Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025
Sanierung und Erweiterung Rathaus und Bürgerhaus Niederdorfelden
©MGF Architekten GmbH
Visualisierung Außen
3. Preis
Preisgeld: 14.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Schuler und Winz Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
L E I T I D E E
Der Entwurf orientiert sich an der Struktur des Gebäudebestandes und baut auf dieser auf. Das massive Erdgeschoss bleibt bestehen und zoniert die Funktionen im Inneren. Durch den Rückbau des in den 80er Jahren angebauten Satteldaches ergibt sich die Möglichkeit den großzügigen Saal als Mitte des Ensembles neu zu fassen und als hellen offenen Ort mit Bezügen zum Außenraum sowie zum bestehenden Innenhof zu etablieren. Die sich nun im Norden befindliche Bühnenanlage kann im Falle einer Veranstaltung mit Vorhängen blickdicht abgedunkelt werden, lässt aber ansonsten den Blick auf den rückseitigen Festplatz vor dem Junkerhof zu. Eine Aufstockung in Holzbau beherbergt sowohl die Sitzungsräume des Rathauses als auch die Musikschule. Eine verglaste Galerie ermöglicht beidseitig Blickbezüge in den hohen Saal und unterstreicht so dessen Wirkung als zentrales Herzstück des Gebäudes. Vereint unter einem Dach lässt die Struktur so sowohl Vernetzungen im Inneren, als auch separate Nutzung zu. Dieses auskragende Dach bildet im Zusammenspiel mit den zahlreichen Versätzen und Rücksprüngen des Bestandes kleine Balkone aus, welche auch im Obergeschoss Bezüge zum Stadtraum sowie kleine Pausen an der frischen Luft ermöglichen. Ein feingliedriges Mesh aus Metall fasst diese Balkonzonen und verleitt dem Baukörper eine ruhige, gleichmäßige Kubatur ohne dabei die Bestandsstruktur zu negieren. Die durch den Teilabriss der aus der Nutzung gefallenen Pächterwohnung gewonnene Fläche wird zu einer Terrasse für das Gasthaus, welche gleichzeitig den nördlich gelegenen Festplatz mit der Burgstraße verknüpft.
R Ä U M L I C H E O R G A N I S A T I ON
Bürgerhaus, Rathaus und Gastronomie können separat erschlossen werden, verfügen allerdings auch über die Möglichkeit bei einer größeren Veranstaltung als gemeinsame Foyerzone zu wirken. Vor allem die Verbindung zwischen Rat- und Bürgerhaus lässt sich durch einen kleinen Eingriff, die Entfernung des aktuellen Sanitärkerns, stärken. Eine Lösung die im Bestand wie schon angedacht wirkt. Rampenanlagen im Außenraum erlauben eine barrierefreie Erschließung, auch im Inneren wird der bestehende Höhenversatz so überbrückt. Durch die Setzung neuer Aufzüge sowie dem Umbau der bestehenden Treppenkerne wird sowohl das Ober- als auch Untergeschoss bequem zugänglich ohne die Ordnung des Bestandes zu stören. Die Musikschule im Obergeschoss wird durch die ertüchtigte Bestandstreppe im Süden des Ensembles neben dem Gastraum erschlossen, verfügt durch über den Treppenkern im Norden auch über einen direkten Zugang zu den Bühnenräumen.
Ö K O L O G I S C H – E N E R G E T I S C H E S K O N Z E P T
Der Entwurf lässt zu großen Teilen den Erhalt der massiven Struktur des Erdgeschosses zu. Auch die Räumlichkeiten im Untergeschoss werden erhalten. Die Aufstockung im Obergeschoss geschieht in Holzbau. Durch die Erneuerung des Daches wird eine energetische Sanierung nach neuesten Standards möglich, weißt der Bestand doch vor allem in diesem Bereich erhebliche Mängel auf. Die vorgestellte Glasfassade lässt ebenfalls eine energetische Ertüchtigung der bisherigen Gebäudestruktur zu.
