Einladungswettbewerb | 05/2026
Sanierung und Umbau Verwaltungsgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe
Blick aus dem Nymphengarten
©loomn Architekturkommunikation
1. Preis
Preisgeld: 50.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Kai Zahorszky, Clara Süßmann, Paula Josefine Holtmann, Nick Münzer, Pascal Baur, Max Kuner
Tragwerksplanung
loomn architekturkommunikation
Visualisierung
Erläuterungstext
Vom Dienstgebäude zum offenen Haus
Das Dienstgebäude des EOK, das sogenannte Rote Haus, ist ein sonderbares Gebäude. Obwohl es mit seinen Jugendstilfassaden sehr auffällig und imposant wirkt, wird es doch wenig wahrgenommen in der Stadt. Das hat zum einen mit seiner „Sandwichlage“ zu tun. Von der Kriegsstraße aus gesehen liegt es hinter dem Bundesgerichtshof von der Kaiser- oder Erbprinzenstraße aus hinter der Landesbibliothek. Zum anderen ist die Verortung des Haupteingangs in der Blumenstraße aus heutiger Sicht städtebaulich fragwürdig. Ein so großes Gebäude von einer engen Seitenstraße zu erschließen ist mehr als unglücklich. Da hilft auch das Abrücken der Fassade von der Straßenflucht kaum, wenn eine hüfthohe Einfriedung den öffentlichen Raum wieder einengt. In den Zeiten seiner Entstehung mögen diese Mauern als Einfriedung Sinn gemacht haben, als Abtrennung zum ehemals markgräflichen Garten oder zum Straßenraum von damals ohne Gegenüber. In der heutigen Zeit wirken sie abweisend. Ein weiteres großes Problem ist das höher liegende Erdgeschoss. Das schafft zusätzlich Distanz zum öffentlichen Raum.
Aus unserer Sicht müssen deshalb zwei Maßnahmen ergriffen werden, damit das Gebäude in der Stadt wieder wahrgenommen wird und sich öffnen kann. Der Haupteingang muss in die Ritterstraße verlegt werden und die Mauern müssen fallen. Nicht in dem Sinn, dass sie abgebrochen werden, sondern der Raum zwischen Sockel und Mauer soll verfüllt werden. Eine Terrassenfläche entsteht für die dahinter liegende Cafeteria. Sie schafft eine vermittelnde Ebene zwischen öffentlichem Raum und höher gelegenem Erdgeschoss, Raum für Öffnung und Sichtbarkeit in Fußgängerebene.
Die Verlegung des Haupteingangs an die Ritterstraße und die Schaffung von Terrassen verbessert zwar die Anbindung an den öffentlichen Raum, ist aber noch nicht die angestrebte städtebauliche Lösung. Es bedarf noch eines Platzes, der das Gebäude gebührend in Szene setzt, der ihm Raum gibt, um in der Stadt sichtbar zu werden. Wir sehen hier einen Platz, der sich über die Ritterstraße legt und die Verbindung in den Nymphengarten herstellt. Auf dem Weg in die Innenstadt in Richtung Kaiserstraße oder auf dem Weg zurück aus der Innenstadt in Richtung Kriegsstraße muss der Platz spürbar werden durch einen Belagswechsel, durch Sitzgelegenheiten. Man hebt damit zwei schlafende städtische Potentiale, den Nymphengarten als Park in der Stadt und das neue offene Haus des EOK als städtisches christliches Forum.
Das Forum liegt im Innenhof angehoben auf die Erdgeschossebene als neues Herzstück des Hauses leicht erreichbar über den neuen Haupteingang in der Ritterstraße. Wie eine Art schützender Baldachin steht das neue Dach frei im Hof und formt durch seine eng stehenden Stützen einen gerichteten Raum. Die unruhige Fassade mit dem Vorsprung des repräsentativen Treppenhauses wird durch eine Filterschicht aus Holz- und Stahllamellen begradigt. Der Rücksprung neben dem Treppenhaus hinter der Schicht wird durch Balkone gefüllt. Der Innenraum bekommt dadurch eine klare Form. Die Verbindung zur Cafeteria wird durch einen grünen Seitenhof mit großem Baum eingeleitet. Sie liegt an der Ritterstraße und öffnet sich über die Terrassen zum neuen Platz und ist das Bindeglied zwischen öffentlichem Stadtraum und Forum.
