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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2014

Science City Garching

Preis / Gewinner

Preisgeld: 36.250 EUR

KCAP

Architektur

MĂŒller Illien Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Der Masterplan verstrickt die einzelnen Elemente des renommierten Forschungsstandortes zu einem differenzierten Gewebe aus ineinandergreifenden Bauvolumen, urbanen FreirĂ€umen, Natur- und KulturlandschaftsrĂ€umen. Das offene stĂ€dtebauliche Framework gibt der wachsenden Wissenschaftsstadt ein rĂ€umlich-gestalterisches Regelwerk als stabilen Rahmen fĂŒr ihren langfristigen Wandel vor.

Im Zentrum steht der „Circle“, der zur inneren Erschliessungszone umgestaltete Bereich der zentralen Forschungscluster. Rundum bilden weitere Forschungscluster Subzentren. Die AussenrĂ€ume wirken in diesem heterogenen System trotz ihrer EigenstĂ€ndigkeit ordnend und strukturierend. Über die vier grundlegenden Typologien hinweg verbinden zwei gestalterisch variabel umgesetzte Themen die AussenrĂ€ume: Der Massstab und das Raster.

Die Naturlandschaft der Auengebiete begrenzt und durchkreuzt den bebauten Raum. Rund um die Forschungcluster schafft die urbane, gebaute und gerasterte Natur GrĂŒnrĂ€ume von kraftvoller Ausstrahlung und beeindruckender Dimension. Spannungsvolle Überschneidungszonen zwischen Ordnung und Wildwuchs entstehen an den ÜbergĂ€ngen zwischen dem urbanen Aussenraum und der Aue. Über des gesamte GelĂ€nde hinweg unterstĂŒtzen Alleen die Orientierung innerhalb des Campus und sorgen fĂŒr eine gute Anbindung an die Umgebung.

1. Preis (zu vieren)
Empfehlung zur Weiterbearbeitung (allein)

Beurteilung durch das Preisgericht

Das rĂ€umliche Konzept sieht zwei unterschiedliche Nord-SĂŒd Korridore vor: Der östliche nimmt die urbane Mitte auf, der westliche ist mit dem WiesĂ€ckerbach und seinem Naturraum landschaftlich belegt. Eine schwĂ€chere Ost-West ZĂ€sur im Norden komplettiert diese FreirĂ€ume zu einem Loop (als "Circle" bezeichnet).
Zudem gibt es 12 Cluster, die sich teilweise funktional ĂŒberlappen, aber auch rĂ€umlich eigenstĂ€ndig begrenzt sind. Think Tank, Mensa, Servicebereiche liegen in den Überlappungsbereichen, die diversen Forschungs- und TUM-Cluster sind deutlich eigenstĂ€ndig erkennbar und flexibel nach einem Regelwerk ĂŒberbaubar. Vernetzung und Überlappung wird mit der Metapher „Motherboard“ belegt, diese Metapher wird auch fĂŒr das Energiekonzept bemĂŒht, das tatsĂ€chlich vielversprechende AnsĂ€tze aufweist und unterschiedliche energetische Ebenen betrachtet.

Das Regelwerk zur Bebauung der einzelnen Baufelder wird in Piktogrammen gut erlÀutert: die Darstellung im Modell und Fokusplan ist nur als eine mögliche AusprÀgung zu verstehen (in diesem Entwurfsstand auch noch zu schematisch und kleinteilig).
Die FakultĂ€t Elektrotechnik ist in einem der westlichen Cluster gut lokalisiert. Das Baufeld sĂŒdlich der Ludwig-Prandtl-Str. widerspricht dem FNP der Kommune und wird von dieser nicht als attraktiv wahrgenommen, wĂŒrde aber die gewĂŒnschte Vernetzung stĂ€rken. Das Regelwerk verspricht neben FlexibilitĂ€t und Spielraum den Grundkanon eines homogenen Erscheinungsbildes und das nötige OrientierungsgerĂŒst.
Die fast wirre Vernetzung klĂ€rt sich auf den zweiten Blick wieder zu einem stĂ€dtischen klaren Wege- und Beziehungsnetz, aus dem sich im Kern des Campus der erwĂ€hnte „Circle“ herausschĂ€lt, an dem in einzelnen Abschnitten, unterschiedlich in ihrem Charakter, viele belebende Funktionen angelagert sind. Urbaner Mix wird entlang des „Circles“ möglich sein, wĂ€hrend die Cluster ihren funktionalen PrĂ€ferenzen nachkommen können. Insofern ist dies eine rĂ€umliche Struktur, die sowohl die erwĂŒnschte urbane Belebung erwarten lĂ€sst, als auch den spezifischen Bedingungen eines Forschungscampus nachkommt.

