einzelne, identifizierbare Bauk√∂rper unterteilt, von denen sieben die Blockerg√§nzung und einer den Solit√§r bilden. Die Kleinteiligkeit der Parzellierung der Gr√ľnderzeit wird durch eine selbstbewusste zeitgem√§√üe Morphologie erg√§nzt, auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der angrenzenden Stra√üenr√§ume reagiert.
Höhenentwicklung | Anschluss an den Bestand
Im Sinne einer homogenen Quartiersbildung und unter Ber√ľcksichtigung der wirtschaftlichen Ausnutzung des Areals und der vorgegebenen H√∂henbegrenzung wird auf eine differenzierte H√∂henentwicklung verzichtet. Alle Bauk√∂rper werden als ‚Äö5 2/3‚Äô-geschossige Bauten vorgeschlagen. Gegen√ľber etwas niedrigeren Bebauung an der S√ľdseite der Dillenburger Stra√üe wird hier durch den Verzicht auf ein Staffelgeschoss sowie die √Ėffnung der Bauflucht zu und das leichte Einr√ľcken des Solit√§rs reagiert.
An die beiden denkmalgesch√ľtzten Gr√ľnderzeitgeb√§ude an der Robert- und Rolshover-stra√üe wird ‚Äömit etwas Abstand‚Äô durch die Anordnung offener, horizontalen Erschlie√üungs-g√§nge zu den kleineren Wohneinheiten und Studentenappartements angeschlossen.

Architektonische Gesamtqualität
Die architektonische Gesamtqualit√§t des Entwurfes wird durch eine zur√ľckhaltende, zeitgem√§√üe Sprache erzielt. Die Bauk√∂rper moderner, informeller Pr√§gung stellen einen dem Ort angemessenen soliden und robusten Wohnungsbau dar. Der pr√§gnante Solit√§rbau bedarf sicherlich noch der genaueren architektonischen Ausformulierung um seiner besonderen Stellung gerecht zu werden.
Bautypologie
Durch die Ausnutzung der st√§dtebaulich vorgegebenen H√∂henentwicklung entsteht die Grundlage f√ľr die Schaffung des urbanen Ortes. Das Erdgeschoss der Geschosswohnungsbauten ist um einen bis eineinhalb Meter erh√∂ht angeordnet. Diese Hochparterrel√∂sung bewirkt deutliche Qualit√§tsgewinne f√ľr die dahinter befindlichen Wohnr√§ume und ist die Anwendung einer bew√§hrten st√§dtischen Wohnform.
Die homogene Ausbildung der Bauk√∂rper mit konsequent innenliegenden Freisitzen zu den √∂ffentlichen R√§umen bietet gesch√ľtzte R√ľckzugsorte im Freien f√ľr die Bewohner im dichten Gef√ľge von Bebauung und Verkehr. Zu dem ruhigen s√ľdlichen Innenbereich sind vorgeh√§ngte, etwas verspielt versetzte Balkone vorgesehen, die hier eine eher famili√§re Atmosph√§re vermitteln.

Erschließung | Wohnungsmix | Wohnungsverteilung | Finanzierung
Die klassischen Wohneinheiten werden als Drei- oder Viersp√§nner erschlossen. Lediglich die Studentenappartements werden √ľber Laubeng√§nge (Norden) oder ein gro√üz√ľgigen offenen Innenhof (Solit√§r) erschlossen. Die Treppenh√§user werden auf den Nord- und Ostseiten angeordnet.
Der vorgegebene Wohnungsmix wurde weitestgehend erf√ľllt, mit leichtem √úberhang zuguns-ten kleinerer Wohneinheiten.
Die unterschiedlich gro√üen Wohneinheiten wurden gleichm√§√üig √ľber das Baufeld und auch die Etagen verteilt. Es wurde Wert darauf gelegt, dass alle Wohneinheiten √ľber S√ľd- oder Westausrichtung und √ľber eine Anbindung an einen ruhigen Innenbereich verf√ľgen.
Wir schlagen vor, die freifinanzierten Wohnungen in zwei Ost-West-orientierten Baukörpern an der Robertstraße vorzusehen. Das vorgegebene Verhältnis von öffentlich gefördertem zu freifinanziertem Wohnungsbau konnte realisiert werden.

