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Nichtoffener Wettbewerb | 08/2022

Siedlungsentwicklung Schönefeld-Nord

Lageplan

Lageplan

3. Preis

Preisgeld: 20.000 EUR

andreas schneider architekten

Stadtplanung / StÀdtebau

BĂŒro fĂŒr Architektur Stadt- und Freiraumplanung Lichtplanung Anke Deeken

Landschaftsarchitektur

M+O Masuch+Olbrisch Ingenieurgesellschaft mbH

Verkehrsplanung

ErlÀuterungstext

Schönefeld-Nord ist wegen seiner Lage zu Berlin Mitte, der NĂ€he zum neuen Hauptstadtflughafen sowie der vorgefundenen LandschaftsrĂ€ume, mit zum Teil historischer Bebauung, ein wichtiger Standort. Der neue Stadtteil Schönefeld ist geprĂ€gt durch GrĂŒn, Wiesen und WasserflĂ€chen. Wichtiges identitĂ€tsstiftendes Element ist die Kulturmeile, die die neue Mitte darstellt. Eine höhere Bebauung am Rand des Gebietes fasst das gesamte Gebiet ein und bietet den notwendigen Schallschutz.

Eine Abfolge von PlĂ€tzen vernetzt das gesamte Gebiet und versorgt jedes einzelne kleine Quartier mit öffentlichen RĂ€umen. Unser Entwurf fĂŒr das neue Quartier stellt eine VerknĂŒpfung zu allen angrenzenden bestehenden Quartieren auf der Bahn-Nordseite her und vernetzt mit einer attraktiven Verbindung zur SĂŒdseite den Stadtteil mit dem Flughafen und dem Bahnhof. Er integriert die besonderen Elemente des Standorts und zielt darauf ab, vielfĂ€ltige, gemischte und nachhaltige Nachbarschaften zu schaffen. Ein Angebot aus verschiedenen Wohnformen kann auf zukĂŒnftige Entwicklungen und BedĂŒrfnisse reagieren. Es entsteht ein Stadtteil mit einem Gleichgewicht zwischen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Natur.

GrĂŒne Stadt

Die grĂŒnen Achsen sind das RĂŒckgrat des neuen Viertels. Sie verbinden nicht nur die GrĂŒnflĂ€chen im SĂŒden Berlins und schĂŒtzen die vorhandenen Biotope, sondern erzeugen auch ein vielfĂ€ltiges Netz großrĂ€umiger Landschaften mit einem eigenen starken und kohĂ€renten ökologischen Korridorcharakter. Diese GrĂŒnflĂ€chen tragen zur Verbesserung der biologischen Vielfalt des Gebiets bei und bilden die Grundlage fĂŒr die Regenwassersammlung, die Pufferung und die Klimaanpassung sowie die Bereitstellung von Frischluft und KĂŒhlung in den heißen Sommermonaten.

Die GrĂŒnflĂ€chen sind unterschiedlich geprĂ€gt: vom begrĂŒnten Blockinnenhof mit Kinderspielplatz und Bewohnertreff, ĂŒber grĂŒne Achsen mit engmaschigen Wege- und Radwegeverbindungen, Sport- und SpielflĂ€chen, bis hin zu MietergĂ€rten zur Begegnung und Selbstversorgung, KleingĂ€rten, robusten Parks und Blumenwiesen, die sich in die Landschaft einfĂŒgen. GrĂŒnflĂ€chen geben den neuen Quartieren eine besondere Gestalt und LebensqualitĂ€t: Naherholung beginnt direkt vor der HaustĂŒr.

Entlang der Bahnlinie werden LaubbĂ€ume als LĂ€rmschutz eingesetzt – eine grĂŒne `StadtmauerÂŽ, die den bestehenden Schutz durch Neubauten und LĂ€rmschutzwĂ€nde ergĂ€nzt. BĂ€ume werden auch als Windschutz fĂŒr den stĂ€dtischen Raum benötigt. Auf diese Weise ist die Natur nicht nur die "schöne Kulisse" der Stadt, sondern kann auch funktional und produktiv sein, ohne ihre landschaftliche QualitĂ€t und Erholungsfunktion zu verlieren.

