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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2025

Sanierung und Neugestaltung Schloss Köthen

6

Anerkennung

Preisgeld: 12.000 EUR

Knoche Architektur Partnerschaft mbB

Architektur

Noack Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Umgang mit dem Bestand

Das stark an den Belangen des Denkmalschutzes orientierte Konzept sieht vor, Eingriffe in die Fassaden und in die Innenräume auf ein Minimum zu beschränken, also nur in einem Maße vorzunehmen, das zur Ertüchtigung einer barrierefreien Besucherführung erforderlich ist. Baukörperliche Eingriffe beschränken sich auf den Abbruch des Sanitäranbaus am Ferdinandbau und die geringfügige Anhebung des Flachdaches auf der Hofseite des Torhauses. Ein kleinerer Eingriff erfolgt in der Tordurchfahrt des Ferdinandbaus, wo zwei Fenster zu Türen erweitert werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, Fassaden und Fenster behutsam zu sanieren und dabei zugunsten des Erhalts von Originalbauteilen auch Patina zuzulassen. Eingriffe in Innenräume werden durch die Reduzierung neuer Aufzugsanlagen minimiert. Dabei sind Eingriffe in Bestandsdecken nicht zu vermeiden, werden aber auf das zwingend Erforderliche beschränkt. Wo es aus Gründen barrierefreier Erschließung notwendig ist, werden dezentral (insgesamt vier) Hubbühnen eingesetzt, die keine Eingriffe in den Bestand mit sich bringen.

Neubau Besucherzentrum in zwei Bauabschnitten

Um auch schon vor Errichtung des neuen Besucherzentrums eine barrierefreie Erschließung des Torhauses und des Johann-Georg-Baus zu ermöglichen, ohne in die Substanz einzugreifen, wird ein Erschließungskern aus Treppenhaus und Aufzugsanlage nördlich des Torhauses angeordnet. Er wird durch eine einfache Baukonstruktion aus Wärmedämmziegeln umschlossen. So entsteht als nördliche Erweiterung des Torhauses eine kleine Neubaumaßnahme vor der Errichtung des Besucherzentrums, die sich später sehr selbstverständlich in die Neubaumaßnahme integriert. Als eigentlicher Neubau des Besucherzentrums wird ein einfacher Gebäudetypus - Rechteckgebäude mit Satteldach - vorgeschlagen, der sich im Volumen stark an dem 1944 zerstörten ehemaligen Amtshaus orientert. Um der Schlossanlage ihre Bedeutung nicht streitg zu machen, formuliert sich der Neubau sehr funktonal, verzichtet auf Zwerchhäuser oder Schmuckgiebel und nimmt sich dadurch formal stark zurück. In seiner Fassadentektur ist er jedoch sehr eigenständig und greift die Formensprache des im Schlossparkgegenüberliegenden Veranstaltungszentrums subtil auf. Der Baukörper wird allseitg durch schwach transluzente, nicht spiegelnd mttierte Glasflächen umschlossen, die eine vertikale Struktur erzeugen und die Unterkonstruktion je nach Lichteinfall erahnen lassen. Dach und Trauffassaden sind zur Hinterlüftung und zur baukörperlichen Akzentuierung leicht aufgefächert, die Giebelseiten hingegen sind bündig konstruiert. Die wenigen, präzise gesetzten Fensteröffnungen nehmen die Geometrien der Fassadenbekleidung auf, sind aber als klare Einschnitte in die Gebäudehülle formuliert.

Freianlagen

Das Schloss Köthen mit dem Schlosspark und Schlosshof liegt eingebettet in die historischen Wallanlagen im Zentrum der Stadt. Die Grundlage für den Entwurf ist die Geschichte des Ortes in seinen verschiedensten Nutzungen und seine historischen Elemente. Gestaltung des Schlosshofs
Der Schlosshof wird als historischer Ort erhalten und zugleich als repräsentiver kultureller Treffpunkt aktiviert. Die Platzmitte aus wassergebundener Decke greift die historische Gestalt des Hofs auf. Die wassergebundene Decke wird gerahmt durch neu verlegtes, wiederverwendetes Wildpflaster aus rotem Porphyr, welches durch eine Neuordnung der Steingrößen eine fließende Struktur erhält. Vorhandene Materialien werden in tradierter Formsprache eingesetzt. Fehlende Materialen werden aus der Region ergänzt. Zur barrierefreien Erschließung aller Eingänge verläuft ein rahmendes Laucand aus großformatigen gesägten Kalksteinplatten parallel der Fassaden. Alle Zugänge zu den Gebäuden gehen davon ab. Der gesägte Plattenbelag mit hohem Laufkomfort hebt sich als Leitsystem sowohl farblich als auch haptisch vom Wildpflaster ab. Die tradierte Gestaltungsabsicht wird durch eine klare Formensprache unterstützt.
Der Innenhof wird ganzjährig unterschiedlich genutzt. Die steinernen Bögen von Ludwigsbau und Johann-Georg-Bau werden durch Bänke, den „Schlosssofas“ akzentuiert. Vor der Kapelle steht der „Hofaltar“ ein Treffpunkt für Hochzeiten und Taufen. Durch die Platzierung frei beweglicher Sitzmöglichkeiten kann er der Nutzung angepasst und der Raum partizipativ erlebt werden. Schatten bieten dabei die bestehenden Lindenbäume und Schirme vor dem Steinernen Haus. Der Erhalt der sechs bestehenden Linden wird gegenüber denkmalrechtlichen Rahmenkonzeption priorisiert. Für Marktstände und Bühne gibt es feste Verankerungspunkte und versenkbare Poller für die Strom- und Wasserversorgung. Bevor der Neubau des Besucherzentrums beginnt, dient die Fläche des ehemaligen Amtshauses als Fenster in die Geschichte des Ortes. Dort sind die Spuren archäologischer Schichten sichtbar .

