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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2009

Sanierung und Erweiterung Rathaus Calw

Perspektive Außenraum

Perspektive Außenraum

2. Rang

Preisgeld: 16.000 EUR

Kauffmann Theilig & Partner, Freie Architekten BDA, Partnerschaft GmbB

Architektur

ErlÀuterungstext

Konzept

Grundlegender Gedanke bei der Bearbeitung des Entwurfs war die Aufwertung sowohl der stĂ€dtebaulichen als auch der innenrĂ€umlichen Situation des Rathauses in Calw. Unter Erhalt historisch bedeutsamer Substanz wird das Bauwerk baukonstruktiv und bauphysikalisch ertĂŒchtigt. Das Konzept erhĂ€lt alle Kulturdenkmale, sowohl die GebĂ€ude der Stadtverwaltung als auch den Kindergarten.


StÀdtebau

Die innerstĂ€dtische Situation in Calw zeigt eine sehr hohe Bebauungsdichte durchbrochen von vielen PlĂ€tzen, Marktplatz, Fruchtmarkt und dem Platz vor dem Kindergarten. Diese QualitĂ€ten werden durch das Konzept gestĂ€rkt. Im wesentlichen werden vier Maßnahmen getroffen.

- Die GebÀude Salzgasse 6, 6/1 und 8/1 werden durch einen Neubau ersetzt.

- Das GebĂ€ude Schulgasse 5 (Kindergarten) wird durch einen Neubau in sĂŒd-westlicher Richtung ergĂ€nzt.

- Das GebĂ€ude Marktplatz 9 (Rathaus) wird im Erdgeschoss wieder an den erbauungszeitlichen Zustand angenĂ€hert. Der Einbau des Jahres 2000 wird entfernt und die offenen Arkaden werden bis auf einen neuen Erschließungskern wieder hergestellt. Die 1999 verĂ€nderte Treppe vor dem SchĂ€berle’schen Haus wird rĂŒckgebaut und dessen Eingangssituation vom Marktplatz aus verbessert.

- Das GebĂ€ude Schulgasse 4 wird entfernt und das GrundstĂŒck wird in eine GrĂŒnflĂ€che umgewandelt.

Durch diese Maßnahmen werden die vorhandenen Potentiale gestĂ€rkt und die beengte Situation hinter dem Rathaus aufgeweitet. Das historische bedeutsame Quartier hinter dem Rathaus erhĂ€lt die gewĂŒnschte AufenthaltsqualitĂ€t, durch den neuen Quartiersplatz auf dem Dach des neuen VerbindungsgebĂ€udes entsteht eine reizvolle Platzfolge die als innerstĂ€dtische Treffpunkt funktioniert, belebt durch die Öffnung des Mehrzweckraumes des Kindergartens auf diesen Platz. Durch die Verbreiterung der Treppe wird die Topographie und der Höhenversprung zwischen Fruchtmarkt und Kindergarten besser erlebbar. Die Treppe zwischen den Niveaus wir heller und freundlicher. Trotz Verdichtung wird mit wenigen Maßnahmen eine wesentlich großzĂŒgigere Situation erreicht, die Licht und Platz schafft und Ansichten und Aussichten ermöglicht.


Funktionen Marktplatz 7/9/11, Salzgasse 4

InnenrĂ€umlich wird das Rathaus vor allem unter dem Gesichtspunkt der besseren Orientierbarkeit ĂŒberarbeitet. Das Rathaus erhĂ€lt einen neuen multifunktionalen Erschließungskern, von dem aus alle drei GebĂ€ude am Marktplatz (7, 9 und 11) erschlossen werden. Über diesen Treppenkern mit Aufzug erreicht man 95 Prozent der RathausnutzflĂ€chen barrierefrei. Das Treppenhaus im GebĂ€ude Salzgasse 4 bleibt erhalten, dient aber nur zur internen Erschließung.

Der Hauptzugang zum Rathaus liegt im Erdgeschoss. Von dort aus gelangt man ebenerdig ins BĂŒrgerbĂŒro, das auch gleichzeitig die barrierefreie Verbindung zum GebĂ€udekomplex Salzgasse 8 und 10 herstellt. Die Stadtinformation befindet sich erdgeschossig im GebĂ€ude Marktplatz 11, besitzt einen separaten Zugang vom Marktplatz, ist jedoch an das BĂŒrgerbĂŒro angeschlossen. Stadtinformation und BĂŒrgerbĂŒro sind voneinander abtrennbar. Im GebĂ€ude Marktplatz 7 ist erdgeschossig eine GewerbeflĂ€che situiert, die in das 1. Obergeschoss erweitert wird. Vom Fruchtmarkt aus zugĂ€nglich befinden sich im GebĂ€ude Salzgasse 4 die VersorgungsrĂ€ume.

Der Trausaal befindet sich im ersten Obergeschoss des Rathauses an prominenter Stelle. Im zweiten Obergeschoss bleiben die beiden SitzungssĂ€le an ihrer ursprĂŒnglicher Stelle bestehen – das historische Tragwerk bleibt in Form und Funktion erhalten. Im dritten Obergeschoss werden das BĂŒro des OberbĂŒrgermeisters mit Sekretariat und persönlichem Referent und der Konferenzbereich angeordnet.


Funktionen Salzgasse 8 und 10

In den GebĂ€uden Salzgasse 8 und 10 bleiben die Verwaltungseinheiten Planen und Bauen bestehen. Diese werden jedoch ĂŒber ein neues Treppenhaus komplett barrierefrei erschlossen und ĂŒber den bereits oben erwĂ€hnten Anschluss an das BĂŒrgerbĂŒro mit dem GebĂ€udekomplex Rathaus verknĂŒpft. Ein weiterer Vorteil dieser neuen VerknĂŒpfung ist der barrierefreie Anschluss an die Tiefgarage sowohl aus dem Salzkasten als auch aus dem Rathaus der auch als Fluchtweg aus der Garage funktioniert.