Struktur und UrbanitÀt

Das stĂ€dtebauliche Raster ergibt sich aus dem Kontext, verbindet sich an allen relevanten Punkten mit dem umgebenden Raster und passt sich der Topografie an. Es integriert sich in die Landschaft und lĂ€sst der Natur so viel Raum wie möglich. DarĂŒber hinaus setzt die neue Bebauung auf bekannte Typologien und verleiht dem Stadtteil IdentitĂ€t und Ordnung.

Nach dem Prinzip der "kompakten Stadt" hÀngt die Dichte des Quartiersnetzes von der Nutzung, der GebÀudetypologie und dem Schallschutz ab. Die Bereiche mit den höchsten Dichten und GebÀudehöhen befinden sich entlang der Bahngleise, der Waltersdorfer Chaussee und der neuen Kulturmeile.

Die Anzahl der Geschosse sorgt fĂŒr ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis zwischen den bestehenden GebĂ€uden und einer zeitgemĂ€ĂŸen Dichte. Die gewĂ€hlte Höhe fĂŒhrt zu einer hohen FlĂ€cheneffizienz. Im Kernbereich liegt diese bei vier bis fĂŒnf Geschossen. Diese können bei erhöhtem FlĂ€chenbedarf in der Zukunft auf sieben Geschosse aufgestockt werden. Die Struktur ließe es ebenfalls zu, in diesem Fall die Innenhöfe mit Kitas, Einzelhandel oder kleineren Wohnungsbauten zu verdichten.

An den Bahngleisen und der Waltersdorfer Chaussee dienen höhere GebĂ€ude als LĂ€rmschutz. Auf der vertikalen Achse hingegen soll ein dichtes und lebendiges Viertel entstehen. Im ĂŒbrigen Stadtgebiet nehmen die Höhen mit zunehmender AnnĂ€herung an die umgebenden FreiflĂ€chen ab. Auch an der Westseite wird die Höhe im Gegensatz zum restlichen Gebiet reduziert, damit die Bebauung mit den bestehenden GebĂ€uden im Kontext harmoniert.

Verkehr und MobilitÀt

Die Straßen sind in Hierarchien unterteilt. Die Hauptstraßen sollen alle Bereiche des Viertels miteinander verbinden. Dies sind die Planstraße E und die Hans-Grade-Allee in Ost-West-Richtung sowie Waltersdorfer Chaussee, Planstraße E2 und Rudower Chaussee in Nord-SĂŒd-Richtung. Zwischen diesen Hauptachsen liegen die Erschließungsstraßen der Quartiere. Schließlich gibt es zwischen den GebĂ€uden Wohnwege oder MischflĂ€chen, welche nur zum Be- und Entladen oder fĂŒr die Zufahrt von Rettungsfahrzeugen im Bedarfsfall genutzt werden sollen und sonst frei von motorisiertem Verkehr sind.

Die neue Stadtentwicklung ist auf eine MobilitĂ€t ausgerichtet, die attraktive Möglichkeiten fĂŒr zu Fuß gehende, Radfahrende und ein ausreichendes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln bietet. Die Gestaltung berĂŒcksichtigt die folgenden Prinzipien: Stadt der kurzen Wege, hohe QualitĂ€t des Netzes fĂŒr Fuß- und Radverkehr, rauch- und lĂ€rmfreie StĂ€dte, Straßengestaltung im Stil der Wohnstraße, Zentralisierung von ParkplĂ€tzen, BĂŒndelung von MobilitĂ€tsangeboten an Bahnhöfen und ein effizientes öffentliches Verkehrsnetz.

In der neuen Entwicklung ist das Fahrrad das attraktivste Verkehrsmittel. Abgesehen von den Hauptstraßen, die bereits eine vorgegebene Gestaltung haben, sind die anderen Straßen im Viertel als Einbahnstraßen fĂŒr Autos mit einer wĂŒnschenswerten Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern konzipiert und sollen verkehrsberuhigt gestaltet werden. Sie sind so angelegt, dass sie das Miteinander verschiedener Verkehrsarten betonen und sollen Raum fĂŒr den Aufenthalt und die Begegnung der Menschen in den Stadtteilen bieten.