F R E I A N L A G E N
Die Freianlagen gliedern sich in differenzierte Außenräume. Der westliche Vorplatzbereich mit anschließender Terrasse wird über eine Stufenanlage erschlossen und ist für gastronomische Nutzung sowie konsumfreien Aufenthalt vorgesehen. Eine Mauer fängt das Gelände ab und fasst die Terrasse im Westen ein. Eine nördliche Treppe verbindet die Terrasse mit dem rückwärtigen Festplatz.
Der rückwärtige Bereich fungiert als multifunktionale Fläche, die situativ als Festplatz oder Stellplatzfläche genutzt werden kann. Ein nördlich angeordneter Spielbereich wird über Wegeflächen entlang des Festplatzes erschlossen.
PKW- und Fahrradstellplätze sind östlich und westlich entlang der Straßenräume angeordnet; überdachte Fahrradstellplätze befinden sich nördlich des Gebäudes. Platz- und Wegeflächen erhalten einen einheitlichen Pflasterbelag, während die Stellplätze in wasserdurchlässigem Sickerpflaster ausgeführt werden. Eine im rückwärtigen Gebäudebereich situierte Rampenanlage gewährleistet die barrierefreie Erschließung.
Der vorhandene Baumbestand wird weitgehend erhalten und im Bereich des Festplatzes durch rahmenbildende Neupflanzungen ergänzt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf orientiert sich an der Bestandsstruktur und reorganisiert vor allem das Erdgeschoss. Das Satteldach wird rückgebaut und eine neue Aufstockung mit Flachdach konzipiert. Vor dem Hintergrund der Topografie des Grundstücks entscheiden sich die Entwurfsverfasser/-innen das Gebäude auf einem Sockel zu platzieren, der umlaufend um das Gebäude einen zum Innenraum zugehörigen Außenbereich definiert und eine eindeutige Adressbildung schafft.
Das Raumprogramm wird unter einem großen Dach zusammengefasst. Wenngleich die Körnung der Umgebung nicht aufgenommen wird, fügt sich das große Volumen elegant in die Nachbarschaft und die mitgestaltete Landschaft.
Das Bürgerbüro verfügt über ein großzügiges Foyer, das die Mehrzweckhalle, den Gemeinschaftsraum, die Gastronomie, die Bücherei und das Foyer des Rathauses verbindet, ohne die gewünschte Trennung der Nutzungseinheiten zu vernachlässigen. Das Rathaus und die Gastronomie erhalten zusätzlich einen separaten Zugang.
Der neue Mehrzwecksaal ist zentral im Gebäude positioniert und öffnet sich zum existierenden Innenhof. Die Bühne ist nach Norden mit Sicht zum Festplatz orientiert. Die Mehrzweckhalle kann bei Bedarf durch Vorhänge verdunkelt werden. Natürliches Licht wird über die symmetrisch im Flachdach angeordneten Glaskuppeln in die Halle gelenkt.
Die kleine Küche für den Gemeinschaftsraum wird vermisst, der Bühnentechnikraum fehlt und die Platzierung der Sektbar wird kritisch gesehen.
Im Obergeschoss sind die Musikschule und das Standesamt untergebracht. Über den Lichthof und den Luftraum des Mehrzwecksaals entstehen sehr gute Sichtbeziehungen.
Im Untergeschoss befinden sich Nebenräume, wie die sanitären Anlagen, das Archiv und Technikräume. Alle Räume sind barrierefrei erschlossen.
Dass der Entwurf einen umfangreichen Rückbau der Bestandstruktur im Obergeschoss verfolgt, ist konzeptionell nachvollziehbar, wird jedoch von der Jury kritisch diskutiert.
Der Beitrag besticht jedoch durch die sehr klare Grundrissorganisation, die eine sehr gute Orientierung im und um das Gebäude ermöglicht. Die gewählte Konzeption bietet eine flexible und damit zukunftsfähige Nutzbarkeit des Gebäudes für die Gemeinde und damit einen interessanten Betrag zur Lösung der gestellten Aufgabe.
©MGF Architekten GmbH
Visualisierung Innen
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Modell
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Lageplan
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Grundriss Erdgeschoss
©MGF Architekten GmbH
Grundriss Obergeschoss