Das Haus ist grundsätzlich im Erdgeschoss offen. Alle Eingänge, also auch die Nebeneingänge im Hof und in der Blumenstraße führen zum Forum oder zur Cafeteria. Zur Ritterstraße liegen die öffentlichen Funktionen mit Haupteingang, Cafeteria und einer externen Mieteinheit für kirchennahe Einrichtungen als Frequenzbringer. Dahinter liegt das Forum. Die Obergeschosse werden über die 4 neuen durchgehenden Kerne erschlossen. An jedem liegen zwei Einheiten pro Geschoss, was zu insgesamt bis zu 8 Einheiten zwischen 45 und 330 m² führt. Damit ist grundsätzlich eine äußerst flexible Nutzung möglich. Durch die Vorgaben in der Auslobung, dass 300 Arbeitsplätze mit den entsprechenden Nebenflächen für das EOK vorzusehen sind, haben wir uns für folgende klare Aufteilung entschieden. Die Einheiten im EG, 1.OG, 2.OG und DG, die um das Forum liegen, werden vom EOK genutzt. Das ermöglicht eine übersichtliche Erschließung in einem Umlauf pro Geschoss. Die Einheiten im nordwestlichen Annex können extern vermietet werden mit einer eigenen Adresse in der Blumenstraße. Zusätzlich kann das 3. Obergeschoss vollständig extern vermietet werden im Gesamten oder eben in 7 Einheiten. Die Kapelle kann separat über das ehemalige Haupttreppenhaus erschlossen werden oder über den im Nordosten neu eingeführten Erschließungskern. Über der Kapelle liegt die gewünschte Dachterrasse. Ihr zugeordnet ist der große Besprechungsbereich.
Die Außenanlagen im Hof sollen grundsätzlich grüner werden. Dabei soll die orthogonale Struktur des Künstlers beibehalten, aber um Baumpflanzungen ergänzt werden. Auch die Reihe der Stellplätze entlang der Mauer zum BGH sollten mit Bäumen aufgelockert werden, soweit das mit dem Sicherheitskonzept vereinbar ist.
Ein weiterer wichtiger Baustein neben den schon oben ausgeführten, um das Gebäude in der Stadt sichtbarer zu machen und um es in eine neue Zeit zu führen, ist der Rückbau der Aufstockung aus den 50er Jahren und deren Neuformulierung als Holzbau. Dabei sollen alle Sandsteinfassaden erhalten bleiben, formal ein gläsernes Zwischengeschoss als Fuge eingeführt werden und darüber der Dachabschluss folgen. Dabei ist das Dach eher eine offene Struktur, die sich in der Schrägansicht zu einer Dachform verdichtet. Die Struktur besteht aus schräg geformten Metalllamellen, die vereinfacht und abstrakt an die Form eines Mansarddaches erinnern soll, auch wenn das eigentlich kein typisches Jugendstilelement ist, aber durchaus auch in der Zeit als historisches Element des Barocks und aus praktischen Gründen Verwendung fand. Die Lamellen könnten aus vorpatiniertem Kupferblech bestehen oder auch einfach grün eingefärbt sein und dabei an die Kupferdeckung alter Jugendstilgebäude erinnern. Die flach geneigte Fläche des Daches soll dabei komplett mit Photovoltaikelementen belegt werden.
Das letzte Element, um das neue Haus im Stadtbild präsenter zu machen, könnte eine gläserne Laterne sein mit dem Logo des EOK als Abschluss des vorgestellten Aufzugs im Hof. Abends könnte für eine bestimmte Zeit eine Farbe aus dem Kirchenjahr leuchten und so die christliche Botschaft sichtbar machen.