Die Kulturachse, welche sich vom Bahnhof bis zur Planstraße E erstreckt, dient zum Flanieren und Verweilen durch verschiedene Treffpunkte und Kulturangebote. Sie ist als autofreie Straße geplant. Nur Anlieferungen dĂŒrfen hier von 6 bis 13 Uhr motorisiert stattfinden. Ziel ist es, kurze Fahrten mit dem Auto zu vermeiden und einen qualitativ hochwertigen stĂ€dtischen Raum zu schaffen, in dem sich die Menschen frei und autonom bewegen können, wĂ€hrend sie ungehindert Freizeit und Kultur genießen.

Da die Entwicklung der Autonutzung in der Zukunft ungewiss ist, werden die ParkplĂ€tze in MobilitĂ€tshĂ€usern zusammengefasst, welche sich gleichmĂ€ĂŸig in allen Kiezen verteilen. Diese Lösung bietet in Zukunft mehr FlexibilitĂ€t als Tiefgaragen. Falls die Autos zukĂŒnftig eine untergeordnete Rolle spielen, können die Quartiersgaragen rĂŒckgebaut oder umgenutzt werden. Auch das Angebot an KurzzeitparkplĂ€tzen fĂŒr Besuchende des Viertels auf der Straße ist ausreichend.

DarĂŒber hinaus erhĂ€lt der Stadtteil ein umfangreiches Angebot an klimafreundlicher und emissionsarmer MobilitĂ€t, bestehend aus Carsharing, FahrrĂ€dern und Cityrollern als E-Flotte, die an photovoltaikbetriebenen MobilitĂ€tspunkten in der NĂ€he zentraler Knotenpunkte wie Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen oder als Floating Fleet im Stadtraum allen Nutzenden zur VerfĂŒgung stehen und den motorisierten Individualverkehr minimieren.

Die StadtplÀtze
Bahnhofsplatz

Durch den neuen Entwurf fĂŒr den Bahnhof Schönefeld entsteht ein urbaner Platz, als Ausgangspunkt fĂŒr die Kulturmeile und als Drehscheibe fĂŒr öffentliche Verkehrsmittel. Restaurants und Hotels beleben den Ort – ĂŒber allem die Rooftop-Bar auf dem Rathaus als besonderer Treffpunkt mit Aussicht ĂŒber den Platz und den Stadtteil.

Ein großes flaches Becken mit NebeldĂŒsen und Schaumsprudlern bildet das Zentrum des Platzes. Die Choreografie des Wasserspiels folgt dem Rhythmus des stĂ€dtischen Lebens, tagsĂŒber mit viel Bewegung aus WasserfontĂ€nen, die zum Spielen einladen, spĂ€ter mit diffusen Nebeln, die – in warmweißes Licht getaucht – aus dem Boden aufsteigen und die ruhigere abendliche Stimmung des Platzes unterstreichen.

Ein markantes GebĂ€ude auf der SĂŒdseite bildet den rĂ€umlichen Abschluss der Kulturmeile und definiert den stĂ€dtischen Raum um den Bahnhof. Ausgehend von hier verbindet eine großzĂŒgige BrĂŒcke die beiden Bahnhofseiten fĂŒr den Fuß- und Radverkehr. Mit ihrer expressiven Formgebung markiert sie zeichenhaft den Übergang zu den Arealen sĂŒdlich der Bahn bis zum neuen Hauptstadtflughafen, neue ZugĂ€nge fĂŒhren von hier zu den Gleisen.

Platz in der Kulturmeile

Der zentrale Platz in der Kulturmeile ist geprĂ€gt durch seine symmetrische Anlage und die Kulturbauten an seinem Rand. Theater, Bibliothek, Kino und Volkshochschule sorgen fĂŒr lebendiges Stadtleben zu allen Tageszeiten, ideal erreichbar durch die hier befindliche U-Bahn-Station. Ein innerer Rahmen aus zierlichen Kolonnaden bietet SitzplĂ€tze vor den GebĂ€uden fĂŒr Aufenthalt und Gastronomie.

