Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025
Sanierung und Erweiterung Rathaus und Bürgerhaus Niederdorfelden
©heimspiel Architekten & arbos landscape
Blick auf den Haupteingang
1. Preis
Preisgeld: 38.000 EUR
Heimspiel Architekten Matzken Kampherbeek PartGmbB
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Daniel Tronich, Annika Reinhold, Felix Waldegg, Vitali Hense
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Team heimspiel:
Felix Waldegg,
Daniel Tronich,
Marc Matzken,
Annika Reinhold,
Rahel Mühlenhardt,
Vitali Hense
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit bindet alle Funktionen unter einem großen Satteldach zusammen, bei im Wesentlichen gleichem Fußabdruck wie das bisherige Gebäude. Dabei werden die vorhandene Konstruktion und das Tragwerk des Bestandsgebäudes weitgehend erhalten, lediglich der Anbau der Hausmeisterwohnung und zwei Schleppgiebel des Bestandsdaches werden entfernt. Das Erd- und Obergeschoss werden neu organisiert. Durch eine Auffaltung des Satteldachs erhält das Gebäude eine eindeutige Adressierung mit Verortung des Eingangs zu Rathaus und Bürgerhaus.
Das Gebäude folgt der Idee einer klaren und ablesbaren Trennung der Funktionsbereiche Rathaus, Veranstaltungsbereich, Musikschule und Gastronomie, die konsequent und schlüssig umgesetzt wird. Ein großzügiges gemeinsames Foyer bindet die Zugänge zu Rathaus und Bürgerhaus zusammen. Die Anordnung der Bibliothek an das Foyer schafft einen offenen, kommunikativen 'dritten' Ort im Eingangsbereich, der an dieser Stelle sinnvoll angeordnet, gewürdigt wird.
An das Foyer lagert sich ein neuer Treppenhauskern mit Aufzug in der Südostecke des Gebäudes an, der das OG des Rathauses auch barrierefrei erschließt. Großzügige Flure um den erhaltenen Innenhof erschließen die Büros und Sitzungsräume des Rathauses in einer sinnvollen und die betrieblichen Abläufe gut berücksichtigenden Ordnung. Das Sitzungszimmer des Rathauses ist prominent über dem Eingang platziert und öffnet sich gläsern zum Ort.
Bürgerbüro, Standesamt und Trauzimmer sind im EG im Osten des Gebäudes verortet, mit Belichtung der Flurzone über den Innenhof, der auch nach Vorschlag der Verfassenden als Trau- oder Lesegarten genutzt werden kann. Der Bürgersaal wird in seiner Lage im Bestand erhalten, die Bühne wird im Norden angeordnet. Durch den Abbruch des Giebels mit der Glasfassade geht allerdings die natürliche Belichtung des Saales verloren, was bedauert wird. Ein zuschaltbarer Gemeinschaftsraum mit Sektbar und kleiner Küche ordnet sich funktional gut zwischen Foyer und Gastronomie ein. Toiletten für den Gemeindesaal befinden sich im UG. Das Behinderten-WC wird im Garderobenbereich im EG nachgewiesen.
Die Gastronomie mit Küche wird in ihrer Lage an der Westseite erhalten und erhält einen neuen Außenbereich zur Westseite. Allerdings fehlt eine barrierefreie Erschließung dieses Zugangs, bzw. diese ist mit längeren Wegen verbunden. Die Musikschule wird im Obergeschoss neu verordnet. Durch die Auffaltung des Satteldachs über diesem Bereich erhält auch die Musikschule eine klare Adressierung. Über einen Nebeneingang ist das Obergeschoss auch von der Nordseite auf kurzem Weg angebunden. Die Erschließung der Räume erscheint insgesamt verbesserungsfähig.
Bemängelt wird auch der bis auf die Westseite fehlende Außenraumbezug des Gebäudes.
Durch den Erhalt wesentlicher Bausubstanz in allen Gebäudebereichen trägt der Entwurf wesentlich zu einer klimafreundlichen Sanierung und Erweiterung des Gebäudes bei. Dies wird durch den Einsatz von Low-Tech bei der Haustechnik / natürlicher Lüftung, der Energieversorgung über regenerative Energien (PV-Anlage) sowie die Nutzung von Brauchwasser für die Toilettenanlage unterstützt. Insgesamt lässt das Konzept einen nachhaltigen, wirtschaftlichen Betrieb erwarten. Auch das Verhältnis von Nutzfläche zu BGF überzeugt.
Als Fassade wird als 'neues Kleid' für das sanierte und umgebaute Bestandsgebäude eine hinterlüftete opake, gedämmte Holzfassade vorgeschlagen. Bei den Freianlagen werden Grundsätze einer klimaresilienten Gestaltung (Entsiegelung, Begrünung, Rückhaltung, Versickerung und Verdunstung) unter Berücksichtigung der Stellplatznutzungen konsequent umgesetzt. Auch die gewünschten Nutzungen Feste und Feiern werden aufgezeigt.
Insgesamt setzt der Entwurf in hohem Maße die in der Auslobung formulierten Anforderungen und Zielsetzungen um. Besonders gewürdigt wird die intensive Auseinandersetzung mit dem vorgefundenen Bestand und die hieraus entwickelte hohe innenräumliche Qualität der Räume und Nutzungen.
©heimspiel Architekten & arbos landscape
Bürgersaal
©arbos landscape & heimspiel Architekten
Lageplan 1:500
©arbos landscape & heimspiel Architekten
Lageplan 1:200
©arbos landscape & heimspiel Architekten
Axonometrie
©arbos landscape & heimspiel Architekten
Schnitt Ost-West
©arbos landscape & heimspiel Architekten
Schnitt Nord-Süd