Offener Wettbewerb | 09/2025
Sanierung und Erweiterung Campus BBZ Weinfelden (CH)
4
BBZ_Vorplatz
©Carlos Martinez Architekten AG
2. Rang / 2. Preis
Preisgeld: 65.000 CHF
Architektur
-
Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Landschaftsarchitektur
Tragwerksplanung, Brandschutzplanung
Energieplanung, Nachhaltigkeitskonzept
Borgogno Eggenberger + Partner AG Bauingenieure
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
EDURA
Neues Denken im Bestand
Dem Erhalt sowie einer Reaktivierung und Umnutzung der bestehenden Bauten wird erste Priorität eingeräumt: Die vom Architekturbüro Antoniol + Huber erstellten markante roten Gebäude A und C bilden seit 1978 die Identität auf dem Campus Areal.
So bleibt es auch nach der anstehenden Verdichtung.
Vier gezielte Interventionen transformieren den Campus des BBZ:
– Gebäude A wird behutsam saniert und nimmt künftig das GBW auf.
– Gebäude C wird zum zentralen Forum umgenutzt.
– Die Gebäude E und F erhalten eine zurückhaltende Erweiterung und werden vom BZWW genutzt.
– Ein Neubau für das GBZ mit zehn Demoräumen schliesst den Campus im Südwesten ab.
Ortsbauliche Eingliederung: Der historisch gewachsene, allseitig von Strassenzügen gefasste Campus wird durch zwei präzise gesetzte Einzelbauten ergänzt. An der Festrasse im Westen des Areals wird der winkelförmige, gestufter Baukörper, der sich aus einem klar proportionierten, viergeschossigen Volumen und einem eingeschossig in Erscheinung tretenden Sockel zusammensetzt durch einen viergeschossigen Baukörper komplettiert. Die bestehende Anlieferung bleibt in ihrer Funktion und Lage unverändert erhalten.
Auf der Ostseite, auf der heutigen Parkierungsfläche, entsteht ein viergeschossiger, freistehender Baukörper, der den Campus entlang der Industriestrasse ergänzt.
Das zum Forum umgenutzte ehemalige Werkstattgebäude C bildet das räumliche und ideelle Zentrum des Areals. Durch seine Lage beim Hauptgang zum Areal markiert es zugleich den Auftakt zum zentralen länglichen Freiraum in nordsüd Richtung.
Der bestehende Freiraum, der die Hauptzugänge zu den verschiedenen Gebäudeclustern verbindet, wird entsiegelt und durch die Pflanzung von Baumgruppen in seiner Aufenthaltsqualität deutlich aufgewertet. Die bestehende Vernetzung mit den angrenzenden Quartieren der Stadt Weinfelden wird weiterhin aufrechterhalten.
Umgang mit dem Bestand, Denkmalpflege: Die als schützenswert eingestuften Gebäude A und C werden unter Wahrung ihrer charakteristischen Betonstruktur, die als massive Fassung für die Ausfachungen aus Glas und Stahl dient, behutsam saniert. Das Gebäude C wird künftig als Forum genutzt. Das 2007 errichtete Gebäude E/F – eines der ersten Schulhäuser im Minergie-Standard – wird erweitert. Durch die Aufwertung des Freiraums erhalten beide Gebäudecluster eine klimagerechte und qualitativ hochwertige Aufenthaltsqualität.
ERWEITERUNG + NEUBAU BZWW
Architektonisches Konzept: Die Gestaltung des viergeschossigen Neubaus orientiert sich an den 2007 errichteten Gebäuden E und F – einem der ersten Schulhäuser im Minergie- Standard. Raumhöhen werden übernommen, Vertikalerschliessungen gemeinsam genutzt. Ziel ist eine harmonische äussere Gesamtwirkung. Im Inneren greift der Neubau die bestehenden offenen Kaskadentreppen auf. Im Gegensatz zum Bestand entstehen jedoch durch ein grosszügiges im Kernbereich Lern- und Aufenthaltsräume mit hoher räumlicher Qualität. Eine Shedstruktur führt Tageslicht tief in den Gebäudekörper und schafft eine helle, angenehme Atmosphäre.
UMBAU FORUM
Das Forum bildet ein neues, zentrales Bindeglied für die drei Schulen am Campus BBZ Weinfelden, welches für die Öffentlichkeit zugänglich sein soll und die Berufsschulen nach aussen repräsentiert.