Nördliches Eingangstor an der Waltersdorfer Chaussee

Zur Waltersdorfer Chaussee öffnet sich der Stadtteil mit einer großzĂŒgigen Geste. Langgestreckte GebĂ€ude rahmen einen rechteckigen Platz, dessen Eckpunkte an der Waltersdorfer Chaussee mit zwei höheren TĂŒrmen besetzt sind und die Besuchenden des Stadtteils begrĂŒĂŸen. Der Platz ist mit hohen BĂ€umen in leicht tieferliegenden RasenflĂ€chen ĂŒberstellt, die Schatten spenden und den VerkehrslĂ€rm dĂ€mpfen. Zusammen mit den umlaufenden, segelĂŒberspannten Kolonnaden entlang der GebĂ€ude prĂ€gt das Baumdach die hohe Stadtbild- und AufenthaltsqualitĂ€t des Platzes.
Quartiere

Die Quartiere verfĂŒgen ĂŒber eine große Vielfalt an Möglichkeiten zum Wohnen und Arbeiten. Im neuen Stadtteil Schönefeld-Nord, in dem rund 10.000 Menschen leben werden, sind 4.300 Wohnungen geplant (2,32 P/ Wohnung, Wfl.: 42,9 mÂČ/P.). Innerhalb der robusten stĂ€dtischen Struktur wird eine Mischung von Wohntypologien angeboten. Neben dem klassischen Geschosswohnungsbau entstehen Co-Housing und Community-Building-Projekte, Mehrgenerationen- oder integrative Wohnprojekte. Der Anteil an sozial gefördertem Wohnraum soll 30 Prozent betragen. Es werden auch RĂ€ume geschaffen, die die Gemeinschaft fördern, wie GemeinschaftsrĂ€ume oder Repair-CafĂ©s.

Die offene Blockstruktur und die PlĂ€tze ermöglichen allen Wohnungen Ausblicke und Zugang zu GrĂŒnflĂ€chen. In Teilgebieten ist eine Innenblockverdichtung möglich, um die grĂ¶ĂŸeren Blöcke noch urbaner zu gestalten. Bei der Planung wurden die Kriterien der 15-Minuten-Stadt berĂŒcksichtigt, um eine hohe LebensqualitĂ€t fĂŒr die neuen Bewohnenden zu gewĂ€hrleisten. Grundschulen und KindergĂ€rten sowie Einrichtungen fĂŒr Ă€ltere Menschen sind in der NĂ€he von GrĂŒnzĂŒgen angesiedelt, um die Teilhabe am stĂ€dtischen Leben sowie die Integration durch sichere und barrierefreie Radwege und Fußwegen zu sichern.

Vom Bahnhof bis zum neuen Gymnasium entsteht eine neue zentrale Achse, entlang derer sich Kultureinrichtungen und öffentliche RĂ€ume in einem vielfĂ€ltigen, gemeinsam genutzten Raum aneinanderreihen. Dieser wird durch den durch ihn verlaufenden öffentlichen Verkehr optimal erschlossen und wirkt gleichzeitig ĂŒber den eigenen Stadtteil hinaus.
Die Erdgeschosse der neuen zentralen Achse sowie der Hans-Grade-Allee und der Waltersdorfer Chaussee bieten einen hohen Erlebniswert fĂŒr zu Fuß Gehende, beherbergen GeschĂ€fte, Freizeit und Gastronomie mit dem Ziel, eine lebendige Stadt zu schaffen. In den anderen Teilen des Viertels werden einige Erdgeschossbereiche fĂŒr kommunale Zwecke genutzt.

