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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2026

Sanierung B-Gebäude am Landeskrankenhaus Graz II (AT)

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2. Preis

Preisgeld: 29.000 EUR

Kronaus Mitterer Architekten

Architektur

Architekten Mühlbacher Marschalek

Architektur

Erläuterungstext

Beschreibung der städtebaulichen, architektonischen und innenräumlichen Qualität
Der Entwurf folgt im Umgang mit dem Bestand dem Prinzip des Belassens und Weiterentwickelns. Vorhandene räumliche Qualitäten werden freigelegt und in eine zeitgemäße Nutzung überführt. Veranden, Loggien und wintergartenartige Erweiterungen werden als Aufenthaltsbereiche mit Außenraumbezug neu aktiviert und wieder erlebbar gemacht.
Die daraus entwickelte Zonierung reagiert auf die differenzierten Anforderungen von Pflege und psychiatrischer Versorgung. Wohnbereiche, gemeinschaftliche Zonen und Rückzugsräume sind so angeordnet, dass sie Orientierung bieten und zugleich vielfältige Nutzung ermöglichen. Tageslicht, Freiraumbezug und Sichtbeziehungen strukturieren die Räume und unterstützen eine klare innere Ordnung.

Materialität und Gestaltung folgen dem Prinzip der Entinstitutionalisierung. Ziel ist eine ruhige, alltagstaugliche Atmosphäre, die sich bewusst von einer krankenhaustypischen Erscheinung löst. Licht, Farben und akustische Maßnahmen tragen zur Reduktion von Stressfaktoren bei, technische Elemente werden integrativ und zurückhaltend umgesetzt. Die Zimmer bieten flexible Möblierungsmöglichkeiten und ermöglichen unterschiedliche Grade an Privatsphäre.
Die Erschließung erfolgt über einen Mittelgang, der durch gemeinschaftliche Funktionen wie Tagräume, Teeküchen und Stützpunkte räumlich erweitert wird. Diese Bereiche bilden zentrale Orte der Begegnung im Stationsalltag. In den Erdgeschosszonen bestehen direkte Bezüge zu geschützten Außenräumen, die in die Nutzung integriert sind. Gruppen-, Pflege- und Therapieräume werden zu funktionalen Einheiten gebündelt.
Im Bereich der Therapieeinrichtungen wird Tageslicht über Dachöffnungen und Lufträume gezielt in die Tiefe des Gebäudes geführt. Es entstehen helle, ruhige Räume mit klarer Atmosphäre.

Der Entwurf versteht den Bestand als Ausgangspunkt einer präzisen Weiterentwicklung. Eine Transformation, die Orientierung schafft und eine angemessene räumliche Qualität für Pflege und Therapie bereitstellt.

Konstruktion, Materialität, Details - Umbau im Bestand
Das Projekt verfolgt das Ziel, die Eingriffe in die bestehende Struktur auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Konstruktive Maßnahmen werden gezielt und zurückhaltend eingesetzt. Dach und Dachstuhl bleiben erhalten; punktuelle Öffnungen für die Bauabwicklung sind vorgesehen und werden anschließend wieder geschlossen. Die Fassade wird instandgesetzt, Fenster, Portale und Sonnenschutz erneuert sowie ergänzende Zugänge zum Garten geschaffen.

In den Stationsbereichen B1 bis B4 bleiben tragende Wände und Mittelmauern weitgehend bestehen. Für die Ausbildung eines Mittelgangs werden Querwände nur partiell angepasst, Eingriffe in die Deckenkonstruktion beschränken sich auf einzelne Bereiche. Die Raumstruktur orientiert sich eng am Bestand. Zentrale Funktionen wie Tagraum und Stützpunkt sind an den Stationszugängen gebündelt und erfordern nur geringe Abbruchmaßnahmen.
Auch in Station 3 wird die vorhandene Tragstruktur weitgehend beibehalten. Die Raumaufteilung und Schachtführung sind so angelegt, dass bestehendes Mauerwerk größtenteils erhalten bleibt. Eingriffe beschränken sich auf untergeordnete Zwischenwände. Im Bereich der Therapie wird die Decke punktuell geöffnet, um Tageslicht in die Tiefe zu führen, unter Berücksichtigung der bestehenden Dachkonstruktion.
Die Stiegenhäuser werden funktional angepasst und ergänzt, etwa zur Verbesserung der Zugänglichkeit zum Garten. Die bestehenden Bettenlifte bleiben in ihrer Lage erhalten.

Freianlagengestaltung
Die Freiraumgestaltung versteht den Außenraum als integralen Bestandteil des therapeutischen Alltags. Ein klar geführter Rundweg erschließt den Park und verbindet unterschiedliche Nutzungsangebote. Entlang dieses Weges liegen aufgeweitete Bereiche, die Raum für Bewegung, Spiel und einfache Aktivitäten bieten, ergänzt durch offene Rasenflächen für frei nutzbare Bewegungsangebote. So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen angeleiteten und selbstbestimmten Nutzungen.
Gleichzeitig wird dem Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug Rechnung getragen. Terrassen an den Gebäuden fungieren als Übergangszonen mit Überblick in den Park. Entlang der Wege bieten Sitzbereiche, teilweise überdacht, unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten. Ergänzend entstehen geschützte Ruhezonen mit dichter Bepflanzung, die Privatsphäre und Entspannung ermöglichen.

Die landschaftliche Gestaltung orientiert sich am Bestand. Vorhandene Bäume bleiben erhalten und prägen weiterhin den Charakter des Freiraums. Ergänzt wird dies durch Wiesenflächen und heimische Gehölze, die ein robustes und pflegeleichtes Gesamtbild schaffen und zugleich die Biodiversität stärken.

Die Wegeführung ist intuitiv angelegt. Von den Terrassen führen sanft geneigte Rampen in den Garten, der Rundweg strukturiert die Bewegung und verbindet alle Bereiche miteinander. Orientierung entsteht über einfache, wiederkehrende Elemente und klare Bezüge, alle Wege führen zurück zum Ausgangspunkt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Teilnehmer zeigt eine hochwertige Ausformulierung des Freiraumbereiches inkl. Darstellung von möglichen Therapieangeboten und geht sensibel auf den Kontext der vorhandenen Parkanlage ein. Die Freiraumplanung bietet für die Patienten durchgängige Wegebereiche an, welche mit den Aufenthaltsbereichen der Erdgeschosszone verbunden sind. Biodiverse Landschaftsbereiche wechseln neben Bewegungs- und Spielzonen ab und bieten den Patienten eine angenehme Abwechslung zum Spitalsalltag. Sämtliche Zugänge sind gut gelöst, ebenso die durchaus schwierigen Zugänglichkeiten zu den geschützten (UBG) Bereichen.

Die Magistralstruktur ist klar gegliedert und schafft ein gutes Maß an Orientierung. Die angeordneten Stützpunkte liefern leider nicht immer eine durchgängige Übersichtlichkeit für den stationären Betrieb. Insbesondere wurde in der nordwestlichen Ecke die Anordnung von Nebenräumen als nicht ganz ideal gesehen. Die Tagraumstruktur verbindet sich gut mit den inneren Abläufen und bietet eine schöne Aufenthaltsqualität für die Patienten. Die angebotenen Zimmerbereiche sind trotz der Vorgaben aus dem Bestand gut gelöst und ermöglichen auch den notwendigen Rückzug für die einzelnen Patienten.

Begeistert hat die Jury das sehr harmonische und angenehme Farb- und Materialkonzept, welches eindrucksvoll in den Schaubildern dargelegt wurde.