Das MobilitĂ€tskonzept setzt auf eine vielfĂ€ltige regionale und lokale Vernetzung, unterstreicht zugleich in seinen vielfĂ€ltigen Komponenten die feinrĂ€umige Vernetzung der Cluster auf dem Campus. Die ÖPNV-Erschließung beschrĂ€nkt sich zu sehr auf den inneren Ring. Das umfangreiche Stellplatzangebot in den dezentralen ParkhĂ€usern wird nicht zu einem autoarmen Campus beitragen, das Parken dezentral in ParkhĂ€usern in der „Zweiten Reihe“ vermeidet jedoch, dass PKWs weiterhin das Bild beherrschen. An das PrimĂ€rstraßennetz sind jeweils Loops angehĂ€ngt, so dass es ein dichtes Netz an Straßen und Wegen gibt, die auch fĂŒr den FußgĂ€nger angenehme StadtrĂ€ume erwarten lassen. Das Cluster der Frauenhofer Gesellschaft darf jedoch nicht durchschnitten werden. Der Campus wird zu einer kleinen Stadt. Das ist die Hoffnung, die mit diesem Entwurf verfolgt wird.

Die Isar bleibt hinter ihrem Auenwald versteckt, nur einzelne kleine Wege fĂŒhren an den Fluss, etwas mehr Inspiration hĂ€tte man sich von dieser besonderen Lagegunst gewĂŒnscht. Innerhalb des Campus gibt es jedoch ein dichtes Netz von Alleen, PlĂ€tzen und Parks, die je spezifische FreirĂ€ume fĂŒr unterschiedliche Nutzungen bereitstellen. Der Beitrag arbeitet die vorhandenen landschaftlichen QualitĂ€ten und Begabungen der BĂ€che und Isaraue heraus, vernetzt diese mit den SiedlungsrĂ€umen und entwickelt komplementĂ€r dazu die platzartige Mitte und angenehm baumĂŒberstandene StraßenrĂ€ume. Unter dem zunĂ€chst etwas schematisch anmutendem Baumrasters der Mitte können sich differenzierte FreirĂ€ume entwickeln. Wenig schlĂŒssig ist die im sĂŒdlichen Ost- West GrĂŒnzug dargestellte Abfolge von Platz-, Landschaftszone und baumĂŒberstandener Mittelzone.
Die vorgeschlagenen SondernutzungsgebĂ€ude greifen in den GrĂŒnbestand des WiesĂ€ckerbaches unzulĂ€ssig ein. Dicht und ohne vermittelnde Elemente rĂŒckt die Bebauung an die B11 heran.

Dieser Entwurf bietet ein Repertoire rĂ€umlicher Strukturen und Charakteristika, ein Regelwerk fĂŒr die Baufelder, ein dichtes feinmaschiges Netz öffentlicher RĂ€ume. Die dargestellten vier möglichen Phasen einer Entwicklung zeigen das große quantitative Potential. Die funktionalen Notwendigkeiten eines institutionsĂŒbergreifenden Wissenschaftsquartiers werden bedient, zugleich werden die StadtrĂ€ume mit urbanen QualitĂ€ten angereichert. Dieser nicht auf den ersten Blick eingĂ€ngige Entwurf entwickelt vielfĂ€ltige AnsĂ€tze in der nötigen KomplexitĂ€t, die die Auslobung von einem Masterplan fĂŒr eine Science City erwartete.