Der nördliche Streifen zwischen Planstraße E und Kolonnenweg ist durch öffentliche Nutzungen geprĂ€gt, deren großzĂŒgige FreiflĂ€chen einen fließenden Übergang zum GrĂŒngĂŒrtel entlang der ehemaligen Mauer schaffen.
Ein Netz von stĂ€dtischen PlĂ€tzen ergĂ€nzt das Angebot an Einrichtungen. Es bietet öffentliche FreirĂ€ume von unterschiedlicher QualitĂ€t und mit verschiedenen Angeboten fĂŒr alle Nutzergruppen sowie ausreichend Möglichkeiten fĂŒr Begegnung, Spiel und Sport. Dies schafft einen Raum fĂŒr gemeinsames Erleben und Gestalten und damit einen hohen Identifikationswert.

Nachhaltigkeit und Ökologie

Große, in die Bebauung integrierte GrĂŒnachsen tragen zur Verbesserung der LuftqualitĂ€t bei und fördern zusammen mit attraktiven Geh- und Radwegen die aktive MobilitĂ€t aller Menschen. DarĂŒber hinaus werden in die FreiflĂ€chen zahlreiche Angebote fĂŒr Sport und FreizeitaktivitĂ€ten integriert, die die Menschen dazu anregen, Zeit im Freien zu verbringen.
Die Verwendung natĂŒrlicher Baumaterialien und eine gute Belichtung und BelĂŒftung der GebĂ€ude tragen ebenfalls dazu bei, gesĂŒndere Wohnungen, BĂŒros, Einrichtungen und GeschĂ€fte fĂŒr die Menschen zu schaffen. BegrĂŒnte DĂ€cher und Fassaden ergĂ€nzen natĂŒrliche Nischen und tragen nicht nur zur biologischen Vielfalt, sondern auch zum Mikroklima bei. Die durch die GebĂ€ude versiegelte BodenflĂ€che wird in Form von GrĂŒndĂ€chern und begrĂŒnten Fassaden dem Naturraum zurĂŒckgegeben.

Die FernwĂ€rmeversorgung berĂŒcksichtigt den Ausbau der FernwĂ€rmeleitung entlang der Hans-Grade-Allee. DarĂŒber hinaus ermöglichen dezentrale gebĂ€udebezogene Komponenten wie Solarthermie und WĂ€rmepumpen die UnabhĂ€ngigkeit von zentralen Strukturen. ErgĂ€nzt wird die Energieversorgung durch Photovoltaikanlagen auf allen DĂ€chern.

GrĂŒn und Wasser

GrĂŒn und Wasser sind nicht nur die verbindenden Elemente zu den angrenzenden stĂ€dtischen Quartieren im SĂŒden Berlins und den vorhandenen LandschaftsrĂ€umen, sie sind das prĂ€gende Passepartout auch innerhalb des neuen Stadtteils. Die vorhandenen Biotope und GrĂŒnstrukturen werden eingebunden und sind der Ausgangspunkt fĂŒr das grĂŒne Netz im Siedlungszusammenhang.

Da eine herkömmliche Ableitung des OberflĂ€chenwassers ĂŒber ein großangelegtes Kanalsystem weder gewĂŒnscht noch möglich ist, wird der neue Stadtteil als Schwammstadt angelegt, in der das Regenwasser so lange wie möglich zurĂŒckgehalten und gespeichert wird, bis es in den naturnah angelegten RetentionsflĂ€chen verdunstet.
GrĂŒndĂ€cher, begrĂŒnte Fassaden, schattenspendende Baumalleen in den ĂŒbergeordneten StraßenrĂ€umen und ein grĂŒnes Muldensystem in den Straßen und Höfen drosseln den Abfluss des Niederschlags, fördern die VerdunstungskĂŒhlung und verhindern Hitzestaus in den steinernen StadtrĂ€umen. Trotz dichter Siedlungsstrukturen entstehen so wohnungsnahe FreirĂ€ume mit hoher AufenthaltsqualitĂ€t und ein angenehmes Kleinklima in den Quartieren.

