Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025
Sanierung und Neugestaltung Schloss Köthen
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Perspektive Schlosshof /Besucherzentrum
©C_N, KUULA
2. Preis
Preisgeld: 30.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Der neue Baukörper des Besucherzentrums leitet sich aus Form, Gliederung und Volumina des alten Amtshauses ab. Die ehemalige Komposition wird in den neuen Entwurf tektonisch jedoch umgekehrt aufgenommen. Das heißt wo die alten Ecktürme sich befanden, werden sie im Entwurf des Neubaus als Ausschnitte definiert und die ehemalige Baumasse, von der Traufe bis zum Dachfirst, wird als neues Volumen definiert. Diese Beibehaltung aber Umkehrung der historischen Form fügt sich durch ihre eingeschriebene DNA selbstverständlich in die vorhandene Baulücke ein.
Der Hauptzugang auf die Schlossinsel erfolgt über eine Brücke, die durch das Torhaus führt und den Vorhof mit dem historischen Bereich des Schlosses verbindet. Logistik- und Anlieferverkehr für z.B. Veranstaltungen erfolgt über die nördliche Zuwegung, die von der Theaterstraße kommend durch den Schlosspark und durch den Ferdinand-Bau führt. 3-5 barrierefreie Kfz-Stellplätze werden im Schlosshof zwischen dem Rasenparterre und dem Steinernen Haus verortet.
Die vorhandenen Linden des Schlosshofes verbleiben im Bestand. Ergänzt werden die Linden durch eine vielfältige, klimaresiliente Artenauswahl. Der Obstgarten wird wieder aktiviert. Vor die äußeren Schlossfassaden wird eine rahmende Strauch-/Staudenpflanzung gesetzt. Die prägenden Bäume im Böschungsbereich werden erhalten und durch ufertypische Bäume ergänzt. Zudem soll der Uferbereich mit einer facettenreichen Bepflanzung vegetativ aufgewertet werden.
Der Schlosshof soll künftig als zentraler Aufenthaltsort dienen und wird am Graben als Freitreppe mit Sitzstufen abgeschlossen. Der Gartenbereich hinter dem Ferdinand-Bau dient als Rückzugsort (Secret Garden) vom Treiben auf dem Schlosshof. Südlich des Ludwigsbaus entsteht nach historischem Vorbild (A. Hooff) wieder ein Obstgarten. Nördlich des Besucherzentrums gelangt man in den tiefer liegenden Museumsgarten.
Das im Bereich der Schlossinsel anfallende Regenwasser wird entlang der Rasenparterre über Rinnen gesammelt und in den Rasenflächen versickert bzw. in ein Speichervolumen geführt und für die Bewässerung zurückgehalten. In den äußeren Flächen wird es direkt über die Rasenflächen versickert.
Beurteilung durch das Preisgericht
Auch wenn die theoretische Herleitung der vorgestellten Gebäudekubatur, die als tektonische Umkehr des historischen Vorgängerbaus beschrieben wird, etwas konstruiert erscheint, so wird doch die dadurch entstandene Kubatur in Proportion und Maßstäblichkeit als angemessen wahrgenommen. Durch die Übernahme der angrenzenden Trauflinien entsteht eine eigenständige, nicht an historischen Zitaten angelehnte Gebäudegestalt, die sich angenehm in das historische Ensemble einfügt. Von Seiten der Denkmalpflege wird die kubische Kubatur kritisch gesehen. Die gute Organisation der Erdgeschoßflächen im Besucherzentrum mit dem großzügigen Eingangsbereich und den getrennt zu erschließenden WC-Bereichen entspricht den gewünschten Nutzungsanforderungen. Über eine offene Treppenanlage werden räumlich selbsterklärend die Obergeschosse erschlossen. Die Zwei- Geschossigkeit der Stadtlabor oder Wechselausstellungsflächen wird hinterfragt diskutiert. Die kleinteiligen Kubaturen die als Verbindung zum steinernen Haus vorgeschlagen werden, können nicht überzeugen und sollten in ihrer Sinnfälligkeit überprüft werden. In einer sehr kompakten Kubatur werden die gewünschten Programmflächen im Neubau untergebracht, was auch zu einer wirtschaftlich positiven Einschätzung dieses Vorschlages führt. Die vorgeschlagene Deckenkonstruktion aus vorgefertigten Stampflehm- bögen ist ökologisch sinnvoll, räumlich attraktiv, aber auch aufwendig. Die drei in den Altbauten platzierten Aufzüge sind mit minimalen Eingriffen in den historischen Bestand eingefügt und erlauben eine weitgehend barrierefreie Erschließung des Bestands auch ohne das neue Besucherzent- rum. Es entstehen jedoch sich überschneidende Erschließungswege der Mulifunktionsflächen im Erdgeschoß und der Obergeschossausstellungsflächen im Johann-Georg-Bau, was eine getrennte Nutzung dieser Bereiche erschwert. Kritisch hinterfragt wird das Motiv Baumhofes für den Schlossinnenhof und die damit verstellten Blickbeziehungen gesehen. Der komplett neue Plattenbelag, wodurch zwar die barrierefreie Erschließung der Eingänge erreicht wird, ist in Bezug auf die mögliche Nachnutzung vorhandener Materialien nicht sehr nachhaltig. Die Aussagen zu den Böschungsbereichen bleiben schematisch. Insgesamt überzeugt die Arbeit über die sich wohltuend einfügende und doch sehr eigenständige Gebäudekubatur.
Perspektive Schlosshof /Besucherzentrum
©C_N, KUULA
Übersichtsplan
©C_N, KUULA
Lageplan
©C_N, KUULA
Aufsichtdetail
©C_N, KUULA
Pictogramme
©C_N, KUULA
Erdgeschoss
©C_N, KUULA
Ansicht Ost
©C_N, KUULA
Ansicht West
©C_N, KUULA
Perspektivischer Schnitt
©C_N, KUULA
Detailschnitt
©C_N, KUULA