Auszug aus dem Wettbewerbsprogramm zu den wichtigsten Gemeinschaftsbereichen zählen Foyer, Cafeteria, Mensa, Aula, Mediothek und die Aufenthaltsräume. Sie sollen Raum für formelle und informelle Aktivitäten des Schullebens bieten und an attraktive Aussenbereiche angebunden sein. Die Forumsräume sind offen für externe Nutzungen und widerspiegeln die vielfältigen Beziehungen der Schule zur Öffentlichkeit und zur Stadt Weinfelden. Auszug aus dem Wettbewerbsprogramm mit dem Forum an zentraler Lage im ortsbildprägenden ehemaligen Werkstattgebäude von Antoniol + Huber entsteht auf dem Areal ein offener, einladender Begegnungs- und Verpflegungsbereich für alle drei Berufsfachschulen.
Architektonisches Konzept: Das ehemaligen Werkstattgebäude mit seiner 3 schiffigen Struktur und grossem Satteloblicht erhält durch das Entfernen der hölzernen Zwischendecken seine ursprüngliche inne räumliche Grosszügigkeit und Qualität zurück. Die Fassadenfüllungen in Metall und Glas werden sanft energetisch saniert sollen aber ihren technischen Ausdruck sowie die Farbigkeit behalten. Die Aula wird als stützenfreier Raum zwischen Gebäude A und C realisiert und ergänzt so das räumlich vielfältige Angebot des Forum.
NEUBAU GBW
Ein Gebäude mit industriellem und handwerklichem Charakter, welches das Berufsbildungszentrum (BBZ) zukunftsorientiert positioniert. Der flexibel organisierte Grundriss ermöglicht anpassbare Raumkonfigurationen für unterschiedliche didaktische und betriebliche Anforderungen. Die Schule versteht sich als inklusiver Lernort, der handwerkliche und digitale Werkstätten integriert und vielfältige Lernformen unterstützt – vom individuellen Arbeiten über Teamarbeit bis hin zum forschenden Lernen. Ein lebendiger Ort, der theoretisches Wissen und praktische Erfahrung verbindet.
Architektonisches Konzept: Das Gebäude reagiert auf verschiedene Nutzungsanforderungen und kombiniert Demoräume mit vielfältigen Lernraumtypen. Die daraus resultierenden differenzierten Raumtiefen werden durch ein geeignetes Gebäuderaster sowie in die Fassade integrierte Lüftungssteigzonen ermöglicht. Sämtliche Nasszellen, Liftanlagen, Treppen und Nebenräume sind kompakt in einem zentralen Erschliessungskern zusammengefasst.
Ein grosszügiges Vordach markiert den Haupteingang, betont den Anlieferbereich und unterstreicht den industriellen Charakter des «Werkstattgebäudes». Die Demoräume im Erdgeschoss sind sowohl über die zentrale «Lernwerkhalle» intern als auch direkt von aussen über grossformatige Tore zugänglich.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Entwurfskonzept für das Projekt Edura legt den Schwerpunkt auf den Erhalt der bestehenden Bauten. Die identitätsstiftende Architektur aus der Entstehungszeit des neuzeitlichen BBZW soll den Campus auch künftig prägen. Ein klares städtebauliches Konzept unterstützt diese Absicht. Zwei präzise gesetzte Erweiterungsbauten fassen das Berufsschulareal an seinen Rändern, während die Gebäude A und C als Zentrum der Anlage etabliert werden.
An der Feststrasse ergänzt ein viergeschossiger Schultrakt mit zentralem Atrium den L-förmigen Bestandesbau. Zwei Passerellen verbinden den freistehenden Neubau mit den Trakten E und F. Der vorgeschlagene Zugang zum neuen Foyer über den Haupteingang des Gebäudes A führt im Schulbetrieb jedoch zu Engpässen und bedarf einer Überarbeitung. Auf der Ostseite schliesst der Neubau für die gewerblichen Berufe den Campus ab.