In den engeren GrĂŒnflĂ€chen und Straßen wird das OberflĂ€chenwasser ĂŒber offene Rinnen und GrĂ€ben in unterirdische RĂŒckstaukanĂ€le oder Retentionsmulden geleitet, wo es zwischengespeichert wird, bevor es in die naturnahen RĂŒckhalteflĂ€chen im Bereich des Kolonnenwegs fließt. Baumrigolen in den StraßenrĂ€umen sorgen fĂŒr eine gleichmĂ€ĂŸige und ausreichende Wasserversorgung der StadtbĂ€ume. In den RetentionsrĂ€umen stauen sich zeitweise kleine GewĂ€sser, die LebensrĂ€ume fĂŒr Kleintiere schaffen und einen hohen Erlebniswert fĂŒr die Bewohnenden – insbesondere fĂŒr die Kinder - des Stadtteils bieten.

Die breite NordsĂŒd-GrĂŒnachse verbindet den alten Dorfkern mit dem GrĂŒnstreifen entlang des ehemaligen Mauerverlaufs. Die vorhandenen Biotope werden eingebunden – es entsteht ein extensiver, naturnaher Park mit einer großen Streuobstwiese am sĂŒdlichen Ende, als identitĂ€tsprĂ€gende Allmende in Verbindung mit den kleinteiligen Strukturen des alten Dorfes. Ausgehend von der Obstwiese schafft eine weitere, stĂ€dtische GrĂŒnachse die Verbindung zum Rathausquartier und zur Kulturmeile.

Im Westen umrahmen der Friedhof, SchrebergĂ€rten und Obstwiesen den Siedlungsrand. Das Wegenetz des Friedhofes verknĂŒpft die vorhandenen Wohnquartiere im Osten mit den KleingĂ€rten und darĂŒber hinaus mit der angrenzenden Landschaft, angebunden an das interne Wegesystem des neuen Stadtteils. Im Norden verbleibt ein offener GrĂŒnstreifen entlang der ehemaligen Mauer. Dieser wird so einerseits in die Siedlungskonzeption integriert und bleibt andererseits als Reminiszenz an die Geschichte des Ortes erhalten.

Die GrĂŒnrĂ€ume sind vielfĂ€ltig und abwechslungsreich, die ĂŒbergeordneten GrĂŒnstrukturen verknĂŒpfen den neuen Stadtteil mit der Umgebung, sorgen fĂŒr ein gesundes Stadtklima und fördern einen nachhaltigen Biotopverbund. Naherholung und das Leben mit der und in der Natur prĂ€gen diese RĂ€ume.

Innerhalb der Quartiere bieten die Höfe und kleinen QuartiersplÀtze den Bewohnenden Gelegenheit, sich zu treffen und auszutauschen, gemeinsam zu gÀrtnern oder kleine FlohmÀrkte und Nachbarschaftsfeste abzuhalten. Wohnungsnahe KleinkinderspielplÀtze fördern die Begegnung und das soziale Miteinander aller Altersgruppen.

Phasierung

Unsere Planung sieht eine Unterteilung in sieben Bauphasen vor. Die erste Phase umfasst, wie in der Auslobung beschrieben, den Bau des Instituts und der Planstraße E2. Im zweiten Schritt wird dem Bau der grĂŒnen Infrastruktur und der WasserrĂŒckhalteflĂ€chen Vorrang eingerĂ€umt. Im dritten Bauabschnitt erfolgen der Bau des neuen Zentrums mit dem Rathaus, der Kulturmeile und der Anbindung an den Bahnhof. DarĂŒber hinaus sind ein Kindergarten und eine Grundschule vorgesehen, so dass das Gebiet ĂŒber alles verfĂŒgt, was es braucht, um als echte Stadt zu funktionieren – unabhĂ€ngig von den anderen Entwicklungsphasen, mit ihren GeschĂ€ften, Verkehrsmitteln und weiteren Einrichtungen.

Der vierte Bauabschnitt befindet sich in der NĂ€he der Bahngleise und wird vorrangig gebaut, da die GebĂ€ude in diesem Abschnitt am höchsten sind, um das ĂŒbrige Gebiet vor LĂ€rm zu schĂŒtzen. DarĂŒber hinaus ist der Bau der großen Einrichtungen wie des Friedhofs, des Sportzentrums und des neuen Schwimmbads sowie der Bau des E-Straßenplans geplant. Die fĂŒnfte Phase beinhaltet die Entwicklung der StadteingĂ€nge ĂŒber die Waltersdorfer Chaussee. Die ĂŒbrigen Phasen werden je nach Bedarf in der vorgeschlagenen Reihenfolge entwickelt. Phase sechs dient als Bindeglied zwischen den beiden Zentren und der letzte Schritt vervollstĂ€ndigt das notwendige Wohnungsangebot und bietet die Möglichkeit, in dem Gebiet KleingĂ€rten anzulegen.