Mehrgenerationenhäuser, Wohngemeinschaft, Studentenapartements
Wir schlagen vor, die besonderen Wohnformen mit Ausrichtung auf und Anbindung an den √∂ffentlichen Stadtplatz anzuordnen um diesen zus√§tzlich zu beleben. Die beiden Mehrgenerationenh√§user sind an der n√∂rdlichen Platzseite vorgesehen, die Wohngemeinschaft scheint pr√§destiniert f√ľr das Erdgeschoss des Solit√§rgeb√§udes. Die √ľber 80 Studentenappartements sind zum einen ebenfalls in diesem Solit√§r, zum anderen in der Brandwandbebauung zum Bestand untergebracht.

Kindertagesstätte
Die Kindertagesst√§tte wird eingeschossig organisiert und befindet sich im Erdgeschoss des n√∂rdlichen Bauk√∂rpers an der Rolshoverstra√üe und in dem niedrigen Bauk√∂rper, der den Innenbereich unterteilt. Sie fasst die fu√ül√§ufige Ost-West-Querung, sch√ľtzt den eigenen Freibereich und ist gleichzeitig sowohl an den √∂ffentlichen Spielplatz angebunden als auch von der Rolshover Stra√üe aus leicht erreichbar.

Fassadengestaltung | Materialität
Eine zur√ľckhaltende Sprache, ein ausgewogenes Verh√§ltnis von horizontaler und vertikaler Gliederung sowie die klar ablesbare Kontur der Geb√§ude sind die wesentlichen Charakteristika der Konzeption. Die gegen√ľber den √∂ffentlichen Stra√üenr√§umen in die Geb√§udevolumen vollst√§ndig eingelassenen, von au√üen dennoch wahrnehmbaren Loggien, lockern das Gesamtbild in angenehmer Weise auf.
Die jeweils acht Baukörper sollten straßenseitig hinsichtlich ihrer Textur, Oberflächen-behandlung und Farbigkeit leicht differenziert voneinander ausformuliert werden, jedoch einem gemeinsamen Farb- und Formenkanon verpflichtet bleiben. Dies korrespondiert einerseits mit den unterschiedlich dimensionierten Straßenräumen, schafft aber andererseits ein harmonisches Gesamtbild aus Einheiten, die in ihrer Maßstäblichkeit angenehm und begreifbar sind.
Hinsichtlich der Materialit√§t der Fassaden bietet die konsequente Trennung von st√§dtischer Au√üen- und privater Innenseite die M√∂glichkeit der differenzierten Behandlung. Ein sch√∂ner, glatter Ziegel w√§re als robuste Oberfl√§che f√ľr die sieben, den Blockrand bildenden Bauk√∂rper stadtseitig sicherlich an diesem Ort eine gute Wahl. Innenseitig w√§re auch eine sch√∂ne Putzfassade denkbar.

Wirtschaftlichkeit
Die vorgeschlagene konsequente Ausnutzung der zul√§ssigen Bebauungsdichte bei √∂konomischer Bauk√∂rperkonfiguration, -stellung und -organisation, die dennoch eine atmosph√§rische Gro√üz√ľgigkeit des Gesamtensembles erm√∂glichen, scheint uns die notwendige Grundlage f√ľr einen wirtschaftlichen und letztendlich auch architektonischen Erfolg des Projektes zu sein. Die von uns vorgeschlagene Dichte (GFZ eff.) betr√§gt unter Ber√ľcksichtigung des ¬ß21 (a) der BauNVO 1,88.

Freiraumkonzept
Ein städtischer Hof im Norden
In Erg√§nzung des Bestands entsteht hier ein durchgr√ľnter st√§dtischer Hof. Die gro√üen Bestandsb√§ume werden mit lichtdurchl√§ssigen, gro√ükronigen Geh√∂lzen erg√§nzt. Trotz unterschiedlicher Baujahre erzeugen die Bauten mit einer umlaufenden Traufh√∂he und das hohe Baumdach einen Zusammenhang. So ist die heterogene Bespielung im unteren Bereich gefasst. Ein Hausdurchgang zur Roberststra√üe formuliert eine qualit√§tvolle Hofadresse f√ľr den Wohnungsbau und ist als Andienung f√ľr das Au√üengel√§nde der Kita notwendig. Hohe Hecken schaffen die erforderliche Trennung zwischen der Erschlie√üungsfunktion, der Kita-Freifl√§che und den bestehenden H√∂fen. Die Kinder k√∂nnen im Hof die jahreszeitliche Vielfalt unterschiedlicher B√§ume, wie Ulme, Erle, Kirsche und Linde erleben und haben leicht die M√∂glichkeit die Spielfl√§chen auf dem Robertplatz mit zu benutzen.