Ein robustes Aussenraumkonzept lädt zur Aneignung durch die Nutzerschaft ein. Die bestehende Haupterschliessungsachse wird durch baumbestandene Schotterraseninseln und Pflanztröge aufgewertet. Im schmalen Aussenraum zwischen den Trakten A und C und dem rechtwinklig dazu angeordneten Erweiterungstrakt überlagern sich gedeckte Eingangsbereiche, gestaltete Aufenthaltsflächen und eine sekundäre Fusswegverbindung zwischen Schützenstrasse und südlichem Garten. Der abgesenkte Bereich vor der Mensa wird mit Sitz- und Treppenstufen gestaltet. Die hindernisfreie Erschliessung dieses Bereichs vermag nicht zu überzeugen. Die Parkierung rechtwinklig zur Schützenstrasse ist unerwünscht. Überzeugend hingegen ist die Aufteilung der Parkgarage in zwei Teile mit separaten Zufahrten von der Feststrasse bzw. der Industriestrasse her. Dies entspricht der gut etappierbaren Städtebaustrategie und verteilt den Verkehr auf mehrere Zufahrtsstrassen.
Der zurückhaltende architektonische Ausdruck der Neubauten unterstützt die bewusste Akzentuierung des charakteristischen Bestandes und ergänzt diesen in angemessener Weise. Auch im städtebaulichen Kontext wirkt die vorgeschlagene Gliederung der hinterlüfteten Fassaden mit vorfabrizierten Verkleidungselementen aus Metallblech, Faserzement und Beton stimmig.
Das Werkstattgebäude wird zum multifunktionalen Forum umgestaltet und soll das «räumliche und ideelle Zentrum» des künftigen BBZ-Campus bilden. Eine komplexe Abfolge unterschiedlich hoher Hallenräume, die offen ineinanderfliessen, sich bei Bedarf jedoch unterteilen lassen, setzt die ursprüngliche Architektur stimmungsvoll in Szene.
Bemerkenswert ist der Vorschlag, die Nutzfläche des Werkstatttrakts durch ein punktuelles Absenken des Fussbodens im Trakt A zu vergrössern und an dieser Stelle, gleichsam als pulsierendes Herz des neuen Campus, die Aula zu «implantieren». Dieses Verschleifen der ursprünglichen Einzelbaukörper verspricht räumliche Qualitäten, ist jedoch aus denkmalpflegerischer Sicht konzeptionell und semantisch zu hinterfragen.
Unverständlich bleibt zudem die Lage der Betriebsküche. Die im Bereich der Nebenräume geschlossene Fassade entlang der Schützenstrasse widerspricht der Idee eines repräsentativen, öffentlichen und einladenden Forums. Die tiefgreifenden Umbaumassnahmen im Werkstattgebäude wirken sich auch auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts aus. Neben der Bodenabsenkung und den statischen Abfangmassnahmen für die stützenfreie Raumgestaltung fällt insbesondere der Verlust des Technikraumes im Untergeschoss ins Gewicht.
Aus betrieblicher Sicht weist die vorgeschlagene Raumaufteilung Nachteile auf. Die drei Berufsschulen lassen sich nur schwer in den Räumlichkeiten verorten. Die fragmentarische Verteilung der Nutzungen, teils auf mehrere Trakte, erschwert den Schulbetrieb und die Identifikation erheblich.
In der Gesamtbetrachtung leistet das Projekt Edura vor allem in städtebaulicher Hinsicht einen wertvollen Beitrag zur gestellten Bauaufgabe. Die gewählte Disposition stärkt den Schulcampus im Kontext des Bahnhofareals, während die bauliche Entwicklungsgeschichte des BBZ durch die Abfolge von hohen und niedrigen Baukörpern entlang der Schützenstrasse weiterhin ablesbar bleibt. Der dezente Auftritt der Neubauten im Hintergrund rückt die charakteristische Architektur der «klassischen Thurgauer Postmoderne» in den Vordergrund. Die vertraute Identität des BBZW bleibt damit auch künftig erhalten.
An der Feststrasse ergänzt ein viergeschossiger Schultrakt mit zentralem Atrium den L-förmigen Bestandesbau. Zwei Passerellen verbinden den freistehenden Neubau mit den Trakten E und F. Der vorgeschlagene Zugang zum neuen Foyer über den Haupteingang des Gebäudes A führt im Schulbetrieb jedoch zu Engpässen und bedarf einer Überarbeitung. Auf der Ostseite schliesst der Neubau für die gewerblichen Berufe den Campus ab.