Fazit

Die Kleinteiligkeit des neuen Stadtteils und die Mischung unterschiedlicher GebĂ€udetypologien und -nutzungen, eingebettet in ein grĂŒnes Netz mit kurzen Wegen und kleinen PlĂ€tzen, sorgt fĂŒr eine große Vielfalt des Stadtbildes und bildet Orte mit hohem Wiedererkennungswert aus, die die Identifikation der neuen Bewohnenden mit ihrem Stadtteil von Anfang an fördern.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die stĂ€dtebauliche Struktur des Wettbewerbsbeitrages 2006 nimmt Bezug auf die nordwestlich des Wettbewerbsgebietes vorhandene Siedlungsentwicklung. Sie nimmt deren GebĂ€udeanordnungen auf. Dies bewirkt keinen Bruch, sondern die FortfĂŒhrung begonnener Entwicklungen bis an die Waltersdorfer Chaussee heran.

Diese Siedlungsentwicklung erfĂ€hrt drei unterschiedlich ausgebildete, nordsĂŒdlich orientierte ZĂ€suren. Das sind der parkartig gestaltete grĂ¶ĂŸere Freiraum, die vom S- und Regionalbahnhof Bahnhof Schönfeld ausgehende "Kulturmeile" sowie die durchgrĂŒnte Verbindungsstraße E2. Diese drei Freiraum- und Erschließungsachsen werden von einer ostwestlich ausgerichteten VerlĂ€ngerung des Bayangol-Parks unterbrochen und somit vernetzt. ZusĂ€tzlich dienen der Vernetzung die Hans-Grade Allee sowie deren neu konzipierte, ebenfalls parkartig ausgebildete VerlĂ€ngerung ab dem Bahnhofsvorplatz zur neu, westlich anzulegenden Parkanlage.
All diese verschieden ausgebildeten und ausgerichteten FreirĂ€ume und Erschließungsachsen lassen eine Vernetzung mit dem nördlich des zu entwickelnden Siedlungsgebiets verlaufenden Mauerpark als eine landschaftsrĂ€umliche Abgrenzung zur Siedlungskante Berlins zu. Diese konzeptionelle Idee ist ĂŒberzeugend. Sie begrĂŒndet die ĂŒberzeugende stĂ€dtebauliche Struktur der einzelnen daran anbindenden blockartig ausgeprĂ€gten Wohn- und Gewerbequartiere.

Der Bahnhofsvorplatz wird in seinem Übergangsbereich zur Hans-Grade-Allee durch das neu zu errichtende Rathaus rĂ€umlich allseitig gefasst. Ein Zerfließen dieses durch Hochbauten begleiteten Stadtraums wird damit vermieden. In paralleler FĂŒhrung zur Hans-Grade- Alle als auch zu den Anlagen des Bahnhofs Schönefeld durchlĂ€uft diesen Raum die Pestalozzistraße. Damit erfolgt eine klare Zonierung dieses Stadtraums in einen ruhigen, vorrangig dem FußgĂ€nger vorbehaltenen Bereich und ein MobilitĂ€tshub fĂŒr Bus und Bahn.
Die durchdachte nutzergerechte Organisation der Umsteigebeziehungen am S- und Regionalbahnhof Schönefeld ist beispielgebend gelöst. Allerdings sind die FĂŒhrungen der Rampen zur S- und zukĂŒnftigen U-Bahn sowie zur PersonenĂŒberfĂŒhrung funktionell und gestalterisch noch nicht schlĂŒssig konzipiert.