Insgesamt soll nur wenig im denkmalgeschützten Bestand verändert werden, bis auf die wenigen beschriebenen Eingriffe.
Beurteilung durch das Preisgericht
In ihrer überzeugenden Auseinandersetzung mit den städtebaulichen Bezügen, bestimmt die Wahrnehmung des „Roten Hauses" aus dem Umfeld heraus, mit seiner Botschaft des neuen offenen Hauses, die Entscheidung für die angemessene zukünftige Adressierung und Positionierung des neuen Haupteingangs. Das Gebäude entfaltet mit seinen Jugendstilfassaden entlang der Ritterstraße zur Parkanlage eine besondere Wirkung, deren neuer Aufbau sich mit dem Motiv einer geschosshohen Glasfuge über dem historischen Sandsteinbau erhebt. Die Stärkung der Identität des Hauses als kirchlicher Ort und die zeitgemäße Weiterentwicklung erzeugen ein stimmiges Gesamtbild der Präsenz, wirken mutig und visionär und könnten damit dem Anspruch nach Belebung und Identifikation entsprechen.
Der Bedeutung des historischen Haupteingangs entsprechend wird das Gebäude auch von der Blumenstraße erschlossen. Das Haus soll im Erdgeschoss offen sein und wird schlüssig mit den entsprechenden öffentlichen Nutzungen organisiert. Insbesondere zur Ritterstraße soll sich das neue Café in die ursprünglich geschaffene Pufferzone mit der niedrigen Sandsteinmauer öffnen und der trennende Grünstreifen zu einer angehobenen benutzbaren Außenfläche werden. Ein Vorschlag, der u.a. unter Denkmalschutzrechtlichen Aspekten weiter zu diskutieren wäre.
Der Innenhof wird zum Herzstück für das neue Forum und nimmt auf Erdgeschossniveau angehoben den Versammlungsraum auf. Durch einen von den Außenwänden abgelösten Baldachin beschützt, sind Bezüge zu Sakralräumen intendiert.
Ein flexibles Nutzungskonzept respektiert den Charakter des Hauses und entwickelt ihn weiter, konsequent barrierefrei, insbesondere durch modifizierte bestehende und neue vertikale Erschließungen. Zusammenschaltbare vermarktungsattraktive Einheiten entstehen, mit innerer Adressbildung. Bestehende Raumpotenziale und Erschließungsflächen als Begegnungszonen werden durch gezielte Umstrukturierung und Neuorientierungen genutzt. Flächen werden hinzugewonnen, die sich für zeitgemäße Arbeitswelten / Bürolandschaften eignen.
Das Mehr an Flächen und höhere Baukosten sind unter Aspekten der Wirtschaftlichkeit zu präzisieren. Räume im historischen Bestand werden weitergedacht, wie die repräsentative Verortung der Kapelle in der historischen Bibliothek.
Der Aufbau ist als schwebende horizontale Dachlandschaft mit Eckbetonungen konzipiert, weist jedoch keine Bezüge zum bauzeitlichen Bestand und zur bauzeitlichen Höhenentwicklung auf, was unter Denkmalschutzrechtlichen Aspekten kritisch beurteilt wird. Insbesondere die neue Ausgestaltung der Gebäudeecke Ritterstrasse/Blumenstraße bedarf aus Sicht des Preisgerichts einer architektonischen Überarbeitung.
Strassenplatz als Verbindung zum Nymphengarten und Markierung des neuen Haupteingangs
©baurmann.dürr Architekten
Verbindung von Innen nach Außen über Terrassen als Zwischenebene von Sockelgeschoss zum Straßenraum
©baurmann.dürr Architekten
Lageplan
©baurmann.dürr Architekten
Grundriss Erdgeschoss
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Schnitt Forum im Innenhof
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Blick ins Forum im EG
©baurmann.dürr Architekten
Blick aus dem Forum zum Haupteingang
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Blick in den Kommunikationsflur
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