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Grundidee möchte die Kubatur des historischen Amtshauses, dass 1944 zerstört wurde, weitgehend nachzeichnen. Das führt zu einem kräftigen Satteldach, welches sich über die Nachbargebäude erhebt. Da auf Dachhäuschen der Renaissance verzichtet wird, wirkt der neue Baukörper trotz des historischen Bezugs gegenüber seiner Umgebung eher hoch gestelzt. Auf der anderen Seite nimmt seine ruhige Form der Neugestaltung die Dominanz und fügt ihn allerdings blockhaft in das Ensemble ein. Der Entwurf zeichnet sich durch eine zeitlich trennbare Lösung ab, die eine barrierefreie Erschließung mit einem kleinen Anbau am Torhaus ermöglicht, ohne dass ein Besucherzentrum direkt vollständig gebaut werden muss. Es zeigt damit eine interessante Zwischenlösung auf. Der im ersten Bauabschnitt zu realisierende Anbau verlängert das Torhaus, was gestalterisch unterschiedlich von der Jury bewertet wurde. Es widerspricht auch dem Prinzip der Nachzeichnung des Hauses vor 1944. Einige Mitglieder empfanden das neue Zwischenbauglied als proportional, andere als wenig aussagekräftig. Zudem setzt der sich durch seine architektonische Sprache sehr stark vom übrigen Entwurf ab, was ihn tatsächlich unabhängig von der anderen Maßnahme stellt. Ein Zusammenspiel ist nicht ablesbar. Strategisch sitzt der Aufzug dort zusammen mit den beiden an den übrigen Stellen in dem Gebäude eingebauten klug. Drei Hebebühnen werden außen als Anbau vorgeschlagen, welche die historischen Räume auf versetzten Höhen ansteuern. Für die Schlosskapelle hilft ein Treppenlift, die Bühne barrierefrei zu erreichen. Die WC-Anlagen können auch außerhalb der Öffnungszeiten unabhängig aufgesucht werden. Sie sitzen allerdings ein wenig verloren in dem Grundriss. Der Umgang mit Anbindung an den Schlossgarten ist eher versteckt angeordnet. Die hinterlüftete Vorhangfassade möchte die Sprache des gegenüberliegenden Veranstaltungszentrums aufnehmen. Die äußere Struktur arbeitet dort mit der Klaviersymbolik, um an Johann Sebastian Bach zu erinnern. Der Schulterschluss in die Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts wird aber zurückhaltend angegangen. Die Gemeinsamkeit wird nicht überbewertet. Die schwach transluzenten, mattierten Glasflächen betonen eine vertikale Struktur, die nur sekundär horizontal unterbrochen wird. Diese Gestaltung setzt sich von der des Veranstaltungszentrums ab, was begrüßt wird. Die räumliche Wirkung wurde aber nicht von allen Mitgliedern des Preisgerichts positiv gewertet und unterschiedlich diskutiert. Bis auf die große Öffnung zum Hof und zur gegenüberliegenden Gräfte hin und die zum Eckbereich wirkt der Baukörper sehr monolithisch, was ihn völlig anders als sein historisches Vorbild in den Raum wirken lässt. Das Steinerne Haus ist nicht mit dem Besucherzentrum verbunden. Es ist mit der Ausstellungsfläche verbunden. Die Wegeführung in den Grundrissen ist gelöst. Die Vorstellungen der Bauherrschaft im Hinblick auf die Nutzung sind erfüllt. Die durch die historischen Decken geführten Vertikalerschließungen werden zum Verlust historischer Substanz führen. Der Schlosshof wird als historischer Ort verstanden. Die klare Gliederung mit zentralem Platz mit den Bestandslinden bietet Flächen für multifunktionale Nutzungen mit einem vorgesehen Bühnenstandort im Über- gang zum Park. Die rahmende Pflasterung als Plattenband ermöglicht barrierefreie Zugänge zu den Gebäuden. Die Wirkung der Versickerungsfläche wird hinterfragt, ebenso der Übergang in Richtung der östlichen Gräfte.