Ein Gemeinschaftsgarten im s√ľdlichen Blockinnenbereich
Die neuen Wohngeb√§ude bilden den Raum f√ľr eine aktive und gr√ľne Freifl√§che im S√ľdosten. Die sozialr√§umige Abstufung der privaten Freibereiche zum gemeinschaftlichen Erholungs- und Spielraum gelingt mit kleinen, von Hecken umfahrenen Freisitzen auf einem H√∂henversatz, der zugleich als Gartenmauer der zugeordneten Bereiche und Ort f√ľr technische Bauwerke zur Bel√ľftung der Tiefgarage ist. Ein Rahmen aus kleinkronigen B√§umen erzeugt eine intensiv nutzbare Mittelzone mit Angeboten f√ľr Aufenthalt und Spiel.

Robertplatz
Den westlich ausgesparten Raum haben wir Robertplatz genannt. Er ist zugleich als √∂ffentlicher Raum und als Ort des Quartiers gedacht. Teil des Quartiers in dem Sinne, dass die Anlieger im Erdgeschoss m√∂glichst viele Blicke und Momente in den Platz hinein haben. Eine schmale Vorzone, die kein Vorgarten ist erlaubt Sitze und Sichtpuffer, aber eben auch N√§he. Der Solit√§r im S√ľden wird vom Platz eingefasst. An der Kontaktzone wird ein gr√ľner Puffer auf Sockelh√∂he eingef√ľhrt, der dem Platz eine definierende Kante bietet. Umlaufend schlie√üt eine Bewegungszone an, auf der Fu√üg√§nger und Radfahrer den Platz umsp√ľlen. Dieser Bereich ist unterschiedlich breit und es liegen Angebote zum Aufenthalt, zur Kommunikation und zum Spiel auf dem Weg.
Die diagonalen Beziehungen werden geometrisch in den Flächen aufgegriffen, ein gerader Weg wird absichtlich nicht angeboten, wer hier durch will, soll mit dem Quartier in Kontakt geraten.
Der innere Platz ist offen und vom Thema des Spiels bestimmt, Kiefern oben und Gr√§ser unten sind so zusammengestellt, dass auf Augenh√∂he Durchblick und Weite zu sp√ľren sind. Das Spielangebot hat verschiedene Funktionsbereiche, vertikale Holzst√§mme, silbergrau und knorrig, halten gestalterisch alles zusammen. Die Schnittbereiche der intensiven Spielfl√§chen laden mit einer Mehrzahl kleiner Pl√§tze alle Generationen auf den Platz ein.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die st√§dtebauliche Figur des teilweise unterbrochenen Blockrandes mit der ausgesparten Freifl√§che an der Robertstra√üe schafft hohe r√§umliche Qualit√§ten, sowohl im durchlaufenden Blockinnenbereich als auch nach au√üen. Der Solit√§rbauk√∂rper mit einer Geb√§udetiefe von 27 Metern im S√ľdwesten wird aber st√§dtebaulich problematisch f√ľr das Quartier gesehen. Die vorgeschlagenen Geb√§udetiefen von 11 bis 14 Metern der weiteren Bauk√∂rper werden als angemessen bewertet. Es werden gute Architekturans√§tze in den Fassaden und im Umgang mit dem Staffelgeschoss gezeigt. Die Arbeit hat diesbez√ľglich eine hohe Qualit√§t.

Nachteilig ist, dass der Entwurf die geforderte BGF um etwa 1.000 m² unterschreitet. Dieses Defizit muss nachgearbeitet werden, was in Bezug auf den in Frage gestellten Solitär nicht einfach umsetzbar sein wird.
Schwarzplan

Schwarzplan

Lageplan

Lageplan

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Regelgeschoss

Grundriss Regelgeschoss

Grundriss Staffelgeschoss

Grundriss Staffelgeschoss

Ansichten und Schnitte

Ansichten und Schnitte

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