Ein robustes Aussenraumkonzept lädt zur Aneignung durch die Nutzerschaft ein. Die bestehende Haupterschliessungsachse wird durch baumbestandene Schotterraseninseln und Pflanztröge aufgewertet. Im schmalen Aussenraum zwischen den Trakten A und C und dem rechtwinklig dazu angeordneten Erweiterungstrakt überlagern sich gedeckte Eingangsbereiche, gestaltete Aufenthaltsflächen und eine sekundäre Fusswegverbindung zwischen Schützenstrasse und südlichem Garten. Der abgesenkte Bereich vor der Mensa wird mit Sitz- und Treppenstufen gestaltet. Die hindernisfreie Erschliessung dieses Bereichs vermag nicht zu überzeugen. Die Parkierung rechtwinklig zur Schützenstrasse ist unerwünscht. Überzeugend hingegen ist die Aufteilung der Parkgarage in zwei Teile mit separaten Zufahrten von der Feststrasse bzw. der Industriestrasse her. Dies entspricht der gut etappierbaren Städtebaustrategie und verteilt den Verkehr auf mehrere Zufahrtsstrassen.
Der zurückhaltende architektonische Ausdruck der Neubauten unterstützt die bewusste Akzentuierung des charakteristischen Bestandes und ergänzt diesen in angemessener Weise. Auch im städtebaulichen Kontext wirkt die vorgeschlagene Gliederung der hinterlüfteten Fassaden mit vorfabrizierten Verkleidungselementen aus Metallblech, Faserzement und Beton stimmig.
Das Werkstattgebäude wird zum multifunktionalen Forum umgestaltet und soll das «räumliche und ideelle Zentrum» des künftigen BBZ-Campus bilden. Eine komplexe Abfolge unterschiedlich hoher Hallenräume, die offen ineinanderfliessen, sich bei Bedarf jedoch unterteilen lassen, setzt die ursprüngliche Architektur stimmungsvoll in Szene.
Bemerkenswert ist der Vorschlag, die Nutzfläche des Werkstatttrakts durch ein punktuelles Absenken des Fussbodens im Trakt A zu vergrössern und an dieser Stelle, gleichsam als pulsierendes Herz des neuen Campus, die Aula zu «implantieren». Dieses Verschleifen der ursprünglichen Einzelbaukörper verspricht räumliche Qualitäten, ist jedoch aus denkmalpflegerischer Sicht konzeptionell und semantisch zu hinterfragen.
Unverständlich bleibt zudem die Lage der Betriebsküche. Die im Bereich der Nebenräume geschlossene Fassade entlang der Schützenstrasse widerspricht der Idee eines repräsentativen, öffentlichen und einladenden Forums. Die tiefgreifenden Umbaumassnahmen im Werkstattgebäude wirken sich auch auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts aus. Neben der Bodenabsenkung und den statischen Abfangmassnahmen für die stützenfreie Raumgestaltung fällt insbesondere der Verlust des Technikraumes im Untergeschoss ins Gewicht.
Aus betrieblicher Sicht weist die vorgeschlagene Raumaufteilung Nachteile auf. Die drei Berufsschulen lassen sich nur schwer in den Räumlichkeiten verorten. Die fragmentarische Verteilung der Nutzungen, teils auf mehrere Trakte, erschwert den Schulbetrieb und die Identifikation erheblich.
In der Gesamtbetrachtung leistet das Projekt Edura vor allem in städtebaulicher Hinsicht einen wertvollen Beitrag zur gestellten Bauaufgabe. Die gewählte Disposition stärkt den Schulcampus im Kontext des Bahnhofareals, während die bauliche Entwicklungsgeschichte des BBZ durch die Abfolge von hohen und niedrigen Baukörpern entlang der Schützenstrasse weiterhin ablesbar bleibt. Der dezente Auftritt der Neubauten im Hintergrund rückt die charakteristische Architektur der «klassischen Thurgauer Postmoderne» in den Vordergrund. Die vertraute Identität des BBZW bleibt damit auch künftig erhalten.
BBZ_Situation
©Carlos Martinez Architekten AG
BBZ_Aula/Forum
©Carlos Martinez Architekten AG
BBZ_Atrium
©Carlos Martinez Architekten AG