Im Ausgangsbereich zur Hans-Grade-Allee erfolgt eine lineare FortfĂŒhrung dieser als parkĂ€hnlich gestalteter Freiraum. Der durch die bestehende abgewinkelte FĂŒhrung der Hans-Grade-Allee sich ausbildende dreieckige Freiraum wird durch seine baulichen Kanten gefasst, seine Zweckbestimmung ist jedoch nicht klar definiert.

An dem an der Hans-Grade-Allee gelegenen Ausgangspunkt des Bahnhofsvorplatzes schließt sich eine bis an nördliche Erschließungsstraße E heranreichende, sogenannte "Kulturmeile" mit einem mittig angelegten Marktplatz an. Dieser autofreie Erschließungsraum nimmt verschiedenste Nutzungen der Versorgung und der kulturellen und sozialen Infrastruktur auf. Mit der in den Obergeschossen konzipierten Wohnnutzung werden gemischte Strukturen sichergestellt, die eine Belebung der Kulturmeile ermöglicht, einer Verödung stĂ€dtebaulicher RĂ€ume kann damit entgegengetreten werden. Das stĂ€dtebauliche Konzept folgt konsequent dem Erfordernis einer ausreichenden Nutzungsdichte und eines ausreichenden Nutzerpotenzials fĂŒr an den beiden Bahn-AusgĂ€ngen.

Die gesamte Erschließungsstruktur einschließlich der Querschnittsgestaltungen der Straßen und FreirĂ€ume ĂŒberzeugt. Sie ist umsetzbar.

Der Wettbewerbsentwurf konzentriert die Nutzungen des Gemeinbedarfs, der Versorgung, der Dienstleistungen und des Gewerbes auf den zusammenhĂ€ngenden ĂŒberschaubaren Bereich Bahnhofsvorplatz und Kulturmeile. Die Bildungseinrichtungen wie Gymnasium und Grundschulen sind an den Freiraum des Mauerparks angegliedert. Mit ihren funktionsbedingten Freianlagen erweitern sie die landschaftsrĂ€umliche Wirkung des Mauerparks.

Die dargestellten WasserflĂ€chen werden aus verschiedenen und vor allem auch aus klimatischen GrĂŒnden voraussichtlich so nicht entstehen. Ihre Verteilung im Wettbewerbsgebiet ermöglicht jedoch eine Ausweisung zahlreicher RetentionsflĂ€chen. Deren Lage in und an den verschieden strukturierten Quartieren können die vorgesehenen parkĂ€hnlichen FreirĂ€ume ergĂ€nzen. Diese ist ein wesentlicher Vorteil des Wettbewerbsbeitrages. Insgesamt wird allerdings die quantitative AusprĂ€gung der GrĂŒnzĂŒge, insbesondere auch des sehr breiten Nord-SĂŒdgrĂŒnzuges, kritisch gesehen insbesondere, da die WasserflĂ€chen unrealistisch sind. Auch die Nutzbarkeit des nördlichen West-Ost-GrĂŒnzuges wirkt nicht ĂŒberzeugend.
Die Bindungen der Wettbewerbsauslobung werden eigehalten.

Der Wettbewerbsbeitrag ist in seiner stĂ€dtebaulichen, landschaftsrĂ€umlichen und verkehrsplanerischen GĂ€nze ĂŒberzeugend. Sich herausgestellte rĂ€umliche Konflikte können gelöst werden, ohne dass das Gesamtkonzept in Frage gestellt werden muss.
FußgĂ€ngerperspektive: Eingang in das neue Stadtquartier

FußgĂ€ngerperspektive: Eingang in das neue Stadtquartier

FußgĂ€ngerperspektive: Autofreie Wohnabschnitte und GrĂŒnflĂ€chen

FußgĂ€ngerperspektive: Autofreie Wohnabschnitte und GrĂŒnflĂ€chen

Lageplan Teilbereich Bahnhof

Lageplan Teilbereich Bahnhof

Leitidee

Leitidee

Konzeptskizze Funktion und Nutzung

Konzeptskizze Funktion und Nutzung

Konzeptskizze GrĂŒnflĂ€chen und PlĂ€tze

Konzeptskizze GrĂŒnflĂ€chen und PlĂ€tze