Funktionen Schulgasse 5

Der Kindergarten wird um die geforderten FlĂ€chen erweitert. Durch den Abriss der GebĂ€ude Salzgasse 6, 6/1 und 8/1 ist es möglich das vorher unbelichtete Untergeschoss des GebĂ€udes Schulgasse 5 hochwertig zu nutzen. Dort befinden sich der Personalraum und der Mehrzweckraum. Dieser kann sich auf den neue entstandenen Quartiersplatz auf dem Dach des VerbindungsgebĂ€udes öffnen. Der Neubau des Kindergartens beinhaltet die beiden Kindergartengruppen und den neuen, hellen und freundlichen Eingangsbereich. Über diesen wird auch der bestehende Kindergarten erschlossen, in dem sich die beiden Kleinkindergruppen befinden.


Konstruktion

Im Rathaus wird ein neues Treppenhaus eingebaut. Zu diesem Zweck werden vier hölzerne StĂŒtzen entfernt und durch eine Stahl mit geschossweise angeordneten Riegeln ersetzt.
An diesem Aussteifungsrahmen werden die Geschoßdecken angeschlossen. Das GebĂ€ude erhĂ€lt mit dieser Maßnahme die Sicherheit gegen Horizontallasten zurĂŒck.


Umgang mit historischer Bausubstanz

FĂŒr die Sanierung und Erweiterung des Rathauses Calw wird mit diesem Entwurf ein Konzept dargelegt wie eine denkmalgerechter und schonender Umgang mit der Substanz aussehen kann. Alle Aspekte der Auslobung sind berĂŒcksichtigt, Anforderungen aus Denkmalschutz, NutzerwĂŒnschen, Brandschutz und Konstruktion werden das Ergebnis jedoch beeinflussen. Die prinzipiellen Spielregeln sind hiermit gegeben.

- bestehende Substanz wird innen- und aussenrĂ€umlich qualitĂ€tvoll weiterentwickelt, gegebenenfalls auf historische Vorbilder zurĂŒckgebaut. Die Funktionen werden zeitgemĂ€ĂŸ und ĂŒbersichtlich angeordnet

- die wenigen Erweiterungen bleiben gestalterisch reduziert und ergÀnzen gezielt den Bestand, formal und funktional.

- AußenrĂ€ume erhalten eigene QualitĂ€t und IdentitĂ€t und erzeugen so einen abwechslungsreichen, gut orientierbaren Weg fĂŒr Bewohnerund GĂ€ste im historischen Calw.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit besticht durch ihre zurĂŒckhaltende Grundhaltung im Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und dem stĂ€dtebaulichen Kontext. Die innenrĂ€umliche fußlĂ€ufige Verbindung wird dabei auf eine Ebene beschrĂ€nkt, was jedoch zu Lasten einer weitergehenden und wĂŒnschenswerten funktionalen Vernetzung geht. Das Angebot eines Quartierplatzes auf dem Verbindungsbaukörper stellt eine Bereicherung des Freiraumangebots dar.

Der ErgĂ€nzungsbaukörper Kindergarten wird maßstĂ€blich unter VerlĂ€ngerung des denkmalgeschĂŒtzten BestandgebĂ€udes eingefĂŒgt. Dies verschlechtert allerdings die vorhandene QualitĂ€t des bisher zusammenhĂ€ngenden Außenraums entscheidend. Der Baumbestand kann nicht erhalten werden.

Die Anordnung der Erschließung des Kindergartens im Übergang zwischen Alt und Neu ist gut plaziert, allerdings ist die Barrierefreiheit aufgrund des fehlenden Aufzugs nicht gegeben. Die Öffnung der Rathausarkaden in Anlehnung an den erbauungszeitlichen Zustand wird grundsĂ€tzlich positiv gesehen, stellt jedoch hohe Anforderungen an die innenrĂ€umliche Umgestaltung.

Funktional wird bemĂ€ngelt, dass die innenrĂ€umlich fußlĂ€ufige Verbindung ausschließlich ĂŒber das BĂŒrgerbĂŒro möglich ist. Eine Öffnung der großformatigen Verglasung zum Fruchtmarkt ist wĂŒnschenswert. Der Sitzungssaal wird als zu schmal beurteilt, das Angebot eines LadengeschĂ€fts am Marktplatz 7 wird positiv bewertet. Die Barrierefreiheit der Verwaltungsnutzung ist nicht an allen Stellen gegeben. Die Integration des Tiefgaragenausgangs in das GebĂ€ude
Salzgasse 8/10 ist gut gelungen.

Die QualitĂ€t der Arbeit liegt insbesondere in einem gleichsam sorgsam und stadtrĂ€umlich behutsamen Umgang mit der bestehenden Situation. Dies geht allerdings zu Lasten einer Ablesbarkeit des funktionalen Zusammenhangs der einzelnen Verwaltungsbereiche. Eine StĂ€rkung seiner Funktion als Bindeglied im stadtrĂ€umlichen Zusammenhang wĂ€re wĂŒnschenswert.

Die Arbeit liegt wirtschaftlich im gĂŒnstigen Bereich und stellt eine angemessene, jedoch nicht gĂ€nzlich ĂŒberzeugende Lösung der Aufgabe dar.
Lageplan

Lageplan

Ansicht und Schnitt

Ansicht und Schnitt

Grundriss Ebene 0

Grundriss Ebene 0

Grundriss Ebene 2

Grundriss Ebene 2

Innenraumperspektive BĂŒrgerbĂŒro

Innenraumperspektive BĂŒrgerbĂŒro