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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2015

Siemens Campus

2. Preis

Preisgeld: 50.000 EUR

Ferdinand Heide Architekt

Architektur

AO Landschaftsarchitekten Stadtplaner + Ingenieure Mainz GmbH

Landschaftsarchitektur

VSU GmbH

Verkehrsplanung

SCALE Architekturmodelle

Modellbau

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit der Schaffung eines zentralen Parkbands und urbaner StadtrĂ€ume bewegt sich die Arbeit in der DualitĂ€t von offenem GrĂŒn und stĂ€dtischem Quartier: Ohne zu versuchen, diese Themen gleichzeitig und ĂŒberlagert zur Deckung zu bringen, werden die tragenden Entwurfselemente zu einem schlĂŒssigen Gesamtkonzept verbunden. Das Parkband durchzieht den Campus von der Brucker Lache bis zum neuen S-Bahn-Haltepunkt. Trapezförmige Aufweitungen des Parkraumes akzentuieren die EingĂ€nge in das Quartier.

Wie selbstverstĂ€ndlich werden die Wege des Naturraums in den Park fortgefĂŒhrt und verzahnen den natĂŒrlichen Landschaftsraum des Waldes mit der kĂŒnstlichen Gartenlandschaft. Dieser weite GrĂŒnraum stellt ein hervorragendes Angebot sowohl fĂŒr die Siemens-Mitarbeiter als auch fĂŒr die Bevölkerung der angrenzenden Stadtteile dar. Jedoch entfaltet der Park seine volle Wirkung auch erst nach Abschluss der Gesamtentwicklung und wirkt selbst nach Realisierung der Module 1 und 2 immer noch unvollstĂ€ndig.

Der Park wird durch drei GebĂ€ude besetzt und akzentuiert: Zwei 14-geschossige Hochpunkte bestimmen als stĂ€dtebauliche Landmarken die EingĂ€nge zum Campus. Der Verfasser verwendet hier das Bild eines elektrischen Lichtbogens. Zentral gelegen schiebt sich das Plasma-PhysikgebĂ€ude des Maurer-Denkmals in den GrĂŒnzug.

Sensibel werden die öffentlichen Wege an der Nordseite des Parks mit grĂŒnen Vorzonen zu den Bauwerken und ihren EingĂ€ngen gefĂŒhrt. Auf der SĂŒdseite verzichten die Verfasser auf diese Distanz und lagern die Wege unmittelbar an die Bauten an. Jedes Entwicklungsmodul funktioniert rĂ€umlich weitgehend selbststĂ€ndig, jedoch gewinnt das Gesamtbild mit jeder HinzufĂŒgung eines weiteren Moduls an PrĂ€gnanz. Dies gilt insbesondere fĂŒr das wichtige Campus-Forum im SĂŒden des Areals, das erst nach Abschluss des Moduls 4 seine Gestalt und Wirkung erhĂ€lt.

Der Erhalt wesentlicher GrĂŒnstrukturen ist ein positiver “Nebeneffekt” dieses Konzeptes.

SĂŒdlich im urbanen Teil des Campus durchziehen in Ost-West-Richtung verlaufende begrĂŒnte Boulevards das Quartier, der Charakter ist jedoch “stĂ€dtisch” und steinern: hier formuliert die leicht verschobene Setzung der Blöcke urbane RĂ€ume. Die unterlegte Grundstruktur verspricht innerhalb der Baufelder eine hohe FlexibilitĂ€t fĂŒr die Entwicklung der Module 3 bis 5.

Das dort angeordnete Campus-Forum versteht sich als offener „Showroom“ des Siemens-Konzerns.

Innerhalb der unterschiedlichen Module und Baufelder gelingt die Adressbildung der einzelnen HĂ€user sehr gut. Die erforderlichen ParkhĂ€user integrieren sich unauffĂ€llig in die Gesamtstruktur. Mit situationsbezogenen Kunstgriffen wie z.B. als Kantine genutzten Erdgeschoßzonen werden die Parkpaletten an empfindlichen öffentlichen Bereichen kaschiert.

Die GebĂ€udeentwĂŒrfe weisen SchwĂ€chen auf: So könnte ohne weiteres auf ĂŒberflĂŒssige Vertikalerschließungen verzichtet werden. Die Innenhöfe erscheinen bei einigen Baukörpern sehr eng. Hier wirkt der Beitrag weniger durchgearbeitet als auf der stĂ€dtebaulichen Ebene. Auch die Gestaltung der Fassaden mit horizontalen und vertikalen Lamellenstrukturen, die bei Besonnung mit aktivierten Sonnenschutzlamellen die komplette Ansicht ĂŒberziehen, erzielt zwar die von den Verfassern gewĂŒnschte monolithische Erscheinung, widerspricht aber der Siemens-CI. Warum dieses Gestaltungsmittel angewandt wurde, erschließt sich nicht.

Trotz einiger MĂ€ngel ĂŒberzeugt der Beitrag durch ein klares und eindeutiges stĂ€dtebauliches Konzept das in seinen individuellen Teilbereichen und Modulen ein hohes Maß an IdentitĂ€t und atmosphĂ€rischer QualitĂ€t birgt.